Forum


 

Pädagogik paradox: Autisten-Schule schmeißt autistischen Jungen raus

Nico, 15, ist ein Wegläufer: Sobald sich eine Tür öffnen lässt, macht er sich davon. Das gehört zu seiner Persönlichkeit, er ist Autist. Nun weigert sich eine Spezialschule für Autisten in Berlin, den Jungen weiter zu unterrichten - weil er autistisch ist.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...765335,00.html
  1. #130

    urgs

    Zum Thema:
    Schulbegleiter einstellen und dieser oder einer anderen Schule es versuchen

    Zitat von elcris Beitrag anzeigen
    Und wer soll das bezahlen?
    Das lässt sich mit einer geschlossenen Einrichtung sicher auch mit deutlich besserem Betreuungsverhältnis lösen.

    Nicht alle Autisten sind harmlose Spinner.
    - Eine geschlossene Einrichtung ist sicherlich nicht besser geeignet, als eine Schule, die sich mit Autisten beschäftigt (impliziert nicht eine spezielle Autistenschule), zudem scheitert das Geld Argument dafür

    - Autisten sind keine Spinner, sondern die wohl liebsteswertes Menschen, die ich persönlich kennengelernt habe

    Zitat von sol invictus Beitrag anzeigen
    Das ist so treffend das ich es mir direkt als Notiz gespeichert habe.
    ebenfalls

    Zitat von pax Beitrag anzeigen
    Also irgendwie sind doch alle Minderheiten gleich.
    Das Hochjubeln ihres Zustandes als "gewählte Nonkonformität" und eine "besonderen Art des Seins" ist die erste Stufe.
    Dann kommt die Abgrenzung zu "Normalen" dazu.
    Wer grenzt denn zu erst aus? Da ist es logisch, dass Menschen sich solidarisieren mit anderen Menschen, wenn sie die gleichen Dinge erfahren.

    Zitat von kleines Beitrag anzeigen
    In anderen Bundesländern gibt es gar keinen Förderschwerpunkt Autismus, keine Spezialklassen oder Spezialschulen, kaum Schulhelfer. Was hätte die Mutter dort getan?
    Arbeite seit 2 Jahren in Hamburg als Schulbegleitung (größter Teil 1:1 Betreuung von Autisten) an verschiedenen Förderschulen, Schulbegleitungen für autistische Kinder sind überhaupt kein Problem hier zu erhalten.


    Zitat von kröte04 Beitrag anzeigen
    "Gesunde" es ohne die vielen Fähigkeiten eines "autistischen Herzens" schaffen, ein schönes Leben zu führen...Sie verpassen so viel....schade.
    kannst du das für einen nicht-autisten irgendwie beschreiben bzw. woran merkst du das?


    ------------------------------------
    Zimlich ekelhaft wie hier subtiler faschistische angehauchte scheisse zwischen durch gepostet wird.
  2. #131

    So ist das Schulsystem halt

    Das ist gar nichts außergewöhnliches in unserm Land. Ebenso trifft es tausende Schüler mit Förderbedarf Sozial/Emotional - und die werden dann so gefördert, dass die Schule sie nach Hause schickt bzw. über Monate mit 2 oder 3 Stunden teilbeschult, wenn sie ihre Probleme mit Symptomen zeigen. Wie soll da eine Förderung passieren?! Kinder haben bei uns die Bringschuld, eigentlich sollte diese bei uns Erwachsenen liegen.
  3. #132

    Ich sträube mich als Autist nicht minder wenn ich sie lese

    Zitat von sol invictus Beitrag anzeigen
    Als Autist sträubt sich innerlich alles bei mir wenn ich lese in welcher Profanität eine Art des Seins beschrieben wird.
    Gegen die Profanität ist wenig einzuwenden, allenfalls dass Autismus als Schlagwort dasteht und keine weitere Differenzierung vorgenommen wird.

    Anstatt mit einer sinnlosen Aufforderung an die Welt "die Art des Seins" Schicksalsergeben hinzunehmen, kann Profanität helfen, Eigenarten sind profan und die Reaktionen können oftmals ebenso profan aber wirkungsvoll sein.

    [quote]= Türen immer geschlossen halten -> Problem gelöst.
    [/oute]
    Undurchführbar es widerspricht sowohl dem MenschenwürdeKonstrukt Menschen einzusperren und auch manchen anderen Regelungen, seien es nur die Brandschutzvorschrifften. Zumal es nicht um Türen geht, sondern um die Tatsache dass jeder Ansatz einer Möglichkeit den Raum zu verlassen zu einer massiven Reaktion führt. Darf man da auch Fragen ob die Reaktion auch erwünscht ist, wenn sie so stark ist?

