Pädagogik: "Lehrer brauchen Führung"

Der Bildungskritiker Bernhard Bueb über das Versagen der deutschen Pädagogen, das fragile Selbstwertgefühl von Kindern und seine eigenen Fehler als Berufsanfänger

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,576778,00.html
  1. #130

    undemokratisch und voll fascho

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    Das erstaunliche ist aber, dass das was Herr Bueb beschreibt, auch z.B. in der Pommernschule geholfen hat. Da kamen zwei Sozialpädagogen, als Trainer und vermittelten genau das. Der ....
    Aber das ist doch total undemokratisch und voll fascho!
  2. #131

    xxx

    Zitat von stormking Beitrag anzeigen
    Aber das ist doch total undemokratisch und voll fascho!
    Ich weiss, aber damit muss ich leben;o).

    MfG. Rainer
  3. #132

    Antwort:

    @Rainer,

    Danke für die Replik. Meine konkrete Erfahrung innerhalb der Institution Schule und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geht tatsächlich in eine andere Richtung.

    Natürlich kann es zu kurzfristigen Erfolgen kommen wenn man drastisch durchgreift und "für Ordnung" sorgt, dazu noch die Eltern versucht "unter Kontrolle" zu bekommen aber das werden Phyrrussiege bleiben die nicht bestehenden gesellschaftlichen Realitäten rechnung tragen, sondern eher Reminiszenz an irgendwelche alten Vorstellungen von Zucht und Ordnung darstellen.

    Ist ja richtig für Disziplin zu sorgen und Respekt aber beides muss gelernt und verstanden werden und sich in einem Kontext bewegen der vermittelbar bleibt. Den Autoritätsverlust den Lehrer gerade im unteren Bildungssegment erleben der ist ein systematischer aber eben mit Wurzeln die weiter reichen als Schule und ihre Bedingungen. Schüler sind nicht "der Feind" und man muss sie nicht brechen um mit ihnen arbeiten zu können. Sie brauchen relistische und erreichbare, konkrete Ziele. Das ist übrigens kein "Schonwaschgang" für Schüler, sondern das Gegenteil, sie werden vom Objekt zum Subjekt und sollen kernen Verantwortung zu übernehmen, für sich und für andere und letztlich für diese Demokratie (etwas pathetisch ausgedrückt).

    Gegängelte, kontrollierte und entmündigte Schüler und Auszubildende werden im Günstigsten Falle Befehlsempfänger vielleicht, die jede Lücke suchen aber keine mündigen Leistungsträger.

    Dieses Schulsystem geht von einer willkürlichen Annahme von Leistungspotenzial aus und sortiert Schülermaterial entsprechend diesen Selektionsdruckes dreigliedrig - schon dies ein immanenter Fehler.

    Wenn es draum ginge zu fördern und nicht zu sortieren, wenn der Auftrag ein positiver wäre und das System flexibler würden sich auch neue Perspektiven ergeben für die welche jetzt auf der Strecke bleiben. Hier schaue ich nicht auf den Herrn Bueb, sondern hoch zu den Nördlichen Nachbarn!

    Lieben Gruß,

    Bonnir
  4. #133

    xxx

    Zitat von Bonnir Beitrag anzeigen
    @Rainer,

    Danke für die Replik. Meine konkrete Erfahrung innerhalb der Institution Schule und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geht tatsächlich in eine andere Richtung.

    Natürlich kann es zu kurzfristigen Erfolgen kommen wenn man drastisch durchgreift und "für Ordnung" sorgt, dazu noch die Eltern versucht "unter Kontrolle" zu bekommen aber das werden Phyrrussiege bleiben die nicht bestehenden gesellschaftlichen Realitäten rechnung tragen, sondern eher Reminiszenz an irgendwelche alten Vorstellungen von Zucht und Ordnung darstellen.…...
    Hallo Bonnir,

    Das mit den nördlichen Nachbarn finde ich auch gut. Aber diese Nachbarn haben etwas, was bei uns kaum noch vorhanden ist, bzw. was die Nordländer kaum haben. Familien halte da noch alte Werte hoch und es fehlen Schulen in denen 60-100% Migranten sitzen, die ihre/unsere Werte für beschauert halten. Wo Eltern den Elternabend nicht nutzen, weil sie den Lehrer selbst nicht verstehen.

