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Premiere in Deutschland: Bluttest erkennt Down-Syndrom bei Embryos

DPAForscher haben das Genom eines Fötus ohne Fruchtwasser-Untersuchung entschlüsselt. Schon bald kommt in Deutschland ein Test auf den Markt, um Trisomie 21 bei Embryos zu erkennen. Ein Segen für werdende Eltern oder eine Diskriminierung von Behinderten?

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...837554,00.html
  1. #100

    Nun,

    Zitat von robertl Beitrag anzeigen
    ....wenn ich hier sehe wie hier Kinder mit Behinderung diskriminiert werden. Dazu noch Down-Syndrom das eigentlich noch eine der "harmlosesten" Behinderungen ist. Dramatisch ist Down-Syndrom dann wenn es mit anderen Behinderungen kombiniert ist (z.B. Herzfehler).

    Ich selbst habe drei Kinder, eins mit Down-Syndrom (13 Jahre). Die ersten Jahre waren hart, weil wir streckenweise einfach überfordert waren. Heute geht unser Sohn jeden Tag mit Freude in die Schule, kann lesen, schreiben, schwimmen.
    da haben Sie Glück gehabt!
    Eine langjährige Freundin von mir hat eine inzwischen 23jährige Nichte, die heute noch nicht in der Lage ist, sich richtig zu artikulieren, fremde Menschen beisst und konstant Medikamente für ihr Herz und ihr Übergewicht nehmen muss.
    Ein anderer Bekannter hat sich nach dem Triple Test trotz dicker Nackenfalte für seinen Sohn entschieden, der mit 5 Jahren nun 2 Herz-OPs überstanden hat und dessen Lebenserwartung mit viel Glück noch weitere 5 Jahre beträgt.

    Solch eine Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen.
    Nachdem ich in der Oberstufe in einer Behindertenschule ein Praktikum absolvieren musste, stand für mich fest, dass ich keine Verantwortung für ein geistig behindertes Kind übernehmen kann.
  2. #101

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Schon bald kommt in Deutschland ein Test auf den Markt, um Trisomie 21 bei Embryos zu erkennen. Ein Segen für werdende Eltern oder eine Diskriminierung von Behinderten?
    ich verstehe nicht, was ein pränataler Test mit der Diskriminierung lebender Behinderter zu tun haben soll.

    Jeder von uns kann durch Alter, Krankheit oder Unfall zum geistig oder körperlich Schwerstbehinderten werden. Daher sollte jeder, der nicht alleine schon aus Mitmenschlichkeit bereit wäre, jedem anderen Menschen zu helfen, dann eben aus reinem Eigennutz bereit sein, behinderten Menschen zu helfen. Weil es ihn selbst treffen könnte.

    So, und jetzt zu den Gentests bei Schwangeren: es muss jeder Schwangeren freistehen, ob sie diese Tests durchführen lassen will. Derzeit müsste ein genetischer Bluttest sowieso aus eigener Tasche gezahlt werden, da die Krankenkassen die Kosten dafür nicht übernehmen.

    Nach dem Test muss es den Eltern freistehen, die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung zu treffen. Auch ein Ethikrat oder die Politiker haben kein Recht, sich in diese Entscheidung der Eltern einzumischen. Der Deutsche Ethikrat besteht sowieso zu einem Gutteil aus christlichen Theologen oder mit diesen assoziierten Personen:
    Deutscher Ethikrat: Mitglieder des Deutschen Ethikrates
    Da ich bezweifle, dass die deutschen Bürger einer Gruppe islamischer Imame erlauben würden, den deutschen Politikern Gesetzesvorschlage zu machen. Daher ist es auch nicht einzusehen, was christliche Theologen im Ethikrat eines säkularen Staates zu suchen haben.
    Es ist allein Sache des Bürgers, in diesem Fall der werdenden Eltern, zu entscheiden, welche Tests sie durchführen lassen und welche Konsequenzen sie aus dem Ergebnis ziehen.
  3. #102

    Gerade eben...

    ...habe ich einen Jungen, der an Trisiomie 21 "erkrankt" ist, ins Bett gebracht. Ich habe noch weitere Kinder, die nicht "krank" sind, aber ich kann mit Sicherheit sagen das kein "gesundes" Kind soviel Liebe und Dankbarkeit und auch Wärme ausstrahlt wie ein Kind mit Down-Syndrom. Ich bin nicht der Vater des Jungen, er ist in einer "PatchWork" Situation zu mir gekommen bzw,. wir haben uns so gefunden. Nochmal, ich habe leibliche Kinder die nicht behindert sind und ich weiss wovon ich spreche wenn ich sage das gerade Kinder mit Trisomie 21 durch und durch liebenswert sind und überhaupt nicht der Gesellschaft zur Last fallen. Natürlich braucht er länger für viele Dinge die für "normale" Kinder einfach sind und ihnen zufallen, aber nichtsdestotrotz erfüllt es mich und mein Herz zu sehen wie er Fortschritte macht. Warum? Nun, zum einen weil er um jeden Schritt nach vorne soviel mehr kämpfen, arbeiten und lernen muss und zum anderen weil er sich über alles was er gelernt hat so sehr freuen kann.

