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Pädagogik paradox: Autisten-Schule schmeißt autistischen Jungen raus

Nico, 15, ist ein Wegläufer: Sobald sich eine Tür öffnen lässt, macht er sich davon. Das gehört zu seiner Persönlichkeit, er ist Autist. Nun weigert sich eine Spezialschule für Autisten in Berlin, den Jungen weiter zu unterrichten - weil er autistisch ist.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...765335,00.html
  1. #120

    Berlin, Berlin

    Zitat von msknight Beitrag anzeigen
    Das vergesse ich nicht, ich möchte nur, dass diese Schulen öffentlich sagen, welche Schüler sie nehmen und welche nicht, damit man von dieser ehrlichen Grundlage aus mit dem Senat neue Konzepte erarbeiten kann.
    Sind Sie schonmal auf die Idee gekommen, dass der Senat das gar nicht will? Vielleicht erklären Sie mir, wie es sonst sein kann, dass man beiden Schulen und speziell den Ganztagskleinklassen im letzten, in diesem und für das nächste Schuljahr immer mehr und mehr Lehrer- und Schulhelferstunden kürzt/gekürzt hat. Die Schule hat immer die A****karte, Kürzungen und Kämpfe von der Seite des Schulamtes, Beschwerden und Klagen von der Seite der Eltern. Die richtige Adresse für uns ist nicht die Schule, sondern Schulamt und Bildungsdezernat, denn dort liegen die Probleme. Es könnte mit Hilfe von anderen Vereinen auch weitere Auftragsschulen geben, aber... Geld?

    Btw. sind die Auftragsschulen Förderschulen. Und die Schüler der GKK dort würden auch nicht an einer KB-Schule oder Regelschule zurechtkommen... mag in der Hospitation anders rüberkommen, ist aber so. Deswegen gibt es eben auch für jeden "Bewerber" ein Gutachten der Ambulanzlehrer mit einer Schulempfehlung.

    http://www.autismus-berlin.de/kleinklassen.php

    "Unsere Kinder

    Die meisten Kinder und Jugendlichen, die in unseren Kleinklassen aufgenommen werden, haben stark eingeschränkte Kommunikations- und Handlungsmöglichkeiten, aber nicht so stark eingeschränkte intellektuelle Fähigkeiten. Die kommunikativen Fähigkeiten sind sehr unterschiedlich und reichen von guter Verbalsprache bis zur Verständigung mit FC oder mit nonverbalen Mitteln wie Gebärden oder einfachen Lauten.

    Viele der Kinder oder Jugendlichen durchlaufen nacheinander die aufeinander aufbauenden Projekte, aber es gibt auch ,,Quereinsteiger'' von anderen Schulen oder aus Integrationsprojekten; und manche Kinder verlassen auch zeitweise oder ganz die Projektabfolge und gehen an andere Schulen."

    Ich weiss auch nicht genau welche Klasse Sie bei der Hospitation gesehen haben. Vielleicht sollten Sie eine der Frühfördergruppen anschauen um zu sehen, warum viele Schüler aus diesen Frühfördergruppen in die GKK gehen und warum der Förderbedarf bei ihnen hoch eingeschätzt wird.
  2. #121

    Ps.

    In anderen Bundesländern gibt es gar keinen Förderschwerpunkt Autismus, keine Spezialklassen oder Spezialschulen, kaum Schulhelfer. Was hätte die Mutter dort getan?
  3. #122

    Berliner Bildungspolitik eine Sparmaßnahme

    Die Weglaufproblematik könnte durch die Bereitstellung eines Schulhelfers für alle Stunden, die der Schüler anwesend ist, behoben werden. Nur leider sind in Berlin die Schulhelferstunden schon seit Jahren gedeckelt d.h. man kann Schulhelferstunden beantragen und wenn man Glück hat und sie bekommt, werden sie dafür einem oder mehreren anderen Schülern einer anderen Schule im Bezirk gestrichen.

    Konkret sieht es in der Integration in Friedrichshain-Kreuzberg so aus, dass eine Schule z.B. 200 Schulhelferstunden für alle ihre Schüler sonderpädagogischem Förderbedarf (z. B. im Bereich Autismus oder geistige Entwicklung) beantragt und nach langem Kampf und etlichen Berichten etwa 40 - 60 Stunden bewilligt bekommt. Jedes Jahr neu - jedes Jahr Unsicherheit bis nach den Sommerferien - jedes Jahr neuer Frust! Mitten im Schuljahr kann nichts mehr beantragt werden, egal wen man aufnimmt. Für Schulen ist es ein Risiko ein Schüler mit hohem Förderbedarf aufzunehmen, da eine kontinuierliche Ausstattung nicht zugesagt wird!

