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Pflegehelfer: Hauptsache Arbeit

Andreas VoigtViele Jahre verdiente Lajos Piros gutes Geld bei einem Fernsehdienst. Seit die Firma pleite ist, hält er sich im harten Job eines Pflegehelfers gerade so über Wasser - die Geschichte eines Berliners, der schon bessere Zeiten gesehen hat und mitten in der Niedriglohn-Realität angekommen ist.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...826237,00.html
  1. #50

    Wer trägt nun die Schuld an der Situation?

    Zitat von grouchomax Beitrag anzeigen
    Woran das liegt? Z. B. an der Haltung von Leuten wie Ihnen, bester kurtwied3. Für die jede Arbeit besser als keine ist, auch wenn sie noch so anstrengend wie schlecht entlohnt wird. Für die Moral wichtiger als Wohlstand ist, es sei denn es ginge um den Wohlstand der wirklich gut Gestellten. Oder vielleicht auch den eigenen.
    Wer trägt nun die Schuld an der Situation?
    Sind es wirklich (wie oben behauptet) die Spiegel-Online-User, die hier die Schuld tragen?

    Wir diskutieren hier über die Pflegebranche. Das ist eine Branche, in der es keine Marktpreise gibt, sondern durchweg staatlich festgesetzte Vergütungen. Die Betreiber müssen sich ihre Preise von Behörden genehmigen lassen und bei dieser Gelegenheit alle Details offenlegen (auch die Gehälter der Beschäftigten, sogar die Arbeitsverträge). Da ist es kein Zufall, dass 2/3 aller Pflegeheimbetreiber in Deutschland kein Geld verdienen und Knappheiten in den Einrichtungen an der Tagesordnung sind.

    Viele, die sich hier über die Pflegebranche beschweren, gehören zu denjenigen, die sonst immer mehr Staat fordern, weil sie glauben, dadurch alle Probleme lösen zu können. Tatsächlich ist aber gerade die Pflegebranche ein Beispiel für ein völliges Versagen staatlicher Lenkung. Wir können froh sein, dass die Pflege noch dominiert wird von vielen gemeinnützigen Trägern (AWO, DRK, kirchliche Träger, etc.), die noch auf Spenden und Ehrenamtler zurückgreifen können und dadurch die Situation ein wenig verbessern!
  2. #51

    Vorhin

    Zitat von Cassandra105 Beitrag anzeigen
    Soll sich bei der Mehrheit der Deutschen bedanken, die sich nunmal ganz demokratisch für die Sklaverei ausgesprochen haben und es immer wieder tun.
    wurde mein Beitrag "Working Poor lässt grüßen" von der Zensur einkassiert.
    Generell habe ich Hochachtung vor dem Mann, der sich lieber mit diesem Job duchschlägt, als von Hartz-IV zu leben.
    Zornig macht mich jedoch die Tatsache, dass derartige Ausbeuter-Jobs erst durch unsere Politiker ermöglicht werden.
    Sozial ist, was Arbeit bringt, heißt halt die Devise. Die Leute sollen bloß nicht die Arbeitslosenstatistik kommen.
    Dann kann man nämlich dem Wahlvolk besser seine "Erfolge in der Beschäftigungspolitik" verkaufen.
    Notfalls stockt halt die Allgemeinheit = alle ehrlichen Unternehmer und Steuerzahler, die Lohnsklaven-Löhne auf.
    Auf D rollt eine gewaltige Welle der Altersarmut zu, die ironischerweise durch diejenigen verursacht wird, die immer vom schlanken Staat schwafeln. Dabei sind es gerade diese Herrschaften, die für ein Heer von Grundsicherungsantragsstellern sorgen werden - mit allen Konsequenzen für die Gesellschaft. Das wird unweigerlich in der Demontage der Sozialen Marktwirtschaft inkl. der Sozialversicherungssysteme enden.

