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Politikserie "Gefährliche Seilschaften": Eine Frau macht Staat

ARTEMutter, Regierungschefin, Machtkämpferin: Die dänische TV-Serie "Gefährliche Seilschaften" zeigt, wie eine Frau zur Premierministerin aufsteigt und sich zwischen Männern bewähren muss. Das funktioniert großartig - auch weil Politik hier sexy ist. Jetzt läuft die Reihe auf Arte.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,814001,00.html
  1. #20

    Nicht ihr Ernst?!

    Zitat von nordschaf Beitrag anzeigen
    Allerdings finde ich das neuerdings allgegenwärtige Geheul über die Benachteiligung von Männern etwas nervtötend. Zeigen Sie mir doch mal einen Ort auf der Welt, wo Männer z.B. zwangsweise beschnitten werden oder nicht Auto fahren dürfen, weil sie eben nur Männer sind. Und jetzt kommen Sie mir bloss nicht mit "der Quote"! Im Vergleich zu den vorherigen Beispielen ist das - mit Verlaub gesagt - pillepalle und die realen Verhältnisse sind eben etwas komplizierter als "Mann-gut, Emanze-schlecht, bunga-bunga-klasse".
    Oh bitte?! Sie führen die Verhältnisse in Dritte-Welt-Staaten und selbsternannten Gottesstaaten als Rechtfertigung dafür an, Beschwerden von Männern als "Geheul" abzutun?! Wo bitte werden in Dänemark (und da spielt ja wohl die Serie) Frauen beschnitten? Wo in Skandinavien, wo in Europa? Dass muss ja wohl der Vergleichsrahmen sein, alles andere ist unsinnig. Gemessen an Kindersoldaten in Ruanda o.ä. kann sich hier nämlich ansonsten niemand über irgendetwas beschweren, weder Männer noch Frauen. Es herrschen hier aber gottseidank andere Verhältnisse und daher sind auch die Probleme anders. Und noch ein persönlicher Rat: Mit Beleidigungen unter Pseudonym wirbt man nicht für die eigene Sache.
  2. #21

    Leicht verstörend

    Die Kommentare bzgl. der Mann-Frau-Frage kann ich inhaltlich nicht ganz nachvollziehen. Dennoch sind sie irgendwie zwangsläufig, bedient die Autorin diesen Aspekt doch selbst in erschreckend einfältiger Weise (die man bei SPON leider inzwischen auch schon als zwangsläufig ansehen muss, wenn ein Thema Anreiz dafür bietet).

    Es geht in der Serie nicht primär um Mann oder Frau, sondern um eine "neue Art" der Politik. Hätte ich (als Mann, wenn das wichtig ist) vor der Aufgabe gestanden, die Figur, die diesen neuen Stil verkörpert, zu besetzen, wäre mir eine Frau auch naheliegend erschienen. Es ist sicher unstreitig, dass Frauen derzeit als Unterzahl relativ neu in diesen gesellschaftlichen Bereich aufbrechen und in vielerlei Hinsicht andere Denkweisen und Prioritäten haben als Männer. Eine gewissen Befähigung, außerhalb der gewohnten politischen Routine zu stehen und sich ihren Zwangslagen zu widersetzen, kann eine Frau daher meines Erachtens sehr plausibel verkörpern. Wichtiger als das ist aber, was in der oberflächlichen sexistischen Begeisterung des Artikels darüber, dass - natürlich gerade und besonders - Frauen auf diese Weise Politik machen könnten, gänzlich untergeht:

    Die drängende Frage, die diese Serie und ihre politisch realen Spiegelbilder aufwerfen, ist: Welcher Natur ist diese neue Art von Politik eigentlich und wollen wir sie tatsächlich?
    Ich halte sie für eine recht gefährliche neue Art von Populismus. Sie hat ihren Ursprung wohl darin, dass der Großteil der Menschen heute so wenig über Politik und ihre sachlichen Grundlagen weiß, dass man ihm glauben machen kann, Politik sei mit reinen Banalitäten einfach mal neu zu erfinden - nur weil sie grundsätlich "erstrebenswert" sind, und als ob das politische Räderwerk nicht seine eigene Geschichte hätte, welche diese netten Simpeleien nicht x-fach erprobt und eben zum Status quo verworfen hätte. Dass die Protagonistin mit dem Bekenntnis in der TV-Dabatte, zu dick geworden zu sein und das Land grundegend verändern zu wollen (ja ja, schließlich lebt man in einer modernen, vielfältigen Welt), eine Wahl gewinnen kann, mag man noch hinnehmen. Wo sie aber mit der neuen Einfachst-Methodik, für die Quoten-Regelungen ein hervorragendes reales Beispiel sind, an Grenzen stoßen würde, etwa im Spagat zwischen wirtschafltichen Interessen und humanitären Verpflichtungen, greift schlicht die Fiktion einer Fernsehserie ein. Einer Zielsetzung wie der Arbeitserlaubnis für Asylbewerber stehen natürlich nicht die verbundenen sachlichen Probleme gegenüber, sondern allenfalls unsympathische Rassisten. Und vermittelt den Eindruck, alles sei lösbar, mit der richtigen Einstellung könne jeder sauber bleiben, alles unter einen Hut bekommen und mit sorgfältgem Abwägen immer nur das Richtige vertreten. Der letzte Satz von Frau Haeming geht daher auch insofern fehl, da Politik so nicht "gemacht" werden kann, allenfalls gespielt.
    Von einer Realität, die im Wesentlichen darin besteht, wissentlich konkreten Menschen massive Nachteile zuzufügen, weil sie das geringere Übel für die Gesamtheit der demokratisch Legitimierenden darstellen, müssen die Leute dann enttäuscht sein. Ich würde mir eine poltische Serie wünschen, die erklärt anstatt zu verklären.


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