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Pflege in Deutschland: 140.000 Heimbewohner werden festgehalten

DPADeutschlands Krankenkassen schlagen Alarm. Zehntausende alte Menschen werden in Pflegeheimen mit Gittern oder Gurten festgehalten, viele ohne richterliche Anordnung. Fast der Hälfte aller Heimbewohner droht das Wundliegen.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...829486,00.html
  1. #70

    Es geht ja oft auch nicht um

    Zitat von RudolfHege Beitrag anzeigen
    Die geschilderten Zustände sind eine Folge des gesellschaftlichen Wandels: Immer mehr alleinlebende Alte, immer weniger Familien, die bereit sind, Alte zu pflegen. Klar, mit Geld kann man vieles verbessern. Sparpolitik ist schlicht die Folge fehlender Mittel. Wir alle müssten dann nur bereit sein, immer mehr in die Kassen einzuzahlen. Nur, wie viele sind zu dieser Solidarität bereit, wenn es an den eigenen Geldbeutel geht. Noch dazu für Alte, die man selbst gar nicht kennt?
    ..bereit sein oder wollen. Nur wer kann es sich noch leisten, mehr und mehr von seinem Geld der Sozialversicherung in den Rachen zu werfen. Jeder kann sein Geld nur einmal ausgeben. Das Geld was sich die Sozialversicherung nimmt fehlt mir für mich, meinen Mann, meine Kinder....wir brauchen unser Geld auch: Raten für das Haus (sind im übrigen genauso hoch wie vorher unsere Miete), Fahrten zur Arbeit, Fahrten zur Schule, Versicherungen, eigene Altersvorsorge, Lebensmittel, Kindergarten, Kinderkrippe, Kleidung, Schulbedarf, Fortbildungen (leider nicht umsonst) und ja, auch mal Freizeitgestaltung im normalen Rahmen (Schwimmbad, Musikunterricht, Sportkurse...)....normale Dinge also , und nichts davon ist umsonst. Glauben Sie allen Ernstes, dass Normalverdienern so viel bleibt dass sie eben mal so noch mehr Geld aus dem Ärmel schütteln können. Da sind wir dann bald bei Leben auf Hartz IV Niveau trotz Vollzeitjob und Doppelverdienern.

    Ein anderer Forist hat gesagt, die Kinder sollen, wenn sie für ihre Eltern ein Heim suchen, nicht aufs Geld schauen. Das geht aber nur, wenn die zu Pflegenden über ausreichend Vermögen für einen langen Pflegezeitraum verfügen. Meine Eltern und Schwiegereltern können ihr Geld (mein Erbe?) gerne für sich behalten, allein, sie haben nichts oder nicht genug. Ich müsste also bei der Heimsuche aufs Geld schauen, denn wenn die Pflegebedürftigen nicht genug Geld haben, schaut das Amt zuerst bei den Kindern nach. Wir können es uns aber nicht leisten, mal eben pro Monat 1000 Eur aufwärts zuzuschießen. Dann können wir auch gleich Insolvenz anmelden. Und auch der Staat bezahlt dann nur den günstigsten Platz.
  2. #71

    Schon passiert ...

    Zitat von tunga Beitrag anzeigen
    Na dann pflegen sie mal selber, dann reden wir weiter.
    Ich war lange Zeit als Zivi in der Altenpflege beschäftigt. Als ich allerdings nach der Pfleger-Grundausbildung bei solchen Aktionen mit einbezogen werden sollte, habe ich gegen den Widerstand der Heimleitung, und gegen das Unverständnis der Zivibehörde, meinen Dienst dort quittiert, und bin in einen anderen Bereich gewechselt.
    Für meine Überzeugung bin ich hart angegangen worden, musste mir Vorwürfe anhören, aus Bequemlichkeit usw. wechseln zu wollen. Die Wochen bis zum Wechsel waren kein Zuckerschlecken, ich wurde von den Pflegern behandelt wie ein Verräter an der Pflegezunft, da ich meine Gründe beim Bundesamt öffentlich gemacht hatte.

    Also kommen Sie und ihre Mitempörten mir nicht mit angeblich fehlendem Praxiswissen. Niemand muss solche Zustände wie Fixierungen und Sedierungen mitmachen.

    Wer das für schnödes Geld tut, muss sich auch gefallen lassen, dafür kritisiert zu werden. So wie hier, offensichtlich von Pflegekräften, aggressiv in die Offensive gegangen wird, kann man sich auch als Außenstehender sicherlich vorstellen, welche Zustände in den Heimen herrschen.
    Kritik wird abgewatscht, kritisierende Angehörige notfalls mit Hausverbot belegt. Alles bekannt.
  3. #72

    Zitat von cawo80 Beitrag anzeigen
    Der Rechtspfleger ist dafür auch nicht zuständig (über Fixierungen entscheidet z.B. ausschließlich der Richter, und auch nur der Richtiger ordnet Betreuung und Vormundschaft an und nur der Richter bekommt deshalb den Betreuten oder das Mündel zu Gesicht). Der Rechtspfleger ist auch nicht der Betreuer oder Vormund (Familienmitglieder oder Leute die das berufsmäßig machen (das einer da eine Ausbildung als Rechtspfleger hat mag sein, er handelt aber nicht als solcher), sondern er bestellt selbige. Mehr nicht. Und das ist vom Gesetz auch gar nicht anders vorgesehen.
    "Soweit die reine Lehre"
    Aber Sie möchten doch nicht ausschließen, dass oft und kurzerhand, ohne rechtliche Legitimation fixiert wird?
  4. #73

    ....

