Plädoyer einer Professorin: Kiezdeutsch rockt, ischwör!

CorbisSprachbewahrer kämpfen verbissen gegen Kiezdeutsch. Der Schulhof-Slang verhunzt unsere Sprache, meinen sie. Alles Quatsch, sagt die Sprachforscherin Heike Wiese. Denn Kiezdeutsch sei genauso ein Dialekt wie Bayerisch und Schwäbisch. Ein Gastbeitrag.

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  1. #120

    Zitat von aubrac Beitrag anzeigen
    Die Kiez'deutsch' sprechenden Gymnasiasten, tun dies, wie Sie schon anmerkten, nur gelegentlich. Nicht aber um damit 'cool' zu sein, (es gibt unter Gymnasiasten eigentlich nichts uncooleres als nicht dazu in der Lage zu sein, ch und sch zu unterscheiden oder einen grammatikalisch richtigen Satz zu formulieren) sondern eher, um sich lustig zu machen.
    So wird Kiez'deutsch' verwendet, um Situationen zu beschreiben, die einen mit der Inkompetenz eines.......
    Selten so viel Unfug auf einmal gelesen, Aber unterhaltsam sind sie, keine Frage.Besonders gefallen hat mir ihre Aufzählung der "wirklich Coolen, also die Snowboarder, Skater, Emos usw". Snowboarder habe ich in der Schule nie wirklich angetroffen, wird auch gar nicht so leicht im Großteil Deutschlands, mit dem Snowboard zur Schule zu kommen. Und Emos sind also cool? Emo-Bands sind vielleicht "cool", aber der Emo an sich(wenn es ihn so auch nicht gibt) ist weder cool, noch will er es sein.

    Und abgesehen davon..es gibt nicht viele Jugendliche, die Isch sagen., um cool zu wirken. Es gibt aber sehr viele Jugendliche, die Isch sagen, weil es einfach ihre Sprache ist. Für die älteren Semester klingt das dann nach Türkenveralberung, ist es aber nicht. Wenn ich hier in Kölle in die Kneipe gehe und sage "Isch hätt gern en Kölsch" denkt auch keiner ich sei Türke.

    In jedem Fall ist der ganze Vorgang sprachhistorisch quasi "normal". Die Jungen und früher vermehrt auch die Frauen sprechen anders, werden dafür partiell angefeindet, verändern so aber langfristig die Sprache. Goethe hätte Faust nie so geschrieben wie er jetzt steht, hätten nicht vorher graduell über Jahrhunderte sozial schwache Schichten die Sprache zu der gemacht, die sie ist. Sprachentwicklung geht nämlich nur in den allerseltensten Fällen von der Elite aus, ganz im Gegenteil.
  2. #121

    Tschuldigung

    Zitat von Mardor Beitrag anzeigen
    Hmmm, also wenn ich mir Ihr fehlerdurchsetztes Geschreibsel so anschaue, fällt mir nur noch der Spruch mit dem Glashaus und den Steinen ein...
    Weiß selber,das ich nur Hauptschule habe und mir aber auch dort immer Mühe gegeben.
    Wollen Sie mich jetzt diskemimieren,oder einfach nur nicht einstellen?
  3. #122

