Politik-Aussteiger Harald Christ: "Dieses ständige Taktieren lähmt alles"

DPAIm vorigen Bundestagswahlkampf war Unternehmer Harald Christ noch Wirtschaftsminister im Schattenkabinett der SPD - nun hat er der aktiven Politik den Rücken gekehrt. Im Interview spricht er über ermüdendes Taktieren, den Zustand der Sozialdemokratie und seinen Wunsch-Kanzlerkandidaten.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...843687,00.html
  1. #1

    Kanzlerkandidat?

    Es ist eine sehr gute Sache, die Anwartschaft auf einen Wahlsieg mit drei Spitzenpolitikern zu begründen, die dann sicherlich alle zusammen Regierungsämter/Ministerposten bekämen. Wenn Herr Christ den Genossen Steinmeyer als Besten sieht - das ist seine Sache. Ebensogut kann man Steinbrück als am besten geeignet nennen. Und dass sich die SPD Zeit nimmt, um einige Monate zu beobachten, wie sich die Akzeptanz, der Ruf, die Chancen der drei entwickeln, ist klug, weil zurückhaltend und zuversichtlich. Immerhin hat m.W. auch die CDU/CSU noch nicht definitiv einen Kanzlerkadidaten für 2013 genannt - oder noch einmal eine Kandidatin? Dort bleibt es nämlich auch spannend.
  2. #2

    Desolat?

    Immer dieses Gerede vom "desolaten Zustand" der SPD ... Nur, weil man sich Zeit lässt mit der Beantwortung der Kanzlerkandidatenfrage, dem Lieblingsthema aller Journalisten, die wenig Interesse an inhaltlichen Themen haben. So ein Journalismus ist in einem "desolaten Zustand", weil seine Oberflächlichkeit die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung befördert.
  3. #3

    Bei den Umfragewerten ....

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Immerhin hat m.W. auch die CDU/CSU noch nicht definitiv einen Kanzlerkadidaten für 2013 genannt - oder noch einmal eine Kandidatin? Dort bleibt es nämlich auch spannend.
    ... steigt die Spannung gegen null. Ohne Merkel wäre die CDU/CSU keine Regierungspartei mehr (und ich bin kein Merkel-Anhänger wg. Euro-Krise).

    Ich gebe Herrn Christ recht: Politik in Deutschland ist taktieren und nur ganz oben lässt sich das aushalten - alles andere ist das Warten auf diese Chance.
  4. #4

    desolaten Zustand

    SPIEGEL ONLINE: Die SPD ist in desolater Verfassung. Ist das der Grund für Ihre Resignation?

    Christ: Die SPD befindet sich in keinem desolaten Zustand, auch wenn die Medien das immer wieder gerne beschreiben. Es findet eine personelle und inhaltliche Neupositionierung statt. In einer großen Volkspartei läuft so etwas eben selten geräuschlos.
    (aus dem artikel)

    Hallo,

    auch einer der die wahrheit nicht sehen will. Es ist der kampt zwischen rechts und links innerhalb der SPD die zu diesem chaos geführt haben und es am laufen halten. Nach dem verrat des herrn schröder (SPD/ex-kanzler) an den linken wählern innerhalb der SPD ist doch keine richtung mehr zu erkenn weil diese beiden seiten sich immer noch oder erst recht nach dem verrat gegenseitig fertig machen. ICH kann diese SPD nicht mehr wählen da sie mir zu weit nach politisch rechts geschwenkt ist und oder noch das ist.
  5. #5

    Zitat von Berg-neu Beitrag anzeigen
    Wenn Herr Christ den Genossen Steinmeyer als Besten sieht - das ist seine Sache.
    Dann zeigt das in erster Linie das er nicht viel vom Grundgesetz haelt. Zur Erinnerung Steinmeier ist der der sich fuer die fortgesetzte rechtswidrige inhaftierung eines Bremer Mitbuergers im illegalen Gefaengnis Guantanamo Bay eingesetzt hat.
  6. #6

    Kein Grund zur Resignation

    Das, was Herr Christ "Taktieren" nennt, ist das Wesentliche demokratischer Willensbildung: Um Zustimmung werben, und zwar oben beim Chef, sondern bei der Basis.

