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Neulich im OP: Reale Visionen
CorbisAlkoholikern glaubt man besser kein Wort. Wenigstens dann nicht, wenn es darum geht, wie viel sie trinken. Dr. Reinhold Rippe vertraut deshalb bei der Vorbereitung einer Operation lieber auf seine Erfahrung - zu Unrecht, wie sich herausstellt.
http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...845909,00.html
- #20 12.08.2012 18:40 von
Aber bevor hier ein Laie sich erdreistet
"Aber bevor hier ein Laie sich erdreistet..." da spricht er wieder, der omnipotente GOTT im weißen Kittel.
"Natürlich gibt es auch bei Ärzten Riesenpfeifen..." in der Tat, wenn sie wüssten, wieviele Fehldiagnosen, "Nichtdiagnosen" und Quatschdiagnosen ich im laufe der letzten 11 Jahre, seit ich in Deutschland lebe, von Ihren Kollegen bekommen habe, dann würden Sie nicht so verallgemeinern. Aber, die eine Krähe hackt der anderen nicht die Augen aus.
In der Tat ist es das Beste "mal sein eigenes Leben aufzuräumen", sich mit Hilfe des Internets und dortigen Foren und Ratgebern schlau zu machen und dann Massnahmen nach eigenem Gutdünken vorzunehmen.
In meinem Falle war es u.a. mein eigenes Absetzen von Betablockern und Marcumar vor vielen Jahren. Ich wollte kein Chroniker sein. Aber daraufhin wurde mir eine Erklärung abverlangt (jaja, fehlende Compliance), dass der Kardiologe nicht an meinem Tod oder Stroke verantwortlich wäre.
Wie könnte er, ist er doch nicht Gott, auch wenn er sich im weissen Kittel so fühlt...:-)
Jedem älteren Patienten möchte ich hier noch sagen, hören Sie mit dem Tabak und dem Alkohol auf, essen Sie nicht mehr als 1200 kcal täglich und bewegen Sie sich eine Stunde täglich, dann verschwinden auch die meisten Krämpfe. - #21 12.08.2012 20:50 von
Merkwürdige Weltsicht!
Da glauben Sie aber an unserer Rechtsordnung weit vorbei! Natürlich dürfen sich Patienten Kritik an Ärzten erlauben - wir leben in einem freien Land. Es sei Ihnen also gesagt, was Sache ist: Der Patient hat selbstverständlich das Recht, sowohl seinen Arzt als auch auffallende Mißstände im Gesundheitswesen zu kritisieren. Gegen ehrabschneidende Kritik kann sich jedermann vor Gericht wehren, was nicht mit Rechtsmitteln angegriffen werden kann, muss ertragen werden. Das gilt AUSNAHMSLOS für alle!
- #22 12.08.2012 22:15 von
- #23 13.08.2012 00:16 von
So eine Geschichte kenn ich auch. In der Übergabe wurde mehrere Tage eine Patientin (im beginnenden Leberversagen) als verwirrt übergeben. "Pat. hört einen Kinderchor auf dem Stationsgang singen".
Irgendwann saß einer der Assistenzärzte dann beim Pflegepersonal, und sein Handy klingelte, und statt Klingeln ertönte ein Kinderchor. - #24 13.08.2012 07:28 von
Alle Ärzte sind unfehlbar
Dann habe ich aber auch noch etwas zu Ihrem "Alle Ärzte sind unfehlbar"-Gejammere. Ich empfehle Ihnen mal eine Weiterbildung zum Thema fehlende Compliance und die Ursache eben dafür! Die liegt in allermeisten Fällen blöderweise nämlich auf Seiten des Arztes. Ganz oft behebbar durch bessere Kommunikation. Das setzt u.a. voraus, dass der Arzt dem Patienten auch mal zuhört und vielleicht auch mal Dinge erklärt.
Wieso nur habe ich das Gefühl, dass ich damit Dinge anspreche, die sich nicht nur außerhalb Ihres Horizontes, sondern in ganz anderen Universen befinden? - #25 13.08.2012 07:41 von
Vertrauen auf die Erfahrung
Das mit dem Vertrauen in die eigene Erfahrung ist so eine Sache. Ein netter Begriff, der hier auch - trotz Schilderung des Fehlers - eine zu positive Note enthält.
Vertrauen in die Erfahrung und Intuition sind mit Sicherheit wichtige Elemente in der Alltagsarbeit eines Arztes. Der muss sich aber bewusst sein, dass er sich NIE darauf verlassen darf! Denn sonst wird aus Verlassen aus Erfahrung schnell ein Vorurteil! Der geschilderte Fall enthält eine ganze Reihe von Ansatzpunkten, bei denen der Arzt zwar stutzig wurde, aber anstatt sich dieses "Stutzen" als wachsamen Zustand zu erhalten, ist gleich mehrfach gegen den Patienten entschieden worden.
Das Ding hier hätte bös ins Auge gehen können!
Und es hätte höchst leicht vermieden werden können. Im Gipfel die Sache mit der Spinne! Ein einziger Blick, 1-2 Sekunden maximal!, hätten genügt. Viel weniger Zeit übrigens, als es gebraucht hat, dem Pfleger die Anweisungen zu geben.
Wie viele Patienten laufen falsch- oder nicht diagnostiziert herum wegen solcher Vor-Urteile? Wobei diese Vorurteile besonders bestimmte Patientengruppen treffen. Ältere Menschen gehören dazu -und ganz besonders psychisch Kranke! Da werden dann plötzlich Beschwerden, die der Patient schildert, nicht mehr ernst genommen oder vorschnell in die Ursachenkiste "Psycho" geschoben. Und ganz nebenbei der Patient auch noch entmündigend behandelt.
