Piratenprozess in Hamburg: Die Verschreckten der Meere

In Hamburg hat der Piratenprozess gegen zehn Somalier begonnen. Die Verteidiger versuchen, Verständnis für die Lebensumstände der Männer zu wecken: Ihr Land*ist kaputt, das Meer überfischt, Hunderttausende hungern. Und sind die ängstlich wirkenden Angeklagten überhaupt strafmündig?

http://www.spiegel.de/panorama/justi...730480,00.html
  1. #40

    Augen auf

    Zitat von Hermes75 Beitrag anzeigen
    Dürfen wir ihren Worten entnehmen, dass sie Piraterie für eine angemessene Reaktion auf die genannten Missstände halten? Wir sprechen hier von Leuten, die Schiffe kapern, Seeleute töten und Lösegelder ....
    Vielen Dank für Ihren Beitrag.
    Mir konnte bis jetzt niemand erklären, woher mittellose Fischer Schnellboote mit mehreren Aussenbordmotoren haben.
    Auch die Herkunft der Waffen ist für mich ein Mysterium, wir reden hier von Menschen die nicht einmal Hartz 4 haben.
    Interessant wäre es doch auch zu erfahren, woher die Informationen über die Schiffe (Größe, Mannschaft, Ladung, Position, usw.) kommen.
    Auch was mit dem geld passiert, interessiert mich.
    Von neu gebaute Schulen oder Krankenhäusern habe ich noch nichts gelesen.
    http://www.zeit.de/online/2009/17/piraten-somalia
    Das ganze ist nicht anderes als organisierte Kriminalität und Terrorfinanzierung
  2. #41

    Niveau bist Du?

    Zunächst einmal ist Piraterie natürlich nichts, was man für Gut heißen kann. Ich denke das man sich, beschränkt man seine Sichtweise auf den Vorgang als Solchen, auf diesem Nenner treffen kann. Ich bin dennoch erschrocken wie in diesem Forum manche Mitglieder zu einem populistischen Tiefschlag ausholen, zumal das Niveau dieser Aussagen sich auf einem ähnlich niedrigen Level hält.

    So schreibt "archie": "Nun geht es schon wieder los: Mitleid mit den Tätern."

    Ich denke da wird etwas falsch verstanden. Es geht Mitnichten um Mitleid, sondern vielmehr darum zu ergründen, was Menschen dazu treiben kann zB ein Schiff zu kapern, mithin einen Sachverhalt, welcher Grundlage der Anklage ist, möglichst umfassend aufzuklären und dabei sowohl die objektiven, als auch die subjektiven Elemente zu würdigen. Eine Intention, welche in einem Rechtsstaat nicht nur eine Selbstverständlichkeit sein sollte, sondern Teil des Fundamentes eines Rechtsstaates ist. Dieses als Mitleid für die Somalier abzutun würde der enormen Wichtigkeit des Prozessrechtes für eine freiheitliche und rechtsstaatliche Gesellschaft nicht gerecht.

    "archie" schreibt weiter: "Am besten, wir vergeben ihnen und schicken sie nach Hause zu Mammi..."

    Ich sage: Wenn dieser eine Junge tatsächlich 13 Jahre alt ist, schicken wir ihn nach Hause zu Mammi. Mit vergeben hat das nichts zu tun, sondern ist ebenfalls Ausdruck eines Rechtsstaates.

    "archie", Du möchtest doch auch nicht in einem Land leben, indem Kinder vor Gericht stehen, oder?

    "Hermes75": "Also mir kommen gleich die Tränen. Diese armen, unschuldigen Jungen, die nicht wussten was sie taten als sie 600 Meilen über den Ozean fuhren, um mit Waffengewalt ein fremdes Schiff zu betreten und die Besatzung als Geiseln zu nehmen. Bestimmt hätten die auch so viel Milde und Nachsicht walten lassen, wie es hier von der Deutschen Justiz gefordert wird."

    Mir kommen auch die Tränen, aber eher aus dem Grunde, dass hier Argumente geliefert werden, die darauf schliessen lassen, dass nicht für 5 Pfennig nachgedacht wird. NATÜRLICH hätten die Somalis nicht so viel Milde walten lassen! Ich als zivilisierter, aufgeklärter Mensch passe mein Rechtssystem aber nicht dem Niveau anderer Länder an!!! Es kann uns doch vollkommen Schnuppe sein, was die Somalis gemacht hätten wenn........

    Zumal auch nicht die "deutsche Justiz" Milde walten lässt, sondern die Verteidiger darum bitten bzw darauf hinwirken das auch andere Umstände in die rechtliche Beurteilung durch das Gericht einbezogen werden.

