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Neues Punktesystem in Flensburg: Bitte auch "Brumm-Brumm" machen!

"Revolution in Flensburg!", hieß es, als Verkehrsminister Peter Ramsauer seine Reform der Auto-Sünderdatei vorstellte. Sein "Punkte-Tacho" führt den Delinquenten bald in allen Ampelfarben vor Augen, wann sie ihren Lappen abgeben müssen. Nur: Was sollen die Rot-Grün-Blinden damit anfangen?

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...818950,00.html
  1. #1

    Brumm-Brumm, auf zum Regenbogen!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    (Artikelzitat, vorletzter Absatz) (..)Die Rot-Grün-Blindheit. Vor allem Männer leiden unter dieser Fehlsichtigkeit. Sie können die Farben einfach nicht erkennen. Etwa 9 Prozent aller Männer können einen grünen Apfel nicht von einem roten unterscheiden, genau wie das rote vom grünen Ampellicht.(..)
    Das klingt zwar lustig, ist aber in der pauschalen Formulierung schlicht sachlich falsch.


    1) Gesundes Farbensehen: Trichromasie (alle drei Farbrezeptortypen voll funktionsfähig, drei vollständig nutzbare Komplementär-Farbachsen)

    -> > 90 % in heute lebenden Bevölkerungen

    2) Sehr leicht bis leicht eingeschränktes Farbensehen: Chromatanomalie (Enzymmangel eines Farbrezeptortyps; Farbachsen Rot-Grün & Blau-Gelb, Farberkennung fehlerhaft in schlechten Licht- und Kontrastverhältnissen oder sehr schwacher Farbpigmentsättigung -> Unterschiede zw. Pastellfarben, Farb-Erkennungs- und Unterscheidungsfehler in Ishihara-Tafeln, oder im Gegenlicht, beim Tauchen, bei "Nachtblindheit" usw.)

    -> ca. 60 - 80 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen

    3) Deutlich eingeschränktes Farbensehen: Dichromasie (ein Farbrezeptortyp nur sehr schwach funktionsfähig oder ganz dysfunktional bzw. abwesend, ansonsten "farbgesund", hier werden einzelne Komplementär-Farbpaare "verwechselt")

    -> ca. 5 - 15 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen
    -> gemessen an Gesamtbevölkerung ca. 1 - 1,5 % Häufigkeit

    4) Sehr stark eingeschränktes Farbensehen: Monochromasie (nur ein Farbrezeptortyp bzw. eine Farbachse funktionsfähig, der Rest kaum oder gar nicht)

    -> ca. 1 - 3 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen

    5) Komplett fehlendes Farbensehen: Perfekte Achromasie (Betroffene haben nur Hell-Dunkel-Rezeptoren = Stäbchen, aber keine Farbrezeptoren =Zapfen)

    -> diese völlige Farbenblindheit kommt beim Menschen außerordentlich selten vor und geht meist mit anderen, sehr schweren genetischen Erkrankungen einher (Neuralentwicklung)

    (obige Zahlenangaben können zur Zeit nur geschätzt bzw. hochgerechnet werden, da bisher niemals die gesamte Weltbevölkerung über einen längeren Zeitraum vollständig untersucht wurde). Genetische Mutationen für die einzelnen Achsen-Fehlsichtigkeiten sind in der Physiologie sehr gut beschrieben. Das Verhältnis der einzelnen Farbfehlsichtigkeitsarten zwischen Männern und Frauen: ca. 10:1.

    Einschränkungen der Wahrnehmung einzelner Farbachsen gibt es in drei Untergruppen nach Zapfentype und Lichtfrequenz im durch Menschen verläßlich wahrnehmbaren Lichtspektrum:

    - Kürzere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
    Spektralzone: Nah-Ultraviolett/Blaubereich -> Absorptionsmax. "Blauviolett"
    Frühere Bezeichnung: T-Zapfen -> Farbstörungstyp "Tritanopie"
    Neuere Bezeichnung: S-Zapfen ("S" für "short wavelength")

    - Mittlere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
    Spektralzone: Blau/Orangebereich -> Absorptionsmax. "Smaragdgrün"
    Frühere Bezeichnung: D-Zapfen -> "Deuteranopie"
    Neuere Bezeichnung: M-Zapfen ("M" für "medium wavelength")

