Zitat von
socrateased
Das klingt zwar lustig, ist aber in der pauschalen Formulierung schlicht sachlich falsch.
1) Gesundes Farbensehen: Trichromasie (alle drei Farbrezeptortypen voll funktionsfähig, drei vollständig nutzbare Komplementär-Farbachsen)
-> > 90 % in heute lebenden Bevölkerungen
2) Sehr leicht bis leicht eingeschränktes Farbensehen: Chromatanomalie (Enzymmangel eines Farbrezeptortyps; Farbachsen Rot-Grün & Blau-Gelb, Farberkennung fehlerhaft in schlechten Licht- und Kontrastverhältnissen oder sehr schwacher Farbpigmentsättigung -> Unterschiede zw. Pastellfarben, Farb-Erkennungs- und Unterscheidungsfehler in Ishihara-Tafeln, oder im Gegenlicht, beim Tauchen, bei "Nachtblindheit" usw.)
-> ca. 60 - 80 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen
3) Deutlich eingeschränktes Farbensehen: Dichromasie (ein Farbrezeptortyp nur sehr schwach funktionsfähig oder ganz dysfunktional bzw. abwesend, ansonsten "farbgesund", hier werden einzelne Komplementär-Farbpaare "verwechselt")
-> ca. 5 - 15 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen
-> gemessen an Gesamtbevölkerung ca. 1 - 1,5 % Häufigkeit
4) Sehr stark eingeschränktes Farbensehen: Monochromasie (nur ein Farbrezeptortyp bzw. eine Farbachse funktionsfähig, der Rest kaum oder gar nicht)
-> ca. 1 - 3 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen
5) Komplett fehlendes Farbensehen: Perfekte Achromasie (Betroffene haben nur Hell-Dunkel-Rezeptoren = Stäbchen, aber keine Farbrezeptoren =Zapfen)
-> diese völlige Farbenblindheit kommt beim Menschen außerordentlich selten vor und geht meist mit anderen, sehr schweren genetischen Erkrankungen einher (Neuralentwicklung)
(obige Zahlenangaben können zur Zeit nur geschätzt bzw. hochgerechnet werden, da bisher niemals die gesamte Weltbevölkerung über einen längeren Zeitraum vollständig untersucht wurde). Genetische Mutationen für die einzelnen Achsen-Fehlsichtigkeiten sind in der Physiologie sehr gut beschrieben. Das Verhältnis der einzelnen Farbfehlsichtigkeitsarten zwischen Männern und Frauen: ca. 10:1.
Einschränkungen der Wahrnehmung einzelner Farbachsen gibt es in drei Untergruppen nach Zapfentype und Lichtfrequenz im durch Menschen verläßlich wahrnehmbaren Lichtspektrum:
- Kürzere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
Spektralzone: Nah-Ultraviolett/Blaubereich -> Absorptionsmax. "Blauviolett"
Frühere Bezeichnung: T-Zapfen -> Farbstörungstyp "Tritanopie"
Neuere Bezeichnung: S-Zapfen ("S" für "short wavelength")
- Mittlere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
Spektralzone: Blau/Orangebereich -> Absorptionsmax. "Smaragdgrün"
Frühere Bezeichnung: D-Zapfen -> "Deuteranopie"
Neuere Bezeichnung: M-Zapfen ("M" für "medium wavelength")
- Längere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
Spektralzone: Rot/Nah-Infrarotbereich -> Absorptionsmax. "Rot"
Frühere Bezeichnung: P-Zapfen -> "Protanopie"
Neuere Bezeichnung: L-Zapfen ("L" für "long wavelength")
Viele Grüße, stets fröhliche Ampeln, und danke für ihren durchaus erheiternden Artikel.