Neuer Piratenchef Schlömer: "Wir brauchen keine Meinung zu Israel"

DPAEr soll die Piraten in den Bundestag führen: Der neue Parteichef Bernd Schlömer gilt als Integrationsfigur. Im Interview erklärt er, warum er gegen Frauenquoten ist - und warum die junge Partei nicht zu allem eine Haltung haben muss.

Parteitag der Piraten: Bernd Schlömer im Interview - SPIEGEL ONLINE
  1. #270

    Zitat von tatortreiniger Beitrag anzeigen
    Aha! Jetzt kommen wir der Sache näher. Das was Sie hier zum besten geben, hat mit einer Marktwirtschaft nicht mehr allzu viel zu tun, sondern riecht streng nach Planwirtschaft. Erfindungen und Entwicklungen werden nach eingehender Prüfung vom Politbüro der Piratenpartei angenommen oder abgelehnt. Das ist also Ihr Verständnis von Politik. Herzlichen Dank für die aufklärenden Worte,
    Sie haben vollkommen Recht, mir kam es auch schon des öfteren so vor,
    als hätte ich so manches, schon mal irgendwo vor 1989 gehört.
    Obwohl ich schon ewig in Hessen lebe.
  2. #271

    Zitat von The Captain Beitrag anzeigen
    ...Übrigens: gerade bei Medikamenten und Arzneien wird ein heiden Reibach gemacht - dabei sollte das Wohl des Menschen im Vordergrund stehen und nicht die Interessen der Aktionäre...
    Irgendwer muss aber die Forschung finanzieren, Ärzte, Forscher, Laboranten arbeiten nun mal nicht ohne Bezahlung. Räume, Geräte, Materialien kosten auch Geld.

    Und ohne Aussicht auf Gewinn wird kaum einer sein Geld dafür ausgeben.
  3. #272

    Zitat von tatortreiniger Beitrag anzeigen
    Aha! Jetzt kommen wir der Sache näher. Das was Sie hier zum besten geben, hat mit einer Marktwirtschaft nicht mehr allzu viel zu tun, sondern riecht streng nach Planwirtschaft...
    Wohl eher nicht, denn diese Beschränkung der zeitlich beschränkten Kontrolle über Patente, ist ja Realität, und das auch aus guten Grund.
    Die Idee, jemanden, der eine bestimmte nützliche Idee zuerst hatte, an den Gewinnen, die damit gemacht werden zu beteiligen, ist erstmal grundsätzlich richtig. Dabei Stand zu Anfang auch der Schutz des Erfinders im Vordergrund, der sonst gegenüber den Firmen, die ja meist benötigt werden um eine Erfindung auch kommerziell zu verwerten, kaum etwas hätte ausrichten können. Inzwischen werden Patente, auch solche von zweifelhaften Wert, als Waffen zwischen Firmen verwendet. Der Schutz des Erfinders tritt dabei immer mehr in den Hintergrund. Hier inzwischen entstandene Auswüchse einzuschränken, ist legitim und hat nichts mit Planwirtschaft zu tun.
  4. #273

    Zitat von tatortreiniger Beitrag anzeigen
    .... Das was Sie hier zum besten geben, hat mit einer Marktwirtschaft nicht mehr allzu viel zu tun, sondern riecht streng nach Planwirtschaft. Erfindungen und Entwicklungen werden nach eingehender Prüfung vom Politbüro der Piratenpartei angenommen oder abgelehnt...
    Warum denn nicht, das hat doch im ehemaligen Osten schon so gut funktioniert....:-)
  5. #274

    Zitat von robinson1959 Beitrag anzeigen
    Sie haben vollkommen Recht, mir kam es auch schon des öfteren so vor,
    als hätte ich so manches, schon mal irgendwo vor 1989 gehört.
    Obwohl ich schon ewig in Hessen lebe.
    Naja, das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen wohl eher nicht, der gesamte Ostblock hatte Arbeitspflicht.
  6. #275

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Er soll die Piraten in den Bundestag führen: Der neue Parteichef Bernd Schlömer gilt als Integrationsfigur. Im Interview erklärt er, warum er gegen Frauenquoten ist - und warum die junge Partei nicht zu allem eine Haltung haben muss.

    Neuer Piratenchef Schlömer: "Wir brauchen keine Meinung zu Israel" - SPIEGEL ONLINE
    Soweit ich unsere repräsentative Demokratie verstanden habe, soll ich jemanden wählen, der am ehesten MEINE Positionen vertritt. Wie soll ich denn nun eine Partei mit meiner Vertretung beauftragen, wenn ich deren Positionen zu wichtigen Fragen nicht kenne, da sie keine hat?

    Da mag ja noch jeder "direkte Demokratie ftw" rufen, aber so lange wir in einer repräsentativen Demokratie leben, werde ich mich einfach weiter weigern, irgendwelchen potentiellen Mandatsträgern einen Blankoscheck auszustellen. "Not in my name".
  7. #276

    Unter Jolly Roger ...