    - Längere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
    Spektralzone: Rot/Nah-Infrarotbereich -> Absorptionsmax. "Rot"
    Frühere Bezeichnung: P-Zapfen -> "Protanopie"
    Neuere Bezeichnung: L-Zapfen ("L" für "long wavelength")

    Viele Grüße, stets fröhliche Ampeln, und danke für ihren durchaus erheiternden Artikel.
  2. #2

    Die Rot-Grün-Blindheit. Vor allem Männer leiden unter dieser Fehlsichtigkeit. Sie können die Farben einfach nicht erkennen. Etwa 9 Prozent aller Männer können einen grünen Apfel nicht von einem roten unterscheiden, genau wie das rote vom grünen Ampellicht. Sie müssen gucken, auf welchem Täfelchen das Licht leuchtet.
    LOL - Nach den mir bekannten Statisiken sind die Rotlichtverstöße bei Frauen häufiger als bei den Männern. Das kommt dann wohl daher dass die meisten clever genug sind um zu sehen auf welchen Täfelchen das Licht leuchtet......
  3. #3

    Den Individualverkehr abschaffen!

    Ein Gegenentwurf.
    Es wäre aus ökologischen, sozialen, psychologischen u. auch volkswirtschaftl. Gründen durchaus sinnvoll, den Individualverkehr abzuschaffen, oder ihn doch zumindest so massiv einzugrenzen, daß er von selbst erstirbt. Mal abgesehen von dem gängigen, mantrenartig nachgestammelten Argument, er sichere Arbeitsplätze (was nicht mal zweifelsfrei aufrechterhalten werden kann, bei näherer Betrachtung zumindest), müssen alle negativen Nebeneffekte wertfrei erörtert u. berechnet seinem scheinbaren - in erster Linie wirtschaftslobbyistischen Nutzen - unvoreingenommen gegenübergestellt werden. Da ergibt sich für vernünftig denkende Menschen schnell die Erkenntnis: der Individualverkehr ist nicht mehr zeitgemäß u. dementsprechend obsolet geworden, u. rechnet sich auch volkswirtschaftl. nicht, da er mehr Kosten verursacht, als er Erträge einbringt. Er dient nur einer Bedürfnisscheinbefriedigung - eben dem Wunsch nach erlebbarem Individualismus, wodurch er einem psychoaktiven Suchtmittel gleichzusetzen ist.
    Derart - für einen "Mann von altem Schrot u. Korn" wie Hr. Ramsauer - ketzerisch erscheindende Gedanken dürfen natürl. erst gar keine öffentl. Beachtung finden. Die Autolobby würde es ihm auch übel verdenken. Lieber vergeht sich der Traditionalist in Sinnlos-Projekten wie das Straßennetz völlig überfordernde Gigaliner oder versteigert sein ohnehin begrenzt entwickeltes geistiges Potential in blindem Aktionismus wie der angesprochenen Neuregellung des Flensburger Systems, dessen Unsinnigkeit die journalistische Mühe nicht lohnt.
    Eine moderne, zukunftsorientierte, aufs Gemeinwohl u. die Ressourcenschonung bedachte sozialistische Verkehrspolitik müßte sich intensiv um stetigen Abtrieb des individuellen PKW-Verkehrs bemühen, u. die daraus frei werden finanziellen Ressourcen in evoutionär-progressiver Wirtschaftspolitik anderweitig investieren, nämlich in die Genese wirkl. Zukunftsindustrien.
    Der PKW hat längst ausgedient, weil zu gesamtwirtschaftl. betrachtet zu kostenintensiv, zu umweltverschleißend, ressourcenvergeudend, den persönl. überzüchteten Individualismus einseitig fördernd, u. auch von der inneren Logik her völlig unsinnig. Jedes Kind begreift es - nur der eselige Machismo -- maskulin w. feminin - nicht. Schiene statt Straße. U-Bahn statt Straßenbahn. TGV statt Flugzeug. Rollbänder bzw. elektr. Kleinfahrzeuge statt PKW!
  4. #4

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Revolution in Flensburg!", hieß es, als Verkehrsminister Peter Ramsauer seine Reform der Auto-Sünderdatei vorstellte. Sein "Punkte-Tacho" führt den Delinquenten bald in allen Ampelfarben vor Augen, wann sie ihren Lappen abgeben müssen. Nur: Was sollen die Rot-Grün-Blinden damit anfangen?

