"die Diskussion über ökologisch und sozial verträgliches Wirtschaftswachstum aktueller denn je"
Statt 4 Computern zu Hause schrauben sich alle 3 Lagen Photovoltaik aufs Dach!
Rechtzeitig vor der NRW-Wahl erinnern sich die Grünen an ihre Wurzeln als Kämpfer gegen die Wachstumsgläubigkeit. Ihre Methoden sind freilich nicht mehr so revolutionär wie einst. Statt Flugverboten und Benzinpreisdiktaten fordern sie heute eine Enquete-Kommission des Bundestages.
http://www.spiegel.de/politik/deutsc...689237,00.html
"die Diskussion über ökologisch und sozial verträgliches Wirtschaftswachstum aktueller denn je"
Statt 4 Computern zu Hause schrauben sich alle 3 Lagen Photovoltaik aufs Dach!
Die Gruenen plaedieren richtigerweise fuer weniger oder kein Wachstum, an dessen Grenzen wir sowieso bald stossen - von daher braeuchte es kein Plädoyer dafuer - aber von Umverteilung von Vermoegen und Einkommen, welche ein Leben in einer wachstumslosen Gesellschaft ueberhaupt erst ertraeglich oder auch nur moeglich machen wuerde, ist bei ihnen ernsthaft nicht die Rede.
In einer Gesellschaft, wie sie offenbar den heutigen Gruenen vorschwebt, wuerde nur noch eine reiche Elite ihr Auskommen haben; von daher passt der Begriff des "selektiven Wachstums" tatsaechlich zu ihrer Politik. Selektiv, fuer wenige.
Die Gruene Partei macht aus der Not eine propagandistische Tugend, in ihrer Werbung fuer die saturierte obere Mittelschicht, die sie vertritt, und die fuer sich genommen kein Wachstum mehr braucht, wobei man dort offenbar der Auffassung ist, dass Kapitalismus auch ohne Wachstum existieren, und man gleichzeitig alles beim alten System lassen koenne.
Wer Gruen waehlt, wird sich Schwarz aergern,
stellte Oskar Lafontaine ganz richtig fest.
Die Gruenen sind eine Ein-Generationen-Partei; diese kommt aus dem kapitalistischen Buergertum, ist dorthin laengst wieder zurueckgekehrt, und vertritt heute neoliberale und z.T. bellizistische Positionen, im Schnitt radikaler, in kapitalistischer Hinsicht, als die CDU, und in aussenpolitischer Hinsicht „atlantischer“ und kriegerischer als die FDP. Die CDU muss als Volkspartei und aufgrund des Einkommensniveaus ihrer Waehlerschaft, welches erheblich niedriger ist als das der Gruen-Waehler, im sozialen Bereich etwas gemaessigter auftreten, obwohl Angela Merkel ohne Zweifel gerne mehr Kapitalismus und Sozialabbau haette. Was die FDP betrifft, so traegt sie die von den Gruenen forcierten Ressourcenkriege zwar mit, aber die FDP ist hier im Gegensatz zur gruenen Konkurrenz keine treibende Kraft. Und in Afghanistan und anderswo geht es um die Beherrschung von geografischen Raeumen zur Ressourcenkontrolle - und nicht um die Befreiung der afghanischen Bevoelkerung, damit Maedchen dort zur Schule gehen koennen. Das wissen natuerlich auch Herr Trittin und Frau Roth.
Von daher sind die Gruenen nicht nur zu ihren grossbuergerlichenWurzeln zurueckgekehrt, sondern haben sich sogar zur Avantgarde des Kapitals gewandelt, die Avantgardepartei des Systems schlechthin. Kuenftige schwarz-gruen-gelbe Koalitionen, und eine noch engere Kooperation des Kapitals mit dieser Partei sind daher sehr wahrscheinlich. Die Gruenen wuerden z.B. den CDU-Wirtschaftsfluegel staerken, und waeren dieser Partei in einer Koalition daher sehr willkommen.
In Wirklichkeit, und das wissen die politischen Strategen natuerlich, wuerde ein gruener Kapitalismus die Grenzen des Wachstums im Gegensatz zu den Forderungen der gruenen Partei scheinbar paradoxerweise sogar noch einmal hinausschieben.
Als Beispiel sei hier genannt die Umwandlung von Agrarflaechen weg vom Nahrungsmittel- hin zum Treibstoffanbau (Zuckerrohr, Soja, u.ä.), was der einheimischen Bevoelkerung die Nahrungs- und Existenzbasis nimmt, und insgesamt die Nahrungsmittel fuer alle verknappt und verteuert.
