Forum


 

Neuer "Wichmann"-Film: Das muss wohl Liebe sein

Andreas DresenErst mit Senioren ein Käffchen trinken, danach weiter zum Schreiadler: Henryk Wichmann bestellt den kargen Acker der Brandenburger Politik. Der Film "Herr Wichmann aus der dritten Reihe" könnte den Abgeordneten lächerlich machen. Doch er zeigt einen Helden des Politiker-Alltags mit viel Herz.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,854072,00.html
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erst mit Senioren ein Käffchen trinken, danach weiter zum Schreiadler: Henryk Wichmann bestellt den kargen Acker der Brandenburger Politik. Der Film "Herr Wichmann aus der dritten Reihe" könnte den Abgeordneten lächerlich machen. Doch er zeigt einen Helden des Politiker-Alltags mit viel Herz.

    Herr Wichmann aus der dritten Reihe von Andreas Dresen - SPIEGEL ONLINE
    Also sorry, ich hab´den Film gesehen, aber für mich war das nichts weiter als ein Imagefilm!
    Kaum ein Kommentar von Herrn Wichmann war für mein Verständniss nicht als vesteckter Seitenhieb gegen den politischen Gegner zu verstehen (Bis hin zu auf die SPD bezogene Kommentare wie "Da kommen die Kommunisten"), der Nabu wurde für meinen Eindruck fast ausnahmslos lächerlich gemacht und Herr Wichmann wurde dem Zuschauer 1 Std. 33 Min als bürgernaher Omiflüsterer verkauft.

    Nicht zu fassen, dass der Regisseur von "Sommer vorm Balkon" sich für eine derart billige Partei-Werbung (für mich jedenfalls war das nichts anderes) hat instrumentalisieren lassen. Das liesse sich meiner Ansicht nach nur mit einer gehörigen Portion Naivität entschuldigen!
    Umso ärgerlicher wenn für solch eine einseitige Dokumentation Filmfördergelder geflossen sein sollten!
  2. #2

    Abstand vom Politischen

    Zitat von klotzkopf Beitrag anzeigen
    Also sorry, ich hab´den Film gesehen, aber für mich war das nichts weiter als ein Imagefilm!
    Kaum ein Kommentar von Herrn Wichmann war für mein Verständniss nicht als vesteckter Seitenhieb gegen den politischen Gegner zu verstehen (Bis hin zu auf die SPD bezogene Kommentare wie "Da kommen die Kommunisten"), der Nabu wurde für meinen Eindruck fast ausnahmslos lächerlich gemacht und Herr Wichmann wurde dem Zuschauer 1 Std. 33 Min als bürgernaher Omiflüsterer verkauft.

    Nicht zu fassen, dass der Regisseur von "Sommer vorm Balkon" sich für eine derart billige Partei-Werbung (für mich jedenfalls war das nichts anderes) hat instrumentalisieren lassen. Das liesse sich meiner Ansicht nach nur mit einer gehörigen Portion Naivität entschuldigen!
    Umso ärgerlicher wenn für solch eine einseitige Dokumentation Filmfördergelder geflossen sein sollten!
    Ist ihnen schon einmal in den Sinn gekommen, dass dies vielleicht nicht die persöhnliche Meinung des Regissers widerspiegelt, dass vielleicht ganz im Gegenteil bewusst solche Äußerungen unkommentiert und damit unverfälscht und "echt" im Film enthalten blieben, damit die Figur Wichmann sich dem Zuschauer besser erschließt, damit er einfach authentisch wirkt.

    Ihnen ist Herr Wichmann unsympatisch, aber wenn der Regisseur diese Szenen nicht gezeigt hätte, dann könnte er ihnen gar nicht so unsympatisch sein.

    Der Film funktioniert nur mit der nötigen (auch und gerade politischen) Distanz. Ob CDU oder SPD spielt hier eigentlich keine Rolle, es geht um die langsam mahlenden Mühlen der Ortsverbandspolitik in der Peripherie, und die zeigt der Film sehr eindringlich.
  3. #3

    Zitat von Masumania Beitrag anzeigen
    Ist ihnen schon einmal in den Sinn gekommen, dass dies vielleicht nicht die persöhnliche Meinung des Regissers widerspiegelt, dass vielleicht ganz im Gegenteil bewusst solche Äußerungen unkommentiert und damit unverfälscht und "echt" im Film enthalten blieben, damit die Figur Wichmann sich dem Zuschauer besser erschließt, damit er einfach authentisch wirkt.
    Ach so, Herr Wichmann lästert also fröhlich, ungehemmt und durchgehend über den politischen Gegner oder Nabu ins Mikro am Revers- und in im Gespräch mit dem Bürger ab, und das nennt man dann heutzutage "nicht politisch" und "authentisch" oder wie?

