In Hamburg hat der Piratenprozess gegen zehn Somalier begonnen. Die Verteidiger versuchen, Verständnis für die Lebensumstände der Männer zu wecken: Ihr Land*ist kaputt, das Meer überfischt, Hunderttausende hungern. Und sind die ängstlich wirkenden Angeklagten überhaupt strafmündig?
http://www.spiegel.de/panorama/justi...730480,00.html
Der mit Abstand sinnvollste Beitrag hier, volle Zustimmung! Vielleicht mit einer Ausnahme: Ob ein deutscher Knastaufenthalt für die Betreffenden wirklich so erstrebenswert ist, weiß ich nicht. Regelmäßige Mahlzeiten und medizinische Versorgung sind das eine, Unfreiheit und fremde bis feindliche Umgebung das andere. Man müsste sie schon direkt fragen, bevor man sich so ein Urteil erlauben kann.
Sie edler, rechtschaffener Bürger hatten das vielleicht auch noch nie nötig? Vielleicht hätte ich unter somalischen Bedingungen wenig Skrupel, Schiffe zu kapern und Geiseln zu nehmen, keine Ahnung.
Da sieht man wieder mal, dass es "das somalische Volk" so nicht gibt. Ihre Lebensumstände haben sich die jungen Männer jedenfalls nicht selbst ausgesucht und geschaffen.
Sehr gut!
(Bis auf "das ist in Ordnung" - ist es nämlich nicht. Also nicht, dass etwas gegen Piraterie unternommen wird, sondern dass es Menschen gibt, die nicht viel zu verlieren haben.)
Aber ganz ohne Moralismus kommen viele dabei nicht aus. Man schaut hier mit einer Mischung aus Hass und Verachtung auf die Piraten herab, wie Bürgertum und Adel im 18./19. Jh. auf Diebe, Landstreicher und ähnlich zwielichtige Gestalten, die in einer anderen Welt mit anderen Lebensumständen und dementsprechend anderer Moral lebten. Heute ist die "andere Welt" nur räumlich viel weiter weg.
Es gibt schon ein Volk von Somalis, das durch Sprache und Clankultur geeint und von anderen Gruppen differenziert ist. Allerdings ist das Clansystem auch ein Kern des Problems. Es wirkt stärker als jedes andere Band, und verhindert den Aufbau eines modernen Staates.
Wie würden wir denn über die unsere Schiffe enternden Piraten urteilen, wenn wir nicht aus einer anderen Welt kämen, sondern wenn wir die Nachbarn der Somalis wären, denen es nicht viel besser geht, die aber immerhin noch ein einigermaßen funktionierendes Staats- und Justizsystem haben? Auch dort würden wir hart über diese Piraten urteilen, vermutlich viel härter als wir das in der deutschen Justiz machen werden. Dass wir aus einer anderen Welt kommen verbietet also keineswegs, nach unseren Regeln über die Piraten zu urteilen.Aber ganz ohne Moralismus kommen viele dabei nicht aus. Man schaut hier mit einer Mischung aus Hass und Verachtung auf die Piraten herab, wie Bürgertum und Adel im 18./19. Jh. auf Diebe, Landstreicher und ähnlich zwielichtige Gestalten, die in einer anderen Welt mit anderen Lebensumständen und dementsprechend anderer Moral lebten. Heute ist die "andere Welt" nur räumlich viel weiter weg.
Ich bin anderer Meinung.
Die Europäischen Staaten sind im Lauf von Jahrhunderten gewachsen. In den meisten Fällen, auf dem Dünger von diesem oder jenem Krieg. Viele afrikanischen Staaten, so auch Somalia, sind das nicht. Europäer malten Striche in die Landschaft. In so einem Staat mag der Zusammenhalt funktionieren wenn die Wirtschaft brummt und es jedem gut geht. Ist das nicht der Fall, dann bringt man sich gegenseitig um.
Das war bei uns nicht anders und ist es auch heute nicht. Man betrachte einfach mal Irland oder Spanien oder auch Belgien. Diesen Staaten geht es ziemlich gut. (naja ... zumindest im Vergleich zu Somalia ;-)) und dennoch haben, bzw. hatten wir bis vor kurzem, in Spanien die ETA, in Irland die IRA, in Belgien können sich Flämen und Wallonisier (oh je schreibt man die so?) nicht leiden.
