Piraten-Hype: Wo Patrick Döring recht hat

Die Piratenpartei gilt seit dem Erfolg im Saarland als große Hoffnung des Politikbetriebs, als irgendwie links, aber auch freiheitlich-liberal. Dabei eint die Anhänger der Glaube an die Weisheit des Kollektivs - und ein merkwürdiger Stolz auf die eigene Unbedarftheit.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...824540,00.html
  1. #140

    Umgekehrt wird ein Schuh draus:...

    Zitat von MisterEde Beitrag anzeigen
    Wer sich das Programm der Piraten durchliest, kann sich vor Oberflächlichkeit kaum retten. Wenn man sich das Wahlprogramm für Schleswig-Holstein anschaut, dann ist das einfach nur ein Wunschzettel.

    Das Piratenprogramm unter der Lupe | mister-ede.de

    Wieso so viele eine Partei ohne Inhalt wählen ist mir nicht klar, zumindest dann nicht wenn es darum geht sich bei der Wahl für eine bestimmte Politik zu entscheiden.
    Die Kritik an den Inhalten, wo sie den vorhanden sind, lächelt die Piratenpartei einfach weg. Wenn man nach der Finanzierung fragt, bekommt man lapidare Antworten. Statt die Kritik aufzugreifen um die Inhalte zu verbessern, begnügt sich die Piratenpartei damit, diese Kritik ins lächerliche zu ziehen.
    Weisbands Umgang mit inhalticher Kritik | mister-ede.de
    Das ist weder eine liberale noch eine gute und gesunde Diskussionskultur.
    ... das Programm ist teilweise fast schon zu inhaltsschwer ( und macht es damit künftigen Parteitagen der Piraten bestimmt nicht leicht).

    Insgesamt aber muss ich nach der Lektüre sagen:Gar nicht mal so schlecht ( obwohl ich das Phänomen der Piraten insgesamt eher skeptisch betrachte.)
    Es steht mit seiner Forderung nach mehr Transparenz und seinem Freiheitskatalog in guter Tradition zum Grundgesetz, das Öffentlichkeit und Freiheit geradezu als konstituierend für den demokratischen Prozess , ja als erste Bürgerpflichten, einfordert.
    Und mit diesen Forderungen steht das Grundgesetz wiederum in direkter Verbindung zur Menschenrechtserklärung der französischen Nationalversammlung von 1789.
    Und die französische Revolution wiederum steht in Bezug zur Äußerung von Herrn Döring, der Danton leider falsch zitiert hat: Danton sprach vor dem Konvent von der Tyrannei der Privilegien.
  2. #141

    Zitat von blitzunddonner Beitrag anzeigen
    die gemeinsamkeiten, die er den piraten mit dem amerikanischen teekränzchen andichtet, sind natürlich völliger nonsens und nur der persönlichen handschrift des autors geschuldet.
    Diese Gemeinsamkeiten existieren recht deutlich, nur dass die Tea Party in dem Wahlsystem der USA nicht als separate Partei existieren kann, und praktisch ein mehr oder weniger parasitaeres Verhaeltnis mit den etablierten Republikanern eingehen musste.

    Eine Grundbewegung, die sich aus einer Ablehnung gegenueber den etablierten Eliten und stark liberalen/freiheitlichen Grundzuegen auszeichnet, gelten fuer beide Bewegungen.

    Leider ist die Tea Party Bewegung in den USA mehr oder weniger zu einem Spektakel verkommen, nachdem Sozialkonservative mit eingestiegen sind. Das sind dann die Unterschiede zwischen einem Rand Paul zu einer Michele Bachmann.

