Niederlande: Legalisierung führt nicht zu mehr Sterbehilfe

REUTERSDie Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe führt einer niederländischen Studie zufolge nicht dazu, dass mehr Menschen durch die Hand eines Arztes sterben. Während mobile Sterbehelfer in Holland jedoch schon Hausbesuche machen, ist in Deutschland auch die Beihilfe zur Selbsttötung weiterhin verboten.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...844005,00.html
  1. #40

    Zitat von marion2012 Beitrag anzeigen
    Wenn Sie wirklich Arzt sind, was ich doch sehr bezweifle, wissen Sie genau was vor sich geht.
    Ich hab das niemals behauptet, ich bin Student der Pflegewissenschaft und Pfleger auf einer Intensivstation. Allerdings hab ich wohl mehr Erfahrung mit Opioiden als ein x-beliebiger Arzt, dem die ITS-Erfahrung fehlt.
    Ich arbeite auch nicht in einer Palliativklinik, sondern in einer Universitätsklinik auf einer Intensivstation. Palliativmedizin kann man praktisch überall machen, wo Menschen chronisch krank sind oder sterben.

    Zustände mit schreienden Patienten fände ich genauso schlimm. Da muss aber strafrechtlich was passieren, und nicht der Gnadenschuss/-spritze propagiert werden. Gegen Schmerzen kann man was machen. Wenn das auf manchen Stationen nicht ausreichend geschieht, dann muss man daran was ändern, und dafür reichen die heutigen Gesetze aus.
  2. #41

    Zitat von Ingmar E. Beitrag anzeigen
    Es ist Angst, fehlende Kenntnis und Übung im Umgang mit Opioiden.

    Wenn der Patient noch Schmerzen hat, wird seine Atmung nicht aussetzen. Dieser Fakt ist aber vielen Ärzten nicht bekannt, oder sie vertrauen den Angaben der Patienten nicht, haben Angst das Patienten Schmerzen angeben, obwohl sie keine mehr haben, nur um an die Opioide zu kommen. Und sie haben dann Angst vor dem Aussetzen der Atmung (wo man dann auf einer Normalstation schon in Hektik gerät, wenn man einen Patienten plötzlich künstlich beatmen muss, und das ist selbst auf einer Intensivstation nicht so wünschenswert).

    Viele junge Ärzte haben nicht den Arsch in der Hose, bzw. sind nicht geübt im Umgang mit Opioiden, und überschätzen das Risiko einer Überdosierung massiv. Das Risiko wird halt erst relevant wenn der Patient gar keine Schmerzen mehr hat und dann trotzdem nochmal was bekommt.
    Auf Normalstationen haste seltener Schmerzen die Opioide erfordern, wenn der Arzt dann keine Erfahrung auf Intensivstation hat, hat er auch wenig Möglichkeiten Erfahrungen mit der Gabe von Opioiden zu sammeln.

    Und es mag vllt. auch noch Fälle geben, die denken wir machen den Patienten abhängig. Aber kein Mensch bekommt nach einem Kliniksaufenthalt von seinem Hausarzt so einfach Opioide über den Tresen geschoben, und die wenigstens Patienten haben Kontakte zu Dealern.

    Manche Ärzte unterschätzen wohl auch stark das Risiko was von Schmerzen ausgeht, und wie stark sie den Verlauf eines Kliniksaufenthalts beeinflussen.
    Und dann gibt es immer noch die Docs die sagen: "der kann keine Schmerzen mehr haben soviel wie er bekommen hat," und die nicht verstehen, dass Schmerzempfinden immer subjektiv ist, und nie objektiv überprüfbar, und dass es unterschiedliche Wahrnehmungen bei den Menschen gibt.

    Es ist Fakt, dass wir in Deutschland bei Palliativmedizin, bei adäquater Schmerzbehandlung noch viel Aufholbedarf haben und auch viel Weiterbildungsbedarf. Da brauchen wir nicht drüber zu diskutieren. Aber das ist kein Grund den Patienten gleich den Gnadenschuss zu geben, nur weil manche Ärzte zu inkompetent sind um Schmerzen auszuschalten, um es mal ganz krass zu sagen.
    Aha, Sie geben also hiermit zu, dass noch vieles im "Argen" liegt.
    Richtig, wir haben noch viel Aufholbedarf. Zum Glück hat ein Artzkollege vor Gericht gekämpft und jetzt Erfolg gehabt!
    Man kann diesem Arzt nicht genug danken, dass er sich dafür eingesetzt hat!
  3. #42

    Fehler?

    Im Text heißt es "Demnach waren die Zahlen von 2010 vergleichbar mit den Daten aus den Jahren 1990 u 2001" während der online Artikel der "Lancet" Zeitschrift behauptet:
    "In 2010, of all deaths in the Netherlands, 2·8% (95% CI 2·5—3·2; 475 of 6861) were the result of euthanasia. This rate is higher than the 1·7% (1·5—1·8; 294 of 9965) in 2005, but comparable with those in 2001 and 1995."
    Habe ich da etwas falsch gelesen, oder stimmt da etwas nicht (1990 und 2001 oder 1995 und 2001)?
  4. #43

    Zitat von marion2012 Beitrag anzeigen
    Wie bitte, Beihilfe zur Selbsttötung ist keine Hilfe für totkranke Menschen?
    Der Tod ist keine Lösung für Probleme des Lebens. Und das Sterben ist Teil des Lebens.

    Schon der Begriff Sterbehilfe ist irreführend denn eine Tötung ist keine Hilfe beim Sterben sondern die unmittelbare Hebeführung des Todes.

    Die Tötung moribunder Menschen ist vor allem deshalb so attraktiv weil sie alle Beteiligten radikal von den Lasten defizitären Lebens befreit.

    Solche Menschen brauchen aber medizinische und menschliche Zuwendung und keinen Henker.


    Zitat von marion2012 Beitrag anzeigen
    Und pallativmedizinische Sterbebegleitung kommt noch längst nicht jedem Menschen zuteil, der sie bräuchte.
    Richtig, deshalb muss diese Hilfe verbessert werden.
  5. #44

    Ingmar

    Der Geist und die innere Haltung, die aus Ihren Beiträgen spricht, beruhigt mich. Es braucht mehr solche Praktiker wie Sie, ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie Ihren anspruchsvollen Berufsalltag noch lange ertragen. Oder zu guter Letzt Arzt werden und die Gepflogenheiten Ihrer jeweiligen Station stärker mitbestimmen.