    Diese Probleme hat nicht nur der Lehrer auszubaden, sondern auch der einheimische Mitschüler. Da sind die Ideen von dem Schüler, der Partner sein soll zwar richtig, aber wenn, wie gesehen, 15-25 Minuten vergehen bis alle Schüler ihren Platz eingenommen haben. Der einzige, der morgens aufsteht, der Schüler ist, der noch zur Schule geht, Eltern und ältere Geschwister machen noch etwas Nünnchen, weil ihnen sonst der Schönheitsschlaf fehlt. Weil Lehrer dieses Erlebnis jedes Jahr haben, geht die Begeisterungsfähigkeit auch gegen Null.

    Natürlich ist das verwerflich, aber ich denke, dass es zumindest menschlich verständlich ist. Darum halte ich es für normal, dass die Erziehung zum Menschen von den Eltern geleistet wird.

    MfG. Rainer
  5. #134

    Re

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    Hallo Bonnir,

    Das mit den nördlichen Nachbarn finde ich auch gut. ... Familien halte da noch alte Werte hoch und es fehlen Schulen in denen 60-100% Migranten sitzen, die ihre/unsere Werte für beschauert halten. Wo Eltern den Elternabend nicht nutzen, weil sie den Lehrer selbst nicht verstehen. ... Diese Probleme hat nicht nur der Lehrer auszubaden, sondern auch der einheimische Mitschüler. ...
    MfG. Rainer
    Hallo Rainer,
    Also ich denke trotzdem die Frage nach dem jeweiligen “Warum?” muss sehr differenziert beantwortet werden und ein generelles Patent gibt es nicht - eine Lösung ist nicht in einer simplen Formel aus zu drücken.
    Ich hab einmal an einer solchen Schule gearbeitet mit Bedingungen ähnlich wie du sie plakatierst. Da waren es halt eben keine Ausländer, sondern Aussiedler die schon für sich einen Anteil von 25% in der Schule einer Kleinstadt ausmachten + natürlich s.g. ausländische Mitschüler obendrauf. Hier war es dann so, dass tatsächlich starke Gruppendynamiken alles erschwerten! Aufgrund zweier zentraler Sammelstellen für Aussiedler in räumlicher Nähe entstand im Nachzug so etwas wie ein selbstgewähltes Getto, wo knapp 5000 Russlanddeutsche auf engem Raum zusammen lebten innerhalb eines Ortsteiles, quasi isoliert. Deren Kinder dann in die Schule im Einzuggebiet gingen und eine art geschlossenes System bildeten. Alles, obschon das Selbstverständnis der Eltern als ein “deutsches“ bezeichnet werden könnte (ich tue mich hier schon mit den Begriffen schwer), sogar mit Stolz und ein formaler Wertekonsens klar gegeben ist.

    Die Schüler untereinander sprachen aber russisch, es gab keine Verflechtungen mit den örtlichen Vereinen oder Jugendangeboten - sie blieben unter sich. Dann entstehen solche Probleme eben auch in der Abgrenzung mit vorgesetzten Autoritäten. Nur hat es doch dann klare Gründe für solche Miseren und ihr redet hier primär von den Symptomen an denen ihr schrauben wollt.

    Als Deutsche wurden diese “Russen” in meinem Bespiel nicht wahr genommen! Integration wäre vielleicht möglich gewesen aber nicht wenn alle dort aufeinander Glucken, auch weil sie ja keiner will …

    Für andere Ausländer gilt das doch dann doppelt. Ich möchte hier NICHT Ausländer sein (und ich habe im Ausland gelebt ohne Probleme), vor allem aber nicht Ausländer zweiter oder dritter Klasse … da unterscheiden wir doch zwischen dem Schwedischen Mitbürger und dem türkischen.

