Ostsee-Flüchtlinge: Für einen Urlaubsflirt in die Todeszone
Der eine wagte für eine Urlaubsbekanntschaft die gefährlichste Bootsfahrt seines Lebens.*Der andere durchkreuzte als Grenztruppenoffizier die Fluchtpläne Hunderter DDR-Bürger. Jahrzehnte später erzählen beide Männer ihre Geschichte - da wo alles begann, im*Badeort Kühlungsborn.
Und auch der Spiegel gibt sich nicht die Mühe, sich vom Mainstream á la "Bild-Dir-Deine-Meinung" abzuweichen.
Sie schreiben: "Bis vor gut 20 Jahren hieß es noch: Bis hierhin und nicht weiter." Wo soll dies Ihrer Meinung nach gestanden haben? Vielleicht in einem frühen Italo-Western, aber sicher nicht auf einem amtlichen Hinweisschild. Dort fand man z. B. "Halt! Grenzgebiet."
Ich bin direkt an der Ostseeküste aufgewachsen. An Repressionen kann ich micht nicht erinnern. Natürlich, meine Generation ist mit der DDR und der Seegrenze aufgewachsen. Die weit draußen auf See patroulierenden Küstenwachtschiffe waren für uns normal und niemand schenkte ihnen weitere Beachtung. Sie waren eben da, genauso wie die Wachtürme (BT's) und die Plattenwege an die Steilküste, auf die jeden Abend Fahrzeuge der GT mit Suchscheinwerfern auffuhren. Wir Jugendliche machten uns, besonders im Sommer oft abends einen Spaß daraus, die Grenzer zu ärgern. Wir stiegen auf die Strandkörbe und warteten, bis der Lichtkegel der Suchscheinwerfer uns traf und machten dann irgendwelche Faxen. Passiert ist niemandem etwas und an Flucht über die Ostsee dachte von uns auch niemand. Ja, wir hatten davon gehört. Aber wozu? Wir hatten eine wunderbare Kindheit und Jugend. Im Küstenschutzwald und den Wegen oberhalb der Strände standen Holzmasten, an denen Steckdosen für die Funkmeldungen der Grenzer angebracht waren. Bei uns fuhren die Grenzer mit Fahrrädern und einer AK74 auf dem Rücken Streife (für Autos war oft kein Platz und an der Steilküste eh zu gefährlich). Wir verklebten oft die Steckdosen mit Kaugummi und legten Reißzwecken auf den Weg. Das war aus unserer Sicht eher Jungenstreiche. Waren die Grenzer durch, hockten wir uns mit unseren Mädels (auch schöne Sächsinnen) wieder in die Strandkörbe, bei Wermuth, Cabinet und Semper.
Richtig ist natürlich, daß offiziell der Aufenthalt am Strand nach 22.00 Uhr verboten war. Die Älteren, insbesondere Urlauber, hielten sich auch daran.
Etwas weiter schreiben Sie: "Die Kampfschwimmer-Brigade der DDR trainierte in Kühlungsborn, eine Kette von Wachtürmen entlang der gesamten Küste bildete eine kaum durchdringbare Barriere. Dazu kamen Strandpatrouillen, Suchscheinwerfer, Hundestaffeln und Schiffe der Seestreitkräfte."
Das KSK-18 trainierte nicht nur in Kühlungsborn, es war zusammen mit dem GAB dort stationiert. Aber NICHT zusammen mit der GBK! Auch übernahm das KSK keine Aufgaben der GBK.
Und weiter schreiben Sie: "Dann erzählt er (Steidler) stockend, wie er als Jugendlicher vor versammelter Schulklasse gedemütigt wurde, weil er die Jeans einer Westmarke trug."
So ein Schwachsinn (entschuldigen Sie)! Das ist aber nun an den Haaren herbeigezogen. Die, die Westverwandschaft hatten oder dessen Eltern zur See fuhren (Handelsmarine/Hochseefischer) hatten alle Zugang zu "West-Jeans" - und trugen diese auch!!! Lediglich Bundeswehr-Parka erregten immer wieder Ärger und schlimmstenfalls mußte die auf die Ärmel aufgenähte Deutschland-Flagge entfernt werden. Auch kam es vor, daß, ging man als Schüler stolz mit einer West-Reklame-Tüte z. B. in die Schule, daß die Tüte eingezogen wurde oder man aufgefordert wurde, die Tüte auf links zu ziehen.