DPAVorfahrt für Bikes: Verkehrsminister Peter Ramsauer will den Fahrradverkehr ausweiten. In Städten sei das Rad schon ein "Statusobjekt", künftig soll es anderen Verkehrsmitteln gleichgestellt werden.
http://www.spiegel.de/politik/deutsc...836680,00.html
Also mir fallen da schon ein paar Punkte ein:
1. Man ist als Fahrradfahrer schneller, wenn es einen Fahrradstreifen gibt. Gerade im Berufsverkehr stauen sich Autos oft. An denen kann man auf dem Radstreifen wunderbar und sicher rechts vorbei fahren.
2. Man hat einen garantierten Mindestabstand wenn man von Autos oder LKWs überholt wird. Bei gemischtem Verkehr hat man den gesetzlich zwar auch, aber faktisch wird man immer wieder mit nur wenigen Zentimetern Abstand überholt. Weiße Linien auf der Straße werden interessanterweise mher respektiert als radelnde Menschen.
3. Eine Trennung von Rad- und Autoverkehr bedeutet auch für Busse und Autos schnellere Fahrt, da sie nicht hinter langsameren Radfahrern hinterherfahren müssen. Das ist im Grunde das selbe Prinzip, das auch auf der Autobahn funktioniert: Wer langsamer ist fährt rechts, wer schneller ist links, und alle kommen gut voran.
4. Ich persönlich finde Fahren auf Radstreifen deutlich unstressiger. Beim Fahren auf der Straße muss ich dauernd wachsam sein, welches Auto sich gerade wieder von hinten "anschleicht", um zu überholen. Auf dem Radweg werde ich viel seltener überholt, da ich das gleiche Verkehrsmittel nutze wie die anderen Verkehrsteilnehmer auf meiner Spur.
siehe mein Beitrag von eben. Gemischte Fahrbahnen Auto/Rad sind für mich eine schlechtere Lösung als breite Radspuren nur für Radfahrer. Und "Highways" sind Autospuren höchst selten. Zumeist herrscht dort "zähflüssiger Verkehr" von deutlich unter 20 km/h. (Erfahrung aus Berlin und Stockholm, in anderen Städten mag es anders sein)
Das ist in der Tat ein Punkt. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass in solchen Straßen auch dann häufig auf den Radstreifen geparkt/gehalten wird. Und dann hat man wieder das Problem des Einfädelns in den Verkehr auf der "richtigen" Spur.
Diese Erfahrung habe ich bis jetzt nicht gemacht. Gerade auf Fahrstreifen ohne Radstreifen werde ich in der Regel mit mehr Abstand überholt.
Das Problem ist nur: wer Radstreifen anlegen will, auf denen der Radfahrer sowohl einen ausreichenden Abstand zu am Fahrbahnrand parkenden KFZ einhalten kann als auch mit ausreichendem Abstand von fahrenden KFZ überholt werden kann, der muss dafür eine komplette KFZ-Fahrspur opfern. Dann kommen aber auch die Autos und Busse nicht mehr schneller voran. Warum also stattdessen nicht einfach die rechte Fahrspur nutzen und das verteilt sich dann dynamisch: im Sommer, wenn viele Leute Fahrrad fahren, sind fast nur Radfahrer auf der rechten Spur, die KFZ fahren meist auf der linken. Im Winter, wenn mehr Leute KFZ fahren, ist mehr Platz für KFZ da, weil die paar Ganzjahresradfahrer keine komplette Spur für sich brauchen.
Dieses Video zeigt sehr anschaulich, warum man als Radler NICHT am rechten Rand der Fahrbahn fahren sollte, sonder möglichst in der MITTE der Fahrbahn:
http://commuteorlando.com/wordpress/animations/lane-control/
Ein ganz wichtiger Punkt ist das Überholen durch Autos: Wenn man am rechten Rand fährt, überholen einen die Autos auf der selben Spur mit gefährlich kleinem Abstand. Wenn man in der Mitte der Fahrbahn fährt, wechseln die Autos zum Überholen auf die Gegenfahrbahn.
Und ich fahre lieber ein paar Zentimeter weiter links als juristisch erlaubt, und dafür sicherer, als legal, aber gefährlich nahe am rechten Rand der Fahrbahn (ansonsten sollten sich Radler natürlich an die Verkehrsregeln halten, das ist ja klar).
Wenn das Ganze dazu beiträgt, den Autoverkehr zu "entschleunigen", dann ist das nur ein positiver Nebeneffekt.
Das Zuparken von Radstrafen kann man nur so lösen, dass man es genauso bestraft wie ein Parken auf einer Autospur.
