Emotion statt Perfektion, Charakter(Haupt-)darsteller statt Musical-Profis, echter Live-Gesang statt poliertem Studio-Sound: "Les Miserables" traut sich das, was Hollywood sonst verabscheut. Das Musical hat Mut zur Häßlichkeit - Elend, Armut, vergilbte Zähne, rohe Gefühle. Und Gesangsnummern, die die heutige Remix-/Remastered- und Playback-Generation als schlechtes Karaoke mißversteht. Schon mal in einem Live-Konzert gewesen, Frau Zylka ? Klingt anders als auf der CD, oder ? Trotzdem begeistert gewesen ? Eben.
Es ist peinlich, daß SPON eine Autorin beschäftigt, die entscheidende Produktionsdetails vorenthält (Live-Gesang, erst nachträglich eingemischte Musik, oft nur ein durchgehender Take bei den Gesangsnummern, etc.), die "Ironie" vermisst, wo keine sein soll und die glaubt, daß ein aufgemotzter Total-Verriß das Autoren-Ego mehr bauchpinselt als eine fundierte Kritik. Die aber hätte Frau Zylka mehr Arbeit gemacht, als mit ein paar Musik-Wortspielchen um sich zu werfen.
Bleibt nur zu hoffen, daß die Autorin das nächste Mal auf dem Klangteppich bleibt und den richtigen Ton trifft. Für unser aller Kehlenheil.
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