    Es hilft, wenn sich viele Menschen dafür engagieren, dass auch benachteiligte Schüler ein Recht auf ordentlich ausgestattete Bildung haben. Ich erlebe, dass Integration oder Inklusion in den letzten 15 Jahren in Berlin immer mehr zum Sparmodell geworden ist und anscheinend auch weiterhin wird.

    Hier wurde häufig das Modell der "Spezialschule" für Autismus kritisiert, das im Rahmen der Inklusion abgeschafft gehöre. Ich denke, beide Systeme haben ihre Berechtigung. Es kann für Schüler mit Autismus entlastend sein, in einer kleinen überschaubaren Schule mit kleinen Klassen lernen zu dürfen. Genauso wie Schüler mit dem Förderbedarf "Lernen" oder "geistige Entwicklung" u.U. auch in einer speziellen Förderschule erfahren, dass sie nicht immer die letzten sind, die die immer hinter ihren Klassenkameraden hinterher hinken. Genauso kann es für andere Schüler wichtig sein, die Schule um die Ecke zu besuchen, die Nachbarkinder als Spielkameraden zu kennen und mit ihnen gemeinsam inklusiv zu lernen.

    Warum darf es immer nur ein System geben, dass dann auch das ausschließlich zu favorisierende ist?: Sparmaßnahme!!!!
    Warum werden in Berlin nicht ausreichend Schulen und Schulplätze angeboten für Schüler, die stark vom Autismus betroffen sind? Sparmaßnahme!!!!!
  4. #123

    ......

    Zitat von vita Beitrag anzeigen
    ...also wenn man sich in der Welt nicht zurecht findet, ein Gebäude immer nur verlassen will, gleichgültig welche Gefahren draußen warten, Schokolade nur essen kann, wenn sie in einem bestimmten Winkel zum Liegen kommt, keinen Kontakt aufnehmen kann und sich verhält, dass Uninformierte sich zum Teil sehr unschön verhalten, würde ich das bedauernswert nennen.

    das ist Ihresubjektive Wahrnehmung. Der Junge wird seine eigene Wahrnehmung haben.
  5. #124

    ...

    Zitat von Rinax Beitrag anzeigen
    Das ist echt mieß da haben wir Schulen fur jugendliche Ausländer, extra werden Gebetsräume für selbige eingerichtet und Sonderunterrichte fur Deutschförderung angeboten, sowie Deutschkurse für viel Geld die meist eh nichts bringen. Kindergärten bieten ebenfalls integrative Plätze an die dann teuer bezahlt werden und fur die eigenen Problemfälle wie in diesem Fall ist dann die Rede das man hier die Schulpflicht aussetzt weil der Zaun nicht hoch genug ist. Und da wundern sich alle über den breiten Zuspruch das Buch von Herrn Sarrazin in der Gesellschaft
    Schön, dass Sie wie Herr Sarrazin Äpfel mit Birnen vergleichen.

    Wie würden Sie eigentlich mit einem Autisten ausländischer Herkunft verfahren? Zählt dann der Autismus oder die Herkunft??

    Ist es dann "unser" Problemfall (auch ein "schönes" Wort für einen behinderten Mitmenschen).


    Warum bringen eigentlich Deutsch-/sprachkurse nichts? Die im übrigen zB im Kindergarten in NRW nicht nur für Migranten angeboten werden, sondern für alle Kinder mit Schwierigkeiten.

    Fragen über Fragen... Aber wenn man jedes Thema (jeden Problemfall) für seine eigene kleine sarrazinsche Argumentation ausschlachten muss, dann bleibt doch das eine oder andere Detail auf der Strecke!
  6. #125

    Doof

    Leider glauben fast alle Mutter und einige Väter ihr Nachwuchs sei Superintelligent.
  7. #126

    Hat mal jemand hinterfragt warum er wegläuft?

    Wir haben Gesetze, die (zumindest teilweise) aus gutem Grund existieren.
    Die Schulpflicht verstehe ich als Schutz der Kinder, dass Ihnen eine Ausbildung gewährt werden muss.
    Die Eltern sind verplichtet, ihre Kinder am Schulunterricht teilhaben zu lassen.
    Es ist demnach nicht zulässig, den Kindern wegen eigener Prioritäten den Unterricht zu verweigern um sie bspw. als Erntehelfer, als Stallknecht, als Küchenhilfe, etc. zu missbrauchen.

    === aus dem Artikel: ===
    "Der Junge ist pfiffig"
    "großer Junge mit wachen Augen, hat keinen Spleen"
    "Den Rest der Woche sitzt Nico zu Hause. Er spielt, er isst Schokolade, und er versucht wegzulaufen. Auch da."
    ===

    Für mich bedeutet das "er ist mindestens durchschnittlich Intelligent, wenn nicht sogar überdurchschnittlich"

    Es bedeutet "da ist Potential, was zu fördern lohnt".

