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Pro & Contra: Muss es in der Schule Noten geben?

Noten gehören zur Schule wie der Tüv-Bericht zum Auto - muss das so sein? Ja, meint Josef Kraus, Präsident des Lehrerverbandes:*Ohne Noten sei Leistung nicht messbar.*Nein, meint Lehrerin und Buchautorin Sabine Czerny: Noten machten blind gegenüber den individuellen Fähigkeiten der Schüler.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...734275,00.html
  1. #140

    Noten

    Zitat von kamii Beitrag anzeigen
    Das Problem ist, dass die Noten zu sehr in den Köpfen der Menschen kleben, als dass man ernsthaft über Alternativen diskutieren könnte. Denn das Problem ist die Schnittstelle Schule<->Beruf; wie sollen die Arbeitgeber noch ernsthaft urteilen können? ......
    Die Schule soll auf das Leben vorbereiten, aber es kann nicht Aufgabe der Schule sein den Job der Personaler zu übernehmen.
    Wenn diese die 'besten' wollen, müssen sie sich ein Verfahren überlegen die 'besten' zu bekommen, zum Beispiel mit Tests. Sich auf Noten zu verlassen dürfte etwas fahrlässig sein.
    Das heißt nicht, daß auf Objektivität und Transparenz in der Notengebung verzichtet werden sollte, ganz im Gegenteil. Aber der Grund ist ein anderer.
  2. #141

    Verlagerung der Verantwortung

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Die Schule soll auf das Leben vorbereiten, aber es kann nicht Aufgabe der Schule sein den Job der Personaler zu übernehmen.
    Wenn diese die 'besten' wollen, müssen sie sich ein Verfahren überlegen die 'besten' zu bekommen, zum Beispiel mit Tests...
    Damit wird das Problem aber nur verlagert. Dann lassen die Schulen nicht mehr (standardisierte) Tests durchführen, die benotet werden, sondern Unternehmen führen diese (individuellen) Tests durch, um eine Auswahl zu treffen. Und dreimal dürfen Sie raten: Intern wird das Unternehmen auch so etwas wie Punkte oder Noten dafür verwenden.
    Die Schwierigkeit der Schulen wird dann darin bestehen, die Schüler auf die Vielzahl der möglichen Tests vorzubereiten, die die Unternehmen aufsetzen lassen können.
    Anbieter von Spitzenjobs setzen Assessment-Center ein, klar. Die haben auch die entsprechenden Mittel dazu. Das sind aber vielleicht 0,01% oder weniger der vorhanden Stellen. Was ist mit dem Rest? Sollen die mittelständischen Unternehmen alle selbst solche Tests aufsetzen oder sich einfach mal per Zufallsgenerator 10 Bewerber schnappen und die probearbeiten lassen?
    Ihr Ansatz ist vielleicht nicht schlecht, aber es ist für mich schwer, ihn zuende zu denken. Sollte es vielleicht mehrere Assessment-Center auf dem Markt geben, damit sich mehrere Unternehmen das auch leisten können? Sollten diese den "Richterspruch" erlassen, ob jemand für gut befunden wird und dem Bewerber dies mit einem Zertifikat oder ähnlichem bestätigen? Ich habe das Gefühl, wir drehen uns im Kreis.
  3. #142

    Lernbereitschaft für Basiswissen

    Wenn die Schule auf die Notenvergabe verzichten würde und die Schüler so gut wie möglich auf die Einstellungstests der Firmen vorbereiten würde, käme dann nicht das zu vermittelnde Basiswissen zu kurz?
    Würde sich ein Schüler nicht fragen, warum er im im Biologie-, Geschichts-, Religions- und Physikunterricht aufpassen sollte, wenn das die Unternehmen sowieso nicht interessiert?
    Für die berufliche Zukunft sind diese Bereiche bei den meisten uninteressant. Da geht es nur um die Fähigkeit, Probleme lösen zu können, Organisieren zu können, sich ausdrücken zu können, geschickt zu sein, usw.