    Bin ich Pirat? Nein, aber womöglich demnächst.

    Habe ich eine Meinung zu Israel? Zufällig ja. Ein schönes Land mit überwiegend sehr (gast-) freundlichen Menschen, leider derzeit mit einer Regierungskoalition bestraft, für die das Wasser zu schade ist, mit dem man sie eigentlich das Klo runterspülen müsste. Also ein wenig wie in Deutschland. Und das verbindet heutzutage mehr, als die Shoah trennt.

    Was aber, wenn meine Partei kollektiv eine andere Meinung vertritt? Was hätte ich davon? Und was hätte Israel von so einem Lippenbekenntnis, dass mehr dazu dienst, die "vierte Gewalt" im Staate zu befriedigen, als das es die Beziehungen zu Israel verbessert?

    Parteien brauchen keine Meinungen, Menschen brauchen welche. Parteien benötigen nur einen Konsens der Meinungen ihrer Mitglieder und der Bürger, die sie vertreten.
  8. #277

    Zitat von saba1 Beitrag anzeigen
    Die ach so rebellischen Piraten werden nun also von einem Regierungsbeamten aus dem Verteidigungsministerium angeführt...
    Herrlich, diese unverbesserliche Leitwolfmentalität. Dass man Politik auch ohne Anführer machen kann und genau dies von den Piraten gerade angegangen wird, scheint vielen noch zu entgehen.

    Das Wort Demokratie ist zumindst für mich unvereinbar mit dem Begriff Anführer, Führungsposition, usw.
    Herr Schlömer bekleidet für das nächste Jahr ein vom Parteiengesetz (in seiner pyramidenstrukturfördernden Architektur) zwingend vorgegebenes Verwaltungsamt. Das ist dann aber auch schon alles - auch wenn man ihm natürlich wünscht, in dieser Zeit einige vernünftige Eingaben machen zu können. Dass in anderen Parteien dieses Verwaltungsamt real gleichgesetzt ist mit einer "Anführerfunktion", das genau ist eine der Ursachen, warum wir meiner Ansicht nach in dieser Republik einen herben Mangel an gelebter Demokratie haben.
  9. #278

    Ihr Einwand

    Zitat von helkaruthion Beitrag anzeigen
    Was hindert Sie denn daran der Partei, der Sie persönlich zuletzt Ihre Stimme gegeben haben beizutreten und dort aktiv Politik mitzubestimmen? Zu bequem? Mitgliedsbeitrag zu hoch? Treten Sie den Piraten bei, schließlich spricht jedes Mitglied Ihrer Rechnung nach ja für mehr als 2400 Bundesbürger! Warum taucht das 2501. Mitglied nicht auf dem Parteitag auf? Dürfen dürfte man ja...
    íst von ähnlicher gedanklicher Qualität, wie der von Studentenvertretern, die dann, wenn von 3000 Fakultätsmitgliedern 30 an einer Abstimmung teilnahmen, von Entscheidung einer Vollversammlung sprachen. Schließlich hätten die anderen ja auch kommen können.

    Der Forist hatte mit Recht darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um eine Art Etikettenschwindel handelt, wenn man die "Basisdemokratie" behauptet, aber nur die Avantgarde entscheiden lässt. Eine wirklich der Basis verpflichtete Partei müsste obligatorisch unter ihren Wählern die Zustimmung einer absoluten Mehrheit zu politischen Entscheidungen einholen. Wie das gehen soll - tja, das herauszufinden ist nun mal wirklich eine Aufgabe.
  10. #279

    Zitat von tatortreiniger Beitrag anzeigen
    Aha! Jetzt kommen wir der Sache näher. Das was Sie hier zum besten geben, hat mit einer Marktwirtschaft nicht mehr allzu viel zu tun, sondern riecht streng nach Planwirtschaft. Erfindungen und Entwicklungen werden nach eingehender Prüfung vom Politbüro der Piratenpartei angenommen oder abgelehnt. Das ist also Ihr Verständnis von Politik. Herzlichen Dank für die aufklärenden Worte,
    Gegenfrage:
    Was hat "unsere" Marktwirtschaft denn noch mit Marktwirtschaft zu tun?

    Aufstocker-Jobs und Wirtschafts-Subventionen, Bankenrettung, Griechenland-Rettungsschirm, Euro-Rettung....das sind Billionen-Ausgaben zu Lasten des europäischen Steuerzahlers, die komplett an der Marktwirtschaft vorbei gehen.
    In einer echten Marktwirtschaft wären unsere Superreichen halt ziemlich pleite, die Banken wären komplett pleite. Und fertig wär der Lack.

    Aber für den Fall haben wir ja "unser" Politbüro. Nur dass es eben von den Superreichen geleitet wird. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. Zur Rettung der Marktwirtschaft?
    Oder vielleicht auch nur zur Rettung der Ausbeuter?