    Fazit: Auch wenn es die Möglichkeit gibt, es werdenden Eltern einfacher zu machen im Vorfeld zu wissen ob ihr Kind eine Behinderung hat, so macht es doch auch die Tat aus dem Vorurteil leichter, Kinder abzulehnen die soviel Potential haben das aufgrund einer Entscheidung wider besseren Wissens nicht genutzt werden kann.
  4. #103

    ...

    Zitat von M. Michaelis Beitrag anzeigen
    Nein, denn wenn es in der Konsequenz darum geht dem Kind seine Existenz zu ersparen geht es nicht mehr um das Ersparen von Zumutungen.

    Der Tod löst keine Probleme des Lebens, sondern er erspart anderen die Zumutung einer belastenden Existenz. Es ist eine Form der Eigensucht getarnt als Mitleid.

    Es gibt auffallend wenige Behinderte die Retrospektiv es begrüsst hätten man hätte ihnen ihr Leben mit seinen Zumutungen erspart.

    Es ist absurd einen Menschen zu töten nur weil er möglicherweise rückblickend dieses Leben nicht hätte leben wollen.

    Man macht Eltern zu Göttern wenn ihre Fürsorge eine Priventivtötung ihrer Kinder einschliessen würde.
    Das "Nicht-Ersparen von Zumutungen" hat auch schon zu Selbsttötungen betroffener Eltern geführt. Es gibt leider Gottes immer wieder Fälle, wo vor allem die Mutter vom überforderten Vater mit behindertem Kind zurückgelassen wurde und damit eben nicht fertig wurde. Das ist zum Glück sehr selten, die Verzweiflung jedoch ist häufig. Oder wollen Sie Betroffenen etwa unterstellen, sie machten es sich einfach?

    Das gelebte Leben, wenn Sie es ja für wertvoll erachten, muss dann auch für die Eltern wertvoll sein. Meiner Meinung nach besteht ein Unterschied zwischen "Zumutung" und purer Verzweiflung, Hilflosigkeit, totaler Überanstrengung, dem Mitleiden etc., was viele Eltern Schwer- und Schwerstbehinderter erleben müssen. Dazu kommt für viele Betroffene die schwer zu ertragende Gewissheit, dass sie vor dem Kind sterben werden und es "allein" zurücklassen müssen, aber lebenslang auf Lebenshilfe angewiesen.

    Sie machen es sich in meinen Augen zu leicht mit Ihrem Urteil. Das kommt anmaßend rüber. Sie meinen, Eltern können nicht beurteilen, was für ihr - evtl. behindert getestetes - Kind das Beste wäre, aber Sie können beurteilen, wie es anderen Leuten, Eltern, damit gehen SOLL? Allen, ohne jede Differenzierung?
  5. #104

    optional

    So lange geistig Behinderte mit Drogenhintergrund noch Kinder bekommen dürfen, kann man auch munter gesunde Kinder durch unnötige Voruntersuchungen killen. Die Entdeckung einer Möglichkeit, das Risiko für die Kinder zu minimieren, wird die "Erfinder" reich machen und Eltern glücklich.
  6. #105

    Das muss man völlig pragmatisch sehen. Ein solcher Bluttest verhindert evtl. Spätabtreibungen.
    Allerdings muss es werdenden Eltern völlig freigestellt bleiben, ob sie einen solchen Test machen lassen. Ein informatives, völlig neutrales Gespräch wäre eine Grundvoraussetzung.
    Uns selbst wurde bei der letzten Schwangerschaft (mit 40) vom Gynäkologen Verantwortungslosigkeit vorgeworfen, weil wir jede praenatale Diagnostik für uns ausgeschlossen haben.
    Es braucht schon etwas Stehvermögen um seinen persönlichen Standpunkt zu vertreten. Allerdings sollten sich Eltern bereits zu Beginn einer Schwangerschaft oder besser davor darüber klar werden, ob sie ein behindertes Kind annehmen können oder nicht. Es gibt trotz aller Praenataldiagnostik keine "Versicherung" auf ein völlig gesundes Kind. Viele Behinderungen entstehen unter der Geburt oder später durch Unfälle/Krankheiten. Darüber müssen sich werdende Eltern im Klaren sein. Zumal ein behindertes Kind alle Lebensplanungen (Berufstätigkeit, gerade sehr aktuell in der Diskussion) über den Haufen werfen kann.
    Wir haben übrigens 5 Kinder.
  7. #106

