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Premiere in Deutschland: Bluttest erkennt Down-Syndrom bei Embryos

DPAForscher haben das Genom eines Fötus ohne Fruchtwasser-Untersuchung entschlüsselt. Schon bald kommt in Deutschland ein Test auf den Markt, um Trisomie 21 bei Embryos zu erkennen. Ein Segen für werdende Eltern oder eine Diskriminierung von Behinderten?

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...837554,00.html
  1. #110

    Zitat von camemberta Beitrag anzeigen
    Das "Nicht-Ersparen von Zumutungen" hat auch schon zu Selbsttötungen betroffener Eltern geführt. Es gibt leider Gottes immer wieder Fälle, wo vor allem die Mutter vom überforderten Vater mit behindertem Kind zurückgelassen wurde und damit eben nicht fertig wurde. Das ist zum Glück sehr selten, die Verzweiflung jedoch ist häufig. Oder wollen Sie Betroffenen etwa unterstellen, sie machten es sich einfach?
    Es geht nicht um die Frage ob es sich jemand einfach macht, wenn er einen anderen Menschen tötet sondern um die Frage ob prognostizierte Behinderungen Eltern berechtigen dies überhaupt zu tun.

    Sie tun gerade zu als ob die Legitimation einer Tötung vom Grad der Leichtfertigkeit abhinge.

    Es gibt eine sehr einfach Regel für das Töten. Eine Tötung ist dann Gerechtfertigt, wenn Leben gegen Leben steht.
  2. #111

    Zitat von somasemapsyches Beitrag anzeigen
    Uns selbst wurde ein Down-Syndrom-Kind mit schwerster Variante geschenkt.
    Es konnte weder sprechen noch selbständig essen oder trinken, lernte erst mit 6 Jahren einige Schritte gehen und war blind.
    Mit 12 Jahren wurde es erlöst.
    Wie sehr wir mit diesem Kind litten , wie wir es liebten und wie wir um es trauerten ,kann ich heute, nach gut 13 Jahren, immer noch nur schwer in Worte fassen.
    Aus heutiger Sicht hätte ich diesem Kind sein Leiden erspart.
    Mich widern diese gutmenschigen Weltverbesserer an, die vom heiligen Leben, von Förderungen und Diskriminierungen faseln...
    Ich denke, sie haben keine Ahnung von dem,was sie reden.
    Mein Sohn hat Downsyndrom. Ich maße mir also an zu wissen wovon ich rede.

    Und mit Verlaub. Wenn sie schreiben das ihr Kind eine schwere Variante des Downsyndroms hatte hat und dabei u.a. Blindheit mit aufführen deutet das für mich darauf hin das sie nicht wissen wovon sie reden und sich einfach nur wichtig machen wollen.

    Guten Abend.
  3. #112

    ???

    Zitat von louis2 Beitrag anzeigen
    Denn wenn er positiv ausfallen sollte, stürzt er die Erltern in den Alptraum vor der Entscheidung zu stehen, ob sie Ihr Kind töten lassen wollen. Ist der Test negativ - was ja alle Eltern hoffen - so müssen Sie zukünftig mit dem Gedanken leben, dass sie zumindest in Erwägung gezogen haben darüber nachzudenken, Ihr Kind abzutreiben, wenn der Test positiv ausgefallen wäre. Die "Bedingungslose Liebe" zu Ihrem Kind ist so in Frage gestellt. Außerdem stellt sich sofort die Frage nach der nächsten Krankheit, die ebenfalls das Kind treffen könnte. Der Testerrei wäre kein Ende.
    Sie haben tatsächlich moralische Konflikte bei dem Thema.

    Eltern machen heute die Amniozentese und die auch erst nachdem der Triple Test ein Problem aufzeigt oder das Alter der Mutter einen höheren möglichen Prozentsatz aufweist.

