Plagiatsvorwürfe: Angriff auf Minister Makellos

Karl-Theodor zu Guttenberg hat mehr zu verlieren als andere Minister. Der CSU-Mann ist beliebt, gilt als Ausnahmepolitiker - doch die Plagiatsvorwürfe erschüttern seine Glaubwürdigkeit. Droht ihm erstmals echte Gefahr?

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...745961,00.html
  1. #110

    Kann mal passieren, oder ?

    Es ist mir selbst mal passiert, dass mir nach Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels vorgehalten wurde, dass der Gegenstand der Arbeit sich mit einer Vorveröffentlichung zumindest soweit überlappt, dass ein Zitat der letzteren angebracht gewesen wäre. Da ich die Arbeit nicht kannte, konnte ich dem nur kleinlaut zustimmen und gut war's. (Mit meiner Dissertation hatte das aber nichts zu tun.)

    Insofern würde ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen, sowas kann mal passieren. Bei 1200 Fußnoten/Zitaten kann man auch mal ein oder zwei vergessen. Ist dann schlampige Arbeit (und dann ganz sicher nicht mehr "summa cum laude"). Wenn aber das Abkupfern nach Menge und Systematik derartige Ausmaße annimmt, dann muss man doch mal ins Grübeln kommen, welchen wissenschaftlichen Wert die Arbeit noch hat.

    Besonders peinlich finde ich dabei, wenn zwei Absätze aus der Einleitung (ich stimme den Vorrednern zu, die sollte zu 100% selbstgeschrieben sein) ausgerechnet aus einer ordinären Tageszeitung abgeschrieben werden. Hätte es da keine "wissenschaftlichere" Quelle zum Klauen gegeben ?

    Wenn all dies einem Namenlosen "passiert" wäre, hätte die betreffende Uni längst ein hochnotpeinliches Verfahren eingeleitet (und zu 99,9% mit Entzug der Doktorwürde abgeschlossen). Ich wünsche mir daher, dass die Uni Bayreuth an die fragliche Dissertation dieselben Massstäbe anlegt, wie an die eines jeden anderen Bürgers. Weder soll sie sich nun an der Hexenjagd auf einen Promi beteiligen, noch soll sie sich davor scheuen, eigene Versäumnisse bei der Prüfung der Authentizität offen einzugestehen. Einfach nur die sich selbst gegebene Promotionsordnung ohne Ansehen der Person anwenden.

    Ich bezweifle aber, dass das geschehen wird. Das reflexartige Statement der Uni, die Plagiatsvorwürfe seien absurd, spricht doch schon Bände. Denn wenn man zu diesem Ergebnis nach wirklich ernsthafter Prüfung gekommen wäre, dann müsste man eigentlich für jede einzelne kopierte Stelle eine plausible Erklärung parat haben. Davon habe ich aber bisher nichts lesen können. Hier geht es offenbar allein darum, durch Pauschalvorwürfe gegen Unbeteiligte von der Peinlichkeit für die Beteiligten abzulenken. Und da wird mir speiübel.

    Fazit: Gutti wird auch das überstehen ...
  2. #111

    Plagiatsvorwürfe

    Wenn diese 6 Textpassagen bei einer Dissertation von über 400 Seiten alles war-naja. Für den Linksblock natürlich ein gefundenes Fressen. Vielleicht sollte man sich mehr Gedanken machen über den Doktortitel der Mediziner.Die bekommen ihn nämlich im Vergleich zu anderen Fakultäten förmlich nachgeschmissen.
  3. #112

    .

    Prinzipiell gibt es doch zwei (berechtigte) Betrachtungsweise:

    1) Bagatellisierung: In Italien steht der Präsident wegen Prostitution und sonst was vor Gericht. In Ägypten müssen sie erst zwei Wochen das Land lahm legen, bevor der Präsident geht. Und ein deutscher Minister soll wegen "unwissenschaftlichen Arbeitens" zurücktreten (ja, die Forderung steht bisher noch nicht im Raum, aber sie kommt sicherlich). Das ist natürlich, betrachtet man größere Zusammenhänge, irgendwo absurd. Primär sollte zählen, ob er gute, politische Arbeit macht oder nicht.

    2) Zweifel: Guttenbergs Aussagen à la "Dann ändern wir das eben in einer neuen Auflage." sind ein Schlag in das Gesicht all derjenigen Doktoranden, die nicht Prominentenstatus genießen. Bei einer wissenschaftlichen Arbeit geht es nicht nur darum, etwas niederzuschreiben, zu erforschen etc. sondern es eben auch in wissenschaftlicher Form zu tun. An Unis gibt es genügend Kurse zum Thema "Wie zitiere ich richtig." und es ist Kern wissenschaftlichen Arbeitens, von den Erkenntnissen anderer Autoren ausgehend auf eigene zu schließen. Einige nicht markierte Zitate sind vielleicht noch im Toleranzbereich, aber wenn es sich um Schlüsselpassagen handelt, wenn es darum geht, zu zeigen, "Ich habe mich mit der Materie beschäftigt und ziehe folgende Schlüsse daraus.", dann ist das ein zweifelhaftes Vorgehen und hier muss man ernsthaft beim Herrn G. nachfragen, wie es mit Schein und Sein bei ihm steht.

