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Patient und Arzt: Check im Netz

Medizinportale, Foren, Newsgroups - der Besuch beim Cyber-Doc boomt. Schnell haben Patienten Diagnosen und Therapien zur Hand. Für das Verhältnis zum echten Arzt bleibt das nicht ohne Risiken.

http://www.spiegel.de/spiegelwissen/...633422,00.html
  1. #1

    hokuspokus

    Zitat von spirit-tv Beitrag anzeigen
    viele Patienten sind von den hochgradig standardisierten Abläufen bei Arztbesuchen zurecht enttäuscht und fühlen sich nicht ernst genommen. Besonders wenn die Patienten Einschätzungen und Informationen zu komplementär-medizinischen Therapien, Naturheilkunde oder energetischen ( vielleicht auch geisthelerischen Ansätzen ) suchen, sind Web-Plattformen wie u.a. www.spirit-TV.de die einzigen Informatinsangebote. Die Nachfrage jedenfalls wächst stetig.
    Die leute stehen eben auf teuren hokuspokus der nicht funktioniert.
  2. #2

    Diagnosestellung ist ein komplexer Ablauf

    Das hauptsächliche Problem bei der Suche nach Gesundheitsthemen im Internet ist do, dass die meisten Nutzer gar nicht wissen, wonach sie überhaupt suchen sollen. Denn wenn sie schon wüssten, dass sie Krankheit XYZ haben, dann müssten sie nur den Namen XYZ eingeben und würden auch zuverlässige Informationen finden. Meist ist es aber umgekehrt: man hat das eine oder andere Symptom bei sich festgestellt und sucht nun ziemlich ungezielt im www herum. Das muss natürlich in die Hose gehen, denn viele Symptome treten bei ganz unterschiedlichen Krankheiten auf, wie das Beispiel mit dem Kopfschmerz und dem Schwindel im Artikel schon deutlich macht. Das kann von Muskel-Verspannungen im Nacken bis zum Hirntumor praktisch alles sein.
    Niemand kann aber anhand von zwei Stichwörtern eine Diagnose stellen.
    Dazu braucht es eine genauere Beschreibung der Symptome, eine Untersuchung vor Ort und ein paar Labordaten, und erst dann kann man etwas gezielter an eine Diagnosestellung gehen. Aber auch damit ist es oft noch nicht getan. Im rahmen der Differenzialdiagnose oder eines ersten erfolglosen Behandlungsversuchs stellt sich dann oft heraus, dass beim Patienten doch nicht die zuerst vermutete Erkrankung vorliegen kann.
    Neben den zigtausend relativ bekannten Krankheiten gibt es beispielsweise auch etwa 7000 seltene Krankheiten, die unter 10.000 Personen nur etwa 5 Mal vorkommen. Dann sind auch die meisten Ärzte überfragt und müssen sich selber erst einmal informieren (wenn der Arzt sich hier weigert, sollte man sich umgehend einen neuen suchen). Eine gute Möglichkeit hierfür ist etwa das Informationsangebot des dt. Dachverbands für seltene Krankheiten ACHSE e.V. (www.achse.info und www.achse-online.de). Unter anderem können sich auch Ärzte/-innen an die ACHSE wenden, wenn sie Probleme bei einer Diagnose haben und vermuten, es könnte eine seltene Krankheit dahinter stecken.
    Ziel solcher Angebote ist es unter anderem auch, die Frustrationsquote bei den Patienten zu verringern - und damit den Vertrauensverlust in die wissenschaftliche Medizin zu bekämpfen.

    Ein blindes Vertauen in den Rat von Laien oder Wunderheiler ist jedenfalls nicht ratsam.
  3. #3

    Interessanter Artikel

    Ich bin seit etlichen Jahren in einem medizinischen Portal aktiv und konnte entsprechend viele Erfahrungen sammeln. Die decken sich auch im großen und ganzen mit denen aus dem Artikel.

