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Politische Rhetorik: Einmal Hitler und Du bist raus

Kaum etwas bringt einen Politiker so schnell in Schwierigkeiten wie ein Nazi-Vergleich. Das musste gerade wieder der Geschäftsführer der Berliner Piraten erfahren. Doch oft ist die Empörung nur vorgeschoben. Es geht den Kritikern eher darum, einen Konkurrenten auszuschalten.

Nazi-Vergleiche sind in der politischen Rhetorik beliebt - SPIEGEL ONLINE
  1. #30

    Es geht aber noch weiter. Beide Parteien spielen oder spielten eine Vorreiterrolle in der Nutzung neuer Medien für die politische Kommunikation. Waren es die Nazis, die sich in ihrer Zeit so erfolgreich der aufkommenden Massenmedien Radio und Tonfilm bedienten, so sind es die Piraten, die bei der Nutzung des Internets zur politische Kommunikation unbestritten eine Avantgardeposition in Anspruch nehmen können.
    Und hier liegt auch der entscheidende Unterschied zwischen den Beiden. Während die klassischen Massenmedien (Radio, Film, Presse und später dann das Fernsehen) in ihrer top/down Struktur tendenziell totalitäre Herrschaftsformen befördern und von den Nazis dienstbar gemacht wurden, sind die Kommunikationsstrukturen des Internet bottom/up verankert und implizieren damit einen antiautoritären Impetus, der sich in seiner Kritik gegenüber "denen da oben" äußert und damit den Kern der Freiheits- und Teilhabeforderungen ausmachen, die die Piratenpartei artikuliert.
    So sind die Piraten durch den ihnen eingeschriebenen kommunikativen Code in ihrem politischen Wirken entgegen autoritären oder gar totalitären Herrschaftsformen ausgerichtet.
  2. #31

    Zitat von cemi Beitrag anzeigen
    Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Es ist gerade zum ersten mal passiert, dass ich dem Inhalt einer Kolumne der Herrn Fleischhauer zustimmen kann. Erfreulich.
    Mich würde jetzt noch interessieren, ob er seine Betrachtung auf die Kommunismus-Keule ausdehnen würde, mit der Politikerinnen wie Lötzsch oder Wagenknecht in regelmässigen Anständen erschlagen werden. Wahrscheinlich eher nicht, da er (JF) mit dieser Keule ja auch allzu gern rumfuchtelt. Wäre aber mal interessant, von ihm eine Begründung für diese Unterscheidung zu hören.
    Ihr Beitrag hätte von mir sein können - Wort für Wort. Zutreffender hätte ich meine Meinung zum Artikel und zum offenen Fragezeichen nicht ausdrücken können.
  3. #32

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kaum etwas bringt einen Politiker so schnell in Schwierigkeiten wie ein Nazi-Vergleich. Das musste gerade wieder der Geschäftsführer der Berliner Piraten erfahren. Doch oft ist die Empörung nur vorgeschoben. Es geht den Kritikern eher darum, einen Konkurrenten auszuschalten.

    Politische Rhetorik: Einmal Hitler, und du bist raus - SPIEGEL ONLINE
    Thanks for another saved day, Capt. Obvious.
  4. #33

    Zeiten und Wunder

    Zitat von cemi Beitrag anzeigen
    Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Es ist gerade zum ersten mal passiert, dass ich dem Inhalt einer Kolumne der Herrn Fleischhauer zustimmen kann. Erfreulich.
    Ging mir auch so. Vielleicht bin ich aber auch nur alt geworden.
  5. #34

    Zitat von cemi Beitrag anzeigen
    Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Es ist gerade zum ersten mal passiert, dass ich dem Inhalt einer Kolumne der Herrn Fleischhauer zustimmen kann. Erfreulich.
    Mich würde jetzt noch interessieren, ob er seine Betrachtung auf die Kommunismus-Keule ausdehnen würde, mit der Politikerinnen wie Lötzsch oder Wagenknecht in regelmässigen Anständen erschlagen werden. Wahrscheinlich eher nicht, da er (JF) mit dieser Keule ja auch allzu gern rumfuchtelt. Wäre aber mal interessant, von ihm eine Begründung für diese Unterscheidung zu hören.
    Der Unterschied:
    Die LINKE fordern einen "Demokratischen Sozialismus".
    Die Piraten fordern aber nicht einen "Demokratischen Faschismus".

