Plädoyer zur Organspende: Mehr Mut für ein hilfreiches Geschenk

DPADie Organspendereform hat den Bundesrat passiert - nun soll die Zahl der Spender steigen. Doch einige Menschen zweifeln am Hirntod, andere wollen nicht darüber nachdenken. Der Medizinethiker Urban Wiesing zeigt in einer Nutzen-Schaden-Abwägung, warum ein Geschenk fürs Leben nach dem Tod so wichtig ist.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...835319,00.html
  1. #110

    Zitat von indiantiger Beitrag anzeigen
    Und genau wegen der fehlenden Akzeptanz des Sterbens steht das Thema Organtransplantation so fest auf der aktuellen Tagesordnung: es gibt ausreichend viele Leute, die aus Panik und mangelnder Selbstreflexion heraus ihr Leben verlängern wollen…
    Wie reagieren Sie, wenn Sie mit der Nachricht konfrontiert werden, dass Ihr Tod in Bälde kommt, aber eine Transplantation Ihnen ein Weiterleben ermöglichen würde? Ganz gelassen?
    Zitat von indiantiger Beitrag anzeigen
    …und deshalb meinen, einen gesetzlich durchsetzbaren Anspruch auf die Organe anderer Menschen zu haben.
    Das fordert ja keiner – abgesehen davon, dass das medizinisch gar nicht möglich ist. Es werden nur Menschen dazu aufgefordert, sofern sie spendebereit sind, das zu dokumentieren, falls sie nicht spendebereit sind, das zu dokumentieren und falls sie wollen, dass ihre Familie das im Fall der Fälle entscheidet, das zu dokumentieren.
  2. #111

    Zitat von alafesh Beitrag anzeigen
    Was die Transplantation so besonders macht, ist, daß für diese Art Prothese ein Sterbender benötigt wird. Das mit Gelenkprothesen oder anderen med. Maßnahmen zu vergleichen, halte ich für unzulässig.
    Um die "Prothese" als solches geht es nicht.

    Sie nehmen einfach an, weil jemand bereut ein neues Herz bzw. Lunge erhalten zu haben, er deswegen die Transplantationsmedizin in Gänze ablehnt. Ich kenne einige Menschen die bereuen transplantiert worden zu sein, aber nochmals, keinen einzigen, der deswegen die Transplantationsmedizin ablehnt. Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte.
  3. #112

    Rechenfehler

    Zitat von zoey Beitrag anzeigen
    aber die Frage, die sich mir stellt ist: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich zu früh "ausgeweidet" werde und wie wahrscheinlich ist es, dass ich mit einer Organspende zur richtigen Zeit jemandem das Leben retten kann? Ich glaube, letzteres ist wahrscheinlicher - daher ist für mich klar, dass der Organspendeausweis bleibt wo er ist.
    Die Frage, die Sie sich stellen sollten, ist die, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie überhaupt passend versterben? Es sterben pro Jahr ca. 800.000 bis 850.000 Bürger im Land. Davon sind ca. 3.000 Hirntote. Von diesen werden ca. 2.000 tatsächlich als Spender eingesetzt. 1.000 wiederum fallen durch Verweigerung, Nichteignung oder Nichtmeldung durch den Rost.
    Auch wenn alle Fälle Verwendung finden würden, der Bedarf liesse sich damit nicht decken.
    Das unterschlagen Sie schlicht und fahren dagegen das gern genommene Geschütz auf, die Leute wären nur zu träge. Sie mögen rosa Ringelsöckchen, die seien Ihnen gegönnt. Hören Sie aber auf damit, anderen Leuten rosa Ringelsöckchen als nötige Ausstattung aufdrängen zu wollen und tragen Ihre ganz einfach selbstverständlich und schweigend.
  4. #113

    Mangelnde Sicherheit - Irren ist menschlich!

    Wenn der Hirntod der Tod wäre und das ganz sicher wäre, dann würde ich das anders sehen. Aber der Hirntod ist nicht sicher. Fehler geschehen allen Menschen. Außerdem sind weder EEG noch sonst eine Zusatzuntersuchung erforderlich in Deutschland. Es reichen Reflexuntersuchungen und der Atemstillstand-Test (wiederholt). Obwohl das jeder weiß von den Ärzten und Organspendebefürwortern, wird immer wieder auf das sichere EEG und die sicheren neuen Geräte verwiesen, die die Diagnose angeblich ganz sicher machen. Das ist Augenwischerei! Außerdem hat jeder Patient mit schwerster Hirnschädigung das Recht auf Reha und bis dahin sind nach allen Regeln der ärztlichen Kunst alle entlastenden Maßnahmen auszuführen. Wenn keine Druckentlastung für das anschwellende Gehirn vorgenommen wird, weil der Patient zu früh aufgegeben wird, dann MUSS er hirntot werden. Ausnahme sind für mich nur Patienten, die eine entsprechende Verfügung geschrieben haben, dass sie keine lebenserhaltende Intensivmedizin möchten.
  5. #114

    ok

    Zitat von Softship Beitrag anzeigen
    Vielleicht täte es unserer Gesellschaft gut, wenn sie mal wieder etwas mehr über das Sterben und den Tod denken würde. Da wäre sie vielleicht etwas dankbarer für alles, was sie über die Jahre bekommen hat.
    Guter Einwand.
    Krankheit und Tod machen durchaus demütig. Ansonsten herrscht eine "wir dürfen das und wir haben Rechte"-Mentalität, die alles an eben diese Umstände ausblendet.
    Wobei, wenn sich Volkes Meinung zum Thema Sterbehilfe mittlerweile gewandelt und kein Gehör findet, so scheint die Denkarbeit verschiedentlich doch nicht eingeschlafen zu sein.
  6. #115

