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Newtown-Berichterstattung: Autisten verurteilen Stigmatisierung
REUTERSEs gibt Hinweise, dass der Newtown-Attentäter Adam Lanza möglicherweise Asperger-Autist war. Die Berichterstattung darüber hat eine Debatte entfacht: Verbände, Organisationen und Blogger melden sich zu Wort, um gegen eine Stigmatisierung von Autisten und falsche Vorurteile zu kämpfen.
http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...-a-873364.html
- #100 28.12.2012 14:06 von
Eine Verbindung zischen der Tat und Asperger Autismus, auf Grund offensichtlicher Ferndiagnose , entbehrt jeglicher Grundlage
Verehrte Redaktion,
als Mutter eines 10 jährigen höchstbegabten Asperger Autisten bin ich wohl etwas mehr als empört. Mein Sohn erfuhr durch die Gesellschaft der angeblich Normalen, jahrelange Qual in Schule und Umgebung. Er wurde bereits ab der dritten Klasse mehrere Male Opfer extremer körperlicher Gewalt durch Schüler und Opfer psychischer Gewalt durch inkompetente Lehrer. Diese extremen Massakrierungen seitens seiner Mitschüler reichten von Würgen bis Schädelhirntrauma. Das tägliche Treten, Schlagen und Beschimpfen war für ihn wohl schon USUS geworden.
Mutmaßungen und Ferndiagnosen angeblicher Spezialisten ohne gesicherten Hintergrund sollten, in Verantwortung der Redaktionen, vor Veröffentlichung wohl recherchiert werden. Gott sei Dank wurde der Artikel durch Herrn Remschmidt begleitet. Was jedoch nicht die pauschale Herabsetzung und dessen Querverweis zu Autisten per se schmälert. Da sich im Gehirn des Lesers das Schlagwort Asperger Autisten in Verbindung mit Gewaltbereitschaft manifestiert.
Offensichtlich ist es fast allen Fachleuten entgangen, dass Autisten per se, überhaupt nicht in der Lage sind zu Planen und dies noch in einem zeitlichen Rahmen, denn sie verfügen über kein Zeitgefühl. Ihr Tagesablaufplan muss stets demselben Schema folgen, auch dies spricht wohl dagegen. Ihr überaus hoher Gerechtigkeitssinn lässt es überhaupt nicht zu eine solche Tat auszuüben. Ich als Mutter eines Asperger Autisten führe Diskussionen mit meinem Sohn, wenn aus Zeitmangel im Halteverbot geparkt werden muss. Er gewinnt Sie mit seiner extremen Hartnäckigkeit, weil es ihn total überfordert, wenn etwas Verbotenes im Raum steht. Das darf man nicht, sagt er!
Weiterführend beinhaltet Asperger Autismus keine Persönlichkeitsstörung sondern eine Entwicklungsstörung. Eine Persönlichkeitsstörung liegt bei Schizophrenie etc. vor. Auch ist es mir fremd und völlig neu zugleich, dass Asperger Autisten keine Emotionen haben. Sie sind nur etwas einfacher und klarer, und werden mit dem Verstand benutzt. Vielschichtige Emotionen überfordern sie.
Dank des Artikels weiß ich jetzt allerdings, dass mein Sohn zu den weltweit nur 100 Asperger Autisten gehört die zugleich wirklich hochbegabt sind. Nur ob es meinem Sohn hilft nach dieser pauschalen Beurteilung über Autisten, steht auf einem anderen Blatt. Wohl auch kaum, wenn sie Einen oder mehrere Artikel über Autisten verfassen. Ich habe mal gelernt,
einmal Gesagtes kann man nicht mehr gut oder gar rückgängig machen. - #101 28.12.2012 23:06 von
Bitte nicht schon wieder neue Vorurteile
Liebe eragon137,
was Ihrem Sohn passiert ist ist schlimm - und die unsägliche Medienberichterstattung aus der Vorweihnachtszeit war es auch. Ich finde es aber schade, wenn Sie das dazu verleitet, Ihrerseits Vorurteile in die Welt setzen, die ebenso wenig haltbar sind.
