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Oscar-Verleihung 2012: "The Artist" und "Hugo" verführen Hollywood
APSo viel Frankreich war nie: Mit der siegreichen Stummfilm-Hommage "The Artist" und Martin Scorceses fünffach prämierten "Hugo" wurde die 84. Oscar-Verleihung zur französischen Nacht. Beide Filme sind hemmungslos nostalgisch. Aber in der Rückschau liegt auch eine Chance, die Hollywood dringend braucht.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,817736,00.html
- #20 27.02.2012 11:34 von
Was war ich gestern nacht beeindruckt: Da hat doch tatsächlich einer bis 2.49 Uhr am Liveticker zur Oscarveranstaltung gesessen. Mein voller Respekt für den bedauernswerten Mitarbeiter/in, hoffentlich wird das auch bezahlt .
Lieber SPON, wenn doch Deine Berichterstattung zu den wichtigen politischen u. gesellschaftlichen Themen doch genauso aufwändig und detailliert wäre......
PS Habe mir den "Hugo" im Kino angeschaut u. bitter bereut. Opulente Bilder können eine seichte bis nichtvorhandene Handlung nunmal nicht ersetzen. Den "Artist" werde ich mir noch nicht mal für lau auf Kinox.to antun - #21 27.02.2012 11:46 von
...
Woher kommt eigentlich dieser merkwürdige deutsche "Selbst-Hass"? Ein hartes Wort, zugegeben, aber diese pauschale Diffamierung ist schon auffallend. Es gab und gibt sehr gute Schauspielerinnen in Deutschland, wozu also dieses Genörgel?
Deutsche Filme sind in den vergangenen Jahren, etwa seit LOLA RENNT, international wieder durchaus erfolgreich und erzielen sogar Gewinne. Man muss allerdings Erfolg relativ sehen: Aus Deutschland kommen keine Blockbuster à la HERR DER RINGE oder HARRY POTTER, kein Lucas und kein Spielberg.
Diese kommen aus den meisten anderen Ländern allerdings auch nicht. Das heißt: Nicht alles, was unter dem Bekanntheitsgrad von STAR WARS liegt, ist automatisch "erfolglos". International stehen deutsche Filme an sich sogar recht gut da.
Einfach mal hier klicken: german films: Home
Dramen und historische Stoffe laufen gut, sind ein ordentliches Geschäft. Das zahlt sich auch für Schauspieler aus: Daniel Brühl ist in Spanien richtig populär, zusammen mit August Diehl spielte er bei Tarantino mit.
Das Vorurteil, dass deutsche Filme im Ausland niemand sehen will, stimmt also nicht. Gerade Dramen, dieses angeblich nur für den "Elfenbeinturm" produzierte Zeug, werden gesehen und bringen sogar gute Verkäufe ein.
Ein Problem ist in Deutschland ein unterentwickelter Genrefilm: Wir hatten nach dem Krieg gute Ansätze, aber dann brach es ein. In Deutschland gab es keine Hammer Films, keinen Roger Corman. Dafür entdecken in den letzten Jahren Film-Enthusiasten im Ausland z.B. die Edgar-Wallace-Streifen, den sog. "German Krimi".
In den letzten Jahren geht es hier wieder aufwärts, es werden auch wieder Thriller und Horrorfilme produziert. Leider zeigt sich auch bei gelungenen Filmen oftmals die Dauernörgler-Front nicht bereit, sich diese auch vorurteilsfrei anzusehen. Ständig hört man, dass die Filme "zu deutsch" aussehen würden. Ja und? Einem US-Film sehe ich doch auch an, dass er in den USA spielt.
Zum Thema Autorenfilm sollte erwähnt werden, dass er im Ausland weitaus mehr Resonanz erzielte als bei uns. Regisseure wie Herzog oder Fassbinder waren schon eine bekannte Hausnummer, Herzog ist es noch. Bei Fassbinder kennt man hierzulande dem Namen nach vielleicht ANGST ESSEN SEELE AUF und DIE EHE DER MARIA BRAUN, aber wer hat denn z.B. eine Granate wie SATANSBRATEN mal gesehen?