    Neues Punktesystem in Flensburg: Bitte auch "Brumm, Brumm" machen! - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Frau Burmester hat es auf den Punkt gebracht, dieses neue Punktesystem ist sinnloser Aktionismus, von Ramsauer angezettelt, um öffentlichkeitswirksame Effekte zu erhaschen.
  5. #5

    Zitat von gregtejero Beitrag anzeigen
    Der PKW hat längst ausgedient, weil zu gesamtwirtschaftl. betrachtet zu kostenintensiv, zu umweltverschleißend, ressourcenvergeudend, den persönl. überzüchteten Individualismus einseitig fördernd, u. auch von der inneren Logik her völlig unsinnig.
    Schaffen Sie einen Entwurf für den ÖPNV der den persönl. überzüchteten Individualismus einiger Mitfahrer unterdrückt, dann können wir weiterreden. Solange jeder Assi (auch wenn es nur wenige sind) zu mir ins öffentliche Verkehrsmittel steigen darf, bleibt es zweite Wahl ggü dem Pkw.
  6. #6

    Wählen Sie LINKS!

    Zitat von ditor Beitrag anzeigen
    Schaffen Sie einen Entwurf für den ÖPNV der den persönl. überzüchteten Individualismus einiger Mitfahrer unterdrückt, dann können wir weiterreden. Solange jeder Assi (auch wenn es nur wenige sind) zu mir ins öffentliche Verkehrsmittel steigen darf, bleibt es zweite Wahl ggü dem Pkw.
    Wählen Sie bitte LINKS, denn die Partei steht ein für eine Rekommunalisierung u. Deprivatisierung des öffentl. Sektors sowie für eine Reorganisation des Bankensektors u. Erhebung von Finanzmarkt-steuer bzw. -abgabe. Dann könnten - prophylakt. Antwort auf die Frage: "woher käme das Geld?" - Arbeitslose z. B. zu qualifiz. Personal eines öffentl. Sicherheitsdienstes umgeschult u. beschäftigt werden. Die Bekämpfung des - durch hyperamerikanisierte Privat-Medien verschärften - Trends zur Sinnentleerung und Sittenverluderung sind ja auch im sozialistischen Sinne (der Norm ((der Werte)).
    Kleine Randbemerkung noch: es heißt "Asi", Kurzwort für "Asozialer", heute besser "Dissozialer" genannt (nach R. D. Precht), u. "Assi", Kurzwort für Assistent. Zeiten ändern dich:-).

    Ein ganz kühner Zukunftsentwurf mutiger Verkehrsarchitekten - vielleicht noch sehr futurologisch anmutend - besteht darin, den Straßenverkehr eines Tags weitestgehend abzuschaffen u. auf den freiwerdenden Straßen Rollbänder, wie man sie vom Flughafen her kennt, zu installieren.
  7. #7

    none

    Zitat von socrateased Beitrag anzeigen
    ("L" für "long wavelength")

    Viele Grüße, stets fröhliche Ampeln, und danke für ihren durchaus erheiternden Artikel.
    Toll erklärt. "Wavelength" kenn ich nur von meinem Synthesizer:-)
  8. #8

    Zitat von gregtejero Beitrag anzeigen
    Ein Gegenentwurf.
    Es wäre aus ökologischen, sozialen, psychologischen u. auch volkswirtschaftl. Gründen durchaus sinnvoll, den Individualverkehr abzuschaffen, oder ihn doch zumindest so massiv einzugrenzen, daß er von selbst erstirbt.
    Ein schönes Statement für die ERD (Eierfreie Republik Deutschland). Individualität gibt es nicht, Individualverkehr schon gar nicht und Lebensäußerungen vom tiefen Einatmen an aufwärts muß man sich von einer Öko- und Vernunftbehörde genehmigen lassen.

