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Plädoyer zur Organspende: Mehr Mut für ein hilfreiches Geschenk
DPADie Organspendereform hat den Bundesrat passiert - nun soll die Zahl der Spender steigen. Doch einige Menschen zweifeln am Hirntod, andere wollen nicht darüber nachdenken. Der Medizinethiker Urban Wiesing zeigt in einer Nutzen-Schaden-Abwägung, warum ein Geschenk fürs Leben nach dem Tod so wichtig ist.
http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...835319,00.html
- #10 15.06.2012 14:38 von
Lächerlich! Eine Schaden-Nutzen-Abwägung würde voraussetzen, dass man den Schaden und den nutzen in allen Fällen genau benennen kann. Das aber leistet dieser Kommentar eben gerade nicht, weil die Hauptbedenken der OS-Gegner, dass sie z.B. im Zweifelsfall als Organspender lebensrettende Behandlungen nicht mehr erhielten, völlig ignoriert werden. Wiesing geht davon aus, dass sich immer jeder Mediziner und jeder Patient absolut an die Spielregeln hält, sprich dass der eine niemand bevorzugt und der andere nicht versucht, sein eigenes Leben notfalls auf Kosten eines anderen zu verlängern, indem er einen Transplantationsmediziner besticht. Sorry, aber wenn wir auf einer Insel der Glückseligen leben würden, wo jeder absolut nur das täte, was gut und richtig ist, dann könnte Wiesings Bewertung vielleicht zutreffen. Die Realität ist eine gänzlich gegenteilige. Von daher kann man die Bedenken eben nicht so pauschal abtun, wie Wiesing es tut.
Er vergisst außerdem noch eines: So sehr er den Leuten auch eine moralische Pflicht zur OS geradezu herbeireden möchte: Eine solche besteht nicht. Niemand braucht sich über das Thema Gedanken zu machen, wenn er das nicht möchte, selbst wenn er jetzt von Gesetzeswegen im 5-Jahres-Rhythmus dazu genötigt werden soll. Wer OS gut fand, der hatte vorher auch schon reichlich bequeme Mittel und Wege, sich einen Ausweis zu besorgen. Wer es nicht gemacht hat, dem war die OS schlicht nicht wichtig, also war er in der Konsequenz nicht wirklich dafür, sondern stand ihr höchstens abstrakt positiv gegenüber. Das hat aber mit tatsächlicher Zustimmung überhaupt nichts zu tun, auch wenn es die Medien uns gerne so verkaufen, dass ja angeblich fast jeder dafür ist. Warum nur gab es dann aber tatsächlich so wenig Organspender, wenn es den Leuten doch so ein absolutes Herzensanliegen gewesen sein soll (Wortspiel unbeabsichtigt)? - #11 15.06.2012 14:41 von
wer sagt, dass ich für die Gesellschaft nützlich sein will?
Ich behalte mir - egoistisch wie ich bin - vor, nicht nützlich sein zu wollen und auch selbst kein Organ erhalten zu wollen. Ab einem bestimmten Alter wir dies eh beliebig unwahrscheinlich, wie bereits ein Bekannter meiner Eltern seit Jahren erfahren muss.
Und überhaupt: Wer profitiert denn wirklich? Diejenigen, die oben auf den Listen stehen! Und wie wohl und wer steht oben auf den Listen? Wer kann denn garantieren, dass es bei der Verteilung gerecht zugeht? Es läuft doch immer auf Eines hinaus: Wer kontrolliert die Kontrolleure? In unserer "Demokratie" wohl niemand oder jedenfalls niemand Unabhängiges.
Zum Glück müssen (noch!) alle sterben und ich habe damit jedenfalls kein Problem. - #12 15.06.2012 14:41 von
Guter Kompromiss
Das Gesetz ist ein guter Kompromiss - dass jeder mal gefragt wird ist ja wohl auszuhalten (auch wg. der Vermeidung der Belastung der Verwandten im T Fall).
Seit 1999 bin ich schon Organspender - hier in Kanada wurde da beim Krankenkassenantrag direkt nachgefragt. In der Karte liest es sich jetzt Donor/Donneur. Dass sowas so lange in D braucht ist schon erstaunlich!
(Ich persoenlich wuerde dafuer stimmen, dass nicht-Organspender auch keine Organe Empfangen, aber lassen wir's mal beim Kompromiss). - #13 15.06.2012 14:58 von
Ich lebe noch...
