Notfallmanagement der Reiseveranstalter: Wenn der Krisenstab tagt

Erst Tunesien, dann*Ägypten: Wenn es kriselt in Touristenregionen, dann laufen die Notfallabteilungen der Reiseveranstalter*auf Hochtouren. 2010 war für TUI*sogar das krisenreichste Jahr seiner Geschichte -*über die zusätzichen*Kosten wird allerdings geschwiegen.

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/...743599,00.html
  1. #1

    Reisen = Rest-Risiko

    Reisen war schon immer gefährlich und mit einem Rest-Risiko behaftet. Eigentlich sollte das jeder Reisende schon bei Buchung wissen. Eigentlich selbstverständlich.

    Dass sich TUI & Co für ihre Gäste bemühen, ist großartig und sollte auch mal von der Mehrheit der Kunden estimiert werden!

    Die Reise, die ich gebucht habe, ist gebucht für den Normall-Fall. Für diesen Normal-Fall stehen die Reiseunternehmen gerade. Alles, was darüber hinausgeht, ist Kunden-Service und freiwillig.

    Da keiner meiner Kollegen Gäste im Regen stehen lasen will, investieren sie - auch ohne Reisewarnung - in die Sicherheit ihrer Kunden. Weil man eben an die Menschen denkt, die eben nicht erfahren im Reisen sind. Wir Profis können unseren Gästen auch in Not-Situationen helfen, weil wir Erfahrungen & Beziehungen in den Reisezielländern haben. Diese Erfahrungen nutzen wir zum Gunsten der Gäste.

    Trotzdem sollte es für Reiseveranstalter eine Versicherung geben, die in solchen Lagen Kosten reduziert.

    Warum sollen wir Reiseunternehmer für die verfehlte Außenpolitik der letzten 30 (?) Jahre die Zeche zahlen? Daß Tunesien, Algerien, Marokko, Ägypten, Lybien, Jordanien, Libanon und Iran keine Demokratien sind, weiß man schon lange.

    Es würde auch wenig helfen, nun nicht mehr in diese Länder zu reisen, weil dann wieder die falschen Leute die Zeche zahlen.

    Der Staat unterstützte diese Diktaturen seit Jahrzehnten, also sollte er auch einen Teil der Verantwortung übernehmen.

    Nur alles auf die "freie Wirtschaft" abzuwälzen ist unfair und unverantwortlich.

    Es wird immer Reiseziele- & Themen geben, die risikobehaftet sind. In 98% der Fälle geht alles gut, aber 2 % Gefahr sind dabei. Egal, in welchem Bereich.

    Wir machen z.B. Expeditionen zu aktiven Vulkanen. Aber die Gefahren liegen ganz woanders:

    - Anreise per Flugzeug (innerhalb Europas relativ sicher)
    - Transfers vor Ort (s. Busunfälle)
    - Ansteckende Krankheiten (kann man nie und nirgends ausschließen)
    - nicht erdbebensichere Unterkünfte (sind alle Hotels in DE erdbebensicher?)
    - Kondition der Gäste (man kennt keinen Gast vorher...)
    - die Gefahr durch einen Vulkan direkt ist z.B. relativ gering.

    Sind nun Vulkanreisen "gefährlich"? Ist ein Badeurlaub "sicher" (siehe Hai-Angriffe in Ägypten...)

    WIR Deutschen müssen bewußter reisen. Vielleicht nicht dreimal im Jahr, sondern einmal im Jahr, aber dann auch so, daß wir dauerhaft etwas von einer Reise haben und nicht nach dem Motto "Geiz ist geil" oder "Last Minute".

    Wir müsen mal über unsere Philosophie diskutieren! Wieso reisen WIR Deutschen soooo viel? Ist es vielleicht eine Flucht, weil wir unsere Lebenseinstellung durch "Geiz ist geil" und ihre Folgen so versaut haben und nur für unsere Arbeit leben?

    "Nachhaltigkeit" hilft auch den Reisezielen und ihren Bewohnern. Wenn ich z.B. nicht Urlaub in einem Massen-Hotel in Tunesien mache, das einer der "Freunde" des Diktators durch Korruption erbaut hat...

    Viele Grüße
    Tobias Schorr
    Volcanodiscovery