Pest-Genom entziffert: Am Anfang war der Schwarze Tod

Er*tötete fast halb*Europa, jetzt haben Forscher erstmals das Erbgut des Pesterregers entziffert.*Die Wissenschaftler*können daraus schlussfolgern,*wann das*Ur-Pest-Bakterium entstand - und*warum der Schwarze Tod im Mittelalter viele Millionen*Menschen dahinraffte.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/n...787260,00.html
  1. #1

    Pest

    Wirkliche Neuigkeiten sind das nicht. Bakterien entwickeln sich eben nicht annähernd so rasant wie Viren.

    Nur wenige Mutationen sind nicht so ungewöhnlich, wenn man die Inkubationszeit und die Tödlichkeit für den Menschen mit einbezieht.
  2. #2

    Liebe Redaktion: darf ich auf ein paar Buchstabendreher hinweisen?

    Vorletzter Absatz: Ich glaub, der Erreger heißt nicht Yersinia *psuedo*tuberculosis, sondern Yersinia *pseudo*tuberculosis.

    Und die *Justininaische* Pest ist besser bekannt als *Justinianische* Pest (letzter Absatz).
  3. #3

    Schlußfolgern kann man viel

    Die Wissenschaftler können daraus schlussfolgern, wann das Ur-Pest-Bakterium entstand - und warum der Schwarze Tod im Mittelalter viele Millionen Menschen dahinraffte.
    Dass die Wissenschaftler die Pest enträtselt haben: das habe ich schon oft gelesen. Sagen wir das mal so: sie haben jetzt feste Idizien.
  4. #4

    ...

    Zitat von marvinw Beitrag anzeigen
    Dass die Wissenschaftler die Pest enträtselt haben: das habe ich schon oft gelesen. Sagen wir das mal so: sie haben jetzt feste Indizien.
    Das sind doch nur Medienhypes. Nur weil zufällig entsprechende Artikel in Nature veröffentlicht wurden. Und nur weil deren Autoren behaupten, die Kontroverse über die historischen Pestepidemien allgemein bzw. den Schwarzen Tod speziell gelöst zu haben, muß dem noch nicht so sein. Die früheren Fachartikel sind nämlich durchaus auch gut begründet. Und offensichtlich gibt es viele Stellen, an denen Unklarheiten herrschen und auch kaum zu lösen sind.

    Im übrigen ist es schon seltsam...die Ankündigung im Titel lautet "Pest-Genom entziffert" und im Text wird dann auf ein Referenzgenom verwiesen, mit dem man das neu bestimmte Genom vergleichen will. Die erstmalige Entschlüsselung des Pest-Genoms liegt nämlich schon eine Weile zurück. Man würde sich wünschen, daß Journalisten solche Widersprüche erkennen und nicht einfach Behauptungen von Autoren wiedergeben bzw. sprachlich verfälschen.
  5. #5

    einfach nur toll

    trotz all der vorausgegangenen eher kritischen Beiträge, muß ich jetzt einfach mal sagen, daß ich einfach klasse finde, daß die Wissenschaft in der Lage ist, aus 800 (!) Jahre alten Zähnen und Knochen ein Genom herauszufiltern, es korrekt zu bestimmen und dann auch noch heraus zu finden, wie alt das Ding ist und woraus es entstand. Chapeau!
  6. #6

    Zeithorizonte...

    Ca. 2001 - ich war bei der Anwaltskanzlei Freshfields in London - war ich an einem Vortrag eines unserer Partner zum jüngsten PFI-Projekt, der Londoner U-Bahn. Er erläuterte die umweltrechtlichen Probleme des Projektes, und die "Plague Pits" waren eines der schwierigeren. Die Bevölkerung von London hat im 14. Jh. rund um London diese Pestmassengräber angelegt; nicht alle Stätten waren sicher bekannt. Die privatwirtschaftlichen Bewerber für den privatisierten U-Bahnbetrieb wollten vom Staat eine Freistellung für die Folgen eines versehentlichen Anbohrens einer dieser Plague Pits. Und damals war noch unbekannt, wie relevant das Risiko war...
  7. #7

    Mehr als nur sequenziert

    Zitat von Newspeak Beitrag anzeigen
    Das sind doch nur Medienhypes.....
    Im übrigen ist es schon seltsam...die Ankündigung im Titel lautet "Pest-Genom entziffert" und im Text wird dann auf ein Referenzgenom verwiesen, mit dem man das neu bestimmte Genom vergleichen will.

    Das stimmt zwar, Y pestis wurde z,B. bereits 2001 sequenziert (Nature 413(6855), 523-527, 2001, und das ist das Referenz-Genom CO92 von dem in dem Paper die Rede ist), allerdings handelt es sich bei CO92 um eine "moderne" Variante der Pest.

    Die Bedeutung der jetzt veroeffentlichten Arbeit liegt wohl in zwei Punkten, naemlich (a) das es sich hier um eine "historische" Variante handelt, die zwischen 1347-1351 in London wuetete und (b), dass gezeigt werden kann, dass von allen bisher verfuegbaren 17 genomsequenzen diese Variante extrem nahe am "Stamm" der evolutionaeren Entwicklung liegt, also sehr nahe am Uebergang vom harmlosen Bakterium Y. pseudotuberculosis zur Pest. Und das ist wohl wirklcih neu.
  8. #8

    wer lesen kann ist klar im vorteil!

    Zitat von Newspeak Beitrag anzeigen

    Im übrigen ist es schon seltsam...die Ankündigung im Titel lautet "Pest-Genom entziffert" und im Text wird dann auf ein Referenzgenom verwiesen, mit dem man das neu bestimmte Genom vergleichen will. Die erstmalige Entschlüsselung des Pest-Genoms liegt nämlich schon eine Weile zurück. Man würde sich wünschen, daß Journalisten solche Widersprüche erkennen und nicht einfach Behauptungen von Autoren wiedergeben bzw. sprachlich verfälschen.
    offenbar wurde die sequenz des, wie sie richtig schreiben, bereits seit etlichen jahren bekannten genoms des "modernen", heute lebenden bakteriums yersinia pestis (das referenz genom) mit der sequenz von genbruchstücken aus krankheitserregern des späten mittelalters verglichen.

    der vergleich ergab, dass es sich bei dem im späten mittelalter als auslöser der pest aufgetretenen krankheitserreger zweifelsfrei um eine form des bakteriums yersinia pestis handelte - was vorher eben NICHT klar, sondern lediglich vermutet und vielfach sogar angezweifelt worden war!

    pest vs. yersinia pestis! verstehen sie? der name des bakteriums stammt aus einer zeit der gerüchte, mutmaßungen und spekulationen. jetzt herrscht dagegen gewissheit! dank des referenz genoms!
  9. #9

    Ist schon gut,

    Zitat von Beteigueze Beitrag anzeigen
    trotz all der vorausgegangenen eher kritischen Beiträge, muß ich jetzt einfach mal sagen, daß ich einfach klasse finde, daß die Wissenschaft in der Lage ist, aus 800 (!) Jahre alten Zähnen und Knochen ein Genom herauszufiltern, es korrekt zu bestimmen und dann auch noch heraus zu finden, wie alt das Ding ist und woraus es entstand. Chapeau!
    aber was nuetzt es uns, wenn die Wissenschaft heute noch immer kein Mittel gegen Multiple Myeloma entwicklen konnte.