Pakistan-Expedition: Kalte Nächte auf dem Riesengletscher
Thorsten SchüllerMit 60 Trägern zum Basislager: In Pakistan ist die deutsch-österreichische Achttausender-Expedition mit einer ganzen Armada von Helfern unterwegs. Beschwerlich ist die 107 Kilometer lange Wanderstrecke trotzdem - vor allem, wenn man die falsche Schlafunterlage dabei hat.
Thorsten Schüller möchte ich zu seiner anschaulichen Reportage gratulieren und ihn dazu ermuntern, in diesem Stil weiter von seiner Expedition zu berichten.
Ich habe bisher selbst an zwei privat organisierten Expeditionen im Karakorum teilgenommen (und stehe kurz vor der Abreise zu einer weiteren Siebentausender-Unternehmung in Pakistan), sodass ich behaupten kann, mit der Problematik des Expeditionsbergsteigens in Pakistan vertraut zu sein.
Seit den Anschlägen vom 11. September liegt der Tourismus in Pakistan praktisch darnieder. Nur noch wenige Trekkinggruppen bereisen das Gebirge, die Hotels stehen weitgehend leer und nur noch hart gesottene Expedtionsbergsteiger bieten den Einheimischen die Chance, etwas Geld dazu zu verdienen. Die Arbeit als Träger ist begehrt; der Verdienst dort beträgt ein Vielfaches gegenüber der weitgehend auf Selbstversorgung ausgelegten kargen Landwirtschaft. Die Trägerlöhne werden nicht von westlichen "Kolonialisten" diktiert, sondern sind von pakistanischen Behörden tariflich festgelegt (genauso wie die Lasten, welche im 20-kg-Bereich liegen). Wir hatten mit unseren Trägern stets einen freundlichen, von gegenseitigem Respekt geprägten Umgang. Dies erklärt auch, warum wir zum Abschluss unserer Expedition von ihnen in ihr Zuhause eingeladen wurden.
Wenn der Autor von der verdreckten Kleidung der Träger berichtet (und vom Trinken des trüben Gletscherwassers), dann schildert er hier lediglich seine Beobachtungen; er kann ja nicht das Gegenteil behaupten, nur um vermeintlich politisch korrekte Erwartungshaltungen zu bedienen. Die mangelnde Hygiene erklärt übrigens gerade in Baltistan die erschreckend hohe Kindersterblichkeit und die häufig vorkommenden Durchfallerkrankungen.
Selbstredend lässt dich immer über Sinn und Unsinn des Expeditionsbergsteigens streiten. Die sieben Teilnehmer der Gasherbrum-Expedition wissen jedenfalls (im Gegensatz zu manchem Möchtegern-Bergsteiger, der sich bei einer kommerziellen Everest-Expedition mit Rundum-Versorgung eingebucht hat), auf welches Risiko sie sich eingelassen haben. Ich wünsche ihnen an dieser Stelle viel Erfolg und eine heile Heimkehr!
All diejenigen Kommentatoren, welche ihren Worten des Mitleids für die einheimische Bevölkerung Taten folgen lassen wollen, empfehle ich beispielweise unsere private Hunza-Hilfe e.V. Unter www.hunza-hilfe.de lässt sich nachlesen, welche Projekte wir dort fördern.