Plagiatsvorwurf gegen Ministerin: Schavans Doktorarbeit "problematisch"

DPAAnnette Schavan, Bundesbildungsministerin unter Plagiatsverdacht, erhält Hilfe von unerwarteter Seite: Das Plagiatsjäger-Netzwerk VroniPlag erklärt, man habe die Arbeit bereits vor Wochen untersucht. Die Arbeit sei zwar "problematisch", aber kein Plagiat.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...830991,00.html
  1. #30

    allerdings!

    Zitat von Psycha Beitrag anzeigen
    Seit ich einen kleinen Einblick bekommen habe, wieviel arbeitslose Promovierte und sogar Habilitierte eine Doktorarbeit für Leute in Lohn und Brot, nein in Gehalt und Champagner, geschrieben haben, interessiert mich kein Doktortitel mehr.
    Was mich wirklich interessieren würde, wären ganz andere Plagiate: Wieviel und welche Gesetzestexte von der Wirtschaft geschrieben und von der Regierung plagiiert wurden.
    Ich kann dieses ganze Gewese um die Doktorarbeiten von Politikern sowieso nicht nachvollziehen. Was soll das? Inhaltlich interessiert sich für diese Arbeiten doch kein Mensch.

    Es geht doch nur darum, Leute zu Fall zu bringen.

    Vor wievielen Jahrzehnten hat Frau Schavan ihre Diss geschrieben? Sie hat ihren Titel von der Uni zuerkannt bekommen, warum lässt man das nicht einfach so stehen?

    Beim Fußball gibt es doch auch Tatsachenentscheidungen. Wenn da einer mit der "Hand Gottes" ein Spiel entscheidet muss er auch nicht wegen Betruges zurücktreten, sondern wird Weltfußballer.
  2. #31

    Entweder oder!

    Zitat von otto_iii Beitrag anzeigen
    Es geht doch nur darum, Leute zu Fall zu bringen.

    Vor wievielen Jahrzehnten hat Frau Schavan ihre Diss geschrieben? Sie hat ihren Titel von der Uni zuerkannt bekommen, warum lässt man das nicht einfach so stehen?
    Tja, warum, warum lässt man diesen falschen Gymnasiallehrer in BaWü nicht weiter unterrichten, nachdem weder den Kollegen noch den Schülern etwas Richtung mangelnde Qualifikation aufgefallen ist? Warum durfte der falsche Psychatrie-Chefarzt mit seinen exzellent gefälschten, exzellenten Noten nicht einfach weitermachen, nachdem er doch Monate laut Kollegen sehr gut gearbeitet hat?
  3. #32

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Annette Schavan, Bundesbildungsministerin unter Plagiatsverdacht, erhält Hilfe von unerwarteter Seite: Das Plagiatsjäger-Netzwerk VroniPlag erklärt, man habe die Arbeit bereits vor Wochen untersucht. Die Arbeit sei zwar "problematisch", aber kein Plagiat.

    Plagiatsvorwurf: VroniPlag nimmt Annette Schavan in Schutz - SPIEGEL ONLINE
    Eines wundert mich bei der ganzen Sache gewaltig... und da ich selber hart für meinen Dr. gearbeitet habe, komme ich mir da auch ein klein wenig verscheißert vor.

    Guttenberg und ne ganze Reihe von Politikern und deren Kiddies haben ... na ja, sagen wir mal nicht so ganz sauber gearbeitet. Zum Teil wohl auch recht offensichtlich.
    Nun machen sich da ein paar Leute mit zu viel Zeit ein Hobby draus, jede Diss diverser Politiker bis aufs i-Tüpfelchen zu checken... ok, viel Spaß dabei.

