Frauen- UND Männerquoten sowie Quoten für Ausländer gibt es doch schon längst in der Wissenschaft bzw. dem Hochschulbetrieb. Viele Stipendiengeber z.b. brüsten sich mit solchen Zahlen.
Und auch in institutseigenen Fachgruppen heißt es doch oft schon halb scherzhaft "Der neue Master-Anwärter muss unbedingt ein Mann sein, der Chef fühlt sich schon einsam unter all den Frauen" (oder auch umgekehrt, je nachdem bei welchem Geschlecht der Studiengang beliebter ist) Sicherlich wird so etwas dann auch tatsächlich, auch in der freien Wirtschaft, praktiziert, ohne dass eine "explizite Quotenregelung" nötig wäre.
Aber leider endet Chancengleichheit viel zu oft genau dort, wo Geld im Spiel ist. Welcher Chef einmal erlebt hat, dass eine wichtige Mitarbeiterin 3 Jahre zwecks Mutterschaft ausfällt, und wieviel Zeit und Geld ihn dies kostet, wird schnell seine Meinung ändern - zumindest solange es ums eigene Geld und Karriere geht. Man stelle sich nur mal einen Selbständigen vor, dessen Betrieb und eigenes Wohlergehen absolut von der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter/innen abhängt - selbst wenn der Mensch grundsätzlich feministischen Ideen nicht abgeneigt oder gar selbst eine Frau ist, siegt oft die Gier bzw. Sorge um das eigene finanzielle Wohl.
Die Höhe: eine Juniorprofessorin, die selbst Kinder hat (!), hat einmal angedeutet, sie würde keine Studentin (mehr) einstellen, die offen über ihren Kinderwunsch spricht. (Anmerkung: da Juniorprofessoren nur eine befristete Stelle haben, hängt ihr Fortkommen noch sehr stark von der Leistungsbereitschaft ihrer Mitarbeiter ab)
Bei vielen anderen Arbeitgebern reicht es vermutlich schon, dass die Bewerberin eine Frau im gebärfähigen Alter ist (womöglich gar mit Ehering am Finger...), auch ohne offen geäußerten Kinderwunsch.
Solange allein die Tatsache, Kinder bekommen zu können, ein beruflicher Nachteil ist, brauchen wir leider eine Frauenquote. Allerdings ist es hirnrissig, diese auf 50:50 festzusetzen. Vielmehr sollte sie im Bereich des Prozentwerts liegen, den die Frauen an der Gesamtanzahl der für diese Tätigkeit qualifizierten aufweisen; also z.b. angenommen es gibt 20% weibliche Ingenieure, dann sollte die Quote für diesen Beruf auch irgendwo im Bereich 15-20% einzustellender Frauen liegen. Man kann ja Männer oder Frauen nicht dafür "bestrafen", dass gewisse Berufe/Studiengänge nun mal bevorzugt vom einen oder anderen Geschlecht gewählt werden.
Eine ähnlich geartete "Männerquote" wäre überlegenswert für Berufe, für die Männer aufgrund von Vorurteilen weniger gern eingestellt werden als Frauen (mir fällt jetzt allerdings kein Beispiel ein, wo dies tatsächlich so ist - von Au-Pair oder Babysitter mal abgesehen, aber das sind ja keine ernstzunehmenden Berufe).
Antworten / Zitieren