    Sorry,

    Zitat von Softship Beitrag anzeigen
    Wo soll das passiert sein? Quelle?
    da muss ich passen. Ich habe es vor kurzem als kleinen Artikel gelesen, kann aber die Quelle nicht mehr ausfindig machen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich sie nochmal brauchen würde.
    Noch ein Experiment, für das ich keine Quellenangabe habe: Es wurden komatösen Patienten Fragen gestellt, die sie, da sie ja nicht sprechen können, mit Gedanken beantworten sollten. Das Konzept dahinter war, dass wenn man z.B. an "Sport" denkt andere Hirnareale aktiviert werden als wenn man an "Essen" denkt. Sie wurden also instruiert, wenn sie die Frage mit mit "ja" beantworten wollten, sollten sie an "Sport" denken, bei "nein" an "Essen". Und es hat teilweise funktioniert.
  7. #116

    Da kann ich weiterhelfen

    Zitat von Psycha Beitrag anzeigen
    da muss ich passen. Ich habe es vor kurzem als kleinen Artikel gelesen, kann aber die Quelle nicht mehr ausfindig machen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich sie nochmal brauchen würde.
    Noch ein Experiment, für das ich keine Quellenangabe habe: Es wurden komatösen Patienten Fragen gestellt, die sie, da sie ja nicht sprechen können, mit Gedanken beantworten sollten. Das Konzept dahinter war, dass wenn man z.B. an "Sport" denkt andere Hirnareale aktiviert werden als wenn man an "Essen" denkt. Sie wurden also instruiert, wenn sie die Frage mit mit "ja" beantworten wollten, sollten sie an "Sport" denken, bei "nein" an "Essen". Und es hat teilweise funktioniert.
    Der Artikel stand in mehreren Zeitungen, z.B. Frankfurter Rundschau oder Berliner Zeitung mit der Überschrift 'Der Student, der jüngst noch "hirntot" war'.
    Hier ein Link Organspende: Der Student, der jüngst noch "hirntot" war | Wissen*- Frankfurter Rundschau
  8. #117

    Zitat von Psycha Beitrag anzeigen
    Noch ein Experiment, für das ich keine Quellenangabe habe: Es wurden komatösen Patienten Fragen gestellt, die sie, da sie ja nicht sprechen können, mit Gedanken beantworten sollten. Das Konzept dahinter war, dass wenn man z.B. an "Sport" denkt andere Hirnareale aktiviert werden als wenn man an "Essen" denkt. Sie wurden also instruiert, wenn sie die Frage mit mit "ja" beantworten wollten, sollten sie an "Sport" denken, bei "nein" an "Essen". Und es hat teilweise funktioniert.
    Ja, bei Menschen im Wachkoma. Aber Wachkoma und Hirntod haben nur gar nichts miteinander gemeinsam. Denn ein Hirntoter hat keine aktiven Hirnareale, sondern ein flaches EEG.
  9. #118

    Quelle

    Zitat von Psycha Beitrag anzeigen
    da muss ich passen. Ich habe es vor kurzem als kleinen Artikel gelesen, kann aber die Quelle nicht mehr ausfindig machen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich sie nochmal brauchen würde.
    Vielleicht kann ich helfen:
    Organspende: Der Student, der jüngst noch "hirntot" war | Wissen*- Frankfurter Rundschau
  10. #119

    Zitat von Patanjali Beitrag anzeigen
    Der Artikel stand in mehreren Zeitungen, z.B. Frankfurter Rundschau oder Berliner Zeitung mit der Überschrift 'Der Student, der jüngst noch "hirntot" war'.
    Hier ein Link Organspende: Der Student, der jüngst noch "hirntot" war | Wissen*- Frankfurter Rundschau
    Wie ich vermutet habe, hat sich das im Ausland ereignet.

    Im Artikel steht noch
    Andreas Unterberg hält es deshalb auch für „ausgeschlossen und unmöglich“, dass so etwas in Deutschland passieren könnte – menschliches Fehlverhalten ausgeschlossen. Der Heidelberger Neurochirurg vermutet zudem, dass man bei Steven Thorpe nicht lange genug gewartet habe, bis die Medikamente aus dem Körper verschwunden waren. Dies könnte das Ergebnis verfälscht haben. „Wir machen hier auch immer noch eine Blutentnahme“, sagt Unterberg. Erst wenn der Medikamentenspiegel unter einem bestimmten Wert liege, dürfe man mit der Hirntoddiagnostik beginnen. „Nach einem künstlichen Koma kann das länger dauern.“

    Nikolai Hopf, Ärztlicher Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Klinikum Stuttgart, findet es ebenfalls „extrem schwierig“, bereits nach zwei Tagen einen Patienten aufzugeben. Grundsätzlich sei es ein „sehr heikles Thema“, denn die Methoden der Hirntoddiagnostik würden auch in Deutschland „immer wieder sehr sensibel diskutiert“. Liegt allerdings ein deutscher Patient in einer ausländischen Klinik, dann gelten auch die dortigen Regeln.