Eine Nutzbarmachung von bisheriger Brache (Urwald, Grassland u.a.) fuer die gleichen Zwecke wuerde die Erschliessung auch der letzten freien Ressourcen, Flaechen und Natur fuer den kapitalistischen Verwertungsprozess bedeuten,
und dies wiederum bedeutet die Eroeffnung weiterer Expansionsmoeglichkeiten fuer das immerfort anlage- und renditesuchende Kapital, zumindest fuer eine gewisse Periode.
Letzteres koennte auf diese Weise den nach 500 Jahren gerade zu Ende gehenden Lebenszyklus des kapitalistischen Systems noch einmal verlaengern.
Ein aehnliches Bild ergibt sich bei den erneuerbaren Energien Wind und Sonne, die eine gute Sache sind, aber unter den Eigentumsverhaeltnissen des gegenwaertigen Systems bei einem hohen und staendig fortschreitenden Automatisierungsgrad ebenfalls nur einer Minderheit zugute kommen.
M.a.W., ein gruener Kapitalismus waere die Vollendung der Unterwerfung der Erde und des Arbeiters unter das kapitalistische Verwertungsprinzip. Es waere ein temporaerer Strohhalm fuer ein System in der Krise, welche eine Verwertungskrise des Kapitals ist.
Man macht sich bei den Gruenen wohl auch gerne selbst etwas vor. Das haengt mit den Anfaengen der Achtundsechziger-Bewegung zusammen, die viele Freiheiten im privaten Bereich fuer uns alle erkaempft haben; und von diesen Achtundsechzigern haben viele zehn Jahre spaeter die Gruenen mitbegruendet. Nun ist es aber so, dass die von den Gruenen mitgetragene und auch vorangetriebene neoliberale Politik mit Hartz-4 und anderen Massnahmen immer mehr Menschen in wirtschaftliche Unfreiheit stoesst, und das steht natuerlich im krassen Gegensatz zu den Achtundsechziger-Zielen, die mehr und nicht weniger Freiheit wollten. Man kann jetzt darueber streiten, ob die neue wirtschaftliche Unfreiheit die zuvor errungenen privaten Freiheiten nicht sogar mehr als aufwiegt. Hartz-4 wurde jedenfalls von der Regierung Schroeder-Fischer durchgebracht. Gruen hat hier gewirkt.
Und diesen Widerspruch nun sich selbst einzugestehen, ist natuerlich schwierig.
Um ihre Waehlerbasis und auch ihr Bild von sich selbst bewahren zu koennen, praesentieren sie daher hin und wieder solche Maetzchen wie heute das „feministische Maennermanifest“ oder aehnlichen Humbug, damit ihre neoliberale Politik fuer das Kapital nicht allzu sehr in den Vordergrund rueckt. Wer braucht da noch das Manifest von Marx und Engels?
Die Gruenen sind eine grossbuergerliche Partei, eine FDP oder CDU mit bunten Halstuechern.
Abschottung nach unten
Die hohen Wahlergebnisse der Gruenen im 15-Prozent-Bereich bedeuten, ebenso wie hohe FDP-Wahlergebnisse – es handelt sich hier um dieselben Schichten - dass sich hier die obere Mittelschicht nach unten abschottet. Auch wenn man selbst in der nach oben mobilen Gesellschaft der alten Bundesrepublik aufgestiegen ist und von den neu errungenen Freiheiten und der gesellschaftlichen Oeffnung nach 1968 stark profitiert hat, weiss man doch, dass der Verteilungsspielraum enger wird. Man weiss, die Bankenrettung, mit der das Vermoegen und die Macht der deutschen Oberschicht gerettet wurden, wird sehr teuer, und die deutschen Steuerzahler werden noch Jahrzehnte dafuer zahlen. Man weiss, dass irgendjemand die zweistelligen Renditen der Banken bezahlen muss, und in der Industrie und im Handel, wo man, wenn es optimal gut laeuft, vielleicht auf maximal fuenf Prozent Rendite kommt, ist es nicht moeglich, diese zu erwirtschaften. Die Achtundsechziger wuerden heute das Buendnis mit Arbeitern und Arbeitslosen suchen, also gegen die Oberschicht. Die heutigen Mittelschichten gehen den umgekehrten, leichteren Weg, sie gehen mit der Oberschicht, und grenzen sich gruppenegoistisch nach unten ab. Man sieht, in der bestehenden Ordnung reicht es nicht mehr fuer alle, aber das macht nichts, solange man selbst zu den oberen 20 Prozent, oder wenigstens zum oberen Drittel gehoert. Man will seinen ererbten oder selbst errungenen Status bewahren und seinen Kindern die Konkurrenz von unten vom Hals halten. Dies erklaert die guten Wahlergebnisse fuer Gruen und FDP, die sich aus demselben Pool speisen.