    Es wurde die Fülle an Informationen genannt, wichtig ist jedoch auch die Art der Informationen. Viele Leute die Dr.Google befragen, landen auch bei Quellen, die nicht für "ihre Augen" gemacht sind...Sondern für Leute vom Fach. (Im Grunde ja absurd. Vor Google sind ja auch die wenigsten in eine Bib. gerannt und haben vor dem Arztbesuch stundenlang Fachliteraur gewälzt.) Entsprechend werden Informationen dann oft genug falsch aufgenommen, was dann wiederum vorhandene Sorgen/Ängste weiter schürt. Und da ist man schon beim nächsten Punkt: Der direkte Kontakt zwischen Fachmann und Patient. Wenn ein Arzt dem Patienten mitteilt, dass es dieses oder jenes sein könnte, kann der Arzt Ängste direkt auffangen...Hole ich mir eine "Diagnose" im Internet, sitze ich da ganz alleine.

    Erschreckend ist manchmal auch, dass manche User tatsächlich meinen, dass das Internet den Gang zum Arzt ersetzen kann und ebenfalls sehr erschreckend, dass viele bereit sind an sich selber rumzudoktern, weil irgendwer geschrieben hat "das es so auch geht". (Wohin gegen ja wieder die wenigsten einfach mal die Bremsen am Auto aus diesem Grund selber wechseln würden.)

    Wie in allen anderen Dingen: Das Internet ist Fluch und Segen zugleich.
  4. #4

    Ist das seriös....

    Zitat von spirit-tv Beitrag anzeigen
    viele Patienten sind von den hochgradig standardisierten Abläufen bei Arztbesuchen zurecht enttäuscht und fühlen sich nicht ernst genommen. Besonders wenn die Patienten Einschätzungen und Informationen zu komplementär-medizinischen Therapien, Naturheilkunde oder energetischen ( vielleicht auch geisthelerischen Ansätzen ) suchen, sind Web-Plattformen wie u.a. www.spirit-TV.de die einzigen Informatinsangebote. Die Nachfrage jedenfalls wächst stetig.
    ...oder vergleichbar mit den "Engelsmitteilungen der Muttergottes" die gestern nacht auf astroTV über den Bildschirm flimmerten?
  5. #5

    kommt drauf an ...

    Die Schulmedizin tappt doch auch meist im Dunkeln. Wie oft hört man vom Arzt: "Da probieren wir mal dieses, und wenn das nicht klappt, probieren wir jenes ...". Wenn ich mir beim Sport ein Zipperlein (Knie, Ellenbogen, Schulter) zugezogen habe, recherchiere ich immer erst in einschlägigen Foren. Die Erfahrung von hunderten mit denselben Syptomen hilft mir, das Problem einzukreisen und zu verstehen (schließlich bin ich selbst für meine Gesundheit verantwortlich), und sei es auch nur, dass ich die richtigen Worte zur Beschreibung finde, das hilft mir dann beim Arzt, mein Problem exakter zu beschreiben. Bestimmt googlen die Ärzte doch selbst auch rum, wenn sie zu einem Fall keine Lösung finden.
  6. #6

    es geht oft nicht anders...

    Die Sucherei im internet beginnt dann, wenn der Arztbesuch keine Besserung bringt.
    Da heute durchschnittlich 8 Minuten für korrekte Diagnose und finden der richtigen Therapie zur Verfügung stehen, geht das leider oft daneben, wie sollte es anders sein?
    Wenn sich auf Anhieb nichts gängiges findet, ist man mit der Diagnose "alles psychisch" rasch bei der Hand, selbst wenn das stimmen sollte, sind die Psychotherapeuten so überlastet, dass bei einer Wartezeit von 6 Monaten erst einmal Psychopharmaka verschrieben werden, probatorisch.
    Kein Arzt übernimmt Verantwortung für die Gesundheit seiner Patienten, das muss man selbst leisten - wozu es nötig ist, sich (praktischerweise im Internet verfügbare) medizinische Informationen zu beschaffen, die das Bildungssystem nicht vermittelt.
    Ich selbst verdanke diesem Medium, dass ich endlich korrekte Diagnosen und angemessene Medikamente erhalten habe, nach jahrelangem unnötigen Leiden und Verdienstausfall, weil ein sorgfältig diagnostizierender Arzt auf dem aktuellen Wissensstand heute Glückssache ist.
  7. #7