    Das bringt mich auf den Gedanken des Auswanderns, und zwar nicht ich, sondern Sie. Es gibt noch genügend Diktaturen auf der Erde, die gute Gängelungsvorschläge aus dem diktaturerfahrenen Deutschland zu schätzen wissen. Und wie man die Indivualität abschafft, gehört da sicher zu den ganz besonders interessanten Topoi.
  9. #9

    Zitat von socrateased Beitrag anzeigen
    Das klingt zwar lustig, ist aber in der pauschalen Formulierung schlicht sachlich falsch.
    1) Gesundes Farbensehen: Trichromasie (alle drei Farbrezeptortypen voll funktionsfähig, drei vollständig nutzbare Komplementär-Farbachsen)

    -> > 90 % in heute lebenden Bevölkerungen

    2) Sehr leicht bis leicht eingeschränktes Farbensehen: Chromatanomalie (Enzymmangel eines Farbrezeptortyps; Farbachsen Rot-Grün & Blau-Gelb, Farberkennung fehlerhaft in schlechten Licht- und Kontrastverhältnissen oder sehr schwacher Farbpigmentsättigung -> Unterschiede zw. Pastellfarben, Farb-Erkennungs- und Unterscheidungsfehler in Ishihara-Tafeln, oder im Gegenlicht, beim Tauchen, bei "Nachtblindheit" usw.)

    -> ca. 60 - 80 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen

    3) Deutlich eingeschränktes Farbensehen: Dichromasie (ein Farbrezeptortyp nur sehr schwach funktionsfähig oder ganz dysfunktional bzw. abwesend, ansonsten "farbgesund", hier werden einzelne Komplementär-Farbpaare "verwechselt")

    -> ca. 5 - 15 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen
    -> gemessen an Gesamtbevölkerung ca. 1 - 1,5 % Häufigkeit

    4) Sehr stark eingeschränktes Farbensehen: Monochromasie (nur ein Farbrezeptortyp bzw. eine Farbachse funktionsfähig, der Rest kaum oder gar nicht)

    -> ca. 1 - 3 % der von irgendeiner Farbfehlsichtigkeit Betroffenen

    5) Komplett fehlendes Farbensehen: Perfekte Achromasie (Betroffene haben nur Hell-Dunkel-Rezeptoren = Stäbchen, aber keine Farbrezeptoren =Zapfen)

    -> diese völlige Farbenblindheit kommt beim Menschen außerordentlich selten vor und geht meist mit anderen, sehr schweren genetischen Erkrankungen einher (Neuralentwicklung)

    (obige Zahlenangaben können zur Zeit nur geschätzt bzw. hochgerechnet werden, da bisher niemals die gesamte Weltbevölkerung über einen längeren Zeitraum vollständig untersucht wurde). Genetische Mutationen für die einzelnen Achsen-Fehlsichtigkeiten sind in der Physiologie sehr gut beschrieben. Das Verhältnis der einzelnen Farbfehlsichtigkeitsarten zwischen Männern und Frauen: ca. 10:1.

    Einschränkungen der Wahrnehmung einzelner Farbachsen gibt es in drei Untergruppen nach Zapfentype und Lichtfrequenz im durch Menschen verläßlich wahrnehmbaren Lichtspektrum:

    - Kürzere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
    Spektralzone: Nah-Ultraviolett/Blaubereich -> Absorptionsmax. "Blauviolett"
    Frühere Bezeichnung: T-Zapfen -> Farbstörungstyp "Tritanopie"
    Neuere Bezeichnung: S-Zapfen ("S" für "short wavelength")

    - Mittlere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
    Spektralzone: Blau/Orangebereich -> Absorptionsmax. "Smaragdgrün"
    Frühere Bezeichnung: D-Zapfen -> "Deuteranopie"
    Neuere Bezeichnung: M-Zapfen ("M" für "medium wavelength")

    - Längere Wellenlängen von Licht im sichtbaren Bereich:
    Spektralzone: Rot/Nah-Infrarotbereich -> Absorptionsmax. "Rot"
    Frühere Bezeichnung: P-Zapfen -> "Protanopie"
    Neuere Bezeichnung: L-Zapfen ("L" für "long wavelength")

    Viele Grüße, stets fröhliche Ampeln, und danke für ihren durchaus erheiternden Artikel.








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