Polit-Blog-Schwindel: Hetero-Männer, Lesben-Fantasien

"Schande über Sie": Zwei Blogger ernten den Zorn des Internets, weil sie sich als lesbische Polit-Aktivistinnen ausgaben. Der eine schrieb als syrische Regimekritikerin, der andere postete als "Paula Brooks" aus den USA - sie flirteten via Web sogar miteinander.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...768324,00.html
  1. #30

    @mademoisellemischa: Internet kein rechtsfreier Raum

    Zitat von mademoisellemischa Beitrag anzeigen
    Im Internet ist ALIAS nicht verboten.
    Das nicht. Aber hier wurde nicht einfach ein Pseudonym gebraucht, hier wurden Identitäten komplett erfunden, ohne daß dies in irgendeiner Weise kenntlich gemacht wurde. Hier wird ja nicht einfach in transparenter Form ein "Künstlername" benutzt, um die Privatsphäre zu wahren, hier wird Leser vorgegaukelt, der Name und die Person, so wie sie beschrieben wird, währen echt. Es ist also eine Täuschungsabsicht vorhanden.

    "Paula" hat unter Vorpiegelung falscher Tatsachen finanzielle Unterstützung für "ihre" Webseite erhalten, was dem 58 jährigen Hetero Graber wohl kaum gelungen wäre. Es kann sich also um legalen Betrug handeln. Und bei "Amina" wurde womöglich eine Straftat vorgetäuscht (Entführung). Die Uni Edinburgh untersucht zudem gerade, ob MacMaster gegen die Voraschriften zur Nutzung des Netzwerks verstoßen hat. Also, Unfug, den man im Internet treibt, kann durchaus zu unangenehmen Konsequenzen führen.

    Mal ganz abgesehen von der moralischen Wertung. In Syrien haben sich Leute in Gefahr gebracht, als sie versuchten, etwas über das Schicksal von "Amina" in Erfahrung zu bringen. Darunter auch eine Reporterin des Guardian. Da hört der Spaß doch wohl auf! Immerhin, das Internet hat auch seine positiven Seiten. Wer von jetzt an "Bill Graber" oder "Thomas MacMaster" googelt, wird die Stories schnell finden. Wer wird diese Betrüger jetzt noch einstellen, oder sich mit ihnen in Geschäfte einlassen? Der Ruf ist ruiniert.
  2. #31

    Mogelpackung

    Zitat von r.puttin Beitrag anzeigen
    [...]Die perfekt gedrechselte story der "Amina" ist eindeutig ein Produkt von Geheimdienstlern,die damit erfolgreich die öffentl. Meinung gegen Syrien beeinflußt haben.[...]
    So ein Blödsinn. Zuviel Krimis gelesen. Verschörungstheorien gehören zum grossen unbewiesenem Mysterium und sind doch eher selber Lügenmärchen. Vielleicht gehört der griechische Finanzkollaps auch zu US Verschöwrung. Und dass die Dallas Mavs US Basketballmeister sind ist eindeutig ein Eingreifen der US Behörden um die dipl.Beziehungen zu D zu stärken.
    Es gibt massenhaft private, bessere Blogseiten als die im SPONArtikel angesprochenen.

    Zitat von UnitedEurope Beitrag anzeigen
    Komisch, dass die falschen Ideditäten immer schöne Menschen sind. Wahrscheinlich hört man den eher zu ...
    Wohl war. :-)
  3. #32

    @M.Michaelis: Allerdings, mehr Skepsis ist nötig.

    Zitat von M. Michaelis Beitrag anzeigen
    Statt Wut wäre Nachdenklichkeit angebracht. Die Vorfälle offenbaren eine gravierende Schwachstelle von Netzpersönlichkeiten und deren sozialen Aktivitäten und einen zu sorglosen, naiven Umgang damit.
    Also, die Wut ist schon verständlich. Schließlich haben Leute die Webseite von "Paula" finanziell und durch Mitarbeit unterstützt. Zudem hat "Paula" sich als Cyberbully gegen "zu passive" Lesben betätigt, was beim echten Graber niemals toleriert worden wäre. Und "Amina's" Entführung hat bei zahlreichen Unterstützern erhebliche Sorgen ausgelöst, einige in Syrien haben sich in Gefahr gebracht als sie Nachforschungen anstellten. Beide haben Menschen manipuliert, mit denen sie in Kontakt standen, und durch Stories wie angeblichen Todesfällen bei Familien udn Freunden mit den Gefühlen Schindluder getrieben. Darüber geht man sicher nicht mit einem Achselzucken hinweg.

