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Premiere in Deutschland: Bluttest erkennt Down-Syndrom bei Embryos

DPAForscher haben das Genom eines Fötus ohne Fruchtwasser-Untersuchung entschlüsselt. Schon bald kommt in Deutschland ein Test auf den Markt, um Trisomie 21 bei Embryos zu erkennen. Ein Segen für werdende Eltern oder eine Diskriminierung von Behinderten?

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...837554,00.html
  1. #130

    Abtreibung auch nach 13. SSW möglich

    Zitat von InesH Beitrag anzeigen
    Weil die Fruchtwasserpunktion, falls ich mich recht erinnere, ab der 13. oder 14. SSW gemacht wird.
    Es geht auch früher, aber da ist das Risiko einer Fehlgeburt noch höher.
    Wenn heutzutage eine Trisomie per Fruchtwasserpunktion diagnostiziert wird, und richtigerweise wird auf Grund des hohen Risikos diese Diagnostik erst nach den ersten 3 SSM durchgeführt, kann bei positivem Befund auch noch zu diesem späten Zeitpunkt abgetrieben werden. Rechtlich ist eine Abtreibung bei gesicherter Behinderung des Kindes und möglichen dadurch hervorgerufenen psychischen Schäden der Mutter sogar bis kurz vor Geburt möglich.

    Deswegen ist eine Ablehung des Gen-Tests nur eine hinterhältige Augenwischerei von Abtreibungsgegnern. Der bisherige riskiobehaftete Diagnostik wird nur durch ein risikoloses Verfahren ersetzt. Die Implikationen bleiben aber vollkommen unverändert.
  2. #131

    Recht auf Leben

    Zitat von ein_anonymer Beitrag anzeigen
    ...Insgesamt sehr erschreckend wie vorschnell hier einige User einem das Recht zu leben absprechen. Und das perverseste daran ist, dass einige dies aus reinem Egoismus tun. Denn mal ehrlich, so lange ich mein Kind nicht vor Fernseher oder Computer parke, sind die kleinen eh ein 24 Stunden Vollzeitjob, egal ob behindert bzw. anders, oder nicht!
    Das ist nicht ganz korrekt. Es geht nicht um das Recht zu leben, sondern um ein Recht geboren zu werden. Da besteht denn doch ein gewisser Unterschied. Ersteres bestreitet niemand, letzteres ist eine Frage, mit der sich die Gesellschaft nuturgegeben schwerer tut. Manche messen der Befruchtung der Eizelle selbst schon eine heilige Bedeutung bei, andere lassen sich von eher praktischen Prämissen leiten.
    Ich finde es vernünftig, in einem frühen Stadium der Embryoentwicklung die Entscheidung der Mutter zu überlassen das Kind zu wollen oder nicht.
  3. #132

    Zitat von Katzenliebhaber Beitrag anzeigen
    Hätten Sie sich auch gereut, wenn es ein anderes Ergebnis ergeben hätte?
    Und wenn nein, wären Sie nicht glücklich über einen evtl. "frühzeitigeren" Befund gewesen?
    Nein, bei einer Trisomie (egal ob 18 oder 21) oder einer schweren Stoffwechselstörung hätte ich selbstverständlich die Schwangerschaft unterbrochen.
    Natürlich ist ein Bluttest wesentlich angenehmer.
    Wichtig ist aber auch die Zuverlässigkeit des Tests.
  4. #133

    Zitat von ein_anonymer Beitrag anzeigen
    Denn mal ehrlich, so lange ich mein Kind nicht vor Fernseher oder Computer parke, sind die kleinen eh ein 24 Stunden Vollzeitjob, egal ob behindert bzw. anders, oder nicht!
    Sorry, aber da muss ich Ihnen widersprechen. Das mag in den ersten Lebensjahren der Fall sein, aber ein schwerbehindertes Kind ist- je nach Behinderung und Grad- für immer ein 24-Stunden Job. Ein gesundes Kind nicht.
    Die Entscheidung sollte- wie es auch jetzt schon der Fall ist- weiterhin den Eltern überlassen werden.
  5. #134