Selbstverständlich verfügen Autisten über ein Zeitgefühl, auch wenn es in mancherlei Hinsicht anders ist als das der Nicht-Autisten. Viele erwachsene Autisten, die ich kenne, leben alleine und können ihren Alltag recht gut bewältigen, was ohne jegliches Zeitgefühl gar nicht möglich wäre. Auch ich lebe alleine, gehe jeden Tag meiner Arbeit nach und organisiere meinen Haushalt.
Wenn ich lesen muss, Autisten hätten kein Zeitgefühl, dann kann ich darüber (bildlich gesprochen) nur schmunzeln. Es ist schlimm, wenn Autisten in einem Atemzug mit Massenmördern genannt werden. Es ist aber auch schlimm, wenn man ihnen jegliche Selbstständigkeit und Mündigkeit abspricht, was leider auch noch viel zu häufig vorkommt.
Das ist kein Vorwurf an Sie und soll auch nicht die Probleme Ihres Sohnes herunterspielen, trotzdem wollte ich den zitierten Absatz nicht umkommentiert lassen. - #102 29.12.2012 19:04 von
nene
.........
Das paßt doch, wenn Stigmatisierung und Feindbilddenken zusammentreffen, dann ist der Schuldige gefunden und niemand muß sich noch Gedanken um die wirklichen Zusammenhänge machen.
Exzesse wie der hier abgehandelte sind immer auf tiefsitzende Hilflosigkeit zurückzuführen, die eben, bei jedem Menschen, eskalieren, sich gegen einen selbst oder gegen andere richten kann.
Wer sowieso psychisch angeschlagen ist, mag empfänglicher dafür sein, um 0,0001 oder 0,0002 Prozent....
Fest steht indes etwas ganz anderes: Wenn 100 Leute 100 Messer haben, wird irgendwer irgendwann zustechen. Wenn es keine Messer gibt, kann dies nicht passieren.
Aber, die Menscheitsgeschichte zeigt es, das fällt wohl vielen schwer, es zu begreifen.
rabenkräheGeändert von ( um Uhr)
Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen..... - #103 30.12.2012 02:44 von
- #104 30.12.2012 10:17 von
optional
Was ich schlimm finde, ist nicht, dass Menschen Fehler machen. Auch SPON-Autoren kann und darf sowas passieren. Was ich schlimm finde, ist, dass SPON-Autoren offenbar nicht in der Lage sind, Fehler einzugestehen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen, d.h. die fehlerhaften Berichte zu löschen oder wenigstens zu berichtigen. Sie berufen sich dabei anscheinend auf die Pressefreiheit oder auf "Transparenzgründe". Und so wird Stand heute jeder, der bei Google nach Aspergersyndrom sucht, direkt darauf verwiesen, daß der Attentäter möglicherweise das Aspergersyndrom hatte, noch bevor er dazu kommt, sich z.B. bei Wikipedia wirklich zu informieren.
Ich werde jedenfalls in Zukunft sehr, sehr vorsichtig sein, was die Erwähnung dieses Begriffes gegenüber Anderen im Zusammenhang mit meinem Sohn anbelangt. Ich dachte nicht, dass sowas in Deutschland im 21. Jahrhundert noch nötig ist. - #105 30.12.2012 11:43 von
Das ist die traurige Realität und der eigentliche Zusammenhang ! Krank ist die Gesellschaft, die mit Andersartigkeit nicht umgehen kann. Ein kleiner Teil dieser Mobbingopfer zerbricht daran und wird psychisch krank. Die meisten Anderen schaffen es, auch sowas zu überstehen, ohne ganz daran kaputtzugehen. Aber es überschattet das ganze Leben. Ich weiß es aus eigener Erfahrung.
Und so wird auch der neue Vorsatz von SPON, über Autismus ohne jeglichen Zusammenhang zu Newtown zu berichten, der ganzen Problematik wieder nicht gerecht. Was man voraussichtlich in naher Zukunft zu lesen bekommt, sind tränendrüsenstimulierende Berichte über arme Autisten.
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