Hier besteht ganz erheblicher Schulungsbedarf. - #26 13.08.2012 08:33 von
solche Arbeitsweise hätte mich fast umgebracht...
[QUOTE=PARANRW;10732764]Es ist grotesk, mit welches Halbwissen und Stigmabelasteten Vorurteilen sehr viele Mediziner auf Patienten losgelassen werden. QUOTE]
Mir ging es wochenlang schlecht (müde, antriebslos, zu nichts mehr fähig - heute oft als Burn-out falsch-diagnostiziert)
Besuch bei der Hausärztin, Blutwerte und der Kommentar der Ärztin "trinken Sie mal nicht so viel"
Nun lag mein Alkoholkonsum unter dem, was Alkoholismus ausmacht - und dann dieser Kommentar.
Befunde eingepackt, zu einem Allgemeinarzt in München:
Dort wurde eine sofortige Vorstellung beim Internisten angeordnet.
Ergebnis dort:Hämatomachrose, Eisenkrankheit
ohne Behandlung hätte ich noch weniger als einen Monat zu leben... - #27 13.08.2012 10:31 von
Der Patient hat immer Recht...
... hat mein erster Chef immer gesagt. Und tatsächlich habe ich als Internist in gut 15 Jahren ärztlicher Tätigkeit gelernt, mich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und solchen wie im Artikel geschilderten Vorurteilen zu widerstehen.
Die Geschichte in diesem Artikel sollte uns Ärzten nett den Spiegel vorhalten. - Wir sollten durchaus mal selbstkritisch reinschauen und hinterfragen, wann wir das letzt mal einem solchen Vorurteil erlegen sind.
Keiner kann sich davon frei machen.
Die Vielzahl der Arztkontakte in einer Praxis führt zu kurzen Gesprächen, die oft zu oberflächlich bleiben. Dann passieren die in den Leserbriefen geschilderten Fehldiagnosen.
Ich rufe daher z.B. nach dem Notdienst immer die Patienten noch mal an, bei denen ich mir nicht sicher war, in welche Richtung es genau ging. Und auch von den Patienten, bei denen ich mir sicher war, rufe ich eine Stichprobe mit Abstand an. Das ergibt immer wieder mal eine Überraschung auf beiden Seiten der Leitung und erhält die Bescheidenheit und Demut, die man als Arzt gut gebrauchen kann, um möglichst wenig falsch zu machen.
Natürlich wird man als Arzt auch mal angeflunkert (TOP-Flunkerei: "Ich ess nur wie ein Vogel..."), aber es bleibt dabei, was mein erster Chef immer sagte: Der Patient hat immer Recht... - #28 14.08.2012 07:26 von
Ich mußte doch in mich hinein lachen, da dieser Artikel durchaus die Realität beschreibt.
Arbeite selber als Krankenschwester und versorge Patienten nach Herz-OP. Man muß wissen, dass nach einer Herz-OP das sogenannte Durchgangssyndrom eine beliebt, berüchtigte Nebenwirkung bei den Patienten ist. Gründe: Alter der Patienten, die lange Narkose, Herz-Lungenmaschine, Vorerkrankungen, aber auch Faktoren wie Alkohol- und Nikotinkonsum. Bei den betroffenen Patienten reagieren die einen mit nur leichten Halluzinationen und sind sich dessen bewußt, dass sie halluzinieren. Die anderen sind nicht selten im schweren "Durchgang": verwirrt und desorientiert, tagelang. Da erlebt man bunte Sachen, Spinnen sind da harmlos.
Natürlich ist es schlimm, wenn einem Patienten nicht geglaubt wird und es widerspricht der patientenbezogenen Arbeit.
Doch wie sieht die Arbeit im Krankenhaus aus? Bei Ärzten und beim Pflegepersonal? Die hohe Patientendurchmarschzahl und die Leistungen, die von einem verlangt werden, bei geringer Personalausstattung, benötigen schnelle Entscheidungsfindungen. Und was macht mensch, wenn er keine Zeit zum Entscheiden hat? Er guckt in seinen Erfahrungsschatz und kategorisiert. Traurig, wenn es um Menschenleben geht, aber wahr in der Realität des Krankenhausalltages.
Wenn ein Patient mir gegenüber Spinnen oder Ameisen erwähnt, frage ich eigentlich immer: wie viele denn? Bei der Antwort: dort, eine Spinne! gucke ich nach. Bei der Antwort: uhh, die ganze Wand ist voll, die ist schon schwarz! sage ich dem Arzt bescheid und bereite Haloperidol vor (hat übrigens nichts mit "abdopen" zu tun, sondern soll dem Patienten in seinem Durchgangssyndrom helfen) - #29 18.12.2012 09:00 von
Halluzinationen als Folge der Narkose
sind doch bekannt.
Habe mal meinen Vater nach einer OP besucht.
Er erzählte mir ständig was von einem Reh vor dem Fenster. Da war aber nix. Etwas später fand ich heraus, dass er glaubte in einer anderen, früher erlebten Situation, zu sein, wo es dieses Reh gab.
Der Arzt erklärte mir, dass so etwas, gerade bei alten Menschen, normal sei und nach einer Weile vorübergehen werde.
Mein Vater hatte im Jahr höchsten 3 - 4 l Wein getrunken. Also kann das nicht der Grund gewesen sein.
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