    Das Ding ist einfach das alle Menschen die sich im Bereich des autistischen Spektrums befinden ihre Eigenarten haben. Wenn die Schule an einer so simplen Aufgabe scheitert ist davon auszugehen das diese auch an den Eigenarten anderer Schüler scheitert.
    Die Aufgabe ist nicht simpel und diese Eigenarten sind so es keine hochfunktionalen Autisten sind sicher rational von BEIDEN Seiten fassbar und - emotionale Verbundenheit oder professionelles Handling vorausgesetzt, auch oft lösbar.

    Eine extrem inadäquate Reaktionen, fast reflexhafter Natur, auf einen extrem nierdrigschwelligen Reiz ist niemals einfach oder simpel. Stellen sie - oder du dir wieauchimmer - sich ein Mal vor es wäre eine aggressive Reaktion auf Menschen in räumlicher Nähe die mir solcher Stärke vorhanden wäre. Was wäre dabei wie hierbei einfach?
  4. #133

    Nein so ist es nicht!

    Zitat von My2Cents Beitrag anzeigen
    Ich stelle mir das Thema "Inklusion" ziemlich schwierig vor...

    Jede Behinderung verlangt eine besondere Hingabe. Der eine Schüler verlangt, dass der Unterrichtsraum, ja die gesamte Schule, hermetisch abgeschlossen wird, der nächste braucht ständig frische Luft und der dritte schreit die ganze Zeit, egal ob das Fenster auf oder zu ist.
    Ich bin kein Freund der bloßen Enthinderungsphrasendrescher aber als jemand mit einem AspergerSyndrom (kein Aspie bitte) weiß ich was möglich und machbar ist wenn man unter Aliens lebt.

    Ich wurde übrigens regelbeschult, es gab keine Diagnose, ich war eben "wunderlich" und formal intelligent und habe mir das emotionale Moment und all' die Doktrinen und deren Realität eher technisch erarbeitet. Um mal einen Vergleich zu bringen, stellen sie sich einfach vor sie müssten einen Essay schreiben, das Thema halten sie für sich für wichtig, die Materie ist ihnen nicht unvertraut, aber ein eher hohes Maß an Konzentration ist permanent nötig. Dieses Maß ist nötig wenn ich, nicht allein, sozial mit Fremdmenschen interagiere und im geistigen Zettelkasten keine vor gestanzte passende Phrasensammlung habe. Es ist machbar, es laugt aber auch schnell aus. Freut aber auch wenn es geklappt hat.

    Inklusion ist drigenst nötig, den trotz aller Propagandisten sind 99% dee Menschen eben wie sie sind - fremdartig, wechselbälgig, unwillig ihre Emotionalität wahrzunehmen, zu hinterfragen oder etwas sauberer definiert auszuleben. Damit muss man im Leben leben. Das erreicht man nicht im Ghetto.

    Und um mal aus dem Alltag zu schreiben, ich habe Nahemenschen die ich schätze und sie mich wohl auch, bei denen ich mir im Interagieren Unkonzentriertheiten, also Eigenwilligkeiten erlauben kann, weil keine Eigenwilligkeit die Getan wurde meine Person bei ihnen in Frage stellt. Die Eigenwilligkeiten sind sicher bei nicht wenigen Au/Ap"Fällen" schriller, soviel muss ich erinräumen.

    Und dennoch sind sie leider genötigt ein paar Dinge zu beachten, spontan darf nicht, niemand würde mich am sieben für etwas um acht beginnendes einladen - um sieben am Tag vorher wäre ok und das wird dann auch gemacht, auch ohne das Haarshampoo bin ich es ihnen wohl wert - ect.pp. Gleichzeitig sind diese Menschen meine Basis die es mir ermöglicht nach einer Anlaufphase (die eben als "schüchtern" wahrgenommen wird) mit mir nicht ganz vertrauten Situation und Neuemenschen adäquat umzugehen, auch wenn vllt. ab und an technisch Emotionen simuliert werden und meine Gefühlsleben allenfalls archaisch-einfach ist vgl. mit den Menschen.

    Im Aspie-AutieGhetto wäre ich in mir versunken, Rückzugsräume braucht Jeder nur zur statischen Nullräumen in denen man auf sich selbst zurückfällt, sollten sie nicht werden.
  5. #134

    .