    Ausfluß an Beleibigkeit

    Zitat von Bezahler Beitrag anzeigen
    Nicht nur die Sprache wird verhunzt.Die Möglichkeit sich differenziert oder detailiert zu äussern ist diesen Mitmenschen leider nicht möglich.
    Wer hochdeutsch kann,der spriche nicht mehr so.Dieses Kiezdeutsch ist doch ein Garant für Minderbemitteltheit.
    Meine Frage an diese Professorin: Würden Sie sich mit dieser Ausdrucksweise um Ihrem Posten bewerben.
    Selbst als Bauhelfer würde unsere Firma jemanden nicht einstellen wenn dieser mit diesem Primitivsprech daherkommt.
    Man würde annehmen das der Bewerber keine soziale (sind die nicht alle irgendwie krimilell?) Eignung für das Arbeiten in der Gruppe mitbringt.
    Deswegen ist der Ausfluß an Beleibigkeit ,welche diese sog. Professorin hier apropostiert(von welchem Geld lebt die eigentlich),
    eine Unverschämtheit und für die Betreffende eher schädlich.
    "Deswegen ist der Ausfluß an Beleibigkeit ,welche diese sog. Professorin hier apropostiert ..."
    Die ist doch gar nicht dick, wie man es auf diesem Photo sehen kann:
    Sprachforschung: Wie gut sprechen Sie Kiezdeutsch? - Nachrichten Kultur - WELT ONLINE
  4. #123

    Bei den Kommentaren zu dem Artikel wird klar, warum Sarrazins Buch ein Bestseller wurde. Wenn überhaupt auf das eigentliche Thema eingegangen wird, dann fast immer im Kontext von Migranten, ungebildet, unwillig, unfähig. Das auch gern in besonders hochgestochenem Deutsch,damit ja niemand denkt man wäre auch nur in der Nähe von dem was man gerade herablässt (da sehen Rechtschreibfehler dann besonders peinlich aus). Andererseits will man trotz der gezeigten großen Entfernung vieles über die da unten wissen, dass sie sicher kein Hochdeutsch könnten wenn sie wollten z.B., Belege sind belauschte Gespräche in der Bahn u.ä. Und bei vielen kann man die Angst schon aus den Kommentaren riechen: Sie kommen, nehmen uns das Handy weg, das Portemonnaie und jetzt auch noch die Sprache.

    Ich bin sicher jemand von denen über die ich rede hat sich die Mühe schon gemacht und den Artikel in seinem Stammforum auf PoliticallyIncorrect verlinkt. Falls nicht, holt es nach, die Antworten dort werden euch das Gefühl geben dass ihr Recht habt. Bisher siehts hier ja auch nicht viel anders aus.
  5. #124

    ***

    Zitat von endbenutzer Beitrag anzeigen
    Davon abgesehen ist es sowieso an der Zeit, wieder einmal mehr auf Wort und Schrift zu achten. Keine Frage: Fehler machen wir alle. Wenn ich jedoch sehe, welche Texte man mittlerweile auch in Zeitungen (oder online-Medien) lesen kann, sträuben sich mir die Nackenhaare. Da wird dann zum Beispiel statt: „der LKW ist explodiert.“, mal eben: „Der LKW ist in die Luft geflogen.“ geschrieben. Oder: „Das Fahrzeug krachte in die Leitplanke.“ statt: „Das Fahrzeug kollidierte mit der Leitplanke.“. Peinlich!
    Solange "Tanke" statt Tanstelle, "Schalte" statt Schaltung, "Denke" statt Denkweise, oder Konstruktionen wie..."weil, ich habe dies und das gemacht", in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen verwendet werden, wird es weiter bergab gehen mit unserer schönen deutschen Sprache.
  6. #125

    man sprikt deutsh

    Zitat von lock_vogell Beitrag anzeigen
    es wird ganz klar ein positiver aspekt benannt, bei "kiezdeutsch" handelt es sich um einen dialekt, der von ALLEN jugendlichen gesprochen wird, egal welcher herkunft.
    Von allen Jugendlichen aus dem Problemviertel oder woher sonst?
    Wenn man mal die Gespräche von Jugendlichen in öffentlichen Verkehrsmitteln verfolgt erkennt man schnell, dass sich diese sehr wohl eigener Sprache und Ausdrücke bedienen, aber eben NICHT dieses von der Frau Professorin angesprochene sog. "Kiezdeutsch".