Beim Genrefilm genauso: Ein Tarantino muss einem deutschen Publikum sagen, dass es einen Mann wie Alfred Vohrer gab - wer kennt den bei uns denn außer einem Kreis von Eingeweihten? Hierzulande wurde von Exploitation bis "Kunstfilm", von Komödie bis Drama eine Menge an wirklich schönen Filmen produziert. Mir scheint jedoch, dass die Tendenz der pauschalen Selbstabwertung den Blick darauf leider enorm trübt. - #22 27.02.2012 13:18 von
Alte Zeiten
An den Forums-Selektor:
Ich habe es bereits zweimal versucht - warum bringen Sie meinen kleinen Beitrag nicht ?
Stört es Sie, dass ich mich nur kurz zum Oscar-Film äussere, es stattdessen aber wage, mich etwas ausführlicher mit einem von theodorheuss' beiden 'All Time Favourites' aus Deutscher Produktion zu befassen ?
Habe ich das Thema in Ihren Augen völlig verfehlt ? Erwarten Sie von mir eine fundierte Abhandlung zum 'Französischen Film' oder 'Hollywood - gestern und heute' ??
Falls die Antwort 'Nein' ist, dann wachsen Sie bitte über sich hinaus und geben Sie sich einen Ruck!
Ende der Mitteilung an den Forums-Wächter.
'The Artist' werde ich mir auch ansehen - aus Nostalgie und als Reverenz an die Pantomimen von Jacques Tati!
Ob Sie mit nur ZWEI Filmen nicht zu geizig sind und über Ihr hartes Pauschalurteil zum deutschen Filmschaffen, liesse sich nun lange streiten - vielleicht kommt ein Deutscher Filmemacher nun auf die Idee, eine Hommage an F.W. Murnau zu drehen, 'Nosferatu reloaded' sozusagen - mit Till Schweiger als Graf Orlok.
Scherz beiseite, wenn Sie mit dem 'Seewolf' die Verfilmung mit Raimund Harmstorf meinen, so stimme ich zu.
Das war einer der legendären Abenteuer-4-Teiler im ZDF - vergleichbar mit Strassenfegern a la Durbridge oder Wilkie Collins.
Und Raimund Harmstorf hatte hier die Form und Rolle seines Lebens - obwohl seine Stimme synchronisiert war.
Beeindruckende Vorlage von Jack London (eigentlich müsste ich schreiben: 'VorlageN', denn es wurden - ein Graus für alle Puristen - Themen aus MEHREREN London-Romanen hier zu einem Handlungsstrang zusammengewoben, der interessanter und vielschichtiger ist, als die Seewolf-Originalgeschichte).
Leider wird die auf DVD erschienene Version der Qualität der Story nicht gerecht - zu stark komprimiert und deshalb verpixelt - da ist meine VHS-Kassette ab TV noch besser! Ich hoffe immer noch auf eine Blu-Ray vom Original-Filmmaterial. - #23 27.02.2012 14:14 von
Sie haben Recht, aber der Kollege der den deutschen Film kritisiert, hat auch Recht..
Also, die Deutschen können schon Film..aber nur schwere Kost, schwere düstere Themen...Fassbinder, Schlöndorf..usw..oder die ganzen Geschichtsthemen in den letzten Jahren; Zweiter Weltkrieg, DDR-Gescichte, usw.. (Der Untergang, Das Leben der Anderen...etc.)
Die Deutschen können leider nicht, die Unterhaltung machen. Man gucke sich doch die deutschen Filmen selbst im eigenen Land. an.Kaum ein deutscher Film, kann das heimische Kinopublikum begeistern (das machen ab und zu nur Bully, Otto und Till Schweiger).. und das internationale Publikum schon gar nicht.
70% der deutschen Filme die jedes Jahr ins Kino kommen, sind schwere Kost meistens für Feuillton und Intellektuelle, die meisten davon haben unter 100.000 Zuschauer im Kino.