Das Abbiegen kann man an Ampeln sehr gut dadurch ermöglichen, dass die ersten ca. 2 Meter vor jeder Ampel eine reine "Fahrradzone" auf der gesamten Spurbreite sind. Radfahrer fahren auf der Radspur rechts bis ganz vor und ordnen sich dann vorne rechts, in der Mitte oder auch links ein.
Wenn ein Radfahrer von einer Radspur in eine kleine Seitenstraße nach links abbiegen will, wo es keine Ampel gibt, ist ein Spurwechsel immer nötig, das stimmt.
Nicht unbedingt.
- Man kann, was ich v.a. befürworte, erstmal alle Parknischen und Parkstreifen streichen. Verkehrswege sind zu schade zum Parken.
- Auch Baumalleen wären für mich nicht grundsätzlich Tabu (waren in Zeiten des Kutschenfahrens sicher schön aber sind eigentlich denkbar ungeeignet als Umfassung von Verkehrswegen). Die Bäume würde ich eher an anderer Stelle pflanzen. "Unter den Linden" darf natürlich leiben. ;)
- Man kann Radspuren z.B. nur einseitig anlegen und in der Parallelstraße auf der anderen Seite (Verkehrswegekonzept).
Klingt sehr nach "shared space". Ich persönlich bevorzuge weniger Dynamik/Chaos und mehr Berechenbarkeit. Mir sind da einfach zuviele Überholvorgänge im Spiel. Auf ner breiten Radspur weiß ich, wenn ich überholen will, dann kann ich das im Regelfall. Ab und zu kommt ein schnellerer Radfahrer vorbei, da muss ich aufpassen. Bei einer gemischt genutzten Spur werde ich ja hingegen andauernd von Autos überholt und habe permanent schnellere Verkehrsmittel (Autos) hinter mir, die überholen wollen. Das produziert Stress bei mir und beim Autofahrer. Wenn dann auch noch langsame Radfahrer vor mir sind, wird das recht chaotisch (überhole ich zuerst den Radfahrer vor mir, oder überholt der Autofahrer hinter mir, mit dem ich keinen Blickkontakt habe, zuerst mich oder beide gleichzeitig?)Warum also stattdessen nicht einfach die rechte Fahrspur nutzen und das verteilt sich dann dynamisch
Mit dem "ich fahre in der Mitte" nötigen Sie aber schnelleren Verkehrsteilnehmern (Autos) ihre langsame Geschwindigkeit auf, obwohl es eine Überholmöglichkeit gäbe, wenn Sie rechts fahren, wie es die StVO vorsieht.
In so einem Flal würde ich als Autofahrer (kommt selten vor) Sie freundlich beiseite hupen. Wenn im Supermarkt oder sonstwo jemand so im Gang steht, dass die anderen nicht mehr vorbei kommen, obwohl Platz genug da ist, fragt man ja auch, ob derjenige nicht einen Schritt zur Seite tun möchte.
Das Problem der Sicherheit der Radfahrer lässt sich bestimmt besser lösen als mit der "ich fahre in der Mitte"-Strategie.
Dafür wären aber in vielen Städten sehr aufwendige Umbaumaßnahmen nötig. Oftmals kommt es sehr auf die jeweiligen Verkehrsverhältnisse vor Ort an.
Auf einer engen Straße (mit je einer Spur in jede Richtung und auf jeder Seite Parkplätze) mit viel Auto- und Busverkehr sowie Fußgängern fahre ich auch deutlich weiter mittig, da mich als Radfahrer dort die Autos und Busse besonders dicht überholen würden.
Das ist durch ausparkende Autos, öffnende Autotüren, unvermittelt querende Fußgänger und Autos/Busse, die dann direkt vor mir stark rechts rüberziehen - besonders gefährlich.
Fahre ich weiter mittig, gefährden mich die ausparkenden Autos, die Autotüren und die Fußgänger nicht, da ich genügend Abstand bzw. Sicherheitsreserve habe. Außerdem müssen die Autos die Spur komplett wechseln. Wenn sie dann trotzdem sehr dicht überholen und direkt rechts rüberziehen, habe ich immer noch genügend Sicherheitsreserve nach links zum Ausweichen oder Bremsen.
Also quasi nicht. Den Zustand haben wir doch schon.
Und was machen die Radfahrer, wenn sie bei grün auf die Ampel zufahren? Sie ordnen sich in den links von ihnen fließenden Verkehr ein, der viel weniger mit ihnen rechnet, denn "die haben ja da ihre eigene Spur, da brauche ich mich hier um die nicht zu kümmern".
Damit fördert man nur das Halten auf den Radspuren. Denn "wo soll man denn hier sonst halten, wenn man 'mal kurz einen Brief einwerfen/ein Paket abholen/Zigaretten ziehen will"?
Korrekt. M.E. das Konzept der Wahl.