    Jedoch sehe ich dies genauso als drohende Gefahr fuer die Piraten. Die Bewegung koennte von andern politische Stroemungen geentert werden.
  3. #142

    Zitat von salamicus Beitrag anzeigen
    Sehr kühn, fürwahr. Das ist so wie: der Zar schickte seinen Diener zum Bierholen, dann kam Lenin (aus dem Luxusleben in der Schweiz) zurück, dann war der erste Russe im Weltall. Schön, dass Ihr Schulbesiuch in der DDR frei war. Und wie wir alle wissen, haben die schärfsten Gegner des Regimes stets ein Stipendium bekommen. Schön, dass es sowas gab.
  4. #143

    Entweder FDP oder Freiheit

    Zitat von backshop Beitrag anzeigen
    In einem freien Markt (= Optionen) kann sich aber jeder durch Individualentscheidungen etwaiger Dummheiten widersetzen. ...
    Partizipieren bedeutet aber nicht Gleichschaltung (dann hebt sich der Effekt naemlich wieder auf), sondern moeglichste Selbstverwirklichungschancen eines jeden, die logischerweise der Massenansicht oefter mal entgegensteht ...
    Sie verwechseln, wie so viele, Möglichkeit (Option) mit Freiheit. Gerade die Möglichkeiten zerstören sehr häufig die Freiheit. Der Staat ebenso wie der Markt, denn beides sind nur soziokulturelle Konstrukte. Beides basiert auf Glauben, und ist nichts als eine Illusion, ein Hirngespinst.

    Macht bedarf des Glaubens. Selbstverwirklichung ist ohne andere Menschen nicht möglich, denn keiner weiß von sich aus, wer er selbst ist. Jeder benötigt andere Menschen zur eigenen Reflektion. Ansonsten ist er ein Gott, der alles weiß.

    Wir sind sowohl Individuen als auch Teil eines Ganzen/Kollektivs und nicht entweder oder.
  5. #144

    veraltet

    "Das ist doch 20. Jahrhundert" - die ganze Denke von Herrn F. hat die Zeit doch lange überholt.
  6. #145

    Finanzierungsvorbehalt...

    Die Piratenpartei versucht keineswegs sozialutopische Geschenke zu verteilen. Wer sagt denn, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Volkswirtschaft mehr kosten wird als die bisherigen Transferleistungen?
    Hartz4,Wohngeld,Kindergeld,BafÖG usw.... plus die zugehörigen Verwaltungs- und Kontrollkosten könnte man gegenrechnen. Außerdem mehr Firmengründungen, durch eine verlässliche Grundfinanzierung (Miete+Essen).
    Als Bonus noch Freiheit für Kunstschaffende, Musiker. Sicherheit für Studenten oder Mensche, die eine zweite Ausbildung machen wollen.

    Natürlich würde es auch faule Nichtstuer geben, die sich auf dem Grundeinkommen ausruhen und ihre Bedürfnisse auf das entsprechende Niveau senken. Aber die gibt es auch im Hartz4-System.
  7. #146

    Unbehagen.

    Zitat von flanke Beitrag anzeigen
    Parteien oder Ideologien, die die "Masse" über den Einzelnen stellen und damit einen Gruppenzwang etablieren, sind mir persönlich mehr als suspekt. Denn sie tragen in der letzten Konsequenz den Keim des Totalitarismus und der Diktatur der Masse über den Einzelnen in sich.

    Zur Beruhigung sei gesagt, dass es mit den Piraten sicher nicht so weit kommen wird. Die zerlegen sich in kurzer Zeit selbst.
    Ja, vor einer "überinformierten" aber gleichzeitig ungebildeten Ochlokratie graust es mich auch. Die Frankfurter Schule erkannte ziemlich schnell, dass die Arbeiterklasse *nicht* das historische Subjekt einer Veränderung zum Besseren ist. Wenn wir eine Übertragung wagen wollen: die Masse der sogenannten mündigen Netzbürger ist, weil global vernetzt, ist noch viel gefährlicher und gleichzeitig kaum kontrollierbar. Gewisse minimale Standards (von Lernschwachen im Netz meistens: "Standarts" genannt...) wie Schul- und Lehrbücher werden ja als "Mainstream" desavouiert. Natürlich bietet das Netz Bildungsmöglichkeiten für jeden, keine Frage, aber das bot schon die Verbreitung des gedruckten Wortes...
  8. #147

    Persönliche Frage

    Zitat von snigger Beitrag anzeigen
    Mein bester Versuch, Ihnen die Piratenpartei zu erklären mag diese philosophischer Vergleich zum menschlichen Körper sein:
    Das Herz des Piraten schlägt links wie die SPD
    Der Pirat ist konservativ, was Recht ist muss recht bleiben.Wie die CDU/CSU
    Ein Pirat folgt dem Gefühl im Bauch wie der Grünen, was seine Umwelt angeht.