    Das sprechen im wesentlichen Jugendliche mit orientalischem Migrationshintergrund und deren deutsche Kumpel, die keinen Stress haben wollen. Habe im übrigen auch noch nie asiatischstämmige Jugendliche erlebt, die dieses Kauderwelsch radebrechen, da gibt es kein "isch".

    Kiezdeutsch ist aber keine deutsch-türkische Mischsprache...
    Woher stammen dann wohl Ausdrücke wie "wallah" oder "yallah"? Klingt für mich doch eher türkisch bzw. arabisch.

    Diese Schrottsprache als kulturelle Errungenschaft und Bereicherung zu verkaufen ist für mich ein völliges Armutszeugnis und Bankrotterklärung einer Akademikerin.
  7. #126

    Keine moralische Bewertung

    Zitat von sack_reis Beitrag anzeigen
    Ich bin zwar kein "Sprachforscher", aber ist es bei Dialekten nicht so, dass sie sich natürlich über zig Jahre in bestimmten Regionen aus einer Sprache entwickelt haben, während dieses sogenannte "Kiez-Deutsch" innerhalb kurzer Zeit in erster Linie von Menschen erfunden wurde, die es einfach nicht besser können oder - noch schlimmer - wollen?!
    Ihre darlegung der Fakten ist aus der Sicht eines Sprachforschers nicht richtig (soweit ich das beurteilen kann - hatte Linguistik nur 2 Semester).
    Zunächst entwickelt jeder einen Idiolekt (persönliche Sprache), die nur er spricht. Aus mehreren Idiolekten entwickelt sich ein Dialekt (mit eigenem Wortschatz und Grammatik). Das kann recht schnell gehen (z.B. in einer Subkultur oder einem Dorf) und viele Dialekte (wenn man sie denn schon so nennen kann) sterben aus, sobald die Gruppe, die ihn spricht wieder auseinander geht.
    Sofern man nicht sprachbehindert ist, ist jeder Mensch in der Lage (und macht das automatisch) genau die Sprache zu sprechen, die sein Umfeld spricht. So können die Kiezdeutsch sprechenden Kinder auch fließend die Sprache die zu Hause gesprochen wird (hochdeutsch oder Türkisch).
    Aus Sicht eines Sprachforschers ist also Kiezdeutsch genauso interessant wie Bayrisch, oder Hochdeutsch. Aus Ihrer Sicht ist Kiezdeutsch eben die Sprache einer sozialen Gruppe, die Sie offenbar nicht mögen und daher mögen Sie die Sprache nicht. Das würde aber wahrscheinlich auch zutreffen, wenn sie statt Kiezdeutsch Ruhrplatt oder sächsisch sprechen würden.
  8. #127

    Zitat von FightHopelessness Beitrag anzeigen
    Gibt bei uns hier in Schweden auch Kiezschwedisch( so eine Art misch masch aus Jugendsprache und Aussprache der gerade angekommenen Ausländer). Stört natürlich nicht auf der Straße, aber bei jedem Behördengang gewaltig, die Jobsuche verläuft damit natürlich im Sande, da Arbeitgeber mit besseren Verdienstmöglichkeiten auf die Seriösität der eigenen Firma achten müssen. Man schließt sich also selbst von guten Zukunftschancen aus...Trotz allem, super Plädoyer, hilft nur keinem.
    Auch wenn der Beitrag ein bißchen verallgemeinernd klingt (aber bestimmt nicht so gemeint ist), so sehe ich das auch. Am Ende bleibt es an den Personen selber hängen, die das "Codeswitching" nicht ausreichend beherrschen, und das ist auch keine Einbahnstraße.
    Da braucht man sich meiner Meinung nach aber nicht um den Bestand eines Schnappschusses des deutschen Sprachguts sorgen. Am Ende ist man halt irgendwie ein bißchen selber Schuld, wenn man sich nicht mal bemüht, einen Gegenüber zu verstehen. Damit meine ich auch BEIDE Partner in einem Dialog.
    Und ich bin eigentlich auch ganz froh, dass ich nicht verpflichtet bin, zu reden wie es Schiller, Goethe oder werauchimmer getan haben. Was hält der Kanon eigentlich von Ernst Jandl oder Hermann Hesse?
  9. #128

