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Politische Rhetorik: Einmal Hitler und Du bist raus

Kaum etwas bringt einen Politiker so schnell in Schwierigkeiten wie ein Nazi-Vergleich. Das musste gerade wieder der Geschäftsführer der Berliner Piraten erfahren. Doch oft ist die Empörung nur vorgeschoben. Es geht den Kritikern eher darum, einen Konkurrenten auszuschalten.

Nazi-Vergleiche sind in der politischen Rhetorik beliebt - SPIEGEL ONLINE
  1. #70

    Zitat von Robert_Rostock Beitrag anzeigen
    Ach so. Jeder einzelne gibt von seinem bedingungslosen Grundeinkommen etwas an den Staat ab und bekommt das dann als bedingungsloses Grundeinkommen vom Staat zurück?
    Hurra, das finanzielle Perpetuum Mobile ist erfunden!
    Mit zunehmender Automatisierung wird immer mehr Vermögen gar nicht von Menschen, sondern von Maschinen, Automaten, Computern, Robotern und künstlicher Intelligenz erwirtschaftet. Bereits jetzt wird fieberhaft daran gearbeitet, menschliche Arbeit so weit wie nur irgend möglich überflüssig zu machen - von der fahrerlosen U-Bahn bis hin zum Kassiererfreien Supermarkt mit vollautomatischer RFID-Chip-Warenschleuse. Und diese Modellversuche sind nur die ersten Vorboten einer Zeit, in der kein einziger Mensch mehr arbeiten muss, der nicht unbedingt arbeiten will.

    Schon in wenigen Jahrzehnten wird sich daher die Frage, OB es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben soll, nicht mehr stellen - sondern nur noch, in welcher Höhe jeder einzelne Mensch auf diese Weise an den Errungenschaften des technologischen Fortschritts beteiligt wird...
  2. #71

    "NSDAP verachtfachte die Zahl ihrer Mitglieder zwischen 1928 und Anfang1933, und zwar von 108.000 auf 850.000. So ein Wachstum hat bis zum Auftauchen der Piraten keine andere Partei mehr hinbekommen "

    Schön wäre es. Aber leider sind nicht nur 850.000 völlig illusorisch, sondern auch 108.000.
    Da zeigt, wie unhistorisch der Vergleich von Delius war.
  3. #72

    Hmm..

    Zitat von spiekla Beitrag anzeigen
    Sie können zum Sozialismus nur mit Zwang umerziehen. Die vielen Menschenversuche mit Millionen Toten sollte man nicht fortsetzen.
    Das erfolgreiche System heisst soziale Marktwirtschaft und deren Verfechter kennen seine Schwächen genausogut wie seine Gegner, weshalb es ständig verbessert werden muß.
    Das erklärt gar nichts. Der Liberalismus bringt täglich zig tausende zu Tode, interessiert halt niemand. Und die soziale Marktwirtschaft konnte auch nur so lange sozial sein, wie es ein Gegengewicht gab. Sollten Sie mal drüber nachdenken.

    Auch die neueste Mode, den Menschen nicht mehr als soziales Wesen zu sehen, obwohl das Gegenteil in der Forschung eigentlich common sense ist, sondern ihn offensichtlich als von Natur aus gierig darzustellen, ist zwar lustig und stützt auch noch das verbrecherischste Regime ideologisch, hat mit der Wahrheit aber nicht im Geringsten etwas zu tun. Somit können Sie Ihr Umerziehungszeugs auch vergessen. Bleibt nicht viel Substanz, so unterm Strich.
  4. #73

    Zitat von anton_otto Beitrag anzeigen

    Die Aufregung von Grünen und SPD darüber ist aber scheinheilig. Schließlich verhindern die Wahlerfolge der Piraten rot-grüne Mehrheiten und ganz offensichtlich finden die roten und grünen Häuptlinge kein Mittel dagegen. .
    Dann sollten die roten und grünen Häuptlinge aufhören Politik gegen die Interessen ihrer Wähler zu machen.
  5. #74

    Zitat von bughunter Beitrag anzeigen
    Mal ein guter Artikel. Delius hat sich doch ganz klar gegen Rechts positioniert und in dem Vergleich hat er ja auch nicht gesagt, das parteiploitische Ziele überschneidungen mit der NSDAP hätten.
    Aber auch er müsste wissen, das man keine Nazivergleiche zieht (was ich auch gut finde), warum lässt er es dann einfach nicht (so Dumm kann er doch garnicht sein). Aber wenn sich jemand über so eine harmlose Aussage aufregt, der Parteimitglieder wie Sarazin duldet, dann find ich das schon beschämend.
    Die Piraten bieten endlich mal die möglichkeit Protest zu zeigen ohne Rechte- oder Linke Spinner wählen zu müssen.
    Mein Hauptproblem mit dem gewählten Vergleich ist nicht etwa die Unterstellung, Delius sei ein verkappter Rechtsextremist. Trotzdem stellt sich mir die Frage, wie man sich zu einer solchen Äußerung hinreißen lassen kann.