    All das verbindet. Der Unterschied, das Neue, der Erfolg des Menschen ist:
    Das Gehirn.

    Wenn Sie das als grobe Landkarte nehmen, wissen Sie, warum alle anderen Parteien Angst vor den Piraten haben.

    Das Gehirn sitz weder links noch rechts. Es sitzt oben.Es ist lernfähig.
    Mag es auch in der Masse kleiner sein, als der Schwarm (das Unterbewusstsein) -
    es spricht bewusst.

    ich erlaube nur den Piraten hiermit via CopyLeft und Nennung meines Nicknames, dieses Posting in ihrem kommenden Wahlkampf zu nutzen.
    Macht das Beste daraus! (oder wie manch MMORPG-ler sagt go-go-go!)
    Werden Sie die Piratenpartei wählen ?

    Falls ja, dann werde ich mir das doch nochmal überlegen. :-)
  9. #148

    Piraten vs Tea-Party

    Die Piraten können mit der Tea-Party-Bewegung nicht verglichen werden. Die Piraten mögen stolz ihre Unkenntnis demonstrieren. Die Tea-Party-Leute dagegen demonstrieren stolz ihre Kenntnis von der US-Verfassung. Die Piraten mögen postmodern, also irgendwie wie für alles sein, sobald es nur umsonst ist. Die Tea-Party will genau das Gegenteil: individuelle Verantwortung gemäss der US-Verfassung, statt staatlich ermöglichter und von Steuerzahlern subventionierter Schmarotzerei. (Kennen Piraten überhaupt unsere Verfassung?) Die Tea-Partier verachten auch nicht generell alle Politiker, sie wollen nur nicht von denen regiert werden, die gegen die US-Verfassung verstossen und sorgen dafür, dass andere Politiker gewählt werden. Und an die Weisheit des Kollektivs glauben Tea-Party-Leute überhaupt nicht. Fleischhauer hat m.E. keine Kenntnis von der Tea-Party. Wie glaubhaft sind dann seine Aussagen zu den Piraten?
  10. #149

    Ja und ....

    Zitat von mm71 Beitrag anzeigen
    Ihr privater Nutzen ist, vom ÖPNV von A nach B gebracht zu werden. Bislang leisten Sie dazu einen Beitrag (Fahrpreis). Künftig wollen Sie sich diesen privaten Nutzen von der Allgemeinheit bezahlen lassen. Capisce?
    was ist dagegen einzuwenden???
    Die Umwelt wird beträchtlich entlastet, der evtl. Nutzer spart sich seine Benzinkohle und ähnliche bedingte Kosten oder halt die Fahrpreiskosten, Instandhaltungskosten von Infrastrukur (z.B. Straßen usw.) fallen rapide. Gesünder ist es auch noch für alle.
    Finanziert wird das alles über eine dann zu schaffende Steuerabgabe.
    Umsonst ist es dann nicht wirklich - aber bedeutend billiger für alle. Selbstverständlich dürfte die Bahn etc. dann auch kein Privatunternehmen sein.
    Aber manche wollen selbst die einfachsten Dinge net verstehen - warum auch immer.
    Und kommen sie bitte nicht mit dem Satz " Was noch mehr Steuern?" - die sparen sie nämlich locker durch nicht mehr zu erbringende Mehrwersteuer, Mineralölsteuer (Fahrscheine, Privatfahrzeuge etc.).

    Kostenloser bzw. anders finanzierter/umgesetzter öffentlicher Nah- und Fernverkehr ist in Zukunft eh unabkömmlich bedingt durch Ressourcenmangel, Umweltbelastung usw. .
    Das sollte für jeden klar sein,zumindest wenn man ein bissl weiter denkt als bis zur Fußspitze.