... und was wir Franken von den Bayern halten, möchte ich gar nicht näher erläutern. ;-)
Wenn es allgemeinen Wohlstand gibt, kommt man miteinander gut aus. Fällt dieser Wohlstand weg, sucht man jemanden der daran Schuld haben könnte. Und schon haut man sich gegenseitig euphorisch auf die Köpfe.
Das ist sicherlich sehr einfach gezeichnet und natürlich möchte ich damit Somalia nicht von jeder Verantwortung los sagen. Die Aussage: „Am Leid Somalias hat das somalische Volk selber Schuld.“ ist allerdings, meiner Meinung nach, falsch.
Wenn hier beklagt wird, dass es den Piraten in deutschen Gefängnissen besser geht als daheim in Somalia, dann könnte man ja in einem afrikanischen Staat ein landestypisches Gefängnis auf einem Botschaftsgelände einrichten und den Piraten dort den Prozess machen und die hinterher (bei Verurteilung) dort auch unterbringen.
Vielleicht wäre so etwas auch eine europäische Lösung, denn zur EU gehören auch einige Gebiete in Übersee.
In meinem Beitrag versuchte ich klarzumachen, dass dies eine überaus schwierige Lage für die Justiz darstellt. Ich befürworte keineswegs einen Rückkehr in das Menschenbild vom 17. Jahrhundert, und somit auch kein Aufhängen am - heute nicht mehr existenten - Rahnocken. Ein Heimschicken der Piraten wäre wohl besser als Einkerkerung in Europa, denn das wäre für die Betroffenen quasi ein Lottogewinn.
Wenn es nur um die Abschaffung der Piraterie ginge, wäre wohl am Wirksamsten das Mitführen von entsprechend bewaffneten Marinesoldaten auf alle Schiffe die in piratenverseuchte Gewässer segeln, sowie rege Patrouillentätigkeit. Sehr teuer, natürlich, aber wurde schon von den Römern im Mittelmeer praktiziert.
....heisst das wohl Bürgerkrieg.Mit dieser Erkenntnis mögen Sie wohl Recht haben.Nachdenklich macht auch, das der Reichtum vieler Industrienationen auf Unterdrückung und Ausbeutung von sogenannten Dritte- Welts-Staaten beruht.
Nicht desto Trotz hat sich auch in diesen Staaten in der Regel immer eine Hierachie nach europäischem Muster ohne moralische Bedenken aufgebaut.Viele afrikanische Botschafter
führen in den jeweiligen Gastländern ein sattes Leben während in der Heimat kräftig gehungert wird.Das ist so und wird immer so bleiben.Die fahren mit Luxuslimosinen bei Spendengalas an ohne dabei rot zu werden.---MfG!
Exakt.
Nachdem auch bei mir in der Arbeit viel darüber diskutiert wurde, halte ich mittlerweile ein verschärftes Bewachen der Schiffe für sinnvoller, als im Nachhinein gekaperte Schiffe erneut zu kapern, bzw. sie von Piraten befreien zu müssen.
Notfalls schießt man halt Warnschüsse auf sich nähernde Schlauchboote ab, oder versenkt diese ganz. Irgendwann lernen die Menschen dort bestimmt daraus.
Eine Alternative wäre, den Gefangenen ihre Waffen abzunehmen und/oder Jagd auf die Hintermänner zu machen. Und die gefangenen Piraten gehören dann nicht in ein europäisches Land vor ein Gericht gestellt, sondern in ihr Dorf zurückgeschickt.
Ein Fischer, der kein Geld für Nahrung hat, soll sich eine Panzerfaust leisten können? Ja, klar.
Dieses Thema ist mindestens so schwierig wie die Situation in Somalia selbst.
Naja. So einfach ist das nun auch wieder nicht.
Klar die Verteidiger dürften das umsonst machen, um ins Fernsehen zu kommen.
Aber weder die Staatsanwaltschaft noch der Richter haben damit was zu tun. Es ist ihr Job die Leute anzuklagen (oder soll man es lassen uns sie laufen lassen) und über sie zu richten.
Ich wäre gespannt auf die Reaktion der Law-and-Order-Fraktion hier wenn Herr Oberst Georg Klein vom Internationalen Strafgerichtshof nach Afghanistan ausgeliefert sich dort unter einer Nicht-Marionettenregierung nach landesüblichen Recht für die vorsätzliche Tötung von 142 Personen sowie die Teilnahme an einem Wirtschaftsinteressen folgenden Eroberungsfeldzug verantworten müsste. Natürlich mit höchstens einem afghanischen Pflichtverteidiger und mit null Toleranz.