    Es geht für mich nicht um die Frage, ob die Schule "verpflichtet ist", Nico am weglaufen zu hindern.

    Eigentlich geht es doch um die Frage, wie viel wir bereit sind zu investieren.
    Kinder, die sich mit ein paar Psychopharmaka soweit ruhig stellen lassen, dass man sie ohne grossen Aufwand "beschulen" kann gibt es genug - ist es das was wir wollen?

    Wollen wir diesen Kindern eine Chance geben?
    Wie weit wollen wir dabei gehen?
    Dürfen wir uns als "ethisch verantwortlich handelnd" bezeichnen, aber sagen "bei diesem Kind ist uns das zu anstrengend, das kann man nicht erwarten" und uns dann einfach der Verantwortung entziehen?

    Müssten wir nicht die Frage stellen warum Nico wegläuft?
    Ist er neugierig und geht auf Entdeckungstour?
    Ist er mit den Reizen um ihn herum überfordert? Sucht er Einsamkeit? Um in seiner eigenen Welt seinen eigenen Gedanken nachzugehen? Seine Welt auf seine Weise zu erforschen?
    Oder ist es uns zu anstrengend, das in ihm schlummernde Potential zu fördern?

    Handeln wir "ethisch verantwortlich" wenn wir sagen "soll sich doch die Mutter um ihn kümmern" oder wenn wir diesen Kindern "einfach ein paar Pillen geben", damit wir unsere Ruhe haben?

    Ethisch korrekt, aber nur, wenn sich jemand anderes darum kümmert?
  8. #127

    Der Staat hat die Schulpflicht eingeführt und muß jetzt damit leben,

    selbst wenn das eine Menge Geld kostet.Andere Kinder werden auch von der Polizei eingefangen.Er kann doch nicht Gesetze beschließen und dann sagen, " das ist uns zu teuer", einem Elternteil würde er das auch nicht abnehmen.
    Wird es also bald so sein, daß die Mutter von demselben Staat verknackt wird, weil sie ihren Sohn nicht zur Schule schickt?
  9. #128

    gilt für ganz berlin

    Zitat von langenscheidt Beitrag anzeigen
    Aus organisatorischen Gründen könne der Junge zu Hause nur montags unterrichtet werden. Haha. Der Witz ist lustig.

    Abartig ist das neue Schulkonzept in Berlin, alle Sonderschulen zu schließen und die Sonderschüler in "normale" Schulen zu stecken (Inklusion). Das Schulpersonal in "normalen" Schulen ist mit "normalen" Schülern schon überfordert. Sollen dann die "normalen" Schüler die Sonderschüler beaufsichtigen und lehren? Kein Wunder, daß die Eltern der Sonderschüler in Berlin vehement gegen den Zwang zur Gleichschaltung protestieren.
    dies gilt für ganz deutschland. ist eine eu verordung, weil die alte regelung mit sonderschulen gegen das gleichhaltsprinzip verstoßen. also alle auf eine schule soll laut eu gerechter sein. klingt auch für mich nach blödsinn. und weil unsere politiker bei der sache auch noch geld sparen wollen, werden sonderschulpädagogen rausgeschickt die verschiedene schüler an verschiedenen schulen betreuen. eine grundschule zb. muß dann jeden annehmen....was das noch geben wird ist lustig, weil ja viele schulen einfach nicht behinderten gerecht sind. jetzt nicht auf autisten sondern auf rollstuhlfahrer gemünzt, die können ja auch frei wählen, muß eigentlich jede schule in deutschland behindertengerecht umgebaut werden...und die politiker dachten sie sparen geld....
  10. #129

    Polemik

    Ohne genauer auf das eigentliche Thema eingehen bzw darüber urteilen zu wollen, da in dem Artikel zu wenige Informationen über die Situation an der Schule und über Unterrichts/Betreuungsangebote in Berlin gegeben werden, möchte ich aber kritisieren, dass der Titel des Artikels äußerst polemisch ist und eher als Titel für einen Artikel über das Thema in der Bild taugt. Genau wie kein Mensch so wie der Andere ist, sind auch Autisten nicht alle gleich und vorallendingen ist permanentes Weglaufen wohl auch kein häufig auftretendes Verhalten von Autisten. Das Zitat der Psyochologin beschreibt die Sache ja treffend, geht es darum, dass der Junge ein "Wegläufer" ist, nicht darum, dass er Autist ist. Die Schule ist ja eine Autistenschule und keine "Wegläufer"-Schule, genauso gut könnte man, wenn ein nichtautistischer Junge von einer Schule fliegt, schreiben: "Pädagogik paradox: Schule schmeißt Schüler raus."








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