    Zitat von marius127 Beitrag anzeigen
    Ich schaue gerade auf meinen Sohn (6 Jahre Downsysndrom) der zufrieden mit meinem Ipad spielt und weiß nicht ob ich weinen soll oder wütend bin, wenn ich die Beiträge in diesem Forum lese.
    Ich möchte nicht über Abtreibung reden, über die jeder letzlich selbst entscheiden muss unabhängig davon ob ein Kind der Norm entspricht. Aber ich habe ein Problem damit dass hier wieder eine Diskussion um "lebenswertes" Leben losgetreten wird.
    [...]
    Und hier lesen ich "dass muss Heute alles nicht mehr sein". Was macht Ihr mit Euren (hoffentlich!) gesunden Kindern, wenn Sie später Leukämie bekommen, nach einem Unfall querschnittsgelähmt sind oder als Erwachsene zu "asozialen" Elementen unserer Gesellschaft werden. Das sind dann auch keine Normkinder mehr, sollen die dann auch besser nicht zur Welt gekommen sein? Was soll das für eine Gesellschaft sein ohne Toleranz für das andersein, das besonders sein?
    Danke für den Beitrag, der allerdings in einem wichtigen Punkt am Thema vorbeigeht:
    Niemand ist gegen MENSCHEN mit Down-Syndrom (oder anderen Genanomalien, Krankheiten oder Behinderungen). Existierendes Leben kann niemals von Außenstehenden als "lebensunwert" gesehen werden.
    Allerdings können Sie lediglich aufgrund Ihrer Erfahrungen mit Ihrem Kind Ihre Sicht begründen. Wenn Sie das Kind nicht hätten (z.B. aufgrund eines solchen Tests), könnten Sie nichts von dem schreiben, was Sie geschrieben haben.
    Ein verhindertes menschliches Leben ist daher etwas fundamental anderes als das Beenden ein existierenden menschliches Lebens (letzteres ist mit voller Berechtigung so gut wie immer verboten). Daher reduziert sich die ganze Abtreibungsfrage immer wieder auf den einen Punkt: ab wann ist ein Fötus ein menschliches Wesen (mit gewissen Rechten)?
    Und da der Übergang vom Zellhaufen zum lebensfähigen Kind ein fließender ist, gibt es hier kein richtig oder falsch, sondern es kann nur ein gesellschaftlicher Kompromiss gefunden werden, also ein Zeitpunkt, bis zu dem man sich "irgendwie halbwegs einig" ist, dass noch kein Mensch vorliegt und bis zu dem eine Abtreibung (aus welchen Gründen auch immer) als legitim erscheint.
    Ich stimme Ihenn voll zu: das Anders-SEIN darf nicht das Problem in unserer Gesellschaft sein. Aber ob man um jeden Preis stark eingeschränkt "Anderen" zum Leben verhelfen MUSS (oft sorgt die Medizin dafür, dass eine Schwangerschaft nicht "durch die Natur" beendet wird), ist eine Frage, die offen bleiben darf. Auch AIDS-Kranke sind liebenswert, aber sollte man deswegen AIDS nicht bekämpfen und versuchen auszurotten? Oder konkreter: Wenn es eine Möglichkeit gäbe Trisomie-21 zu "heilen", sollte man es dann nicht tun, nur weil Downies so "besonders liebenswert" sind? Eine interessante philiosophische Frage.
  6. #135

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Das ist nicht ganz korrekt. Es geht nicht um das Recht zu leben, sondern um ein Recht geboren zu werden. Da besteht denn doch ein gewisser Unterschied. Ersteres bestreitet niemand, letzteres ist eine Frage, mit der sich die Gesellschaft nuturgegeben schwerer tut. Manche messen der Befruchtung der Eizelle selbst schon eine heilige Bedeutung bei, andere lassen sich von eher praktischen Prämissen leiten.
    Ich finde es vernünftig, in einem frühen Stadium der Embryoentwicklung die Entscheidung der Mutter zu überlassen das Kind zu wollen oder nicht.
    Ich bezog mich vor allem auf diejenigen, die uns "Behinderten" unser "unwertes Leben" ersparen wollen, bzw. eigentlich (und genau das ist das perfide daran) sich ersparen wollen.

    Ich will ja nicht gegen das Recht zur Abtreibung argumentieren, aber viele die hier Kinder mit Trisomie abtreiben lassen würden, wissen wahrscheinlich gar nicht, was für liebevolle Menschen das sind (und wieviel Spaß auch sie daran haben können), oder haben wahrscheinlich Angst davor sich auf etwas einzulassen, was "anders" ist. Auch auf Grund dessen bekomme ich Bauchschmerzen, wenn auf einmal wegen einer möglichen Behinderung (bzw. das was die Allgemeinheit als Behinderung definiert) abgetrieben wird.

    Nehm ich mich nochmal als Beispiel: ich denke anders, ich rede anders, ich empfinde anders und trotzdessen komm ich mit dieser für mich so komischen Welt zurecht, studiere, hab Spaß, sehr gute Freunde und was alles so dazugehört.
    Nur wäre ich bei vielen Usern anscheinend nie auf die Welt gekommen, hätte die Frühdiagnistik ergeben, dass ich ein Autist bin / werden würde.
    Und bei aller Arroganz die ich grad so zusammennehmen kann: was für ne Verschwendung ;)
  7. #136

    Zitat von leo_stern Beitrag anzeigen
    Es ist und bleibt Sache der Eltern, ob sie so ein Kind wollen oder nicht. Niemand darf und soll jemand anderem seine moralischen Standards aufzwingen. Es ist ein leichtes über so etwas zu urteilen, aber die, die so ein Kind zuhause haben und pflegen müssen sind immer noch die Eltern. So was kann von niemandem verlangt werden.
    Das sehe ich auch so. Den Wunsch von Eltern nach einem gesunden Kind soll nicht ethisch sein?