    Zitat von TomGaribaldi Beitrag anzeigen
    Wie ich solche Berichte liebe... schlampig recherchiert, planlos von A über Z nach B springend - und unkritisch dem MDK und den Krankenkassen nach dem Mund redend. Glaubt eigentlich ernsthaft irgendjemand, dass die Berufsgruppe der Pflege eine Ansammlung .......
    Ich kann Ihre Empörung sehr gut verstehen.
    Es ist eine Tatsache das man den Beruf der Pflege und Hilfe in Deutschland schlecht bis sehr schlecht bezahlt. Ob nun eine Krankenschwester oder ein Pfleger, sie machen harte und auch emotionale belastende Arbeit die nicht im mindesten honoriert wird. Weder finanziell noch im Sinne einer Anerkennung.

    Wir Menschen sind mit schuld wenn solche Situationen entstehen. Wir empören uns aber danach gehen wir wieder unseren Alltag bewältigen.
    Wir lassen zu das man Banken saniert und im gleichem Zuge im sozialem Bereich kürzt.
    Wir nehmen es stillschweigend hin. Denn ich habe noch nie erlebt das man wegen der alten Menschen oder behinderten Menschen auf die Straße geht und mal anfängt seine Stimme zu erheben.
    (Ich schliesse mich nicht aus *Schäm*).

    Ich kann nur hoffen das Gott gnädig mit mir ist wenn ich alt werde.
    Ansonsten wird es mir Angst und Bange wenn ich nur daran denke. Denn sicher ist, besser wird es nicht.
  5. #74

    Wissen Sie eigentlich wieviel

    Zitat von cawo80 Beitrag anzeigen
    Wir können es uns aber nicht leisten, mal eben pro Monat 1000 Eur aufwärts zuzuschießen. Dann können wir auch gleich Insolvenz anmelden. Und auch der Staat bezahlt dann nur den günstigsten Platz.
    Sie an Einkommen / Vermögen besitzen müßten um auf einen derartig hohen Zuschuß zu kommen?
  6. #75

    Alte menschen dürfen in diesem Land nichts mehr kosten, letzlich folgt das der kapitalistischen Logik der wir alles unterwerfen, sie sind wie benutzte Autos und wollen einfach nur noch nicht sterben, aber keiner will mehr für sie aufkommen, der Staat nicht und die angehörigen nicht denen das erbe danben gehen könnte,

    das es anders geht zeigen Hospize, denn auf die Krankheit kommt es an, wer die richtige hat stirbt im Hospi.

    auch die Jugendenhilfe und die Behindertenhilfe zeigen das es anders geht, aus berechtigter solidarität unterstützen wir das leben ausgeflippter Jugendlicher und von behinderten Menschen, mit wesentlich mehr Geld als das alter menschen, obwohl diese das alles mal in ihrer tätigen Phase mit bezahlt haben.

    Wo liegt das Problem, die alten im Altenheim kommen aus der AOK Schicht, alle anderen Gruppen die ich im vorfeld genannt habe sind mit dem Milieu der besser Verdienenden, besser gestellten mehr verbunden, also haben sie andere Sachwalter.

    letzte Frage, wo verbringen die Verantwortungsträger Ihre letzen Jahre, im Augustinum ist doch klar, wer selber ins augustinum zieht muß sich keinen kopf machen, wie es der aok schicht geht.
  7. #76

    Geld nützt nur den Heimbetreibern

    Zitat von cawo80 Beitrag anzeigen
    Ein anderer Forist hat gesagt, die Kinder sollen, wenn sie für ihre Eltern ein Heim suchen, nicht aufs Geld schauen.
    Ein zweifelhafter Rat. Meine Frau und ich haben nicht auf's Geld geschaut. Resultat: Pflegekosten für eine Person zwischen € 3.200 und € 3.400,00 pro Monat bei leider nur mittelmäßiger Pflege. Der Heimbetreiber verdient offenbar prächtig.
  8. #77

    Respekt

    Zitat von dummerjunge Beitrag anzeigen
    Merkwürdig. Müßte es angesichts des gut 90%igen weiblichen Anteils nicht "Pflegerinnen fesseln Zehntausende Alte ans Bett" heißen?
    Ach, in solchen Fällen ist das Maskulinum wohl plötzlich nicht mehr so generisch wie sonst immer behauptet?

