Zitat von
billger
Ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen, ich werde in einem internationalen Unternehmen als zuständiger Manager im IT Bereich für Einstellungen von Fachpersonal mit hinzu gezogen.
Wenn wir eine offene Position zu besetzen haben, gibt es im Vorfeld oft ziemlich konkrete Vorstellungen, wie der Bewerber auszusehen hat. Auf der fachlichen Seite werden z.B. oft bestimmte Zertifikate, z.B. von Cisco oder Microsoft erwartet. Aber auch im menschlichen / persönlichen Bereich haben wir in der Regel bestimmte Vorstellungen. Dies betrifft weniger das Geschlecht, aber oft Alter/Beruftserfahrung und kulturellen Hintergrund.
Hier erfolgt natürlich im Vorfeld ein Aussortieren/Sieben von bestimmten Kandidaten. Ich bin mir auch bewußt, dass man auf Grund von Vorurteilen bestimmte Bewerber sozusagen in Sippenhaft nimmt. Das ist natürlich tragisch für sie.
Andererseits würde eine anonyme Bewerbung für uns einen unvorstellbar hohen Aufwand bedeuten. Zur Zeit ist es so, dass wir pro ausgeschriebener Stelle ca. 2-3 Leute zum Vorstellungsgespräch einladen. Dies ist sehr aufwändig, da es dabei mehrere Gespräche gibt: mit der Personalabteilung, mit dem Fachbereich, mit dem Chef der ausländischen Mutter in englisch. Ein "Set" von Gespächen zieht sich somit schon mal über ca. 3-4h hin. Mal 3 Kandidaten sind das schon 12h Gespräche für eine Stelle. Nochmal: das ist nur eine Nebentätigkeit meiner eigentlichen Aufgabe. Sollten jetzt die Bewerbungen anonym kommen, würden wir - aus der Sicht der Bewerber - natürlich mehr Bewerbern eine Chance einräumen. Darunter wären aber dann auch viele, bei denen wir erst bei der Anreise im Unternehmen sehen würden, dass sie nicht ins Profil passen.
Wenn also z.B. unsere Vorstellung darin bestehen würde, einen möglicht jungen Arbeitnehmer einzustellen und von den 4 Bewerbern würden sich erst beim Gespräch 2 als alt herausstellen, wären wir gezwungen, nochmal Bewerber einzuladen. Ältere Bewerber würden also keinesfalls ihre Chancen verbessern, sondern nur auf Seiten der Unternehmen den Aufwand erhöhen.
Ich möchte noch etwas dazu sagen, warum aus meiner Sicht auch die Persönlichkeit des Bewerbers wichtig ist. Nach meiner Erfahrung kann man Fachwissen - natürlich in gewissen Grenzen - problemlos nachschulen, wenn sich Defizite bei Beschäftigten ergeben. Charaktereigenschaften, körperliche und kulturelle Merkmale jedoch bleiben bestehen.
Ein paar Beispiele: Für den Inhouse-Support benötigen wir Kollegen, die sprachlich und kulturell zum Nutzer passen. Wir haben sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht. z.B. einen deutschen Buchhalter von einem Kollegen in Indien betreuen zu lassen. Für bestimmte Arbeiten in globalen Projekten brauchen wir Leute, die körperlich topfit sind, da sie oft innerhalb weniger Tage mehrere Zeitzonen "abfliegen" müssen.