    Es ist Sache der Eltern, ob sie solch einen Test machen lassen oder nicht. Denn sie sind es die mit den Folgen der Entscheidung leben müssen.
  8. #137

    Zitat von ein_anonymer Beitrag anzeigen
    Ich bezog mich vor allem auf diejenigen, die uns "Behinderten" unser "unwertes Leben" ersparen wollen, bzw. eigentlich (und genau das ist das perfide daran) sich ersparen wollen.

    Ich will ja nicht gegen das Recht zur Abtreibung argumentieren, aber viele die hier Kinder mit Trisomie abtreiben lassen würden, wissen wahrscheinlich gar nicht, was für liebevolle Menschen das sind (und wieviel Spaß auch sie daran haben können), oder haben wahrscheinlich Angst davor sich auf etwas einzulassen, was "anders" ist. Auch auf Grund dessen bekomme ich Bauchschmerzen, wenn auf einmal wegen einer möglichen Behinderung (bzw. das was die Allgemeinheit als Behinderung definiert) abgetrieben wird.

    Nehm ich mich nochmal als Beispiel: ich denke anders, ich rede anders, ich empfinde anders und trotzdessen komm ich mit dieser für mich so komischen Welt zurecht, studiere, hab Spaß, sehr gute Freunde und was alles so dazugehört.
    Nur wäre ich bei vielen Usern anscheinend nie auf die Welt gekommen, hätte die Frühdiagnistik ergeben, dass ich ein Autist bin / werden würde.
    Und bei aller Arroganz die ich grad so zusammennehmen kann: was für ne Verschwendung ;)
    Wenn man so argumentiert ist man ziemlich schnell auf der Position der katholischen Kirche. Der Papst sieht das nämlich genau so.

    Aber Sie können das ja bei Ihren Kindern ja so machen, wie Sie wollen.
  9. #138

    Wer keine Ahnung hat...

    ch bin entsetzt und empört, mit welcher Selbstverständlichkeit, ja Aggressivität das Lebensrecht von Menschen mit Down-Syndrom hier in Frage gestellt wird. Und ich bin zutiefst dankbar, dass ich n i c h t so eine grauenvolle Entscheidung treffen musste, wie sie Frauen heute mehr oder weniger aufgezwungen wird. Mein Sohn mit DS ist heute 25 und unser Leben mit ihm ist absolut entspannt und fröhlich. Sicher gab es auch schwierige Zeiten, aber es gibt viele Fördermöglichkeiten und eine breite Palette an Hilfsangeboten, organisatorisch wie finanziell. Unser Sohn spielt Theater, Fußball, Schlagzeug und E-Bass. Er reitet, hat schon als Wahlhelfer fungiert und war jahrelang Messdiener. Er schwimmt wie ein Fisch, taucht vier Meter tief und 20 Meter weit. Er ist so ziemlich der glücklichste Mensch, den wir kennen. Sein umwerfender Frohsinn und seine offensichtliche Lust am Leben sind immer wieder überwältigend. Die Intensität, mit der er Liebe gibt und annimmt, wärmt in seiner Umgebung alle Herzen. Und die Konsequenz, mit der er dem Leben stets die besten Seiten abgewinnt, hat auch für unsere Einstellung zum Leben neue Sichtweisen eröffnet. Seine schelmische Schlitzohrigkeit und sein Sinn für Humor überraschen immer wieder. Er hat die Fähigkeit, die besten Seiten der Menschen in seiner Umgebung zu Tage zu fördern. Und dass niemals ein Mathematiker oder Oberlehrer aus ihm werden wird, das ist nicht sein Problem, sondern kränkt allenfalls meine mütterliche Eitelkeit. (Wobei: Eine Welt voller Mathematiker und Oberlehrer - grauenvoll!) Er kann sich mustergültig benehmen, man kann ihn in jedes Hotel, jedes Restaurant und jedes Konzert mitnehmen. Ohne ihn sind solche Events für uns nur noch halb so reizvoll.
    Wir genießen unser Leben mit ihm sehr.
    Ja, Frauen sollen entscheiden, wenn sie das wollen. Dann aber wirklich frei und ohne gesellschaftlichen Druck. Da liegt die Gefahr! Und wer hier keine Ahnung hat, hält sich besser raus.
  10. #139

    Ist doch schön für Sie, wenn Sie mit ihrem Sohn so viel Spass haben und damit umgehen können.

    Ich wäre nicht dazu in der Lage, wie ich nach einem Sozialpraktikum in einem Camphill gesehen habe. Dort wurde ich nach einer Woche krank, weil es einfach zuviel war. Aber vielleicht lag es auch daran, dass dort nicht die leichten Fälle behandelt werden.


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