    Was komplett untergeht ist die Frage, was eigentlich an den Unis los ist. Wie zum Teufel haben die jeweiligen Betreuer korrigiert, bzw. bewertet?
    Die Leistung einer Diss ist ja nicht das zusammenschreiben bereits bekannter Themen, sondern die Schaffung neuer Einblicke.
    Durch Abschreiben, also durch das Wiederholen bereits gesagten, ist das logischerweise nicht möglich. Trotzdem bekommen solche Arbeiten ein summa cum laude...
    Haben die jeweiligen Betreuer die Arbeiten eigentlich überhaupt gelesen, oder hat sich die Korrektur auf die Visitenkarte von Daddy, bzw. den Spendenscheck beschränkt?
  4. #33

    Hier könnte Ihr Doktortitel stehen

    Seltsam, diese "Titelitis" bei Politikern. Da hat sich offenbar am Standesdünkel in den letzten 200 Jahren wenig geändert. Musste man früher einen Adelstitel vorweisen, um es zu was bringen zu können, so ist heute der Doktortitel ein Muss.

    Bei so großer Nachfrage kann ja nichts Vernünftiges mehr heraus kommen.
  5. #34

    Sinnfreies Geschwätz

    Weil die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, seit jeher fehlerhaft ist, ist alles fehlerhaft, was das menschliche Zusammenleben betrifft; und alle "Wissenschaften", die sich direkt oder indirekt mit dem menschlichen Zusammenleben beschäftigen, sind keine Wissenschaften, sondern nichts weiter als sinnfreies Geschwätz.

    Ob also ein "Dr." der Theologie, Philosophie, Soziologie, VWL, Politologie, etc. seinen "Dr." in einer Zinsgeld-Ökonomie "legal" oder durch Abschreiben erworben hat, ist irrelevant, denn sinnfreies Geschwätz bleibt sinnfreies Geschwätz.

    http://www.deweles.de
  6. #35

    Ganz einfach:

    Zitat von Psycha Beitrag anzeigen
    Tja, warum, warum lässt man diesen falschen Gymnasiallehrer in BaWü nicht weiter unterrichten, nachdem weder den Kollegen noch den Schülern etwas Richtung mangelnde Qualifikation aufgefallen ist? Warum durfte der falsche Psychatrie-Chefarzt mit seinen exzellent gefälschten, exzellenten Noten nicht einfach weitermachen, nachdem er doch Monate laut Kollegen sehr gut gearbeitet hat?
    Weil ein Doktortitel kein Nachweis einer bestimmten Qualifikation oder gar Voraussetzung für die Tätigkeit als Minister oder sonstiger Politiker ist.
    Das Staatsexamen eines Lehrers oder Arztes bzw. die Approbation desselben ist hingegen durchaus Voraussetzung der Berufsausübung.

    Im übrigen macht es schon einen Unterschied, ob eine Arbeit tatsächlich geschrieben wurde, sei sie auch schlecht, mit fehlenden Zitatangaben oder sonst fehlerhaft, oder ob (außer gefälschten Urkunden und Lebensläufen) überhaupt nichts existiert.
  7. #36

    Zitat von otto_iii Beitrag anzeigen
    [...]Vor wievielen Jahrzehnten hat Frau Schavan ihre Diss geschrieben? Sie hat ihren Titel von der Uni zuerkannt bekommen, warum lässt man das nicht einfach so stehen?

    Beim Fußball gibt es doch auch Tatsachenentscheidungen. Wenn da einer mit der "Hand Gottes" ein Spiel entscheidet muss er auch nicht wegen Betruges zurücktreten, sondern wird Weltfußballer.
    Seltsamer Vergleich. Fußball würde ohne Tatsachenentscheidung halt einfach nicht funktionieren. Man kann ja beispielsweise nicht Tage nach dem Spiel nachträglich einen Freistoß geben.

    Aber man kann im Sport durchaus einen Siegertitel nachträglich aberkannt bekommen. Wer beispielsweise bei einem Laufrennen einen Weltrekord aufstellt, aber nachher wegen Dopings überführt wurde, dem wird Sieg, Medaille und der Weltrekord wieder aberkannt.