    Was mich stört, ist das typisch guttenberg-läppische Herunterspielen. Dieses "Ich bin von Gottes Gnaden geküsst und hab weiß Gott wichtigeres zu tun." Ich bin gespannt, was die Prüfung seiner Arbeit ergibt und wie er damit umgeht. Schließlich kann er hier niemanden voreilig entlassen oder suspendieren, wie bei den sonst üblichen Skandälchen. In diesem Fall, wenn dann nur, sich selbst. Bittere Ironie.
  4. #113

    Zitieren

    [QUOTE=KMag;7175943]IHRE Relationen stimmen nicht!
    "...wegen ein paar Anführungszeichen". Sie wissen nicht, wovon Sie reden!" /QUOTE]

    Vor vielen Jahren schrieb mein Kumpel eine Doktorarbeit. Mein Kumpel, den ich persönlich schätze wegen seiner Intelligenz und überbordenden Kommunikationsfähigkeit, ließ bei Gesprächen gerne mal einen Satz auf Französisch einfließen. Da ich als einziger damals gut Französisch sprach, bemerkte nur ich, dass diese Sätze von Fehlern wimmelten. Ich sagte nichts, und mein Kumpel wurde bewundert. Ich nicht, weil ich solche Sätze nur einfließen ließ, wenn ich mir ihrer Richtigkeit hundertprozentig sicher war. Und wann ist man das schon mal? Bei seiner Dissertation wurde beanstandet, dass er öfter mal Zitatsangaben "vergaß". Das brachte ihm nur eine Zwei. Aber seine Arbeit war im Nu fertig, und seinem Einsatz als Attaché stand nichts mehr im Wege. Er war schnell, flexibel und konnte sich jederzeit umstellen. Seinen Namen nenne ich nicht, aber er ist heute Direktor eines Instituts.

    Ich war stets zwanghaft und von einem Ethos durchdrungen, den ich den Märchen der Erwachsenen in meiner Kindheit entnommen hatte. Die Thesen meiner Doktorarbeit waren recht unkonventionell und für DDR-Verhältnisse fast genial, aber ich wollte ein "deutscher" Wissenschaftler sein. So las ich unzählige teils idiotische Bücher, nur, um einen soliden wissenschaftlichen Apparat um meine Erkenntnisse herum aufzubauen. Achtzig Prozent meiner Arbeit machte das Zusammenstellen und Überprüfen von Zitaten aus, zu denen ich die entsprechenden Bücher ganz gelesen hatte. Mein Kumpel hatte darauf einfach verzichtet.

    Ich promovierte Lichtjahre zu spät, bekam eine Eins und ergreifende lobende Worte und arbeitete ein halbes Jahr später als Straßenfeger. Ich hätte alle aufgehalten mit meiner Pedanterie, wurde mir gesagt. Mein neuer Forschungsgruppenleiter, der Begriffe verwendete, ohne sie zu hinterfragen, hatte mich rausgehauen. Heute sitze ich auf Hartz IV. Ich kann bitter hadern mit meinem Schicksal. Andere sagen, ich wäre einfach nur bekloppt und hätte selber schuld. Was ist nun richtig? Ist G. ein guter Verteidigungsminister oder nicht? Ich denke, er ist es. Weil er so ist wie mein Kumpel. Wer in der Politik schnell mal vom Arbeits- zum Finanz-, Verteidigungs- oder Verkehrsminister wechseln kann, braucht keine Fachkompetenz, sondern "Führungsstärke". Politik und gründliche Recherche sind schon ein Widerspruch in sich. Politiker müssen nicht klug sein, sondern schlau, nicht ehrlich, sondern clever. Sie brauchen nicht das Hirn von Einstein, sondern das Maul von Koch und den Bass von Kohl. Und das Gewissen von Madoff. Was man hingegen dem Volk vormachen kann, entspricht dessen Naivität und Dummheit.
  5. #114

    Ergebnisse

    Zitat von neu4 Beitrag anzeigen
    Völlig unverständlich, wie man in der Einleitung „vergessen kann“ Textpassagen zu zitieren. Dort hat man nämlich keine Zitate. Einleitung und Zusammenfassung sind die Krönung der jahrelangen Arbeit.
    ....
    Naja, unter dem Titel
    C: Ergebnisse
    auch gleich nicht gekennzeichneten fremden Text zu schreiben, ist auch nicht ohne.
  6. #115