    Zitat von kleines Beitrag anzeigen
    Vielleicht sollten Sie eine der Frühfördergruppen anschauen um zu sehen, warum viele Schüler aus diesen Frühfördergruppen in die GKK gehen und warum der Förderbedarf bei ihnen hoch eingeschätzt wird.
    Mein Sohn war drei Jahre lang in der Frühfördergruppe von AD, ich kenne sie also bestens, und war auch sehr zufrieden damit. Für die Autismus-Schule war er dann aber wie Nico und andere auch zu autistisch.

    Aus der Frühfördergruppe meines Sohnes wurde ein Kind in die Auftragsschule übernommen, dessen Mutter die Integration wollte, aber man hat ihr zugeredet, ihr Sohn sei doch viel besser in der Auftragsschule untergebracht. Dieses Kind wurde regelrecht umworben. Ich habe das Kind drei Jahre lang in der Frühfördergruppe erlebt und glaube, dass es an einer anderen Schule unterrichtet werden könnte - im Gegensatz zu Kindern wie Nico.
  6. #135

    Schwarze Peter und andere Gestalten

    Zitat von zx6 Beitrag anzeigen
    Hätten Eltern oder Schulbehörde dieser geänderten Aufsichtspflicht nicht zugestimmt, würde jetzt nicht die Schule als der Buhmann dastehen, dann läg der schwarze Peter, für Durchführbarkeit der Beschulung zu sorgen, nämlich bei denen.
    zx6
    Geht es um Schwarze Peter oder um ein autistisches Kind?

    Außerdem handelt es ich hier nicht um ein Kartenspiel, in dem es nur einen Schwarzen Peter gibt. Neben der Schule steht der Berliner Senat in der Verantwortung und wenn er nicht dafür sorgt oder sorgen kann, dass die vorhandenen Schulen, die, wenn ich dies richtig verstanden haben, Privatschulen im Auftrag des Staates sind, alle Kinder unterrichten, dann muss er eine öffentliche Schule errichten und betreiben und zwar nicht irgendwann sondern ab sofort!
  7. #136

    Es gibt Themen, Vorfälle wo eine Diskussion

    Zitat von patricka1 Beitrag anzeigen
    Sie stellen diesen Artikel ins Forum......was wollen Sie nun hören?
    Empörung, Verständnis?
    Keiner kann es doch beurteilen.
    Wieso machen Sie aus jedem Artikel einen öffentlichen Scheiterhaufen, eine Steinigung, wo Leute wieder ihren ganzen Dreck abladen können ohne überhaupt nur im Geringsten die Hintergründe zu kennen?
    im Forum nichts bringt und deshalb nur von den Fachleuten geführt werden sollte (die Psychologin hat ja schon darauf hingewiesen, dass der Junge nicht wegen seines Autismus vom Schulunterricht ausgeschlossen wurde, sondern wegen dessen besonderen Form mit den hohen Risiken bei der Betreuung des Jungen). Bei anderen Themen, wo die Forumsdiskussion durchaus ihre Berechtigung hat, wird sie abgebrochen, wenn sie zu sehr in Tabubereiche abdriftet(Freitod von Gunter Sachs nach einem selbstbestimmten Leben, als er zunehmende Alzheimer-Symptome bei sich feststellte und nicht als ein gänzlich anderer Mensch sterben wollte)
  8. #137

    meh

    Naja, meiner Meinung nach können sich die Eltern beruhigt zum Anwalt ihres Vertrauens geben, der kann die Ratlosigkeit aus der Welt schaffen.

    Es gibt ein Anrecht auf Schulbildung, sogar die Schulpflicht. Sicherlich wäre es schwierig, ein solches Kind in einer normales Schule unterzubringen. Die Störung der anderen Kinder wäre nicht zu rechtfertigen.

    Da es allerdings spezial Schulen gibt, müssen diese auch die notwendigen Vorkehrungen treffen, um das Kind auszubilden. Entweder ganz oder gar nicht.
  9. #138

    ....

    Zitat von seneferu Beitrag anzeigen
    Die Aufgabe ist nicht simpel und diese Eigenarten sind so es keine hochfunktionalen Autisten sind sicher rational von BEIDEN Seiten fassbar und - emotionale Verbundenheit oder professionelles Handling vorausgesetzt, auch oft lösbar.
    Wäre mir neu das meine Reaktionen als hochfunktionaler Autist von Nichtautisten verstanden und akzeptiert würden, Ausnahme sind natürlich Menschen die mit der Thematik professionell zu tun haben.

