Keine Protestsongs, keine kritischen Worte - Bob Dylans Konzerte in China und Vietnam verärgern nun sogar seine Fans.*Auch Iggy Pop gibt sich milde und will ein Album mit Herz-Schmerz-Songs veröffentlichen.
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...757086,00.html
Lasst ihn doch machen, der Kerl ist wirklich einer der Wenigen die in Würde gealtert sind und er bringt immer noch erstaunliche Alben zustande. Seine Musik als seelenlos zu bezeichnen könnte daran liegen, dass man auf dem Level seines Jugendgeschmacks stehen geblieben ist, was ja vielen so geht. Trotzdem Vorsicht mit solchen Äußerungen, sie können schnell auf einen selbst zurück fallen...
Als jemand der das Glück hatte bei dem Konzert in Saigon dabei sein zu können, kann ich nur sagen, das öde und seelenlos nun wirklich das letzte sind, was man dazu sagen kann. Im Gegenteil, man hat ihm angesehen, dass es im Spass machte, es war ein exzellenter Auftritt bei dem alles stimmte. Und jeder, der dabei war, sah es genauso.
Wenn man von Dylan irgendwelche Statements erwartete, dann kennt man ihn nicht. Ja und mein Gott, wenn er "Blowing in the Wind" nicht spielen sollte, er hat ja noch ein paar andere gute Lieder. Die Stones durften auch nicht "Honkytonk Woman" In China spielen, so what....
Maureen Dowd von der NYT kennt kein Mensch, von Dylan wird man noch in 100 Jahren reden.
Wer behauptet, Dylan sei von Spott und Schmähungen bisher verschont geblieben weiß nicht, was er redet.
Bei seinen vielfältigen Wandlungen hat es immer kübelweise derartiges gegeben, was ihn dazu veranlaßte, die Presse im wesentlichen zu ignorieren. Richtig so.
Er macht als Musiker einfach seinen Job und den macht er gut !
Niemand hat so viele Facetten und auch nach 50 Jahren Musik-Business noch so viele positive Überraschungen parat wie er.
Er wird seine Gründe haben, warum er jetzt in Vietnam und China so verfährt.
"I try my best to be just like I am.
But everybody wants you to be just like them."
"Everything's passing, everything's changing. Just do, what you think you should do."
Damit ist schon fast alles gesagt und Recht hat er !
Seit der Sache mit Sinead o Connor ist der Kerl nur noch ein Abklatsch, eine Witzfigur seiner selbst. Da haben ja sämtliche konservativen Politiker mehr Arsch in der Hose.
In Vietnam ist Bob Dylan übrigens in einem gerade einmal knapp zur Hälfte gefüllten Saal aufgetreten. Keine Ahnung, wieso das in den deutschen Medien so gar keine Beachtung findet.
Tja, "dinosaur watching" ist offenbar nur in der westlichen, von Nostalgie geprägten, Hemisphäre, ein Thema.
Aber was soll's. Das Beste an Bob Dylan ist für mich auch nach vielen Jahren immer noch die göttliche Näsel- und Mundharmonika-Parodie von Frank Zappa.
Soso, Dylan ist also verboten worden, seinen Protestklassiker "Blowin' In The Wind" vorzutragen. Man muss nicht alles glauben, was in den Medien vor- und wiedergekaut wird.
Wie kommt es nämlich, dass im chinesischen Fernsehen in einem Vorbericht zum Konzert in Peking genau dieses angeblich inkriminierte Stück gespielt wurde???
http://www.facebook.com/video/video....50214009635540
Ausserdem begann das Konzert in Peking hiermit:
Gonna change my way of thinking
make myself a different set of rules
gonna change my way of thinking
make myself a different set of rules
I put my good foot foreward
stop beeing influenced by fools.
Es ist natürlich gelinde gesagt ärgerlich, dass den Mann nicht zu scheren scheint, was in China in mancher Hinsicht so vor sich geht, eine Sensation wäre es aber wohl eher gewesen, hätte er sich geäussert. Das hat er doch nie getan, nicht mal zu Zeiten des Vietnamkrieges. Als Fan leidet man darunter, aber in 45 Jahren hat man bei Dylan da schon ganz andere Frustrationen ertragen dürfen. Don't follow leaders...
Dylan war noch nie ein Protestsänger. Er wurde zu einem solchen gestempelt.
Er ist/war Folksänger und diese modernen Barden singen und schreiben über die Dinge, die die Leute bewegen. Natürlich sind sie parteiisch, sie lassen ihre eigene Meinung mit einfließen.
Aber selbst Pete Seeger sagte immer, dass die Musik und die Konzerte vor allem einen Sinn haben: Den Leuten ein paar schöne Stunden zu bescheren. Sie unterhalten, sie zusammenführen und zeigen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind.
Dylan ist ein Poet, seine Texte sind manchmal total wirr, dann wieder exakt und verständlich. Er ist ein KÜNSTLER, der nicht auf den Kommerz angewiesen ist.
Arlo sagte mal über ihn: Songschreiben ist wie Fischen. Ab und zu ziehst Du mal einen richtigen Brocken raus, manchmal fängst Du nichts. Aber fische niemals Flussabwärts von Bob Dylan. Er fängt alles weg und wirft nichts wieder rein.
So sollte man seine Songs auch hören und versuchen zu verstehen...