    Als mir das Ergebnis der Amnio vorgelegt wurde, bin ich erstmal in eine Kinderboutique und habe Mädchenkleidung gekauft. (Davor waren die Ärzte der Annahme, es würde ein Junge werden.) Ich habe mich gefreut und das war's auch schon.
  4. #113

    Zitat von robertl Beitrag anzeigen
    Was kommt als nächstes? ADHS Test? Test zur Früherkennung von Homosexualität? Test zur Bestimmung des IQ?
    Mitte der 90er (ich steckte im Studium und die Genetik in den Kinderschuhen) gab es eine Umfrage bei der junge Leute anfang 20 gefragt wurden aus welchen Gründen sie eine Abtreibung vornehmen lassen würden wenn man eines Tages das Genom des Kindes entschlüsseln könnte.

    Ein Punkt war "genetisch bedingtes Übergewicht". Für 15% der Befragten stellte dies einen Grund zur Abtreibung dar. Vermutlich wollte sie dem Kind nur unnötiges Leid ersparen.
  5. #114

    .

    Unser zweites Kind hat das Down-Syndrom. Liegt gerade neben mir, ist 3 Wochen alt und ein überaus süßes Baby. Uns wurde offen zur Abtreibung geraten, und das in der 23.SW (wo man es aus medizinischen Gründen noch so hindrehen kann, dass es "legal" ist).

    Sicher gibt es unterschiedliche Verläufe, aber es handelt sich um lebenswertes Leben.
  6. #115

    Zitat von xaron Beitrag anzeigen
    Unser zweites Kind hat das Down-Syndrom. Liegt gerade neben mir, ist 3 Wochen alt und ein überaus süßes Baby.
    :)

    Meine allerherzlichsten Glückwünsche.

    Und macht euch mal keine Sorgen. Es hat schon seine Richtigkeit.

    Ihr werdet (so wie wir und viele andere Eltern die ein Kind haben das ein Chromosom mehr hat) andere Sorgen haben. Vielleicht sind es sogar mehr. Aber ihr werdet auch andere Erfolgserlebnisse haben.

    Zitat von xaron Beitrag anzeigen
    Uns wurde offen zur Abtreibung geraten, und das in der 23.SW (wo man es aus medizinischen Gründen noch so hindrehen kann, dass es "legal" ist).
    Das kennen wir. Und ihr werdet euch noch viele Jahre rechtfertigen müssen. Das wird manchmal sehr weh tun. Gerade wenn es von ganz unerwarteter Seite kommt. Aber ihr werdet auch sehen das es Menschen gibt die bei euch sind.


    Zitat von xaron Beitrag anzeigen
    Sicher gibt es unterschiedliche Verläufe, aber es handelt sich um lebenswertes Leben.
    Es gibt nur einen der darüber entscheiden kann ob das Leben nun lebenswert ist und das ist der Betroffene selbst.



    Ich wünsche euch von Herzen alles Gute.:)
  7. #116

    Zitat von M. Michaelis Beitrag anzeigen
    Es geht nicht um die Frage ob es sich jemand einfach macht, wenn er einen anderen Menschen tötet sondern um die Frage ob prognostizierte Behinderungen Eltern berechtigen dies überhaupt zu tun.

    Sie tun gerade zu als ob die Legitimation einer Tötung vom Grad der Leichtfertigkeit abhinge.

    Es gibt eine sehr einfach Regel für das Töten. Eine Tötung ist dann Gerechtfertigt, wenn Leben gegen Leben steht.
    Fakt ist, das Verbot von Abtreibungen führt nicht dazu, dass nicht abgetrieben wird, sondern nur, dass reiche+privilegierte Auslandsurlaube machen, und nicht so privilegierte sich an "Engelsmacher" und Kurpfuscher wenden. Dazu kann man moralisch stehen, wie man will, aber Abtreibungsverbote sind nicht durchsetzbar und schaden letzten Endes nur den Frauen.

