Eine Bande von Online-Händlern soll mit gefälschten Potenzpillen ein Riesengeschäft gemacht haben - nun flog*der Ring*laut einem "Welt-Online"-Bericht*auf. Der Schaden liegt im Millionenbereich.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...755779,00.html
Zu glauben, diese Fälle müssten nicht juristisch verfolgt werden, weil die Geschädigten ja nur ein paar alte Säcke sind, zeugt nicht von Weitsicht. Die Strukturen hinter Medikamentenfälschungen entsprechen denen der Organisierten Kriminalität, Parallelen zum Drogenhandel sind vorhanden, sowohl strukturell als auch personell. Tatsächlich sind Medikamentenfälschungen lukrativer als Drogen: Die Gewinnspanne ist höher, das Risiko geringer.
Und es gibt auch gefälschte Potenzpillen, die ihren Anwender schlicht und einfach umbringen.
Haben unsere Gerichte nichts Besseres zu tun? Ich würde sagen: Nicht viel.
Viagra war ein Zufallsprodukt bei der Entwicklung eines Medikamentes gegen Angina Pectoris. Die später entwickelten, chemisch verwandten Konkurrenzprodukte sind auch nichts weiter. Wäre es bei der geplanten Anwendung geblieben, würden 100 Pillen wohl nur 15 € kosten. Heute kostet jedoch eine einzige fast soviel.
Die Pillendreher haben sehr früh erkannt, daß sie auf eine Goldgrube gestoßen sind. Der Verkaufspreis hat daher mit den Herstellungskosten nichts zu tun. So wurde das Präparat in schöner Eintracht flugs zum Lifestylemedikament erklärt. Folge: Die Pharmariesen bekommen den Geldschrank nicht zu, und die Krankenkassen hatten einen Grund, die Verschreibung der teuren Pillen abzulehnen. Dabei können sie z.B. bei älteren Menschen in intakter Beziehung überaus segensreich sein.
Wer Medikamente herstellt, dessen Inhalt 'zig mal teurer ist als Gold, darf sich nicht darüber wundern, daß auch andere davon profitieren wollen.
Hmm, mal überlegen. Vielleicht Betrug, weil jemand darüber getäuscht wurde ein wirksames Originalpräparat zu erhalten und dafür eine unwirksame Fälschung erhielt? Oder möglicherwiese (versuchte, ggfs. gefährliche oder schwere) Körperverletzung, dadurch das gesundheitsgefährdende Stoffe verabreicht wurden. Eventuell auch noch diverse markenrechtliche Vergehen. Daneben gewiss noch die eine oder medikamentenrechtliche Ordnungswidrigkeit.
Und nein, ich denke nicht, dass Gerichte Wichtigeres zu tun hätten, als dem Gesetz Geltung zu verleihen.
Aus patentrechtlicher Sicht werden Pfizer, Lilly und Bayer immer geschädigt, egal, ob das auf den fraglichen Webseiten verkaufte Produkt wirksam war oder nicht.
Ob auch die Besteller auf den Webseiten geschädigt wurden, ist differenzierter zu betrachten. Wenn dort echte Plagiate verkauft wurden, also Nachahmungen mit Original-Wirkstoff, wurden sie nicht geschädigt. Es ist davon auszugehe, dass die Besteller wussten, dass es sich um Plagiate handelt.
Handelt es sich hingegen um Fälschungen, also (bestenfalls) wirkungslose oder (schlimmstenfalls) gefährliche Medikamente, wurden natürlich auch die Besteller geschädigt.