    Es geht mir nicht darum ein ewig Verständnisvoller zu sein. Und, wie ich eingangs schrieb, auch nicht darum Piraterie in irgendeiner Form zu akzeptieren. Wenn Ich abe solche Argumente lesen muss, wird mir Angst und Bange um den deutschen Rechtsstaat, unsere Demokratie und das generelle Niveau in diesem Land.
  3. #42

    Zeigen...

    Zitat von mullemaus5 Beitrag anzeigen
    hoffentlich brauchen sie nie nie niemals im leben zuwendung und empathie von anderen.
    Sie die mal mit den Opfern.
  4. #43

    Ist doch Toll!!!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Hamburg hat der Piratenprozess gegen zehn Somalier begonnen. Die Verteidiger versuchen, Verständnis für die Lebensumstände der Männer zu wecken: Ihr Land*ist kaputt, das Meer überfischt, Hunderttausende hungern. Und sind die ängstlich wirkenden Angeklagten überhaupt strafmündig?

    http://www.spiegel.de/panorama/justi...730480,00.html
    Die somalischen Delinquenten hat es doch gut getroffen.
    Ein paar Jahre deutschen Kanast incl. Gesundheitsvorsorge,möglicherweise Berufsausbildung und das Erlernen der deutschen Sprache.Nach Verbüssung der Haftstrafe warten die Medien gierig auf die ersten verknackten Piraten.---Nein wie isses romatisch!---Dann droht natürlich die Abschiebung und viele deutsche werden dagegen protestieren und sogar im schlimmsten Falle eine brennende Kerze als Zeichen der uneingeschränkten Solidarität ins Fenster stellen.---Selbst nach einer Ausweisung werden die Dank ihrer Deutschkenntnisse wie ein Bummerang zurückkommen.Der Prozess ist für diese Menschen ein Glücksfall und nichts anderes,oder aber eine neue Art der illegalen Einwanderung.---MfG!
  5. #44

    Nicht so voreilig

    Zitat von jdm11000 Beitrag anzeigen
    Zudem: das Wort "beinhalten" gibt es in der deutschen Sprache nicht, Sie meinen "enthalten" oder "enthält". Ich frage mich, weshalb Deutsche nur allzugerne dumme Worte nachplappern.
    Sie sollten schleunigst zu einem aktuellen Duden greifen. Der Inhalt hat sich seit der Erstausgabe, auf die Sie sich möglicherweise berufen, geändert:
    beinhalten (Papierdt.): zum Inhalt haben, enthalten; bedeuten

    Dennoch hat Ihre letzte Frage eine Berechtigung, nur sollte sie nicht überheblich gestellt werden.
  6. #45

    Sorry, aber...

    ... was bringt es, diese Männer zu verurteilen?
    Was bringt es, sie in ein deutsches Gefängnis zu stecken?
    Bei allem Respekt gegenüber der Justiz - ein Verbrecher muss bestraft werden, damit er seine Lektion lernt.
    Diese Menschen hier hingegen können keine Strafen bezahlen, und im Gefängnis werden sie wohl eher dazu erzogen, hier in Deutschland als Krimineller Fuß zu fassen, weil es hier mehr zu holen gibt als in Somalia.

    Einen Piraten aus Somalia zu "verschonen" ist kein Mitleid, sondern intelligent und das einzig richtige wäre es, diese zurück in ihr Land zu schicken, den Menschen dort Arbeit zu geben, ihnen zu helfen, eine Regierung aufzubauen und das Land zu stabilisieren. Nicht a la Afghanistan, sondern friedlich.

    Mal ehrlich, wie stellen sich die Befürworter einer Verurteilung dieser Piraten den folgenden Knastaufenthalt vor? Diese Menschen kennen keinen Knast, kennen die Sprache nicht, werden wie ein Stück Fleisch behandelt und wissen überhaupt nicht, was eigentlich vor sich geht.

    Ich möchte sie nicht verteidigen, aber plädiere hiermit dafür, nicht einfach sinnlos jeden zu verurteilen, nur weil er aus Hunger und Perspektivenlosigkeit ein zufälligerweise deutsches Schiff überfallen hat.
  7. #46

    Staatsanwälte, Richter und Verteidiger wollen sich profilieren !