Die Franzosen haben zwar heute auch nicht mehr das grosse glorreiche Kino von einst und die ganzen Weltstars von früher (Delon, L. de Funes, Belmondo, L. Ventura, C. Denueve, etc..), aber sie bringen immer noch, jedes Jahr einen oder anderen Film der international gut ankommt....wie zum Beispiel "Die Fabelhafte Welt der Amelie",.."Die Kinder des Monsieur Mathieu",..oder jetzt aktuell "The Artist" und "Ziemlich beste Freunde"...
Die Franzosen hatten schon immer zwei Dinge beim Film die die Deutschen nicht haben: 1.Emotionen 2.ihre eigene (französische) Identität.. - #24 27.02.2012 14:21 von
Die Französen produzieren viel mehr fürs Kino..Die Deutschen mehr fürs Fernsehen..
In Frankreich geht das Publikum gerne in die franzosische Filme, in Deutschland sind die deutschen Kinofilme beim Publikum deutlich hinter den amerikanischen. Aus dem einfachen Grund dass die meisten deutschen Kinofilme im Jahr einfach langweilig für das breite Publikum sind.
Daher produziert man hierzuande hauptsächlich fürs Fernsehen...Gefühlte 2000 Krimis...Hunderte Tatorte, SOKOS, Polizeifrufs..etc.. und gefühlte 100.000 Beziehungskomödien im Jahr, mit immer den gleichen Themen wie, die einsame
Besserverdienerin sucht den Mann fürs Leben.. So sehen die meisten deutschen TV Produktionen aus. - #25 27.02.2012 17:23 von
Hollywood, Franzosen und Deutsche, Teil 1
Nun ja, das legendäre 'Savoir Vivre', ein Stückchen der 'Unendlichen Leichtigkeit des Seins' - das geht den Deutschen tatsächlich etwas ab.
Entweder ganz schwere Kost - Sie nennen Fassbinder und Schlöndorff - oder ganz direkter Klamauk a la 'Hausmeister Krause' (am TV), 'Die Supernasen' (Gottschalk und Krüger), Schneewittchen und die sieben Zwerge (Otto) etc.
Allerdings gibt es auch die deutsche Beziehungs-, Selbstfindungs-, Geschlechter-, Emanzipations-, WG- und Verwicklungskomödie a la Doris Dörrie und nachfolgende, die ist schon deutlich raffinierter und recht witzig. Und Kassenknüller wie 'Keinohrhasen' von Till Schweiger gehören auch dazu.
In Frankreich schaffen es jedes Jahr ein paar Filme, die Nation zu einigen und in die Kinos zu locken - 'Bienvenu chez les Ch'tis' war so ein Beispiel für eine leichte Sommerkomödie, die die 'Grande Nation' begeisterte.
Kunst, Kultur, Literatur, Philosophie haben in Frankreich einen festen, gesellschaftlichen Stellenwert, sind eng mit der Politik verzahnt - Stichwort 'Kulturminister', oder die aktuelle Präsidentengattin Carla Bruni, die sogar im aktuellen Woody Allen-Opus 'Midnight in - wo wohl ?? - Paris' (!) auftritt.
'Emotionen' schreiben Sie, sind es, die den deutschen Filmen fehlen und auch die 'eigene (deutsche) Identität'.
Wenn ich mich hier im Forum umsehe, habe ich teils den Eindruck, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass sich 2 deutsche Forumsteilnehmer im Positiven einig sind. Im Negativen findet man schon eher einen gemeinsamen Nenner - kritisiert wird viel und gern. Das wären dann auch Emotionen, aber negative.
Zur deutschen Identität: Die musste nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut werden und der Prozess ist noch nicht beendet. Aber es normalisiert sich wieder, denken Sie an die Fussball-WM. Ist es also ein Wunder, dass uns etwas von der französischen Leichtigkeit fehlt ?
Aber die Deutschen sind die Deutschen - Direkt und ungefiltert, Individualisten, Analytiker, Realisten mit Gerechtigkeitssinn, auf der Suche nach Klarheit und Wahrheit.
Da kommt der französische Charme, das 'Die Dinge in der Schwebe lassen' statt sie auszudiskutieren, manchmal etwas zu kurz.
Genug Klischees aufgelistet!
-> Teil 2 - #26 27.02.2012 17:26 von
Hollywood, Franzosen und Deutsche, Teil 2
...