    Dieser Test wird in der Handhabung ein einfacher Bluttest sein. Selbst, wenn sie ihn in Deutschland verbieten, werden Schwangere ihn machen, zur Not indem Sie Blutproben per Post verschicken. Wieder egal, wie man dazu moralisch steht, man wird das nicht aufhalten können. Auch hier sorgt ein Verbot nur dazu, dass es vermutlich mehr Testfehler durch schlampige Labors gibt, als wenn man diese Tests auch in Deutschland zuläßt und gleichzeitig die Aufklärung über die Testergebnisse in einer Arztpraxis macht und nicht im Begleitschreiben aus Antigua.

    Egal, was man davon hält, viele Schwangere würden, bei einer Diagnose Down-Syndrom abtreiben. Dagegen werden auch keine Verbote helfen. Genauso wenig, wie sie gegen gezielte Mädchen-Abtreibungen in China und Indien helfen. Was dagegen hilft, ist die gesellschaftliche Stellung, der Gebärenden wie der Geborenen zu bessern. (Im Westen gibt es keine/kaum gezielten Mädchen-Abtreibungen wegen der weitgehenden Gleichstellung von Mann und Frau). Um Leute davon abzuhalten, Kinder mit Down-Syndrom gezielt abzutreiben, müssen sie besser integriert werden, und den Angehörigen/Familien mehr Hilfe zukommen lassen. Die jetzige Wahrnehmung ist ja, dass die Kinder kein richtiges Leben hätten und dass die Familie möglicherweise vor ungeheuren Belastungen steht (sowohl vom Aufwand, wie auch den Finanzen). Vermutlich würden integrativere Konzepte bis hin zu mehr Pflegekräften, Unterstützung bei der Erziehung, Haushaltshilfen, da weit mehr tun, als jegliche Verbote es schaffen.

    Man sollte sich dem ganzen eher pragmatisch als religiös nähern, zumal Tests auf Down-Syndrom erst der Anfang sind. Will man verhindern, dass gesellschaftlich "nicht akzeptierte Lebensformen" (seien es schwere Krankheiten oder auch sowas wie Neigung zu Homosexualität [wer weiß vielleicht kann man irgendwann auch das genetisch prädestieren]) gezielt abgetrieben werden, muß man nicht an der Abtreibung anpacken, sondern an der Gesellschaft.
  8. #117

    Zitat von Blaue Fee Beitrag anzeigen


    Ich habe mich gefreut und das war's auch schon.
    Hätten Sie sich auch gereut, wenn es ein anderes Ergebnis ergeben hätte?
    Und wenn nein, wären Sie nicht glücklich über einen evtl. "frühzeitigeren" Befund gewesen?
  9. #118

    Eltern müssen selbst entscheiden

    Zitat von weltsichtig Beitrag anzeigen
    Ein Staat, der sich wirklich in die privatesten Bereiche einmischt, ist bestenfalls ein fürsorglicher "Nanny-Staat", im schlimmsten Fall totalitär. Die Grundrechte gibt es genau deswegen - als Abwehrrecht des Einzelnen gegenüber der Einmischung des Staates.
    Während man bei der Abtreibung durchaus eine Abwägung vornehmen muss, indem man eben definiert, wann das menschliche Leben beginnt, wäre es wirklich eine unerträgliche Bevormundung eine neue, schonendere Untersuchungsmethode für Trisomie 21 zu verbieten...
    Hmm, einerseits beanstanden Sie, dass sich der Staat in die "privatesten Bereiche einmischt", anderseits sind auch Sie für eine Abwägung bei einer Abtreibung. Damit bleibt letztlich offen, was zu den privatesten Dingen gehört, in die sich der (Nanny-)Staat nicht einzumischen hat. (Auch mischt sich der Nannystaat in recht viele private Belange ein: Versicherungspflicht, Helmpflicht, Gurtpflicht, Drogenverbot, usw)