    Okay - Meister zu Guttenberg hat abgeschrieben. Vielleicht hat er auch noch an anderen Stellen Dinge getan, die nicht korrekt, fehlerhaft oder sogar unerlaubt sind. Kann alles sein.
    Bleibt also die Frage, ob jemand Verteidigungsminister sein darf, der in seiner Dissertation gemogelt hat und das auch nicht freimütig in der Öffentlichkeit (zusammen mit dem Amtseid) verkündet hat.
    Alle diejenigen, die den Rücktritt fordern und von einer Beschädigung aufgrund eingeschränkter Glaubwürdigkeit sprechen, frage ich nach einem Wertekatalog für Verteidigungsminister. Was darf ein Verteidgungsminister und was darf er besser nicht (getan haben). Doktorarbeit abschreiben ist scheinbar schon mal ganz schlecht. Wie sieht es mit "Ehefrau betrügen" aus? Oder mit "Falschparken"? Oder mit illegalem Musikdownload? Ab wann darf man nicht mehr Verteidigungsminister sein?
    Und bitte kein allgemeines Gerede von "Glaubwürdigkeit" - das ist nämlich mehr als subjektiv. Mir persönlich ist das ziemlich egal, ob ein Verteidgungsminister (Nicht Bildungsminister) bei seiner Dissertation gepfuscht hat. Es gäbe politisch bedeutsamere Dinge, um Herrn zu Guttenberg zu kritisieren
  7. #116

    Zitat von Mitten in Bayern Beitrag anzeigen
    Sie solten dem Spiegel nicht unrecht tun. Erstens will er auch immer ein bischen den winnerteam- Joiner geben, und sich an allgemeine Trends anhängen. Und jetzt hat sich der Spiegel doch schon zusammen mit der Süddeutschen Zeitung an die Spitze des Guttenberg- Bashings gesetzt. Sie brauchen nur mal nachlsesen wie viele unzählige Blogs man zu diesem vordringlichsten Thema deutscher Innenpolitik eröffnet
    Die Politik . ob links oder rechts - sollte sich raus halten.
    In Bayreuth wird objektiv (hoffentlich !!) geprüft, ob ein Verstoss gegen die Promotionsordnug vorliegt, wie schwerwiegend dieser ist und welche Konsequenzen daraus zu ziehen ist.
    Es gibt sicherlich Präzendenzfälle auf diesem Gebiet.
    Die Justiz muss ohne Ansehen der Person Recht sprechen.
    Einen 'Gutenberg-Bonus' darf es jedenfalls nicht geben, aber auch keine politische Entscheidung.
  8. #117

    Man lernt nie aus.

    Im Osten haben wir die Variante Stasi. Hier die Variante copy & paste. Mal sehen, ob die Westvariante ausreicht um den Karriereknick auszulösen.
  9. #118

    ---

    Zitat von br0iler Beitrag anzeigen
    Hmmm, da stellt man fest, das Herr G. doch nicht ganz perfekt ist, also eigentlich ganz menschlich ist. Er ist doch so wir, wie du und ich. Er hat mal nicht gründlich gearbeitet, hui das ist mir auch schon mal passiert und ich bin auch damit durch gekommen. Ist er doch einfach nur "normal"?
    Ob er nun doktor bleibt oder nicht - ist eigentlich egal. Schlimm finde ich eigentlich das "seelische wichsen" der Opposition und diverser Forenschreiber. Endlich hat man mal was worauf man sich einen runterholen kann. Peinlich.
    Vorschlag: Schreiben Sie doch einfach mal in Deutschland eine Doktorarbeit bei einem Doktorvater, der Wert darauf legt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Wenn sie diese jahrelange Prozedur überstanden haben, ohne dass Psychosen, chronische Wahnzustände oder andere psychische Deformationen zurückgeblieben sind, können Sie sich gerne noch einmal zu den Sachverhalten rund um Herrn Guttenbergs Dissertation äußern. Ich weiß, wovon ich rede - und bestehe alleine schon deshalb darauf, dass bei der Verleihung des höchsten deutschen Bildungsabschlusses zumindest allen Anwärtern im gleichen Maße der Arsch aufgerissen wird...
  10. #119

    Für dumm verkaufen

    Zitat von brotbüchse Beitrag anzeigen
    Die deutsche Sprache scheint aber letztendlich selbst für Muttersprachler teilweise so schwierig, dass man fremde Gedankengänge nicht in eigene Textbausteine umbaut und sie einfach wörtlich von anderen übernimmt.
    Genau das ist der Punkt, warum KTzG's Aussage von wegen 'Fußnoten und/oder Anführungszeichen vergessen' ganz klar als Lüge und als ein Für-Dumm-Verkaufen gewertet werden muss. Vergleichen Sie einmal die im Netz verfügbaren Originaltexte mit den 'Zitaten' des Nichtdoktors! Was - wenn nicht eine Verschleierung der Tatsache, dass bewusst geklaut wurde - steckt denn dann bitte dahinter, dass kleine Passagen verfremdet, Füllwörter eingefügt und hier und da Begriffe durch Synonmye ersetzt wurden? Wenn man aus Fremdtexten zitiert, hebt man Weglassungen, Kommentare und Anpassungen entsprechen hervor. In KTzG's Arbeit wurden nicht einfach nur ein paar Satzzeichen vergessen. Die Absicht der Täuschung ist unübersehbar!