    Aber natürlich war auf Seiten der Leser auch Naivität im Spiel, vor allem bei den Fans von "Amina". Da wurde tatsächlich davon ausgegangen, daß sowohl Name als auch Fotos echt wären. Dabei hätte jedem klar sein müssen, daß ein echter Syrischer Systemkritiker wohl kaum für längere Zeit frei im Internet posten kann, wenn er derartig sorglos die eigene Identität bekannt gibt. Hier wäre wirklich mehr Skepsis angebracht gewesen. Merkwürdig, daß da anscheinend nie jemand gezielt nachgefragt, oder zumindest Sorgen über die Sicherheit geäußert hat.
  4. #33

    ..

    Zitat von r.puttin Beitrag anzeigen
    Warum greift der SPIEGEL diesen doch so naheliegenden Verdacht (wieder)nicht auf?Darf er nicht?
    Nee, weils Blödsinn ist. Dazu ist die Story zu unbedeutend und banal.

    Dann wären Sioe und ich auch vom Geheimdiesnt b ezahlt, nur weil wir mal einen Nick hatten.
  5. #34

    Moomment, ich bin ein Goldfisch

    Zitat von nixus_minimax Beitrag anzeigen
    Überraschung: Im Internet kann man sich als Frau oder Mann ausgeben selbst wenn man ein Goldfisch ist. Wenn das an die breite Öffentlchkeit dringt, nicht auszudenken. Man stelle sich das mal vor bald gibt es sogar nackte Damen und Herren dort zu sehen oder man könnte sogar Werbeung per e-post verschicken. Das ist ja unfaßbar.
    jetzt gehen sie sogar noch auf die Goldfische los.
  6. #35

    ...

    For every credibility gap, there is a gullibility fill.
    (Clopton`s Law)
  7. #36

    Bartwickelmaschine benötigt

    Zitat von Das Grauen Beitrag anzeigen
    Das nicht. Aber hier wurde nicht einfach ein Pseudonym gebraucht, hier wurden Identitäten komplett erfunden, ohne daß dies in irgendeiner Weise kenntlich gemacht wurde. Hier wird ja nicht einfach in transparenter Form ein "Künstlername" benutzt, um die Privatsphäre zu wahren, hier wird Leser vorgegaukelt, der Name und die Person, so wie sie beschrieben wird, währen echt. Es ist also eine Täuschungsabsicht vorhanden.
    Zur Problematik vorgetäuschter Identitäten, vorgetäuschter Geschlechtszugehörigkeit etc. haben Elizabeth Reid, Amy Bruckann und Howard Rheingold schon in den frühen 90ern geforscht und publiziert. Und schon davor gabs Diskussionen darüber in alten News-Posts aus den späten 80ern. Aber die begeisterten Blogger und Webnutzer dieser Welt, insbesondere offenbar die aus der Journalistenecke glauben ja immernoch, vor Web hätte es kein Internet gegeben..
    Erstaunlich ist nicht, dass es diese aktuellen Fälle gibt, sondern dass es so lange gedauert hat, bis es mal aufgefallen ist. Könnte auch daran liegen, dass diejenigen, die heute noch in der Lage sind, eine Adresse oder Identität zu überprüfen, Besseres zu tun haben. Problematisch finde ich höchstens, wenn seriöse Printmedien oder Nachrichten jetzt auch schon darauf reinfallen sollten - mangels ordentlicher Recherche.
  8. #37

    @nixus_miminax & koda: Wieso Goldfisch?

    Es geht um den Hund! Ist doch seit 1993 bekannt:
    "On the Internet, nobody knows you're a dog"
    http://en.wikipedia.org/wiki/On_the_...you%27re_a_dog

    Hochachtung für den Karikaturisten Peter Steiner! '93 war doch noch kaum jemand im Internet, aber der Mann hatte das Problem schon erkannt. Alle Achtung.
  9. #38

    Erst denken, dann sich entrüsten.

    Zitat von gabriel_wolmert Beitrag anzeigen
    Was spielt es für eine Rolle wer der Autor eines Textes ist?
    So oder so muss ich als Leser mir ein eigenes Bild machen.

    Ebenfalls sind genannte Argumente und Fakten nicht weniger treffend nur weil sie von einer anderen Person ausgesprochen werden.
    Welches Bild haben/hätten Sie sich denn vom Blog der Amina A. gemacht? Was hätte es mit der tatsächlichen Realität zu tun gehabt? Wie belastbar sind denn die von Amina A. veröffentlichten Fakten nun? Immerhin müssen sie ja dem Herrn M. in den USA vorgelegen haben..
  10. #39

    ...

    Zitat von Das Grauen Beitrag anzeigen
    Also, die Wut ist schon verständlich. Schließlich haben Leute die Webseite von "Paula" finanziell und durch Mitarbeit unterstützt.
    Selbst Schuld. Wütend müsste man da höchstens über die eigene Leichtgläubigkeit sein.

    Der Vorfall zeigt deutlich dass hier die Entwicklung in den Köpfen der Technik hinterherhinkt.

    Virtuell ist eben nicht Real. Das scheine viele noch nicht begriffen zu haben.