    Außerdem liegt der Frauenanteil in Pflegeberufen "nur" so bei 85%. (s. https://www.gbe-bund.de/oowa921-inst...p_aid=77545312)

    Und wenn ich hier schon was schreibe, will ich mal meinen Respekt für alle Pflegekräfte ausdrücken, die trotz Unterbezahlung und Personalmangel* eine verdammt schwierige und anstrengende Arbeit an verdammt schwierigen und anstrengenden Leuten machen! Und auch an die, die das mit Angehörigen machen, s. #57.
    *Was natürlich nicht heißen soll, dass diese Zustände hingenommen werden sollten. Für Respekt allein kann sich niemand was kaufen.
    Und dann kommen noch diverse Beiträge mit diesem Tenor:
    Zitat von Pfeiffer mit drei F Beitrag anzeigen
    Was nützt Leben, wenn es nicht mehr lebenswert ist?
    Oder weniger hochtrabend ausgedrückt: Ich kann euer Elend nicht mehr sehen, sterbt endlich! Ja, das klingt nicht so schön, aber es triffts doch, oder?

    Falls ich mal pflegebedürftig werden sollte, hoffe ich sehr, dass sich Menschen finden, die mein Elend nicht nur ertragen, sondern mir auch helfen, so gut es geht. Liebevoll, aber eben auch: professionell. Und falls das so sein wird und ich dann geistig dazu nicht mehr in der Lage sein werde, sage ich jetzt schon mal im Voraus: Danke!
  9. #78

    _

    Zitat von conny2 Beitrag anzeigen
    Ein zweifelhafter Rat. Meine Frau und ich haben nicht auf's Geld geschaut. Resultat: Pflegekosten für eine Person zwischen € 3.200 und € 3.400,00 pro Monat bei leider nur mittelmäßiger Pflege. Der Heimbetreiber verdient offenbar prächtig.
    Was erwarten Sie für läppsiche 113€ am Tag? Dafür wrd bereits das x-fache dessen Geboten was man in einem Hotel kriegt. Da fährt einen keiner in die Küche, wäscht einen, zieht einen an ....

    Wenn man das entsprechend entlohnen würde, dann wären wir schnell bei 10.000 im Monat.
  10. #79

    @Spiegel: vielen Dank, Sie haben auf der Basis einer pseudo-statistischen Erhebung und der daraus resultierenden einseitig zweckorientierten Interpretation der Pflege alter und behinderter Menschen einen Bärendienst erwiesen. Statt einfach gezielt lancierte Zahlen unkritisch zu übernehmen und skandallüstern zu verbreiten, wäre eine sonst gewohnte gründliche Recherche hilfreich gewesen, um die Situation adäquat abzubilden. Der Zeitpunkt dieser Berichtsveröffentlichung ist kein Zufall. Kranken- und Pflegekassen verhandeln zur Zeit in Berlin über ein Benotungssystem, dass nur ein ZIel hat: die bisherigen Noten und die damit verbundene Qualität systematisch so abzuwerten, dass es potenzielle Kunden abschreckt. Die Pflege alter und behinderter Menschen in Deutschland ist zu 96% gut, bis sehr gut, sagt selbst der MDK übrigens seit 2004 offiziell. Durch die Noten war das seit 2009 nicht mehr schlecht zu reden. Also ist Pflege auch für Kunden attraktiv! Ja, es gibt "Optimierungspotenzial" in den Bereichen der sog. Struktur- und Prozessqualität, das sind die Zahlen, die veröffentlicht werden. Und die haben wahrlich nichts mit der Ergebnisqualität zu tun, wie man bei etwas genauerer Recherche allein im Bereich Ernährungs- und Flüssigkeitszufuhr hätte erkennen können! Ich rege an dieser Stelle an, die Situation von Pflegenden und Pflegebedürftigen im Vergleich zum Klinikbereich und unter dem Aspekt der hausärztlichen Betreuung und der Bewilligungspraxis von Verordnungen der Krankenkassen zu betrachten. Das ist nämlich ein weiterer Krisenherd, auf den Pflege keinen Einfluss hat, dessen Folgen ihr aber zugeschrieben und benotet werden. Es gibt keine Profession in Deutschland, auf der so viel herum geprügelt wird, wie die der Pflege alter und behinderter Menschen. Und das nicht aus Fürsorge, sondern zur politisch passenden Zeit aus finanziellen Gründen. Das ist perfide, allein wenn man berücksichtigt, wie viele Kontrollinstanzen und Verbraucherschutzorganisationen von der Pflege leben.
    Der beste Versicherte ist doch wohl derjenige, der lange Beiträge zahlt, aber nur kurz Leistungen beansprucht, oder? Deutschland ist so auf dem besten Wege, die "Gewinnmargen" der Kranken- und Pflegekassen weiterhin zu steigern. Und da wundert es noch, dass dieser Beruf unattraktiv ist und Sterbehilfeorganisationen enormen Zulauf haben? Stimmt- ich vergaß: die Erde ist eine Scheibe.....


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