    Zitat von Cassandra105 Beitrag anzeigen
    Selbst die Kabarettisten verzweifen langsam und das sollte einem wirklich Ansgst machen, wenn selbst die keinen Weg mehr finden, das ganze noch irgendwie etwas heiter zu sehen.
    Leider ist das richtig. Selbst Dieter Hildebrandt sagte im Sommer 2011 sinngemäß, dass die Entbildung der deutschen Bevölkerung rasant zunimmt. Dieser Beobachtung muss man leider zustimmen!
  3. #52

    Der verdient also knapp über Hartz4

    Der Pflegeheimbetrieber lacht sich ins Fäustchen und stopft sich die Taschen voll, diese Heime sind eine Goldgrube.
    Hier in der Umgebung spriessen diese Pflegeheime wie Pilze aus dem Boden, das nächste wird gerade einen Steinwurf weit gebaut, Rohbau ist fast fertig, schon das Dritte des jetzigen Pflegeheimbetreibers.

    Ein Platz in einer solchen 'Residenz' kostet 3.000-5.000€, billiges Personal als Pflegehelfer eingestellt aber blos nicht zu viele davon, sonst könnte ja der Gewinn dramatisch sinken, das Essen ist auch ähnlichem Niveau, könnte ja sonst zu viel kosten und den Gewinn schmälern. Vor der Türe parken massenhaft Autos von Drittfirmen aus der Pflege und Zeitarbeitsbranche. Küchen- Pflege, Hausmeister-,... alles von "Dienstleistern". Einige die dort mal fest gearbeitet hatten wurden grösstenteils rausgeworfen, was dort noch fest abeitet sind nur Wenige und die werden ausgepresst wie eine Zitrone.

    Herr Autor, sie sollten mal über solche Betreiber schreiben was die im Monat einnehmen, welche Tricks diese anwenden um Steuervorteile und Förderungen einzustreichen, seriöse Betreiber das Nachsehen haben,... dann passt der Artikel auch in die Rubrik 'Karriere', solche Hartz4-Jobs wie im jetzigen Artikel passen in die Kategorie "Selbstverarschung und Ausbeutung".
  4. #53

    Zitat von Pizza No.7 Beitrag anzeigen
    Herrn Piros gebührt allerhöchster Respekt dafür, daß er auch unter schwierigen Umständen in der Lage ist, sein Leben selbst auf die Reihe zu bekommen. Daß einmal eine Zeit kommt, in der Fernseher nicht mehr repariert sondern im Falle eines Defektes schlicht entsorgt werden, konnte er nicht ahnen.

    An so einem Menschen sollten Sie sich ein Beispiel nehmen! Die "gewaltsame Revolution" darf gerne kommen. Und ich hoffe, danach sind wir Schreihälse wie Sie ein für allemal los.
    Meinen Respekt hat Herr Piros auch. Allerdings mit folgenden Einschränkungen:
    Die Voraussetzungen bei Herrn Piros als Alleinstehender ohne Kinder in einem noch relativ "jungen" Alter mit wohl einem gesunden Körper sind wesentlich besser, als es bei so manchem der vor allem älteren HartzIV-Empfänger ist.
    Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Herr Piros bis an sein Rentenalter hinan in dieser Arbeitssituation bleiben will. Hat er nicht auch die Vorstellung, einmal mehr zu verdienen und/oder mit weniger Stress seine Tätigkeiten zu verrichten. Im Augenblick sieht es eher so aus, als könnte es noch schlechter werden.
    Es kommt aber darauf an, die Situation verbessern, für alle Menschen mit wenig Geld in oder ausserhalb eines Jobs. Ich hoffe, Herr Piros zeigt auch in dieser Hinsicht viel Elan - sofern ihm sein Job noch Zeit dazu lässt! Es muss ja nicht gerade eine Revolution sein. Die kommt eh, wenn sich nix ändert.
  5. #54

    Sie Guter!

    Zitat von Sebastian_Deppe Beitrag anzeigen
    Richtig...Wir zahlen in unserer privaten Seniorenresidenz weit mehr als 9 Euro die Stunde bzw. nicht weniger als ca. 1.700 brutto, oft auch darüber. Und wir haben im Hamburger Raum immer noch Probleme, (gutes) Personal zu finden..