    Noten spiegeln unter anderem auch wider, wie breit das Interessensspektrum eines Schülers ist. Schüler werden dazu ermuntert, auch eher "unwichtiges" Basiswissen zu erlernen. Es werden keien Fachidioten gezüchtet.
    Um nicht falsch verstanden zu werden: Bio, Physik, Kunst, usw. würde es natürlich weiterhin geben, nur hätten viele Schüler keinen ansporn mehr dafür, etwas dafür zu tun.
  4. #143

    ....

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Wer hat ihnen den den Bären aufgebunden?
    Bzw. in welchem Bundesland gilt den sowas?
    Gilt in Sachsen, vermutlich gilt es auch überall wo eine normale Note keinen Verwaltungsakt darstellt und so viel ich weiß ist es überall so.
  5. #144

    Typen von Schülern

    Man kann Schüler in drei Kategorien aufteilen:
    1. Gewollt-Aber-Nicht-Gekonnt-Typ: Jemand gibt sein bestes, versagt aber immer und immer wieder
    2. Nicht-Gewollt-Nicht-Gekonnt-Typ: Jemand gibt sich keine Mühe und leistet deshalb auch nichts Großes
    3. Gekonnt-Typ: Jemand erreicht das Lernziel (egal ob gewollt oder nicht)

    Wen würde man mit der Abschaffung der Noten entgegenkommen?
    - Typ 1 und Typ 2
    - Typ 3 würde sich ärgern, weil seine Leistungen nicht mehr so stark im Vordergrund stehen.
    Will man Typ 2 wirklich zuspielen? Typ 1 gönne ich es.

    Wenn wir verhältnismäßig viele Gewollt-Aber-Nicht-Gekonnt-Schüler hätten, wäre ich auch für die Abschaffung der Noten.
    Ist dem so? Ich weiß es ehrlich nicht.
  6. #145

    alter Hut

    Diese Debatte ist doch ein alter Hut. Auf mehreren Hundert deutschen Waldorfschulen bekommen die Schüler seit Jahrzehnten keine Notenzeugnisse sondern für jedes Fach eine ausführliche Leistungsbeurteilung, die den Eltern sowie dem Rest der Lehrer einer Klasse sehr viel mehr sagt als eine schlichte numerische Note.
    Auch im Berufsleben später gibt's ja keine Noten sondern ebenfalls eine Leistungsbeurteilung in Textform. Ob's auch daran liegt, daß so viele mittelständische Unternehmer und Freiberufler ihre Kinder auf eine Waldorfschule geben?

    Notenzeugnisse sind eigentlich ein Anachronismus enstanden aus dem blinden Glauben an die schlichte Meß- und Vergleichbarkeit von Kindern. Klar, Punkte werden in Tests sowie für Hausarbeiten vergeben, das ist ja selbstverständlich, ebenso die Notenvergabe für den Abschluß nach staatlicher Prüfung. Ob aber Fritzchen sich seine "befriedigende Leistung" hart erarbeitet hat oder schlicht ein fauler aber begabter Strick ist, sollte Lehrer und Eltern schon interessieren. Eine schlichte "3" sagt darüber nichts aus, die schriftliche LB aber schon.
  7. #146

    Noten unterstützen Arbeitgeberfaulheit ;-)

