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Plädoyer einer Professorin: Kiezdeutsch rockt, ischwör!
CorbisSprachbewahrer kämpfen verbissen gegen Kiezdeutsch. Der Schulhof-Slang verhunzt unsere Sprache, meinen sie. Alles Quatsch, sagt die Sprachforscherin Heike Wiese. Denn Kiezdeutsch sei genauso ein Dialekt wie Bayerisch und Schwäbisch. Ein Gastbeitrag.
Plädoyer einer Professorin: Kiezdeutsch rockt, ischwör! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
- #120 29.03.2012 10:32 von
Selten so viel Unfug auf einmal gelesen, Aber unterhaltsam sind sie, keine Frage.Besonders gefallen hat mir ihre Aufzählung der "wirklich Coolen, also die Snowboarder, Skater, Emos usw". Snowboarder habe ich in der Schule nie wirklich angetroffen, wird auch gar nicht so leicht im Großteil Deutschlands, mit dem Snowboard zur Schule zu kommen. Und Emos sind also cool? Emo-Bands sind vielleicht "cool", aber der Emo an sich(wenn es ihn so auch nicht gibt) ist weder cool, noch will er es sein.
Und abgesehen davon..es gibt nicht viele Jugendliche, die Isch sagen., um cool zu wirken. Es gibt aber sehr viele Jugendliche, die Isch sagen, weil es einfach ihre Sprache ist. Für die älteren Semester klingt das dann nach Türkenveralberung, ist es aber nicht. Wenn ich hier in Kölle in die Kneipe gehe und sage "Isch hätt gern en Kölsch" denkt auch keiner ich sei Türke.
In jedem Fall ist der ganze Vorgang sprachhistorisch quasi "normal". Die Jungen und früher vermehrt auch die Frauen sprechen anders, werden dafür partiell angefeindet, verändern so aber langfristig die Sprache. Goethe hätte Faust nie so geschrieben wie er jetzt steht, hätten nicht vorher graduell über Jahrhunderte sozial schwache Schichten die Sprache zu der gemacht, die sie ist. Sprachentwicklung geht nämlich nur in den allerseltensten Fällen von der Elite aus, ganz im Gegenteil. - #121 29.03.2012 10:34 von
- #122 29.03.2012 10:35 von
Ausfluß an Beleibigkeit
"Deswegen ist der Ausfluß an Beleibigkeit ,welche diese sog. Professorin hier apropostiert ..."
Die ist doch gar nicht dick, wie man es auf diesem Photo sehen kann:
Sprachforschung: Wie gut sprechen Sie Kiezdeutsch? - Nachrichten Kultur - WELT ONLINE - #123 29.03.2012 10:36 von
Bei den Kommentaren zu dem Artikel wird klar, warum Sarrazins Buch ein Bestseller wurde. Wenn überhaupt auf das eigentliche Thema eingegangen wird, dann fast immer im Kontext von Migranten, ungebildet, unwillig, unfähig. Das auch gern in besonders hochgestochenem Deutsch,damit ja niemand denkt man wäre auch nur in der Nähe von dem was man gerade herablässt (da sehen Rechtschreibfehler dann besonders peinlich aus). Andererseits will man trotz der gezeigten großen Entfernung vieles über die da unten wissen, dass sie sicher kein Hochdeutsch könnten wenn sie wollten z.B., Belege sind belauschte Gespräche in der Bahn u.ä. Und bei vielen kann man die Angst schon aus den Kommentaren riechen: Sie kommen, nehmen uns das Handy weg, das Portemonnaie und jetzt auch noch die Sprache.
Ich bin sicher jemand von denen über die ich rede hat sich die Mühe schon gemacht und den Artikel in seinem Stammforum auf PoliticallyIncorrect verlinkt. Falls nicht, holt es nach, die Antworten dort werden euch das Gefühl geben dass ihr Recht habt. Bisher siehts hier ja auch nicht viel anders aus. - #124 29.03.2012 10:37 von
- #125 29.03.2012 10:39 von
man sprikt deutsh
Von allen Jugendlichen aus dem Problemviertel oder woher sonst?
Wenn man mal die Gespräche von Jugendlichen in öffentlichen Verkehrsmitteln verfolgt erkennt man schnell, dass sich diese sehr wohl eigener Sprache und Ausdrücke bedienen, aber eben NICHT dieses von der Frau Professorin angesprochene sog. "Kiezdeutsch".
Das sprechen im wesentlichen Jugendliche mit orientalischem Migrationshintergrund und deren deutsche Kumpel, die keinen Stress haben wollen. Habe im übrigen auch noch nie asiatischstämmige Jugendliche erlebt, die dieses Kauderwelsch radebrechen, da gibt es kein "isch".