    Interessant wäre auch ein Vergleich zur Gastronomie-Branche, hier sind die Stundenlöhne oft deutlich geringer und die Arbeitszeiten noch belastender.
    Bei allen Nachteilen des Pflegeberufes: Ein Lächeln des Bewohners und ein "Dankeschön" ist auch eine Entlohnung, die man nicht unterschätzen sollte, leider im Artikel nicht erwähnt.
    Und wieviel streichen Sie sich monatlich ein? In Berlin kann man noch(!) von 1700 Brutto leben, wenn man auf einige Dinge verzichtet und nur für sich selbst finanziell verantwortlich ist. Ob das in Hamburg auch der Fall ist, weiß ich nicht, wage ich aber zu bezweifeln. Aber eine Familie damit zu ernähren, dürfte wohl definitiv flach fallen.

    Nach Lesen Ihres letzten Absatzes, hoffe ich doch schwer, dass man Ihnen irgendwann die Inhalte der Bettpfannen, die im Laufe eines Tages in Ihrer privaten Seniorenresidenz anfallen, in Ihr Büro kippt.
  6. #55

    Also euch kann man ja auch gar nichts Recht machen oder? Da zeigt ein Mann - im Gegensatz zu vielen anderen Landsleuten - die Motivation und den Willen arbeiten zu gehen und ihr kritisiert ihn dafür, dass er sich diesen Hungerlohn gefallen lässt und IHR ihn dann im Alter durchfüttern müsst? Schonmal was von Solidarität gehört? Ganz ehrlich - das regt mich tierisch auf! Und es zeigt mir, dass viele wahrscheinlich nicht mal wissen, wie ein Arbeitsamt von innen aussieht. Den Hungerlohn nicht gefallen lassen? Pech gehabt, es gibt genug andere Idioten, die den selben Job sogar für weniger machen würden, weil sie froh sind überhaupt ein Dach über dem Kopf finanzieren zu können.
    Natürlich sollte sich an der Lage etwas ändern - das steht außer Frage. Aber da müssten alle mit anpacken. Und ich finde nicht, dass man von jemandem der mittellos ist, dann verlangen kann, dass er sich "für die gute Sache" aufopfert. Erstmal sollten diejenigen, die die Mittel haben und keine Angst vor Arbeitslosigkeit haben müssen, aufstehen und auf den Tisch hauen. Aber das ist eine so typische Mentalität... wen's nicht betrifft, den interessiert's auch nicht. Da ist das Diskutieren in einem Forum ja das maximalste. ...
  7. #56

    Zitat von theodorheuss Beitrag anzeigen
    Hochachtung und Respekt vor solch einer Einstellung zum Leben im Ganzen und zur Arbeit im Speziellen. Von ihnen können sich so einige Landsleute eine dicke Scheibe abschneiden! Indes es bleibt da ein ganz bitterer Beigeschmack. ....
    Sie sagen, es: die Einkommen vieler Malocher sind einfach zu niedrig.
    So ist das eben wenn immer mehr von den Arbeitenden zu den Besitzenden verteilt wird.
    Wieder einer der aufgewacht ist.
    Herzlichen Glückwunsch und Willkommen im Jobwunderland Deutschland.
  8. #57

    In vielen Heimen sieht die

    Zitat von horst-kurt Beitrag anzeigen
    Wer trägt nun die Schuld an der Situation?
    Sind es wirklich (wie oben behauptet) die Spiegel-Online-User, die hier die Schuld tragen?

    Wir diskutieren hier über die Pflegebranche. Das ist eine Branche, in der es keine Marktpreise gibt, sondern durchweg staatlich festgesetzte Vergütungen. Die Betreiber müssen sich ihre Preise von Behörden genehmigen lassen und bei dieser Gelegenheit alle Details offenlegen (auch die Gehälter der Beschäftigten, sogar die Arbeitsverträge). Da ist es kein Zufall, dass 2/3 aller Pflegeheimbetreiber in Deutschland kein Geld verdienen und Knappheiten in den Einrichtungen an der Tagesordnung sind.