    Und das, was Herr Christ "Überzeugung aufgeben" nennt, ist ein weiterer Wesenzug demokratischer Gemeinwesen: Die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen, um gemeinsam handeln zu können.

    Wer aber nach 25 Jahren keinen Schimmer von den Eigenschaften des politischen Diskurses hat, sollte vielleicht wirklich in der heilen Welt der Vorstandsetagen ein Plätzchen für sich suchen.
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Im vorigen Bundestagswahlkampf war Unternehmer Harald Christ noch Wirtschaftsminister im Schattenkabinett der SPD - nun hat er der aktiven Politik den Rücken gekehrt. Im Interview spricht er über ermüdendes Taktieren, den Zustand der Sozialdemokratie und seinen Wunsch-Kanzlerkandidaten.

    Harald Christ für Steinmeier als Kanzlerkandidat der SPD - SPIEGEL ONLINE
    Solange sich die SPD nicht von den unsäglichen Eurobonds verabschiedet und immer nur noch mehr deutsches Steuergeld in Südeuropa verbrennen will als es die jetzige Regierung sowieso schon tut, ist es wurscht wer als SPD-Kazlerkandidat antritt. Es wird für die CDU kein Problem sein diese unverantwortlichen Forderungen der SPD zu thematisieren. Das schöne dabei ist, wenn die Union der SPD Verantwortungslosigkeit vorwirft, ist das noch nicht mal gelogen.
  8. #8

    Fast revolutionär

    Zitat: „Um in politische Verantwortung zu kommen, müsste ich so vieles an Überzeugung aufgeben, dass mir der Preis dafür zu hoch erscheint. Ich kann das System nicht verändern, bin aber auch nicht bereit zu akzeptieren, dass das System mich verändert, nur um einer politischen Karriere zu dienen.“

    Eine selten ausgesprochene Wahrheit, die mich sofort aufhorchen ließ – aber danach bekennt Herr Christ, dass er in die Wirtschaft wechseln will, wo er sich zwangsweise vom System verändern lassen wird, um seiner Karriere zu dienen. Wes Brot ich es, des Lied ich sing, verständlich... bloß wirken da Grundsätze nicht sehr glaubwürdig.

    Zitat: „Dieses ständige Taktieren lähmt alles und bringt in der aktuellen Krise nichts mehr weiter. Ich appelliere an die Politik, endlich ein System zu schaffen, das den Wechsel fördert. Wir brauchen einen Austausch der besten Köpfe in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft. Das geschieht leider viel zu wenig.“

    Auch fast revolutionäre Aussagen. Nur wird sein Appell an die Politik, ein anderes System für sich selbst zu schaffen, folgenlos verhallen – das weiß Herr Christ, und deshalb fällt es ihm auch nicht schwer, solche Sprechblasen zu formulieren. Der gute Mann ist irgendwie typisch für den Zustand der SPD, den desolat zu nennen sich sogar der SPIEGEL erfrecht... bemerkenswert.
  9. #9

    Schade!

    ich hatte irgendwie mehr erwartet von dem Interview...


    Zitat von johwie Beitrag anzeigen
    Das, was Herr Christ "Taktieren" nennt, ist das Wesentliche demokratischer Willensbildung: Um Zustimmung werben, und zwar oben beim Chef, sondern bei der Basis.
    Ich nehme mal an, da wurde ein "nicht" vergessen. Das führt dann zu meiner Annahme, daß Sie doch ein seltsames Demokratieverständnis besitzen (Meinung "von oben" aufokktruieren)...

    Zitat von johwie Beitrag anzeigen
    Und das, was Herr Christ "Überzeugung aufgeben" nennt, ist ein weiterer Wesenzug demokratischer Gemeinwesen: Die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen, um gemeinsam handeln zu können.
    Andere nennen es "Fraktionszwang"...

    Zitat von johwie Beitrag anzeigen
    Wer aber nach 25 Jahren keinen Schimmer von den Eigenschaften des politischen Diskurses hat, sollte vielleicht wirklich in der heilen Welt der Vorstandsetagen ein Plätzchen für sich suchen.
    Dort wird er als selbständig denkender Mensch deutlich mehr bewirken, als in dem Korsett einer maroden Volkspartei, die keine andere Meinung als die des Seeheimer Kreises zuläßt...