..weil ich von anderen mindestens Blut bekam. Mein Organspenderausweis begleitet mich seit vielen Jahren und aus meinem Kadaver kann man herausschnippeln was auch immer egal wem nützt. Den Rest des Körpers kann die Forschung haben zum Basteln.
Wo ist das Problem ? Ich weiss heute, dass meine Reste nach meinem Ende noch zu etwas nutze sein werden und fühle mich mit diesem Gedanken extrem wohl. - #14 15.06.2012 15:19 von
Ganzheitlich denken
Normalerweise wird die "Schulmedizin" angegriffen, weil sie nicht "ganzheitlich" denkt. Geht Sie in diesem Fall davon aus, dass der Mensch mindestens die Summe aller seiner Teile ist, ist es auch wieder nicht recht.
Gut ausgeblutetes und abgehangenes Fleisch bekommt man beim Metzger, aber damit kann man nur Wurst machen, keine Transplantationen. - #15 15.06.2012 15:20 von
Ein Mensch der an einer "künstlichen Versorgung" hängt ist nicht zwingend hirntot. Organe können aber nur entnommen werden wenn ein Spender hirntot ist (sofern es sich nicht um eine Lebendspende einer Niere, oder eines Leberteils handelt).
Deswegen hätte er seine Mutter nicht für eine Organspende "frei geben" können.
Das ist alles sehr logisch und überhaupt nicht "eigenartig".
Allerdings finde ich es schade, wenn die Mutter terminal erkrankt war, tatsächlich sterben wollte, und der Sohn ihr nur weitere Qualen ersparen wollte, dass er dafür zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.
Können Sie sagen wo man mehr über das Verfahren und das Urteil lesen kann? - #16 15.06.2012 15:22 von
Sehen Sie? Sie haben es auch ohne diese unsinnige Gesetz geschafft, sich einen Ausweis zu besorgen. Warum? Weil es Ihnen wichtig war. Das ist der einzige Grund. Also braucht es im Umkehrschluss dieses Gesetz überhaupt nicht, weil alle, die wirklich Organspender sein wollten, bisher auch schon mehr als genug Gelegenheit hatten, einer zu werden. Der Rest wollte schlicht und einfach nicht, egal ob aus Faulheit, Nicht-darüber-nachdenken-Wollen oder einer expliziten Entscheidung gegen OS.
Dürfen Sie meinetwegen auch - bloß macht Sie das weder zum besseren Menschen, noch ist Ihre höchstpersönliche Entscheidung für andere relevant. Noch darf sich das jeder selber überlegen - und auch beschließen, dass er nicht entscheiden will. Er wird dann zwar neuerdings regelmäßig mit OS-Spam belästigt, aber entscheiden darf er immer noch selber.
PS: Ich bin Nicht-Spender und fühle mich mit dem Gedanken, dass nicht schon die Geier über meinem Haupt bzw die Transplantationsmediziner über meiner Leber kreisen ebenfalls extrem wohl. Ich fühle mich auch sehr wohl damit, dass es sich für niemanden lohnt, mein Ableben zu beschleunigen bzw mir eine lebensrettende Behandlung zu verweigern, weil er schon einen Kunden für meine Organe hat. Noch besser gefällt es mir, dass ich die Möglichkeit habe eine Patientenverfügung für ein halbwegs würdiges Ableben zu verfassen. Das können Sie als Organspender nicht, weil Sie auf jeden Fall so lange an die üblichen Apparate angeschlossen werden, bis die Organe entnommen wurden. Schon mal da drüber nachgedacht?
Sehr bezeichnend übrigens, dass sowohl Politik als auch der Spiegel dieses kleine aber wichtige Detail in der Debatte regelmäßig unterschlagen. - #17 15.06.2012 15:23 von
- #18 15.06.2012 15:34 von
Wo wird denn hier "ganzheitlich" gedacht? Fuer die Transplantationsmedizin ist der Mensch ein Ersatzteillager (oder eine Maschine mit einem defekten Teil. Ganzheitliches Denken kann ich da nicht erkennen.
Und darum gibt es keine ethisch vertretbare Transplantationsmedizin.Gut ausgeblutetes und abgehangenes Fleisch bekommt man beim Metzger, aber damit kann man nur Wurst machen, keine Transplantationen. - #19 15.06.2012 15:38 von
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