Es geht heute um die sich verschaerfenden Gegensaetze zwischen Kapital und Arbeit, und hier zeigen die Gruenen einen temporaeren Ausweg aus der derzeitigen Verwertungskrise des Kapitals auf; sie bieten einen Loesungsansatz, allerdings im Sinne des Kapitals, der diesem fuer eine Uebergangsperiode weitere Expansions- und Verwertungsmoeglichkeiten bietet. Systemimmanent, d.h. bei Weiterexistenz des neoliberalen Systems, welches die Gruenen nicht infrage stellen, laeuft diese Loesung jedoch auf eine verschlechterte Lebensqualitaet fuer die grosse Mehrheit der Menschen weltweit, aber auch bei uns, hinaus.
ENDLICH. Hatte schon sehr befürchtet, die GRÜNEN würden sich aus dem Kreis der gesellschaftserneuernden Kräfte völlig verabschieden. Es schein ja m.E. doch leider so zu sein, dass die ökonomische Krise erst am Anfang steht und in wirklich eine tiefe Systemkrise ist. Jegliches Bemühen um ökologische Verträglichkeit des Wirtschaftens bleibt doch solange fruchtlos, wie die gnadenlosen Marktmechanismen um Geld und Zins eine halbwegs gerechte Verteilung von Einkommen und Wohlstand verhindern.
......
Ich weiß nicht, ob es um diese Details geht, es geht doch zunächstmal ums Bewußtsein. Und es gehört nicht viel Klugheit dazu, um festzustellen, daß unsere Gesellschaft überaltert und daß schon damit ganz andere Ansprüche entstehen, als sie in einer jungen, dynamischen Wachstumsgesellschaft gegeben wären. Dazu ist unsere Infrastruktur recht gut, da gibt es keinen extremen Investitionsbedarf mehr. Es sind viel mehr Umverteilung und Umgestaltung erforderlich, aber sicherlich nicht die Anbetung irrwitziger Wachstumsphantasien.
Darauf kann gar nicht häufig genug hingewiesen werden. Wer die Probleme unserer Gesellschaft via Wachstum bewältigen will, der setzt aufs völlig falsche Pferd!
rabenkrähe
Geändert von ( um Uhr)
Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen.....
Sehe ich auch so. Wenn wir die Erde retten wollen, muessen wir umverteilen, kraeftig. Die Leistung wird schon lange erbracht.
Und zusehen, dass wir einen moeglichst friedlichen Systemuebergang hinbekommen, zu etwas besserem. Nicht dass die alten Finanz-Oligarchen ihre Privilegien hinueberretten und dann die neuen Feudalherren in der kommenden wachstumslosen Zeit sind.
Sie hören sich wie jemand an, der früher kommunistische Lehrbücher verfaßt hat!
Bei der ausgesprochenen Aversion, die ich gegen derlei Klassenkampfparolen entwickelt habe, fällt es mir denkbar schwer, Ihre Ideen überhaupt ernst zu nehmen.
Was schwebt Ihnen denn bei einer "Umverteilung von Einkommen und Vermögen" vor, eine erneute Verstaatlichung des Grundbesitzes und der Produktionsmittel und eine Beglückung von Millionen von Menschen mit denselben Unfreiheiten, die sie erst kürzlich nach Jahrzehnten des Leidens überwunden haben ??!
Meine Familie hat diese Vermögensumverteilung bereits zweimal schmerzlich erlebt: während der Weltwirtschaftskrise 1929 und 1945 nach der kommunistischen Beglückung. Ich habe also bei Null angefangen und habe keine Lust, das bißchen, das ich mir schwer erarbeitet habe, jetzt an klassenkämpferische Luftikusse abzugeben, die lieber große Reden schwingen als zu arbeiten. Die entsprechen nämlich 1:1 den parasitären kommunistischen Funktionären von früher. Und die (Bildungs)-Möglichkeiten, die ich hatte, standen allen andern Bevölkerungsschichten ebenso offen, ich war in keinster Hinsicht privilegiert. Alles was nötig war, war der Wille sich auf den Hintern zu setzen und zu lernen. Und wenn man diese Binsenweisheit heute gewissen Individuen wieder näher brachte, hätten wir eine Menge weniger Arbeitslose oder Niedriglohnempfänger.