    Viele, die sich hier über die Pflegebranche beschweren, gehören zu denjenigen, die sonst immer mehr Staat fordern, weil sie glauben, dadurch alle Probleme lösen zu können. Tatsächlich ist aber gerade die Pflegebranche ein Beispiel für ein völliges Versagen staatlicher Lenkung. Wir können froh sein, dass die Pflege noch dominiert wird von vielen gemeinnützigen Trägern (AWO, DRK, kirchliche Träger, etc.), die noch auf Spenden und Ehrenamtler zurückgreifen können und dadurch die Situation ein wenig verbessern!
    Realität aus:

    Es wird die vom Gesetzgeber min. vorgeschriebene Anzahl von examinierten Fachkräften eingestellt.
    Pflegehelfer, wie im Bericht mit 8,50 € brutto auf Vollzeitbasis, sind fast schon die Ausnahme.
    Es wird vermehrt mit Teilzeitkräften oder mehreren 400,00 € Jobbern gearbeitet. Das ist für den Träger/Betreiber "billiger" (egal ob kirchliche oder private Trägerschaft).
    Habe einige sehr gute Bekannte in der Pflegebranche, die deshalb nicht nachvollziehen können, warum ein Heimplatz, selbst bei Pflegestufe 1, 2.000 - 3.000 € pro Monat kostet.
    An den Personalkosten liegt es definitiv nicht.
    Die Politik hat die Büchse der Pandora geüffent und den am schnellsten gewachsenen Niedriglohnsektor in Europa geschaffen.
    Damit hatte sich besonders Gerhard Schröder gebrüstet.
    Die Ernte fahren wir momentan ein.
    Warten Sie mal ab, wenn die alle im Alter auf dem Amt sitzen, weil sie von ihren Mini-Renten nicht existieren können.
  9. #58

    Bauernfänger?

    Zitat von kurtwied3 Beitrag anzeigen
    Mir ist schon klar, dass Sie glauben "wir verfügen über die besten Möglichkeiten", aber eigentlich die Möglichkeiten der anderen meinen.
    Allerdings ist es gut, dass in der Gesellschaft eben niemand mit Gewalt bestimmen darf "wohin einer mit seinem Reichtum" will.

    Diese .....
    Gut, gut: Sie haben Angst vor einer gewaltsamen Änderung der Verhältnisse. Weniger vor der Verfügungsgewalt über das sachliche und menschliche Inventar, wodurch die Verteilung des Erarbeiteten geregelt wird.

    Aber lassen wir das. Bei allem "Pazifismus" Ihrer Seite, Sie sind nicht genötigt, die Schere zwischen Arm und Reich, wenn nicht für gott-, sondern doch als naturgegeben zu verhimmeln.
  10. #59

    Zitat von etherbaron Beitrag anzeigen
    Jetzt bitte noch mindestens ein Dutzend solcher Artikel, damit ich endlich wieder glauben kann, dass Berlin nicht nur von Hartz IV Empfängern, Politprofis sowie Medien- und Kunstfuzzies bevölkert wird.

    Wenn Berlin weniger Geld für all das möchte-gern-repräsentative, Glanz und Glamour inklusive Pseudokunstgehabe verpulvern würde, dann bliebe vielleicht auch noch etwas zum sinnvoll-verteilen, damit arbeitswillige Menschen nicht mit einem Niedriglohn an der Grenze zum Prekariat dahindämmern müssen.
    Was ist das denn bitte für ein Geschwurbel? Es handelt sich hier um ein privates Pflegeheim - was bitte hat das mit dem Staat oder der Stadt Berlin zu tun? Und wenn Sie möchten, dass die Pflege besser entlohnt wird, kämpfen Sie doch bitte für eine Verdopplung der Pflegeversicherung - das wäre ein erster Schritt. Oder möchten Sie das dann doch nicht mehr?

    Ach ja ich vergaß: Einfach bei den Gutverdienern zulangen. Die habens ja eh so dicke...


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