    Der ganze Prozess findet doch wohl in erster Linie statt, weil sich ein paar Staatsanwälte, Richter und Verteidiger profilieren wollen. Das befördert Bekanntheitsgrad und Karriere. Und die Medien spielen gut mit. Wenn ich die sensationsheischenden Schlagzeilen so sehe, dann wird mir echt schlecht, z.B.: Erster großer Piratenprozess in Hamburg seit Störtebeker (Süddeutsche), Erster Piraten-Prozess seit Jahrhunderten (Focus) etc.

    Und wir Steuerzahler müssen diesen Schwachsinn mit Millionen bezahlen. Was für eine Posse !
    Wäre billiger gewesen, man die Piraten in Ruhe das Schiffe entführen lassen.
    Unsere Justiz produziert zur Zeit einen Schwachsinn nach dem anderen. Kachelmann lässt grüßen.
  8. #47

    Verständisfragen

    Zitat von archie Beitrag anzeigen
    Nun, ich habe noch nie ein Schiff mit der Panzerfaust gekapert und die Besatzung als Geiseln genommen und mit Tod bedroht für den Fall, dass ich keine Million vom Reeder bekomme. Ich habe in 60 Jahren nicht eine einzige Straftat begangen, noch nicht mal ein Verkehrsverstoß. Aber ich werde hier trotzdem als Faschist beschimpft, nur weil ich kein Mitleid mit Schwerverbrechern habe.
    Ein paar kleinere Verständnisfragen:

    1. Wie oft hatten Sie die letzten 60 Jahre mehrere Tage hintereinander Hunger, ohne auch nur die Aussicht auf etwas zu essen zu haben?
    2. Wie viele der letzten 60 Jahre mussten Sie befürchten, im Rahmen eines Gefechtes als Zivilist getötet zu werden?
    3. Wie oft wäre in Ihrem Leben eine einfache Erkrankung - von ernsthaften Erkrankungen ganz zu schweigen - (sagen wir: eitrige Stirnhöhlenentzündung) potentiell tödlich gewesen, weil in Ihrer Nähe einfachste medizinische Versorgung nicht vorhanden war?

    4. Wie oft hatten Sie in den letzten 60 Jahren Sorge, dass Ihr persönliches Umfeld von Irren in Schutt und Asche gelegt wird - und niemand Ihnen helfen kann und wird?

    5. Wie häufig kam es vor, dass Sie in Ihren 60 Lebensjahren genau wussten: Wenn mir jemand ein Unrecht antut, dann höchstens ein moralisches - Gesetze gibt es in dem Land, in dem ich lebe, keine. Abgesehen von dem Recht des Stärkeren.

    6. Wie oft wussten Sie, dass Sie keine Polizei rufen können, wenn Sie ausgeraubt, verprügelt oder mit dem Tode bedroht werden, weil es keine Polizei gibt?

    7. Wie oft mussten Sie nicht einmal darüber nachdenken, ob Sie bei Angriffen gegen Ihre Person oder Ihren Besitz einen Prozess anstrengen oder nicht, weil es in Ihrem Land keine funktionierende Justiz gibt - Sie gar nicht einmal wissen, dass es sowas gibt, geschweige denn was das ist?

    8. Wie oft hätten Sie jemandem sagen müssen, der Ihnen unterstellt, Sie könnten ja nicht viel weiter wie bis drei zählen, weil Ihnen das niemand beigebracht hat?
  9. #48

    Ehrenmänner

    Zitat von Schelm Beitrag anzeigen
    wer die wohl bezahlt? Der Deutsche Michel wird sich freuen.

    [...]
    Anwälte übernehmen in einigen Fällen die Verteidigung ihrer Klienten ohne Entgelt.
    Besonders bei Prozessen, in welchen Menschen, die des deutschen Rechtssystems nicht kundig sind, ist das für manchen Anwalt eine Ehrensache.

    Mehr Geld als den Pflichtverteidigungssatz gibt es da nicht. Und der ist schon für einen Anwalt so bemessen, dass das eher keiner freiwillig macht, wenn er andere Klienten beitreibt.
  10. #49

    Hierarchie

    Zitat von Christer Nykopp Beitrag anzeigen
    [...]

    Im 18. und 19. Jahrhundert war es viel enfacher; in flagranti delicti gefasste Piraten wurden einfach zur See am Rahnocken aufgehängt. In etwa hundert Jahren wurde so der Piraterie ein Ende gestzt. In der Zeit des Antikolonialismus und Menschenrechtsdeklarationen lässt sich das wohl kaum wieder einführen.
    Auch hier gilt: Von allen Menschen, die an irgendwas aufgehängt werden, tun mir Menschen wie Sie am wenigsten Leid. Egal, wer das macht. Egal, warum er das macht.