Schlöndorff wäre mit Ihrer Klassifizierung 'schwere Kost' vermutlich nicht einverstanden - er hat lange in Frankreich gelebt und ist dabei zwar Deutscher geblieben, aber auch ein bisschen Franzose geworden.
Lieraturverfilmungen wie 'Die Blechtrommel' oder Werner Herzogs 'Nosferatu' würde ich nicht als düster bezeichnen, eher als atmosphärisch.
Und Werner Herzogs Zusammenarbeit mit Klaus Kinski hat als Output doch eher absurd-komische, mystische Meisterwerke wie 'Aguirre' oder 'Fitzcarraldo' hervorgebracht als düstere Durchschnittsproduktionen.
Wie auch immer, das Geheimnis heisst 'Authentizität' - man muss bei sich selber bleiben. Wenn die Deutschen französische Filme wie 'Amelie' machen wollen, oder wie Depardieus 'Cyrano de Bergerac' oder 'Mon père, ce héros', dann glaubt man's ihnen nicht ganz. Und wenn sie so amerikanisch sein wollen wie Spielberg, Lucas, Scorsese, Eastwood und all die anderen, dann nimmt man's ihnen auch nicht ganz ab. Till Schweiger ist nicht George Clooney (auch wenn er's gerne wäre), kaum jemand strahlt den unbekümmerten Optimismus eines Brad Pitt aus oder die 'Ich will's wissen'-Entschlossenheit einer Jodie Foster - aber das macht auch nichts.
Ich glaube, die deutschen TV-Produktionen brauchen sich nicht zu verstecken, das immer wieder kritisierte TV-Katastrophenprogramm bietet erstaunlich viel (vor allem auch Information und Dokus), wenn man statt RTL, PRO7, VOX oder SAT1 mal 3SAT oder Arte einschaltet - auch ARD und ZDF - und - ja - das Deutsche Kino hat noch Entwicklungsmöglichkeiten: Düstere Thriller, clevere Science-Fiction, grosse Epen, beschwingte 'Screwball'-Komödien mit spritzigen Dialogen - auf unsere, auf deutsche Art - wir müssen ja nicht alles den Amerikanern überlassen! - #27 27.02.2012 18:27 von
Hahaha
Ich musste erst lachen ; was für ein alberner Titel welcher Film sollte das sein "Ziemlich beste Freunde".. und dann die Erkenntnis, der Mann meint "Intouchables". Okay. Den muss ich mir auf Deutsch angucken:-) Aber da auch der springende Punkt, geht dem Kinofan nicht was verloren wenn alles in Deutschland bis zur letzten Stimme synchronisiert wird. Das geschieht in Frankreich nicht.
- #28 27.02.2012 19:52 von
Wenn es für Sie
keine Überraschung ist, dass der Oscar für die beste Kamera an Robert Richardson für Hugo Cabret ging, kennen Sie sich nicht besonders gut aus. Emmanuel Lubezki hat in dieser Award-Saison alle wichtigen Auszeichnungen für The Tree of Life gewonnen, nämlich 23. Robert Richardson der hatte zuvor keine einzige erhalten. Das verstehe wer will.
- #29 28.02.2012 18:48 von
Kinophänomen " Intouchables " ( " Ziemlich beste Freunde " ) ?
Schön , daß die Franzosen über klischeetriefende , vorhersehbare , zum Teil xenophobe , langweilige drittklassige Pfleger - und Behindertenschenkelklopfer lachen können .
Absolute Till - Schweiger Liga !
Allerdings ist im Vergleich zu Frankreich im wesentlich größeren Deutschland mit 10 Millionen Filmbesuchern Ende der Fahnenstange bei ähnlichen ärgerlichen ( deutschen ) Produktionen und das ist auch gut so .
Zum Glück waren wir am Kinotag da = geringer finanzieller Verlust + haben den Film gesehen .
Alles Deja - vu , " Tati Danielle " ( " Tante Danielle " ) reloaded !
Nicht mehr .
Ja gut , bei " Tante Danielle " gab es keine Verfolgungsrennen .
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