    Zitat von Masumania Beitrag anzeigen
    Ihnen ist Herr Wichmann unsympatisch, aber wenn der Regisseur diese Szenen nicht gezeigt hätte, dann könnte er ihnen gar nicht so unsympatisch sein.
    Herr Wichmann ist mir unsypatisch, weil er sich mir im Film so dargestellt hat, dass er sich zwar auf den ersten Blick freundlich und bürgernah gegeben hat - ich ihn dabei aber kontinuierlich stichelnd und "Parteipolitik-machend" erlebt habe.
    Immer so nach dem Motto:
    "Waaaaaaaaaaaas? Soooo schlecht ist die SPD Regierung also mit Ihnen umgesprungen? Sie armer, armer Bürger, Sie!":
    Aber ich denke nicht, dass es der Film darauf anlegt, dies zu verdeutlichen. Ich vermute, Herr Wichmann gibt sich darin viel unschuldiger und unbedarfter als er ist!
    Zitat von Masumania Beitrag anzeigen
    Der Film funktioniert nur mit der nötigen (auch und gerade politischen) Distanz. Ob CDU oder SPD spielt hier eigentlich keine Rolle, es geht um die langsam mahlenden Mühlen der Ortsverbandspolitik in der Peripherie, und die zeigt der Film sehr eindringlich.
    Für mich ist der Film astreine Parteipolitik - Ich halte dem Regisseur wie gesagt nur zugute, dass er eventuell zu gutmütig gewesen ist, um zu bemerken, das er politisch instrumentalisiert wurde!
    Aber um das noch mal zu verdeutlichen: Ich fande es schon reichlich ärgerlich wenn dafür auch noch Fördergelder geflossen sein sollten!
  4. #4

    Von Klotzköpfen und anderen Kleingeistern

    Dem Regisseur zu unterstellen, er habe sich parteipolitisch instrumentalisieren lassen, ist schon ziemlich hanebüchen. Vielleicht mal den ersten Film von Dresen über seinen Protagonisten ("Herr Wichmann von der CDU") als zusätzliche Verständnishilfe anschauen. Der verständige Zuschauer fragt hingegen (mit einem Schmunzeln im Gesicht): was hat sich die CDU wohl damals dabei gedacht, als sie Dresens Projektvorhaben 2002 zugestimmt hat?
  5. #5

    Zitat von klotzkopf Beitrag anzeigen
    Ach so, Herr Wichmann lästert also fröhlich, ungehemmt und durchgehend über den politischen Gegner oder Nabu ins Mikro am Revers- und in im Gespräch mit dem Bürger ab, und das nennt man dann heutzutage "nicht politisch" und "authentisch" oder wie?
    Herr Wichmann ist mir unsypatisch, weil er sich mir im Film so dargestellt hat, dass er sich zwar auf den ersten Blick freundlich und bürgernah gegeben hat - ich ihn dabei aber kontinuierlich stichelnd und "Parteipolitik-machend" erlebt habe.
    Immer so nach dem Motto:
    "Waaaaaaaaaaaas? Soooo schlecht ist die SPD Regierung also mit Ihnen umgesprungen? Sie armer, armer Bürger, Sie!":
    Aber ich denke nicht, dass es der Film darauf anlegt, dies zu verdeutlichen. Ich vermute, Herr Wichmann gibt sich darin viel unschuldiger und unbedarfter als er ist!


    Für mich ist der Film astreine Parteipolitik - Ich halte dem Regisseur wie gesagt nur zugute, dass er eventuell zu gutmütig gewesen ist, um zu bemerken, das er politisch instrumentalisiert wurde!
    Aber um das noch mal zu verdeutlichen: Ich fande es schon reichlich ärgerlich wenn dafür auch noch Fördergelder geflossen sein sollten!
    Ich habe den Film gerade gesehen -- da ist kaum was "parteipolitisches" drin. Wichmann äußert sich mehrmals positiv zu SPD- und Linkspartei-Politikern, er sagt, dass er mit vielen von denen konstruktiv zusammenarbeitet, im Verlauf des Films kommt es auch zu einer Gesetzesänderung, an der Wichmann mitwirkt und nach deren Abschluss er den zuständigen Minister lobt als Mann, mit dem man konstruktiv zusammenarbeiten kann.

    Und was den NABU betrifft -- der fordert in dem Film, einen Radweg nicht zu bauen, weil dadurch angeblich Schreiadler beim Brüten behindert werden. Und das obwohl ein paar Meter weiter bereits eine Autobahn durch das Gebiet durchläuft. Der NABU vertritt hier -- um es mal ganz klar zu sagen -- eine absolute Extremposition, eine ideologische Partikularinteresse, die sonst niemand in dem Film teilt. Sie können nunmal nicht erwarten, dass ausgerechnet ein CDU-Mann dem NABU da nicht widerspricht.

    Der Regisseur wollte einen Film machen, der den Alltag eines Landtagsmitglieds zeigt. Da es keine partei- und interessenlosen Landtagsmitglieder gibt, landet man bei sowas halt in irgendeiner politischen Richtung. Wenn der Film einen Linkspartei-Politiker porträtieren würde, würden Sie dann auch sagen, dass sei "Parteipolitik"? Auch Platzeck kommt in dem Film mehrmals zu Wort, u.a. bei einem Schulbesuch, wo der mit den Schülern durchaus eingängig und konstruktiv die Vorzüge der parlamentarischen Demokratie diskutiert. Und sowas ist verdammt wichtig, gerade in der politikverdrossenen brandenburgischen Provinz, wo bloß noch 40% wählen gehen und nicht wenige sich die DDR zurückwünschen. Da ist jeder Euro Fördergeld gut angelegt.


TOP



TOP