    Es ist eben nicht nur eine Frage von Quote an den Schulen, es ist eine Frage ob man diese starken Ingroupstrukturen nicht durch aktive Ausgrenzung noch befördert. Ausgegrenzt wird genauso massiv wie intern dann gemauert wird zum Selbstschutz und das ist nicht qua autoritärem Eingriff veränderbar, da braucht es deutlich substanzielleres für einen Wandel …

    Bonnir
  6. #135

    Ein Appell an die Autoren Martin Doerry und Katja Thimm

    Zitat von a.weishaupt Beitrag anzeigen
    Aus dem Interview:
    "Denken Sie an Mehmet, an jene muslimischen Eltern, die ihre Söhne verprügeln und ihnen gleichzeitig eintrichtern, Lehrerinnen hätten nichts zu sagen."
    Also bitte - klischeehafter geht es wohl nicht mehr? Ich möchte jetzt gar nicht anführen, wo ich so etwas erwarten würde zu lesen. Sicherlich nicht hier.
    Zumal diese unsägliche Aussage auch noch sachlich gesehen abstrus ist; Kindererziehung ist gerade in traditionellen Gesellschaften oftmals geradezu Hoheitsgebiet von Frauen.
    Du sprichst mir aus dem Herzen a.weishaupt.

    Martin Doerry und Katja Thimm,
    mit welchen Referenzen sind Sie eigentlich dazu gekommen Autoren beim Spiegel Online zu sein? Ich unterstellen Ihnen keinen anderen Verlag als den Axel Springer. Was kommt als nächstes - "Eltern südländischer Jugendliche = potenzielle Bildungssystemverweigerer?" Ich bitte Sie.


    Eine These, dass der Mehmet, der aus muslimischen Verhältnissen entstammt, von seinem Vater verprügelt wird und eingetrichtet bekommt, dass Lehrerinnen nicht zu sagen hätten.
    Beim ersten Lesen frage ich ich mich:
    Wer hat nun die unterste Schublade aufgemacht ?

    Beim zweiten Lesen fällt mir auf, dass man solch eine Behauptung eher von einem konservativen Herrn Bueb erwartet hätte. Genauer gesagt: Sie haben es händerringend erwartet und waren sich sicher, dass er Herr Bueb in seiner subjektiven Wahrnehmung, als der der er ist, den "Migrantenschuh" auspacken würde und man wieder mal genügend Gesprächsstoff hätte. Für Sie und Ihren Erfolg als Autor sicher nicht von Nachteil, aber leider hakt es an der Umsetzung. Sie sind von seriösen und objektiven Autoren kaum zu unterscheiden.

    Meine Intention liegt hauptsächlich darin, Ihnen vor Augen zu halten wie berschränkt Sie eigentlich berichten. In Ihrem Sinne hat Mehmet noch sechs Geschwister, seine Eltern sind arbeitlos und er selbst wird eine Last für die Gesellschaft.
    Solch' ein Ausgang der zu integrierenden Jugend steht schon lange nicht mehr zur Debatte. Eher ist es die Frage, wie sehr die Jugend noch demotivieren wird, dass sie selbst schon glauben sie wären in einem Teufelkreis. Herr Bueb machts vor: Motivation immer, Demotivation nimmer.

    Am Rande möchte ich erwähnen, dass es wirklich ein interessantes Thema ist. Herr Bueb wird mit seinen Thesen noch einiges erreichen, vielleicht sogar als der Reformer des 21. Jahrhunderts in die deutsche Bildungsgeschichte eingehen.


    Kurz zu meiner Person:
    männlich, 18 Jahre alt, türkischer Herkunft [ aus dem Osten der Türkei]. Geboren in Deutschland, Wirtschaftsabiturient und baldiger Arbeitgeber und braver Steuerzahler.


    MfG
    Feuerloescher




    PS: Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten.
  7. #136

    xxx

    Zitat von feuerloescher Beitrag anzeigen
    ….....Eine These, dass der Mehmet, der aus muslimischen Verhältnissen entstammt, von seinem Vater verprügelt wird und eingetrichtet bekommt, dass Lehrerinnen nicht zu sagen hätten. …....
    Wenn ich mich nicht irre, hat dieser Mehmet auch seine Eltern verprügelt, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ihn seine Eltern aufforderten Lehrerinnen zu missachten.

    MfG. Rainer
  8. #137

    Feuer - ja! Löschen ...

    Zitat von feuerloescher Beitrag anzeigen
    ... Herr Bueb wird mit seinen Thesen noch einiges erreichen, vielleicht sogar als der Reformer des 21. Jahrhunderts in die deutsche Bildungsgeschichte eingehen. ...