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Medizinportale, Foren, Newsgroups - der Besuch beim Cyber-Doc boomt. Schnell haben Patienten Diagnosen und Therapien zur Hand. Für das Verhältnis zum echten Arzt bleibt das nicht ohne Risiken.

    http://www.spiegel.de/spiegelwissen/...633422,00.html
    Über viele Jahrhunderte, bis zur Einführungd des Internet, galt medizinisches Wissen quasi als "Herrschaftswissen". Dem "Laien" (sic!), wurde der Zutritt zu medizinischen Fachbibliotheken oder zu entsprechenden Fachinformationen verwehrt. Der Patient sollte "dumm" bleiben. Die offizielle Philosophie war, das der Patient das tun sollte, was der Arzt ihm sagt. Jede Art von Wissen schadete bei dieser Philosophie, bestand doch die Gefahr, das man mit dem Patienten reden und erklären mußte. Erst mit der Einführung des Internets hat sich dies - wohlgemerkt gegen den Widerstand der Ärzteschaft - geändert.

    Ein Wort noch zur Iquig. Die Institution ist natürlich beiliebe nicht "unabhängig, sonder überaus abhängig von ihren Geldgebern - der Politik. Hauptaufgabe des Iquig ist es, mit zum Teil fadenscheinigen Begründngen die Grundlage für die Übernahme bestimmter Medikamente durch die Krankenkassen zu entziehen. Bestes Beispiel zeigt sich im Diabetes-Bereich, wo die "Ergebnisse" des Iqwig unter Ausblendung der eigentlichen Therapieziele der "Best Practice" im Bereichd er Diabetes-Behandlung geradezu Hohn sprechen....
  8. #8

    Medizin

    Hier kommen wohl viele Probleme zusammen. Zum einen funktioniert unser sozialistisches Gesundheitssystem nur sehr unbefriedigend, so dass die Menschen die Mängel selbst ausbügeln müssen.

    Zum anderen, ist die Medizin nicht mehr als ein Experementieren und Herumtappen im Dunkeln, wie sie es schon vor tausenden von Jahren war. Die Experementiermethoden mögen sich geändert haben, das Herumtappen mag sich reduziert haben, aber das Prinzip ist immernoch dasselbe. Noch immer ist sie bloß eine riesige und unzusammenhängende Anhäufung von Fakten, ohne eine echte vereinheitlichende Theorie dahinter.

    Ich frage mich nur, ob der Medizin überhaupt eine solche Revolution widerfahren kann, wie den echten Naturwissenschaften: Physik, Chemie, etc.. ja selbst in einigen Sozialwissenschaften, im weitesten Sinne, gibt es echte Theorien mit Vorhersagungsfähigkeiten, wie z.B. in der Ökonomie, der Wissenschaft des zwischenmenschlichen Handels.

    Der Newton der Medizin jedoch muss erst noch geboren werden.

    Wobei die Schuld trifft hier eher die Biologie. Die Medizin verhält sich zur Biologie, wie die Ingenieurswissenschaften zur Physik, wie Praxis zur Theorie. Man muss also eher der Biologie den Vorwurf machen, dass sie noch keine einheitliche Theorie hervorgebracht hat, falls sowas überhaupt möglich ist.
  9. #9

    Also....

    Zitat von runzel Beitrag anzeigen

    Erschreckend ist manchmal auch, dass manche User tatsächlich meinen, dass das Internet den Gang zum Arzt ersetzen kann und ebenfalls sehr erschreckend, dass viele bereit sind an sich selber rumzudoktern, weil irgendwer geschrieben hat "das es so auch geht". (Wohin gegen ja wieder die wenigsten einfach mal die Bremsen am Auto aus diesem Grund selber wechseln würden.)

    Wie in allen anderen Dingen: Das Internet ist Fluch und Segen zugleich.

    ... ich kann Bremsen wechseln, Sie nicht?

    Und, besteht ein sehr großer Unterschied zwischen dem Internet-Doc und der Internet-Hure?
    Bei Beiden doktert der User an sich herum und beides ist zum ersten billiger als im Real life und zum zweiten sogar wesentlich risikofreier


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