    Noten dienen zu unterschiedlichen Zwecken meine ich. Erstmal helfen sie Eltern zu einer Einschätzung zu kommen wo die Kinder stehen. Die Klebesterne in der Grundschule sind für Kids echte Motivation sich Mühe zu geben und zu verstehen dass man für echte Leistung belohnt werden kann.
    Den Arbeitgeber wiederum helfen Noten in einer Vereinfachung seines Weltbildes und unterstützen seine "Faulheit". Es geht das Gerücht, dass in einem großen Automobilkonzern die Auswahl aus den Tausenden von Bewerbungen die da täglich eingehen nach der Farbe der Mappen geschieht. Montag gelb, Dienstags rot....
    Wenn ich neben meinem Hauptjob noch 100 Bewerbungsmappen durchgucken muss (Personalrätin), dann muss ich auch vereinfachen. Die Selektion haben dann schon Schule oder Uni vorgenommen. Da gibt es dann ein klares Ranking an dem ich mich orientieren kann. Wobei zu gut oft auch rausfällt. Einserstudenten sind schneller wieder weg als man Tach sagen kann. Was ich aber genau wiss, ist, dass bei denen, die im Ranking weiter hinten stehen viele für den zu vergebenden Job bestimmt besser geeignet sind aber man kann einfach nicht 100 Vorstellungsgespräche á 1 Stunde oder gar Assesments führen. Also bleiben nur diese nicht aussagekräftigen Noten zur Selektion. Ganz selten schafft es ein schlechter benoteter doch zum Gespräch - dann wenn er z.B. ehrenamtlich engagiert trotz Studium etwas für andere gemacht hat.
  8. #147

    .

    Zitat von HansGusto Beitrag anzeigen
    Ich glaube auch, dass die Privatschulen im Moment den besseren Unterricht machen. Aber was ist wenn es nicht (mehr) so ist? Glauben Sie der Direktor sagt: "Die stattlichen Schulen sind so gut, da braucht es uns nicht mehr"? Wohl kaum. Stattdessen wird ein bisschen an den Noten gefeilscht.
    Was genau meinen sie mit "besserer Unterricht".
    Die Lehrer, das Unterrichten oder die Schüler die dort hin gehen.
    Man darf dabei eines nicht vergessen Privatschulen haben meistens eine andere Schülerzusammensetzung als Staatliche Schulen.
  9. #148

    .

    Zitat von Suboptimierer Beitrag anzeigen
    Wen würde man mit der Abschaffung der Noten entgegenkommen?
    - Typ 1 und Typ 2
    Da bin ich mir nicht mal sicher ob man den Schülern damit tatsächlich entgegen kommt.
    Kinder wollen wissen ob die Arbeit die sie geleistet haben „toll“ ist. Wollen sie den Schülern dann keinerlei Bewertung mehr geben.
    Oder pauschal jeden Schüler gleich loben, einfach nur weil er etwas gemacht hat / bzw. weil er anwesend ist?

    Wie soll sich ein Schüler verbessern wenn man ihm seine Fehler nicht mehr zeigt?
    Oder bekommen Schüler -korrekturen nur noch in verschlossenen Umschlägen die nur daheim geöffnet werden dürfen zurück?
    Kinder sind nicht völlig verblödet.
  10. #149

    Nun ja

    Leidiges Thema.

    Irgendwann kommt ja immer der Punkt, an dem ein Abschluß, eine vergleichbare Anerkennung oder Nichtanerkennung notwendig ist.

    Mittlere Reife erfordert ein bestimmtes Leistungsniveau anhand bestimmter Kriterien. Ob diese sich ich Noten bemessen oder anders, ist doch garnicht der Punkt. Kriterien sind ja trotzdem notwendig.

    Wer die bisherigen Noten durch etwas anderes ersetzt, betreibt ja letztlich nur Kosmetik.

    Noten mögen schwierig sein, aber der Ärger rund um Noten begründet sich nicht auf dem technsichen Regelwerk der Notengebung, sondern auf dem Umstand, daß es schwierig ist, Schüler gerecht und vergleichbar zu bewerten.

    Wenn er Notendruck wegfällt, gibt es einen anderen Druck. wenn es keinen Druck gibt, dann werden diejenigen Schüler, die einen gewissen Druck brauchen, um Faulheit zu überwinden, weniger fleißig sein und in Orchideenwelten abtauchen.

    Irgendwann kommt eben der Punkt an dem sich die Frage stellt, ob man nun imstande ist, einen lateinischen Text übersetzen oder nicht, ob man nun eine statistische Aufgabenstellung bearbeiten kann oder nicht...








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