    Der Titel "Dr." wird nun einmal von vielen Wählern als Richtschnur bzw. als zusätzlicher Nachweis für Kompetenz auf dem jeweiligem Fachgebiet angesehen. (Ob das auch so sein sollte, sei mal dahingestellt.) Daher ist es wesentlich, ob der jeweilige Politiker seinen Titel rechtens trägt, oder nicht. Denn dieser Titel hat viele Wähler dazu bewegt, dem jeweiligen Politiker sein Vertrauen zu schenken.
  8. #37

    Hätte mich auch stark gewundert, wenn ein nachvollziehbarer Vorwurf erst jetzt ans Licht gekommen wäre - die Dissertation der Bildungsministerin war bestimmt eine der ersten, die auf Plagiate überprüft wurde.

    Ich hab mir mal ein paar der "herausragenden" Fundstellen angeschaut, und wenn das wirklich die schlimmsten Stellen sind, dann kann man sich schnell wieder beruhigen. Sicher sind auch solche kleinen Übernahmen nicht ganz fein, aber man braucht bei der Suche auch nicht zu übertreiben. Da wollte es anscheinend jemand auf keinen Fall akzeptieren, dass Frau Schavan keiner der unzähligen Plagiatoren in einer Spitzenpolitikerrolle ist.
  9. #38

    Zitat von Mephistodium36 Beitrag anzeigen
    Tja, einerseits zeigt die Plagiatsgeschichte, dass recht viele Menschen für einen akademischen Titel quasi Unrecht auf sich nehmen.

    Es zeigt auch, dass man in gewissen Kreisen ohne Titel weniger wert ist oder einfach weniger anerkannt wird. Auch......
    Ich würde behaupten, dass es zwei Gründe gibt, warum hauptsäch Regierungsmitglieder geprüft werden. Auf der einen Seite hat eine Regierung immer mehr Gegner als eine Opposition. Das war schon immer so, und wird auch immer so bleiben. Auf der anderen Seite braucht man sich auch nur mal die Liste der Bundestagsabgeordneten anzuschauen, und man erkennt, dass die "Dr.-Quote" bei den Regierungsparteien deutlich höher ist als bei den anderen:
    Union 53/236 => 22%
    FDP 21/93 => 23%
    SPD 21/146 => 14%
    Grüne 10/68 => 15%
    Linke 13/76 => 17%

    Damit kann man sich auch gleich mal die Frage über die Ursache der vielen Plagiatoren in der Politik beantworten. Grad bei Union&FDP scheint man ja einen Dr. zu brauchen um an die Spitze zu kommen.
  10. #39

    Schnell gefunden

    Wer als Schlussfolgerung seiner Dissertation fremdes Gedankengut nur ein wenig umformuliert muss sich zumindest ein paar kritische Fragen gefallen lassen. Ich habe nur kurz reingeschaut und gleich folgende Passage gefunden:
    Seite 322 « schavanplag

    „In dem Maß, in dem neben die heteronomen Normen selbstüberprüfte Normen treten, erstere ersetzt bzw. [...] nach kritischer persönlicher Überprüfung gutgeheißen und damit nun als autonome Normen beibehalten werden, sprechen wir von einem autonomen Gewissen, einer geglückten Personalisation.“
    (Hupperschwiller)

    „Zusammenfassend kann man feststellen, daß in dem Maß, in dem im Jugendalter neben die heteronomen Normen selbstüberprüfte Normen treten, bzw. erstere nach kritischer persönlicher Überprüfung ersetzt oder aber gutgeheißen und als autonome Normen zur Grundlage des Entscheidens und Handelns werden, man von einem autonomen, bzw. personalen Gewissen sprechen kann und damit von einer geglückten Personalisation.“
    (Schavan ohne Quellenangabe)

    Der Inhalt ist banal und besagt, dass man gängige Normen im Zuge der Persönlichkeitsentwicklung entweder bestätigt oder ersetzt.-)
    Zugegeben, ich bin nicht gerade ein Freund von soziologischer Verbal-Aufschneiderei. Der Doktortitel gehört wahrscheinlich eher in eine längst vergangene Epoche, als die Geisteswissenschaften noch weniger ideologisiert waren, und man die Bürger mit Küchenlatein noch beeindrucken konnte.