Irgendwie geht die Diskussion in beiden Beiträgen an der (aktuellen) Realität vorbei. Die Contra-Argumentation geht von einer gesetzlichen Verpflichtung aus, die gemäß der Pro-Argumentation ausdrücklich (noch?) nicht geplant ist. Allerdings hat die Vergangenheit gezeigt, dass häufig, wenn zunächst von freiwilligen Selbstverpflichtungen die Rede ist und diese nicht in gewünschtem Maße umgesetzt werden, dann doch schnell auch über gesetzliche Verpflichtungen nachgedacht wird. Von daher kann man jetzt nur spekulieren, ob die Contra-Argumentation auf einem falschen oder nur einem vorweggenommenen zukünftigen Sachverhalt basiert.
Aber auch die Pro-Argumentation, die auf der Trennung von qualifikationsbezogenen und persönlichen Daten beruht, ist irreal, weil es schwer möglich ist, die Qualifikation zu beurteilen, ohne persönliche Daten dabei mit einzusehen. Auf Zeugnissen etc. steht schließlich auch der Name und das Ausstellungsdatum (worüber man auf das Geburtsdatum schließen kann - z.B. jemand, der 1985 Abitur gemacht hat, wird heute wohl kaum unter 30 Jahren alt sein). Selbst wenn man alle persönlichen Daten auf den Zeugnissen schwärzen würde, gäbe es immer noch das Problem, dass die bisherige Arbeit auch ein Teil der Qualifikation ist. Und allein eine Liste der bisherigen Arbeitgeber, ohne Informationen darüber, von wann bis wann der Bewerber dort angestellt war, sagt nur wenig über die Qualifikation aus.
Vielleicht sollte die Antidiskriminierungsstelle mal mit gutem Beispiel vorangehen und bei den eigenen Stellenausschreibungen das vorgeschlagene Verfahren testen - idealerweise mit zwei Personalbeauftragten, von denen einer die klassische und der andere die wie in der Pro-Argumentation beschrieben von der Sekretärin anonymisierte Bewerbung erhält, und dann mal vergleichen, wie die Urteile in den beiden Fällen ausfallen.
Vor allem sollte sich die Antidiskriminierungsstelle aber mal mit Arbeitgebern beschäftigen, die ganz offen diskriminieren, wie z.B. die kath. Kirche, die ja auch z.B. Träger vieler Schulen und Kindergärten ist und kaum jemanden einstellt, der geschieden und wieder verheiratet ist etc...
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