    Allerdings ist die Einmischung des Staates in die Abtreibung nur formal. Denn die Gründe spielen für eine straffreie Abtreibung eigentlich keine Rolle, sondern lediglich der Zeitpunkt. Insofern wäre es ein Widerspruch, wolle man jetzt zwischen erlaubten Gründen und unerlaubten Untersuchungen unterscheiden. In der Tat wäre es hier viel sinnvoller, den Eltern bis zum 3. Schwangerschaftsmonat die Entscheidung über alle pränatalen Untersuchungen und deren Konsequenzen zu überlassen. Weder ein Untersuchungszwang noch ein Verbot wäre sinnvoll, auch keine Teilgenehmigungen.
  10. #119

    Konkordat

    Zitat von Jörn Bünning Beitrag anzeigen
    Ich weiß zwar nicht, was ein "Gutteil" für Sie konkret bedeutet, doch wenn von den 26 Mitgliedern des Ethikrates 5 Theolgen sind, dann sind das weniger als 20%. ...Die Gesamtzahl der Christen in Deutschland beträgt ca. 62%, davon in den beiden großen Kirchen 59,4 % (Stand: 31. Dezember 2010).[/url])
    Sie halten die Religiösen für unterrepräsentiert?
    Schauen wir uns doch mal die 26 Mitglieder im Ethikrat doch mal genauer an:

    Vorsitzende
    Christiane Woopen, katholisch, studierte Medizin mit einem Stipendium des Bischöflichen Cusanuswerks und dort drei Jahre freie Mitarbeiterin

    3 stellv. Vorsitzende
    Wolf-Michael Catenhusen, Ex-Staatssekretär, sitzt im Präsidium des evangelischen Kirchentags

    Prof. Dr. theol. Peter Dabrock, Theologe und ordinierter ev. Pfarrer

    Jochen Taupitz, Jurist

    Mitglieder
    Katrin Amunts, Neurowissenschaftlerin

    Constanze Angerer Ehemalige Präsidentin des Münchener Landgerichts, Trägerin des Bayrischen Verdienstordens

    Frank Emmrich, Immunbiologe

    Christiane Fischer, Ärztin mit Theologiestudium, der ev. Kirche nahestehende Pharmakritikerin

    Thomas Heinemann, der kath. Kirche nahestehender Mediziner,
    Lehrstuhlinhaber an der Philosphisch - Theologischen Hochschule Vallendar

    Wolfram Höfling, Staatsrechtler

    Prof. Dr. theol. Dr. h. c. Wolfgang Huber, Bischof a.D.

    Ilhan Ilkilic, Arzt und studierter Islamwissenschaftler

    Leo Latasch, Arzt und Mitglied des Zentralrats der Juden

    Dr. theol. Dr. rer. pol. Anton Losinger, Weihbischof

    Reinhard Merkel, Rechtsphilosoph

    Herbert Mertin, Jurist, Katholik

    Prof. Dr. med. habil. Dr. phil. Dr. theol. h. c. Eckhard Nagel, Arzt Mitglied des Präsidiumsvorstands des Deutschen Evangelischen Kirchentages

    Peter Radtke, Behindertenfunktionär

    Ulrike Riedel, der ev. Kirche nahestehende Juristin

    Edzard Schmidt-Jortzig, Jurist, Mitglied der Synode der ev. Kirche

    Prof. Dr. theol. Eberhard Schockenhoff, kath. Priester

    Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Leiterin des Evangelischen Geriatriezentrums Berlin

    Silja Vöneky Völkerrechtlerin

    Heike Walles, Biologin

    Claudia Wiesemann, Medizinethikerin

    Michael Wunder, der ev. Kirche nahestehender Psychologe

    Fragt sich, wieviele der zu über 99% Zwangsgetauften damit einverstanden sind, dass die Perspektive der Kirchen im Ethikrat derart dominiert. Ich bin auch Katholik und finde das jedenfalls skandalös.


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