    Zitat von dasmonokel Beitrag anzeigen
    Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich entsetzt bin, mit welchen Vorstellungen hier gegen Dialekte argumentiert wird. "Urdeutsche Volksstämme", "Sprachhygiene" - bei solchen Wörtern dreht sich mir die Magen um. Das hat jetzt auch nichts mit politischer Affinität zu tun. Nein, das ist einfach dumpf und von den Sprachwissenschaften (und anderen Wissenschaften) seit nunmehr sieben Jahrzehnten überholt. Sprache gehört niemandem, außer dem, der sie spricht. Klar mag niemand Ratschläge aus dem Elfenbeinturm empfangen, aber ich würde allen, die Heike Wieses Thesen mit solch billigen, vorgestrigen Argumenten kritisieren, eine einführende Lektüre in die Sprachwissenschaft empfehlen.
    Dem kann ich mich nur anschließen, vielen Dank!
    Es ist ja nur noch peinlich, wie dummdreist hier rumgetönt wird und mit sooo nem Selbsbewusstsein Privatmeinungen abgesondert werden, die jeder als Unfug erkennen kann, der auch nur ein klitzekleines bisschen was von der Materie versteht.

    Nun ist es ja nichts Neues, dass sich Leute allein durch die banale Tatsache, dass sie einen geraden deutschen Satz formulieren können, zu qualifizierten Beiträgen zum metasprachlichen Diskurs befähigt fühlen (heißt: über Sprache sprechen zu können). Dabei wird in aller Regel übersehen, dass persönliche Geschmacksurteile - die ja völlig legitim sind - keine Fakten sind und dass Sprachwissenschaftler in aller Regel gute Gründe für ihre Aussagen haben.
    Frau Wiese knobelt ihre Forschungsergebnisse ja nicht am Elfenbeintischchen aus, sondern bezieht sich auf einen Rahmen aus fachintern anerkannten Methoden, Begriffen, Modellen und anderen Forschungsergebnissen. Das ist jedem einsichtig, der irgendwann mal ein Semester Linguistik studiert hat oder auch nur eine Einführung in die Sprachwissenschaft gelesen (und verstanden) hat.
    (Was nicht bedeutet, das man ihre Forschung nicht kritisieren kann. Dazu müsste man sich allerdings ihre wissenschaftlichen Publikationen ansehen und dann ggf. bei ihrer Methode ansetzen. "Mir sind das eh zu viele Türken, und Sarrazin hat recht" ist da eher keine stichhaltige Kritik.)

    Interessant ist da eigentlich nur noch die Heftigkeit der Reaktionen. Aber dafür wäre dann wohl die Psychologie zuständig...
  10. #129

    *Welche* Kompetenz fehlt hier?

    Zitat von fjr Beitrag anzeigen
    Die Frau hat keine Ahnung. Das beweist der Satz "Denn Kiezdeutsch sei genauso ein Dialekt wie Bayerisch und Schwäbisch".
    Es gibt nämlich keinen "Bayerischen" Dialekt (und vermutlich keinen "Schwäbischen"). Es gibt allenfalls "bairisch". Und selbst dort gibt es gewaltige Unterschiede: Lechrainisch, Oberländisch, [...]

    Wissenschaftliche Kompetenz sieht anders aus.
    Lesekompetenz beweist jedenfalls nicht, wer den redaktionell erstellten Artikelvorspann mit dem Artikel selbst verwechselt und am Ende des Fettdrucks einfach zu lesen aufhört. Die hier angebotene Nachhilfe braucht die Autorin offensichtlich nicht:

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Selbst das Bairische steht inzwischen auf der Liste der bedrohten Sprachen.

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