    Zitat von seneferu Beitrag anzeigen
    Eine extrem inadäquate Reaktionen, fast reflexhafter Natur, auf einen extrem nierdrigschwelligen Reiz ist niemals einfach oder simpel. Stellen sie - oder du dir wieauchimmer - sich ein Mal vor es wäre eine aggressive Reaktion auf Menschen in räumlicher Nähe die mir solcher Stärke vorhanden wäre. Was wäre dabei wie hierbei einfach?
    Offen, geschlossen, abgeschlossen ist simpel das sind verschiedene Zustände einer Tür. Wenn es gegen Verordnungen verstößt die Tür abzuschließen dann OK, ist aber unlogisch einfach aus der Tatsache heraus das es genügend Einrichtungen gibt in denen es möglich ist. Das ist dann einfach ein Defizit in der Planung und den Möglichkeiten der Schule. Freiheitsberaubung greift hier auch nicht das man sich darauf berufen muss, denke kaum das die Eltern sich beschweren würden wenn die Türen abgeschlossen wäre. Vorherige Abstimmung natürlich vorausgesetzt...

    Ich stelle mir keine fiktiven Szenarien vor.

    Der IST-Zustand ist das eine Schule für Autisten einen Autisten nicht beschulen kann da sie in diesem speziellen Fall nicht fähig sind sich den Eigenschaften des Schülers anzupassen. Sehe darin auch keinen Skandal, das ist einfach nur um ein Adjektiv aus dem Artikel aufzugreifen -paradox-. Skandalös waren hier nur einige Äußerungen und Vorstellungen von Nichtautisten in Bezug auf Autisten und das ist auch der primäre Grund weshalb ich mich hier überhaupt auf eine Diskussion einlasse.
  10. #139

    an ms-knight

    "diese Schulen wurden extra für die am schwersten beeinträchtigten Kinder geschaffen. Man muss sich also nicht entscheiden, wen man bestmöglich fördern kann, sondern wer die spezielle Förderung am dringendsten braucht." (zitat von msknight)

    und das stimmt wiederum SO nicht. wenn sie dort hospitiert haben, müssten sie das eigentlich wissen. sie können es aber auch im konzept der internetseite von autismus-berlin nachlesen.
    die schulen eignen sich für kinder mit autismus, deren spezielle problematik dazu führt, dass sie ihr potential in einer anderen schulform nicht ausschöpfen könnten. dazu gehören beispielsweise verhaltens- oder kommunikationsbesonderheiten, aber um von der schulform der ganztags-kleinklassen profitieren zu können, müssen sie auch gewisse kompetenzen im intellektuellen oder sozialen bereich mitbringen. ein schwerstmehrfachbehinderter mensch mit autismus bedarf einer intensiven basalen förderung, aber wohl kaum eines unterrichtes in mathematik oder mit dem ziel, soziale regeln etc. zu vermitteln. das heißt NICHT, dass dies genauso auf nico zutrifft.aber die schule ist nicht für die "schwersten fälle". für manche kinder ist es wichtig, die wahrnehmung zu fördern oder ihnen zu zeigen, wie sie beim umziehen/essen mithelfen können. sie hätten wenig vom unterricht in gkk.

    ich halte es auch für wichtig, daran zu erinnern, dass nico anscheinend bis zu seinem 15.lj in den gkk gefördert wurde. es wurde also lange zeit versucht, mit seinen speziellen bedürfnissen umzugehn und ihm zu helfen. aber manche besonderheiten bleiben einfach bestehen. ich finde es ok, wenn die schule irgendwann zu dem ergebnis kommt, dass sie keine geeignete einrichtung für nico ist um ihm ein schützendes umfeld zu bieten, ohne die anderen schüler zwangsläufig benachteiligen zu müssen.

    um auf dein zitat zurückzukommen:ich finde eben gerade, dass derjenige die förderung in gkk am dringendsten braucht, der davon auch am meisten profitiert. autisten mit einer geringen einschränkung profitieren vom integrativen unterricht in regelschulen, kinder mit schwersten beeinträchtigungen von eins-zu-einsförderungen in einem sehr kleinen, geschützten rahmen... es freut mich, dass in den schulen für kinder mit autismus tatsächlich noch jeder einzelfall geprüft wird, ob die schule für ihn das richtige ist oder nicht!


TOP



TOP