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Neulich im OP: Reale Visionen

CorbisAlkoholikern glaubt man besser kein Wort. Wenigstens dann nicht, wenn es darum geht, wie viel sie trinken. Dr. Reinhold Rippe vertraut deshalb bei der Vorbereitung einer Operation lieber auf seine Erfahrung - zu Unrecht, wie sich herausstellt.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...845909,00.html
  1. #1

    optional

    Ehrlichkeit, die sprachlos macht. Der Artikel klingt absolut glaubwürdig und zeigt, wie schnell man Menschen in Schubladen stecken kann, wenn die Arbeit zur Routine wird. Daß der Patient nebenbefundlich evt. an einer Arachnophobie leiden könnte, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall aber wäre die Spinne besser draußen aufgehoben gewesen, als im Krankenhausflur...
  2. #2

    Ärzte???

    Die in diesem Beitrag geschilderten Vorgänge muss ich leider bestätigen. Es ist grotesk, mit welches Halbwissen und Stigmabelasteten Vorurteilen sehr viele Mediziner auf Patienten losgelassen werden. Würden ähnliche Verhaltensmuster bei meinen Kollegen (Physiker) zugelassen werden, hätten wir ganz sicher im Saarland ein Nukleartestgelände! Es ist in weiten Teilen beschämend, wie mit Suchtkranken Menschen in unserer, westeuropäischen Gesellschaft umgegangen wird. Vielleicht sollten sich die so gebildeten Mediziner mal in den USA zu diesem Thema umhören. Dort (und in Skandinavien) wurde das suchtverursachende Genom isoliert, der erbrelevante Faktor erkannt und man arbeitet medizinisch seriös an Lösungen. Für deutsche Mediner ist eine weiterte Stigmatisierung natürlich sehr viel bequemer, für die Gesellschaft und die Politik unisono.
  3. #3

    Undercover

    Ein Mann wird nach einer Prügelei in die Psychiatrie eingewiesen, sagt bei der Aufnahme dem Pfleger, dass er Polizist und undercover unterwegs sei. "Alles klar," meint der Pfleger, "dann gehen Sie bitte nach hinten durch zu den Anderen".
    Ein paar Stunden später ein Anruf der Polizei: sie vermissen einen Kollegen, der im Undercover-Einsatz gewesen sei. Er würde soundso aussehen, ob er vielleich bei uns gelandet sei?
    :-)
  4. #4

    Herr Doktor sind ein Fake

    Nach ärztlicher Überzeugung ist jeder Alkoholiker, der mehr als eine Flasche Bier oder ein Viertel Wein am Tag trinkt. Sagen sie zumindest. Tatsächlich bestünde dann zumindest die männliche Bevölkerung aus Alkoholikern, Ärzte inclusive. Alkoholiker ist etwas ganz Schlimmes, mit dem man umgangssprachlich alles erklären kann, in Wirklichkeit aber eine enorme Tabuzone, exakt wie die verbotenen Drogen. Die ein Mediziner problemlos seiner Familie verschreiben kann, so ganz nebenbei. Ein gewisser Spiegel vermeldete vor Jahren, daß über ein Drittel der Ärztegattinnen tablettensüchtig ist. Traut er sich aber nicht mehr.

    Eigentlich ist die Geschichte nett erzählt, aber man fragt sich irgendwie nach dem Zweck. Nach den Laborbefunden ist nämlich eindeutig geklärt, ob es markante und eindeutige Leberveränderungen gibt. Außerdem hat der Patient sicher keinen Alkohol mehr in sich. Dann könnte man höchstens noch fragen, ob er sich schon Teile des Hirns herausgesoffen hat. Aber das dauert.

    Spinnen sind auf der Intensivstation etwa genau so häufig anzutreffen wie leichtbekleidete Liebesdienerinnen. Oder aufgeweckte Lebewesen.
  5. #5

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen
    Nach ärztlicher Überzeugung ist jeder Alkoholiker, der mehr als eine Flasche Bier oder ein Viertel Wein am Tag trinkt. Sagen sie zumindest. Tatsächlich bestünde dann zumindest die männliche Bevölkerung aus Alkoholikern, Ärzte inclusive. Alkoholiker ist etwas ganz Schlimmes, mit dem man umgangssprachlich alles erklären kann, in Wirklichkeit aber eine enorme Tabuzone, exakt wie die verbotenen Drogen. Die ein Mediziner problemlos seiner Familie verschreiben kann, so ganz nebenbei. Ein gewisser Spiegel vermeldete vor Jahren, daß über ein Drittel der Ärztegattinnen tablettensüchtig ist. Traut er sich aber nicht mehr.

    Eigentlich ist die Geschichte nett erzählt, aber man fragt sich irgendwie nach dem Zweck. Nach den Laborbefunden ist nämlich eindeutig geklärt, ob es markante und eindeutige Leberveränderungen gibt. Außerdem hat der Patient sicher keinen Alkohol mehr in sich. Dann könnte man höchstens noch fragen, ob er sich schon Teile des Hirns herausgesoffen hat. Aber das dauert.