    Möglichkeit eins: Delius hat halt drauflosgeplappert - in totaler Unkenntnis der typischen Reflexe, die Nazi-Vergleiche nun mal provozieren. Das wäre dann bloß als Zeichen von Dummheit zu werten.

    Möglichkeit 2: Ziel der Äußerung waren jene maximaldemokratisch gesonnenen Piratenfreunde, die Tabus im Zusammenhang mit dem Dritten Reich aufgebrochen sehen wollen. Ein legitimer Ansatz, der aber insgesamt mehr Stimmen kosten dürfte als er generiert.

    Möglichkeit 3: Delius scheut sich nicht, unter dem Deckmantel seiner eigenen grundgesetzkonformen Gesinnung am rechten Rand zu fischen in der Hoffnung, die so eingesammelten Stimmen letztlich ohnehin nicht faktisch befriedigen zu müssen - eine Regierungsbeteiligung steht vorläufig ja nirgendwo an.

    Weder eins, zwei noch drei schmecken mir besonders gut.

    Ebensowenig erscheint es mir legitim, die wenigen identifizierten "Rechtsausleger-Piraten" mit dem Hinweis auf den braunen Sumpf zu exkulpieren, aus dem sich die Parteien nach 1945 konstituiert haben: die Ausgangslage ist letztlich eben doch nicht vergleichbar. Abgesehen davon erwarte ich von einer neuen Partei durchaus, dass sie klug genug ist, aus Fehlern zu lernen - zumal aus den Fehlern, die andere Parteien begangen haben. Andernfalls wird es nämlich schwierig, sich als Gegenpol zum "Establishment" zu positionieren, wenn man gleichzeitig dessen Fehlleistungen übernimmt. Sonst entuppt sich der neue Besen doch rasch als liquider oller Feger aus dem Onlineshop.
  6. #75

    top/down

    Zitat von janosh72 Beitrag anzeigen
    (...)Während die klassischen Massenmedien (Radio, Film, Presse und später dann das Fernsehen) in ihrer top/down Struktur tendenziell totalitäre Herrschaftsformen befördern und von den Nazis dienstbar gemacht wurden, sind die Kommunikationsstrukturen des Internet bottom/up verankert und implizieren damit einen antiautoritären Impetus(...)
    interessanter Beitrag!

    Und könnte man die von Fleischhauer beschriebene Empörungskultur, ohne echte Empörung, nicht als Symptom einer strammen top/down Struktur deuten? Vielleicht war ja Delius' Vergleich gar nicht so ungewollt, unglücklich und dumm, sondern sollte gerade auf diese unterschiedlichen Kommunikationsstrukturen der Parteien hinweisen.
  7. #76

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kaum etwas bringt einen Politiker so schnell in Schwierigkeiten wie ein Nazi-Vergleich. Das musste gerade wieder der Geschäftsführer der Berliner Piraten erfahren. Doch oft ist die Empörung nur vorgeschoben. Es geht den Kritikern eher darum, einen Konkurrenten auszuschalten.

    S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal: Einmal Hitler, und du bist raus - SPIEGEL ONLINE
    Politische Rhetorik: Einmal "sozial" und Du bist Kommunist/Gutmensch.
  8. #77

    das mit dem Internet ist noch nicht raus..

    Zitat von janosh72 Beitrag anzeigen
    Es geht aber noch weiter. Beide Parteien spielen oder spielten eine Vorreiterrolle in der Nutzung neuer Medien für die politische Kommunikation. Waren es die Nazis, die sich in ihrer Zeit so erfolgreich der aufkommenden Massenmedien Radio und Tonfilm bedienten, so .....
    das diskutieren die gerade noch aus (Urheberrecht etc.).
  9. #78

    ...

    Zitat von TheBlind Beitrag anzeigen
    Witzig ist: der Spiegel arbeitet ja hart an den Abschiessen der Konkurrenz zum bestehenden Status Quo... wieviele Artikel über Nichtigkeiten und kleinen und größeren Fehler hat der Spiegel jetzt über die Piraten gebracht? Und die Etablierten sind aus der Schusslinie. Und die ....
    Sie hätten den Artikel lesen sollen, bevor Sie losposten: Der Artikel zielt gar nicht so auf die Piraten ab, wie Sie das hier meinen.
  10. #79

    Modeerscheinung

    Zitat von Nihil novi Beitrag anzeigen
    Von daher traue ich Herrn Fleischhauer hier, ohne seine Kollumne gelesen zu haben, eine gewisse Kompetenz zu.
    Ich gratuliere Ihnen. Es ist ja heutzutage sehr in Mode, Dinge zu kommentieren, ohne Sie gelesen zu haben.


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