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Politiker-Bild von Jugendlichen: Lautsprecher für Halbwahrheiten

REUTERSWenn Politiker was erklären, fragen sich junge Bürger oft: Reden die absichtlich so verquer? Im Interview erklären Johannes Neumann und Lukas Kiepe, wie sie für bessere Politikersprache kämpfen - und im Polit-Sprech-Quiz erfahren Sie, wie gut Sie die Redehülsen aufbrechen können.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...846367,00.html
  1. #1

    Senkungsgebiete

    Da freue ich mich über eine Antwort, in der das Verb "senken" benutzt wird, und drei Sätze später erscheint wieder diese unsägliche Journalistentautologie "absenken". Kann ich auch etwas "hochsenken"? Warum neigen unsere Redakteure dazu, aussagekräftige Verben noch durch eine völlig überflüssige Präposition scheinbar zu verstärken ("austesten", "abspeichern" usw.)?
  2. #2

    Niveaulimbo?

    Tja, dass man irgendwann einmal sogar die Politikergilde teilweise in Schutz nehmen muss, aber...
    Mein zugegeben subjektiver, persönlicher Eindruck, was man im Job etwa aus Azubi-Programmen etc. mitkriegt, ist schlicht, dass so mancher junge Erwachsene schon mit Sätzen jenseits der 5-Wort "Grenze" heillos überfordert ist. Textverständnis, Interpretationsfähigkeit, Zusammenfassen von Schlüsselaussagen in längeren Texten etc. scheint leider bei vielen jungen Leuten ausbaufähig.
    Auf der anderen Seite stehen dann Leute der Marke Stoiber, die besonders stolz darauf sind, Sätze von der Länge einer halben A4 Seite zu formulieren. Wurden die Politiker dann auch noch im Beamtenapparat beruflich sozialisiert, kommen sie aus dem verdrehten Referenten- und Studienrats-Sprech eh nimmer raus.
  3. #3

    Nun...

    Zitat von sam07 Beitrag anzeigen
    eine völlig überflüssige Präposition scheinbar zu verstärken ("austesten", "abspeichern" usw.)?
    ..."senken" kann ich etwas Nicht-Gegenständliches wie etwa Steuern (jaja, passiert eh nie), "absenken" kann ich z.B. eine Last an einem Kran.

    Abgesehen davon finde ich es albern an der Umgangssprache rumzunörgeln. Man sagt ja auch "Auto" und nicht Automobil.

    Bei den Politikern stört mich oft wenn sie "wir müssen" sagen, oder schlimmer "wir müssen gemeinsam". Für mich gibt es in Wirklichkeit keine Gemeinsamkeiten mit Politikern, also auch kein "wir".
  4. #4

    es hat seinen Grund

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wenn Politiker was erklären, fragen sich junge Bürger oft: Reden die absichtlich so verquer? Im Interview erklären Johannes Neumann und Lukas Kiepe, wie sie für bessere Politikersprache kämpfen - und im Polit-Sprech-Quiz erfahren Sie, wie gut Sie die Redehülsen aufbrechen können.

    Politikersprache: Wie sich Jugendliche für Politik begeistern könnten - SPIEGEL ONLINE
    Nun die Politikersprache kann unter den gegebenen Bedingungen gar nicht besser ausfallen. Der Politiker schein unter dem Zwang zu stehen im Ungefähren zu verbleiben, um sich nicht festnageln zu lassen. Das Problem ist also: Die ständige Berechnung und damit auch Heuchelei und Unehrlichkeit. Ein anderer Grund scheint zu sein, dad unbequeme Wahrheiten oder Politiker-Versagen von breiten Bevölkerungsschichten gar nicht verstanden werden sollen.
  5. #5

    Dank eines äußerst engagierten Gemeinschaftskunde Lehrers hatte ich bereits mehrfach das "Vergnügen", mich mit Vertretern der unterschiedlichen Landtagsfraktionen zu unterhalten. Ich hatte während dieser Gespräche nie Probleme sie zu verstehen. Besonders die Abgeordneten von Linken und Grünen gaben sich Mühe auf Augenhöhe mit uns Schülern zu sprechen. Allerdings sprachen diese Abgeordneten auch mit Vorliebe über Drogenlegalisierung und kostenlose Bildung für alle während der FDP-Mann versuchte die Schuldenbremse zu erklären. Das bei diesen Themen nicht dasselbe Vokabular verwendet werden kann ist traurig, aber wahr. Anschließend kam von einigen besonders dämlichen Mitschülern diese Kritik: "Sie reden nur über Schulden, aber nie über die Dinge, die auch mich angehen! Außerdem reden Sie so abgehoben." Zudem müssten die Politiker mehr auf die jungen Menschen zu gehen.
    Ich habe mich danach ein wenig für meine 12. Klasse geschämt. Wer mitreden will, muss sich eben informieren.
  6. #6

    optional

    Ich empfehle den jungen Leuten Lothar Dombrowskis (alias Georg Schramm) Video "Herrschaftssprache".
    http://www.youtube.com/watch?v=zfOGYckuHsw


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