Woher stammen dann wohl Ausdrücke wie "wallah" oder "yallah"? Klingt für mich doch eher türkisch bzw. arabisch.Kiezdeutsch ist aber keine deutsch-türkische Mischsprache...
Diese Schrottsprache als kulturelle Errungenschaft und Bereicherung zu verkaufen ist für mich ein völliges Armutszeugnis und Bankrotterklärung einer Akademikerin. - #126 29.03.2012 10:39 von
Keine moralische Bewertung
Ihre darlegung der Fakten ist aus der Sicht eines Sprachforschers nicht richtig (soweit ich das beurteilen kann - hatte Linguistik nur 2 Semester).
Zunächst entwickelt jeder einen Idiolekt (persönliche Sprache), die nur er spricht. Aus mehreren Idiolekten entwickelt sich ein Dialekt (mit eigenem Wortschatz und Grammatik). Das kann recht schnell gehen (z.B. in einer Subkultur oder einem Dorf) und viele Dialekte (wenn man sie denn schon so nennen kann) sterben aus, sobald die Gruppe, die ihn spricht wieder auseinander geht.
Sofern man nicht sprachbehindert ist, ist jeder Mensch in der Lage (und macht das automatisch) genau die Sprache zu sprechen, die sein Umfeld spricht. So können die Kiezdeutsch sprechenden Kinder auch fließend die Sprache die zu Hause gesprochen wird (hochdeutsch oder Türkisch).
Aus Sicht eines Sprachforschers ist also Kiezdeutsch genauso interessant wie Bayrisch, oder Hochdeutsch. Aus Ihrer Sicht ist Kiezdeutsch eben die Sprache einer sozialen Gruppe, die Sie offenbar nicht mögen und daher mögen Sie die Sprache nicht. Das würde aber wahrscheinlich auch zutreffen, wenn sie statt Kiezdeutsch Ruhrplatt oder sächsisch sprechen würden. - #127 29.03.2012 10:41 von
Auch wenn der Beitrag ein bißchen verallgemeinernd klingt (aber bestimmt nicht so gemeint ist), so sehe ich das auch. Am Ende bleibt es an den Personen selber hängen, die das "Codeswitching" nicht ausreichend beherrschen, und das ist auch keine Einbahnstraße.
Da braucht man sich meiner Meinung nach aber nicht um den Bestand eines Schnappschusses des deutschen Sprachguts sorgen. Am Ende ist man halt irgendwie ein bißchen selber Schuld, wenn man sich nicht mal bemüht, einen Gegenüber zu verstehen. Damit meine ich auch BEIDE Partner in einem Dialog.
Und ich bin eigentlich auch ganz froh, dass ich nicht verpflichtet bin, zu reden wie es Schiller, Goethe oder werauchimmer getan haben. Was hält der Kanon eigentlich von Ernst Jandl oder Hermann Hesse? - #128 29.03.2012 10:43 von
Dem kann ich mich nur anschließen, vielen Dank!
Es ist ja nur noch peinlich, wie dummdreist hier rumgetönt wird und mit sooo nem Selbsbewusstsein Privatmeinungen abgesondert werden, die jeder als Unfug erkennen kann, der auch nur ein klitzekleines bisschen was von der Materie versteht.
Nun ist es ja nichts Neues, dass sich Leute allein durch die banale Tatsache, dass sie einen geraden deutschen Satz formulieren können, zu qualifizierten Beiträgen zum metasprachlichen Diskurs befähigt fühlen (heißt: über Sprache sprechen zu können). Dabei wird in aller Regel übersehen, dass persönliche Geschmacksurteile - die ja völlig legitim sind - keine Fakten sind und dass Sprachwissenschaftler in aller Regel gute Gründe für ihre Aussagen haben.
Frau Wiese knobelt ihre Forschungsergebnisse ja nicht am Elfenbeintischchen aus, sondern bezieht sich auf einen Rahmen aus fachintern anerkannten Methoden, Begriffen, Modellen und anderen Forschungsergebnissen. Das ist jedem einsichtig, der irgendwann mal ein Semester Linguistik studiert hat oder auch nur eine Einführung in die Sprachwissenschaft gelesen (und verstanden) hat.
(Was nicht bedeutet, das man ihre Forschung nicht kritisieren kann. Dazu müsste man sich allerdings ihre wissenschaftlichen Publikationen ansehen und dann ggf. bei ihrer Methode ansetzen. "Mir sind das eh zu viele Türken, und Sarrazin hat recht" ist da eher keine stichhaltige Kritik.)
Interessant ist da eigentlich nur noch die Heftigkeit der Reaktionen. Aber dafür wäre dann wohl die Psychologie zuständig... - #129 29.03.2012 10:47 von
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