    Spinnen sind auf der Intensivstation etwa genau so häufig anzutreffen wie leichtbekleidete Liebesdienerinnen. Oder aufgeweckte Lebewesen.
    Spinnen sind auf Intensivstationen genau so oft anzutreffen wie in jedem anderen Raum der Fenster hat.
  6. #6

    Klarheit mit wenig Aufwand

    kann man sich schaffen, wenn man die Frage anders stellt: Nicht fragen: "Wieviel trinken Sie?" sondern: "Na, wieviel schaffen Sie denn, bis sie betrunken sind." Die Antworten von ein und demselben Individuum fallen je nach Frage ganz anders. Übrigens: Laborwerte sind geduldig. Keine erhöhte gamma-GT kann heißen, die Leber ist ok, aber auch: die Leber ist platt. Es werden keine Enzyme mehr gebildet. Eine recht gute Aussage bieten die absolute Größe der roten Blutkörperchen, die Blutgerinnung und die Einflussstauung in die Leber mit Bildung von Krampfadern im Magen und der Speiseröhre. Diese zeigen zusammen den Zustand des Betreffenden unabhängig davon, ob er in den letzten Wochen viel oder wenig oder keinen Alkohol getrunken hat.
  7. #7

    Aus genau diesem Grund wurde mein Tinnitus nie von Ärzten behandelt!

    Als ich etwa 19 Jahre alt war, wachte ich eines morgens mit Ohrenschmerzen und Wattegefühl im Ohr auf. Ich hörte auf einer Seite nichts mehr. Ich ging zur Hausärztin. Die meinte "Ich sehe nichts." und provokativ "na waren wir in der Disco?" Ich verneinte, denn ich war im ganzen Leben noch nie in einer Disco gewesen, denn ich bin einer dieser Leute, die von der Klasse als Streber beschimpft und gemobbed wurden. Ich galt als "uncool", trug nach Ansicht der anderen komische Klamotten und hatte überwiegend Umgang mit Leuten als älteren Jahrgangsstufen. Erst mit dem 30. Lebensjahr (immer noch an Tinnitus und sporadischen einschießenden Ohrenschmerzen leidend) besuchte ich das erste mal im Leben eine Discothek - aus Angst um meine Ohren mit Oropax.
    Bis zu meinem 23. Lebensjahr gab es nur noch einen weiteren Ärztespruch: "Wenn Sie nicht zur Bundeswehr wollen, müssen Sie sich was anderes einfallen lassen". Nach meinem Vordiplom wurde ich endlich "gezogen". Nach dem abgeleisteten Wehrdienst hieß es wieder "Na, wie oft waren wir denn in der Disco". Danach gab ich es auf, die Ohrenschmerzen und den Tinnitus ärztlich behandeln zu lassen. Inzwischen bin ich über 40 Jahre alt und ziehe aus mehr als 20 Jahren bewußter Erfahrung mit Ärzten folgendes Fazit: Ärzte können nur Erkrankungen sicher diagnostizieren, die so offensichtlich sind, dass sie auch jede Großmutter mit Ärztebuch sicher deuten kann.

    Erfahrungen bestätigen das. Ein Arbeitskollege leidet an Morbus Addison - erst als er bei der Arbeit zusammengebrochen ist erkannte der Notarzt die Flecken auf seinen Händen, die vorher keiner der von ihm besuchten Hausärzte gesehen haben wollte. Die attestierten ihm "burnout" und behandelten ihn psychosomatisch.

    Ärzte scheinen grundsätzlich alles, was keine deutlich sichtbaren Symptome hat oder mit unzpezifischen Allgemeinsymptomen beginnt als Patientenlüge oder psychosomatisch hinzustellen.

    Vielmehr ist es das Problem von vielen Ärzten, dass sie selbst krank sind. Sie leiden an einer Neurose. Und zwar an der "der-Patient-lügt"-Neurose. Davon betroffene Ärzte sollten sich vertrauensvoll an einen Therapeuten wenden.

    Oder spielt da nur das Sparregiment der Krankenkassen eine Rolle? Wenn man Patienten mit nicht visuell sichtbaren Symptomen oder unspezifischen Allgemeinsymptomen einfach lange genug hinhält, dann ist die auslösende Erkrankung vielleicht soweit fortgeschritten, dass eine Therapie nicht mehr hilft und man am Ende nur noch Sterbebegleitung leisten braucht.
  8. #8

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Alkoholikern glaubt man besser kein Wort. Wenigstens dann nicht, wenn es darum geht, wie viel sie trinken. <i>Dr. Reinhold Rippe</i> vertraut deshalb bei der Vorbereitung einer Operation lieber auf seine Erfahrung - zu Unrecht, wie sich herausstellt.

    Alkoholiker müssen vor einer Operation genau befragt werden - SPIEGEL ONLINE
    Ein wenig Kitsch am Morgen kann nicht schaden. Moral: es gibt Säufer, die manchmal die Wahrheit sagen. Das haut mich glatt um.
  9. #9

    offene Fenster sind ein Segen

    Zitat von miruwa Beitrag anzeigen
    Spinnen sind auf Intensivstationen genau so oft anzutreffen wie in jedem anderen Raum der Fenster hat.
    Es ist überaus unwahrscheinlich, daß in einer "modernen" Intensivstation natürliche Belüftung zugelassen ist, weil sich dadurch - nach Meinung der Spitzenhygieniker - die Anzahl der Mikroben im Raum vergrößern könnte. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, frische Luft verdünnt den Mikrobengehalt erheblich. Aber die Fenster kann man natürlicsh nicht aufmachen. Man verläßt sich stur auf die Bakterienvermehrung in den Lüftungsanlagen.


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