    Ich denke du verwechselst hier etwas, schon sprachlich scheint mir diese Aussage falsch.

    Herr Bueb scheint glühender Fahnenträger der Reaktion und er wird in dieser Rolle als Reaktionär vielleicht (leider) breiten Zuspruch erfahren. Revolution ist das nicht, Fortschritt oder Entwicklng schon dreimal nicht ... um die Begriffe mal mit der Formel der franz. Rev. zu hinterlegen.
  9. #138

    Wunsch und Wirklichkeit

    Zitat von Bonnir Beitrag anzeigen
    Ich denke du verwechselst hier etwas, schon sprachlich scheint mir diese Aussage falsch.

    Herr Bueb scheint glühender Fahnenträger der Reaktion und er wird in dieser Rolle als Reaktionär vielleicht (leider) breiten Zuspruch erfahren. Revolution ist das nicht, Fortschritt oder Entwicklng schon dreimal nicht ... um die Begriffe mal mit der Formel der franz. Rev. zu hinterlegen.
    Hallo Bonnier,

    hier prallen immer zwei Meinungen auf einander, mit unterschiedlicher Wahrnehmung. So wie Sie, von den neuen, freien Menschen schreiben, der lernwillig und intelligent ist, schreiben die anderen von Schülern, die mit Kapuzen, MP3 Playern im Ohr und völlig desinteressiert die Schulzeit absitzen.

    Nun könnte man natürlich sagen, wenn die Kinder desinteressiert sind, dann liegt das am Lehrer. Man könnte aber auch sagen, wenn Schule als überflüssiges Übel gilt, Schüler unausgeschlafen, unkontrollierten Zugang zu DVD Konsum haben und in Familien die einzigen sind die morgens aufstehen. Dann sind das die die keine Chance haben, etwas für ihre Bildung zu tun.

    Die 2 Klassen Gesellschaft hat sich in eine 4 Klassen Gesellschaft verwandelt. Einmal das erste Beispiel und dann noch mal das gleiche in arm und reich.

    Das bedeutet, dass man für zwei Gruppen Lehrer braucht und für die anderen zwei Gruppen Sozialarbeiter mit Lehrerausbildung. Da wir das als Gesellschaft nicht leisten wollen, oder können, sind die Vorgaben von Herrn Bueb eine gute Möglichkeit allen 2 bis 4 Gruppen zu helfen. Denn ich denken, dass man Kindern mehr Schadet wenn man sie mit Weichspüler behandelt, als alle Gruppen mit einer gewissen Führung.

    Hinzu kommt, wenn die Schüler in einen Beruf gehen, finden sie eher das Modell Bueb, als das Modell Weichspüler. So sie überhaupt einen Beruf finden.

    Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben;o).

    Lehrabbrecher zeigen, dass da Ansprüche aufeinander treffen, die sich behindern, oder ausschließen.

    MfG. Rainer
  10. #139

    Danke!

    Danke für diesen Artikel - er spricht in vielen Bereichen endlich mal das aus, was viele Lehrer denken!!!

    Wenn Sie einen Tipp haben, wie man es schaffen kann, den Beamtenstatus abzuschaffen, lassen Sie es mich wissen!
    Ich kenne viele Kollegen, die diese Abschaffung absolut unterstützen würden - natürlich nur, wenn dann auch eine leistungsbezogene Bezahlung eingeführt wird!

    Ich selbst stelle im Moment Überlegungen an, mich auf eine Schulleiterstelle zu bewerben. Genau der Punkt, dass man keine wirkliche Möglichkeit hat, sich sein Team auszusuchen bzw. sich gewissen Kollegen zu entledigen, lässt mich immer wieder schwanken, ob ich mir eine Führungsrolle, in der man so wenig Führungsmöglichkeiten hat, wirklich antun soll!!!

    Was hat man davon, wenn man ein Qualitätsprogramm erstellt und sich Teile des Kollegiums nicht an die Umsetzung halten - und man keine Möglichkeiten von "Strafmaßnahmen" hat?

    Beckie - eine noch recht junge Grundschullehrerin, die noch Visionen hat, aber mittlerweile nachvollziehen kann, dass ältere Semester diese verloren haben!!!