    Beide Dinge kann es nicht geben - das weiss jeder. Beides sind zutiefst unmenschliche Systeme. Dennoch fordern die LINKE seine Umsetzung, und dafür gibts die haue.

    Haben sie es nun verstanden?
  6. #35

    herr fleischhauer, bitte mehr davon
  7. #36

    Zitat von janosh72 Beitrag anzeigen
    Und hier liegt auch der entscheidende Unterschied zwischen den Beiden.
    Nicht nur das.
    Ein bedingungsloses Grundeinkommen sichert freie Meinungsäußerung, ganz Oben und ganz Unten.
  8. #37

    Was Herr Fleischhauer hier thematisiert über Empörungen um Nazivergleiche ist eine Phantomdiskussion. Der junge Mann hat sich entschuldigt und sich zurückgezogen. Ende im Gelände! Für mich hätte eine von brauner Ideologie distanzierende Erklärung gereicht.
  9. #38

    Simulierte Distanz

    Zitat: „Es gibt viele Möglichkeiten, die Schrecken des Nationalsozialismus zu trivialisieren. Eine ist die Indienstnahme des Gedenkens zum politischen Geländegewinn. Ausgerechnet die selbsternannten Hüter des NS-Tabus schwächen fortwährend seine Bindungskraft, indem sie es dem Eigennutz zuführen. Tabus sind gemeinnützig, nicht interessengeleitet, daraus beziehen sie ihre Autorität.“

    Häufig trifft das Gegenteil zu, besonders bei politischen Tabus: Sie sind in der Regel nicht gemeinnützig, doch deutlich interessengeleitet, zum Beispiel das Tabu, das Wachstumsprinzip zu kritisieren, oder das Tabu, die Politik der Vereinigten Staaten zu hinterfragen, oder das Tabu, die Vermögensverteilung auf den Prüfstand zu stellen – in der offiziellen Politik und in den Mainstream-Medien werden diese Tabus nie, bzw. sehr selten gebrochen.

    Die NS-Tabus werden hauptsächlich deshalb nicht oft gebrochen, weil sie angstbesetzt sind. Bei einem Bruch werden sie prompt insinuierend überhöht, um eine Distanz zu simulieren, die nicht gegeben ist. Distanz zu was? Zur Nazi-Mentalität – es ist für die Deutschen unerträglich, sich der Tatsache zu stellen, dass sich diese Mentalität nicht in zwei, drei Generationen einfach über Bord werfen lässt. Der Kern aller NS-Tabus liegt in der brüsken Ablehnung eigener Wesenszüge.

    Die Rechte an „Mein Kampf“ sind ausgelaufen, nun will Bayern eine kommentierte Ausgabe von Hitlers Betrachtungen herausbringen. Welch ein stilles Grausen steckt dahinter... es handelt sich um „Mein Kampf“ – und nicht um die Bauanleitung für die Atombombe. Bis gestern war Hitler im SPIEGEL als Fotowitz mit einer Sprechblase zu besichtigen, auch da war wieder diese untergründige Angst zu spüren: Hitler als groteske Figur, als politischer Gnom, als Ausgeburt eines Anachronismus, der bis in die Gegenwart nachwirkt. Der Gröfaz ein Monster oder ein Clown – dazwischen ist Leere.
  10. #39

    Den kann ich mir nicht verkneifen ...

    Zitat von Petra Raab Beitrag anzeigen
    Nicht nur das.
    Ein bedingungsloses Grundeinkommen sichert freie Meinungsäußerung, ganz Oben und ganz Unten.
    ... und die "Volksgemeinschaft" soll das bezahlen?








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