    Abtreibungen müssten stärker reguliert werden

    In Indien werden gesunde Babys abgetrieben, nur weil sie weiblich sind. Meiner Meinung nach sollte eine Abtreibung nur erlaubt sein, wenn an der Gesundheit des Kindes berechtigte Zweifel bestehen. Die Tötung eines Menschen sollte nur in absoluten Ausnahmefällen erlaubt sein, z.B. wenn die Gesundheit der Mutter ernsthaft in Gefahr ist.
  8. #107

    Ethikrat

    Zitat von atech Beitrag anzeigen
    Auch ein Ethikrat oder die Politiker haben kein Recht, sich in diese Entscheidung der Eltern einzumischen. Der Deutsche Ethikrat besteht sowieso zu einem Gutteil aus christlichen Theologen oder mit diesen assoziierten Personen:
    Deutscher Ethikrat: Mitglieder des Deutschen Ethikrates
    Da ich bezweifle, dass die deutschen Bürger einer Gruppe islamischer Imame erlauben würden, den deutschen Politikern Gesetzesvorschlage zu machen. Daher ist es auch nicht einzusehen, was christliche Theologen im Ethikrat eines säkularen Staates zu suchen haben.
    Es ist allein Sache des Bürgers, in diesem Fall der werdenden Eltern, zu entscheiden, welche Tests sie durchführen lassen und welche Konsequenzen sie aus dem Ergebnis ziehen.
    Ich weiß zwar nicht, was ein "Gutteil" für Sie konkret bedeutet, doch wenn von den 26 Mitgliedern des Ethikrates 5 Theolgen sind, dann sind das weniger als 20%. (Die Gesamtzahl der Christen in Deutschland beträgt ca. 62%, davon in den beiden großen Kirchen 59,4 % (Stand: 31. Dezember 2010).)

    Auch mischen sich weder Politiker noch der Ethikrat in die Entscheidungen der Eltern ein. Der Ethikrat hat dazu keine Befugnis, sondern spricht in umstrittenen ethischen Fragen Empfehlungen aus, zum Teil selbst in gespaltener Meinung, die von der Politik zur Entscheidung über Gesetze herangezogen werden können.

    Auch wenn ich in dieser Frage Ihre Ansicht über die Zustängigkeit der Eltern teile, so ist die Verurteilung einer Rechtssprechung als "Einmischung in private Angelegenheiten" nicht richtig!

    Wenn Sie schreiben, dass es "allein Sache des Bürgers ist", über einen Gentest zu entscheiden, dann mag das Ihre Auffassung sein, aber die ist auch nicht repräsentativ. Ich möchte in diesem Zusammenhang nur an die Debatte über die Verwendung von Stammzellen erinnern, die anders verlief.
  9. #108

    Nur Verlierer

    Ich bin der Meinung, dass der vorgeburtliche Test auf Trisomie 21 nur Verlierer produziert.
    Denn wenn er positiv ausfallen sollte, stürzt er die Erltern in den Alptraum vor der Entscheidung zu stehen, ob sie Ihr Kind töten lassen wollen. Ist der Test negativ - was ja alle Eltern hoffen - so müssen Sie zukünftig mit dem Gedanken leben, dass sie zumindest in Erwägung gezogen haben darüber nachzudenken, Ihr Kind abzutreiben, wenn der Test positiv ausgefallen wäre. Die "Bedingungslose Liebe" zu Ihrem Kind ist so in Frage gestellt. Außerdem stellt sich sofort die Frage nach der nächsten Krankheit, die ebenfalls das Kind treffen könnte. Der Testerrei wäre kein Ende.
  10. #109

    Zitat von Jörn Bünning Beitrag anzeigen
    Wenn Sie schreiben, dass es "allein Sache des Bürgers ist", über einen Gentest zu entscheiden, dann mag das Ihre Auffassung sein, aber die ist auch nicht repräsentativ. Ich möchte in diesem Zusammenhang nur an die Debatte über die Verwendung von Stammzellen erinnern, die anders verlief.
    Ein Staat, der sich wirklich in die privatesten Bereiche einmischt, ist bestenfalls ein fürsorglicher "Nanny-Staat", im schlimmsten Fall totalitär. Die Grundrechte gibt es genau deswegen - als Abwehrrecht des Einzelnen gegenüber der Einmischung des Staates.
    Während man bei der Abtreibung durchaus eine Abwägung vornehmen muss, indem man eben definiert, wann das menschliche Leben beginnt, wäre es wirklich eine unerträgliche Bevormundung eine neue, schonendere Untersuchungsmethode für Trisomie 21 zu verbieten.

    Aber man ist diesbezüglich schon einiges gewohnt von einem Staat, der angeblich nur unser bestes will - man muss schon froh sein, wenn er nur unser Geld damit meint...








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