Forum


 

Neuer Piratenchef Schlömer: "Wir brauchen keine Meinung zu Israel"

DPAEr soll die Piraten in den Bundestag führen: Der neue Parteichef Bernd Schlömer gilt als Integrationsfigur. Im Interview erklärt er, warum er gegen Frauenquoten ist - und warum die junge Partei nicht zu allem eine Haltung haben muss.

Parteitag der Piraten: Bernd Schlömer im Interview - SPIEGEL ONLINE
  1. #210

    Bravo

    Wenn die Piraten es verstehen, diesen Kurs weiterzufahren, werden sie die Polik-Landschaft nachhaltig verändern - und verdienen dafür dann Anerkennung. Was die bislang etablierten Parteien total verschlafen haben ist, dass Otto-Normalbürger die Schnauze gestrichen voll hat von partei-politischer Taktiererei, tumbem Populismus, intransparenter Hinterzimmer-Politk, bürgerfernem Politik-Management usw. Das Internet trägt u. a. nicht nur in arabischen Ländern dazu bei, Rufe nach mehr Demokratie laut werden zu lassen. Auch Deutschland hat hier gehörigen Nachholbedarf. Was für viele altgediente Politiker ein Alptraum ist - mehr direkte Bürgerbeteilung - ist für das Gros der Bevölkerung mittlerweile eine kategorischer Imperativ - und das is gut so. Wenn es den Piraten gelingt, die "Schwarm-Intelligenz" politisch konstruktiv zu instrumentalisieren dann stehen wir an der Schwelle einer politischen Revolution, wo nicht der Zugang zu den Produktionsmitteln (bye, bye Karl Marx) sondern der freie, unzensierte Zugang, Fluss und Austausch von Informationen entscheidend für den Charakter einer Gesellschaft sind. Darauf basierend brauchen die Piraten auch keine vorgefertigte, ideologisch oder populistisch gefärbte Vorab-Meinung zu allem. Die Revolution ist der Wandel des Polik-Prozesses und nicht eine neue Ideologie. Dieser neue Politik-Prozess wird Entscheidungen herbeiführungen, wenn sie notwendig für politisches Handeln sind. Einen solchen Pragmatismus braucht das Land. Glück auf Herr Schlömer.
  2. #211

    Interessant, dass sich niemand am Sexismus der Piraten stört.
    Da sagt der Herr Schlömer: "Da setze ich auf die Philosophie, die viele große Unternehmen vertreten: Dass es auf Qualität ankommt, nicht darauf, dass man Frauen abzählt [...] Und auch die Frauen selbst müssen Impulse geben, wie man das Ungleichgewicht aufheben kann."

    Mit anderen Worten: Frauen, die mal wieder bei einer Beförderung übergangen wurden (z.B. weil sie im gebärfähigen Alter sind und demnächst in Schwangerschaftspause gehen könnten) haben einfach nicht die Qualität für den Posten und das ist philosophisch evident. Außerdem sollen die sich selbst helfen.

    Diesen Ratschlag kann man eigentlich jeder Sorte Mensch geben, die unter irgendwas oder irgendwem leidet. Warum diese Partei also?
  3. #212

    Wieso nur 2500?

    Zitat von Gretl7 Beitrag anzeigen
    Genau das ist aber das Problem. Gesetzt den Fall, die Piraten gewinnen bei der Bundestagswahl 10% der Wählerstimmen, dann haben sie 6,2 Millionen Menschen hinter ihre Ideen gebracht. Anschließend bestimmt aber die Basis von ca. 2.500 Menschen den Kurs der Partei. Demokratie sieht anders aus. Will man eine größere Mehrheit am Entscheidungsprozess beteiligen, kann man diesen Prozess auch nicht demokratisch legitimieren, da der Parteivorstand die Anonymität der User fordert.

    Irgendwann ruft jemand nach Kontrolle, wenn die ersten digitalen Scheiterhaufen brennen. Das Mobbing von Emden hat gezeigt, wie schnell so etwas gehen kann, wenn Menschen die Kontrolle verlieren?
    Es ist das Dilemma der Freiheit, der nach Rosa Luxemburg nur die Einsicht in die Notwendigkeit (also die Selbst-Beschränkung) folgen kann.
    Jeder kann sich an der Meinungsbildung der Partei beteiligen, als Mitglied, aber sie müssen noch nicht einmal Mitglied sein sondern sich nur in einem Forum registrieren lassen (ohne persönliche Daten). Es liegt an Ihnen sich einzubringen, keiner hindert sie!
    Was meinen sie als Alternative? Einen Parteitag mit 6,2 Mill. Teilnehmern? In ganz Luxemburg?
  4. #213

    Zitat von Peter4711 Beitrag anzeigen
    Wenn es auch nur teilweise zutrifft, dass in Deutschland eine Politikerverdossenheit und keine Politikverdrossenheit herrscht, dann sollten die Piraten Ihren Politikstil auf keinen Fall dem der etablierten Parteien anpassen und keine Lobbyisten zulassen.
    Das wäre der sicherste Weg, sich völlig zu entfernen und zu verabschieden aus allen Gebieten, die für D größte Bedeutung haben und alle Prioritärten benötigen, wie Wirtschaft, Industrie, Banken, Börsen, Forschung, Bau, Landwirtschaft, Gesundheitswesen u.v.m. Die Einflussmöglichkeiten von Piraten-Ideen würden auf Null schrumpfen.
  5. #214

    Zitat von tamgarun Beitrag anzeigen
    Super-peinlich für Deutschland sind eher die, die blind, taub und retadiert immer wieder die wählen, die keine Haltung haben, keine Kompetenz, keine Werte, keinen Anstand, keine Moral, kein Rechtsbewußtsein und schon mal gar kein Bewußtsein für das eigene Land und Volk.

    Dafür aber haben die dann auch zu allem eine Meinung, haben überall etwas zu zu sagen. Und auch wenn das nur sinnbefreites Gebrabbel ist, Mutti hat ja gesagt, das sei alternativlos, dann wird's das wohl werden, nicht wahr?
    Immer sagt die Regierung, wo es lang geht. Dazu wurde sie gewählt. In mindestens den Bereichen der Ministerien muss sie nicht nur "eine Meinung haben", sondern noch viel mehr: sie ist beauftragt zu handeln, zu regieren, zu leiten, zu lenken. - Und merken Sie sich: allwissende Götter, Alleskönner, Erfolgsgaranten stehen nie zur Verfügung.

    Zu Israel, wie auch zu vielen anderen außenpolitischen Fragen, braucht sich eine Binnen-Partei in der Oppositionsrolle tatsächlich nicht unbedingt zwischen die Fronten zu begeben. Das würde sie tun müssen, wenn sie mal den Außenminister oder den Minister für Verteidigung stellen will.
  6. #215

    weitere Parteilprogrammpunkte noch nicht erforderlich ...

    Es ist legitim, dass eine so junge Partei nicht zu allem Stellung bezieht sondern zunächst ihre "Herzensanliegen" als Basis-Programm zu Papier bringt und sich zunächst als Korrektiv der Parteien mit vollem Parteiprogramm versteht.
    Das Basis Programm ist hinreichend deutlich für Wähler, die Hauptpunkte sind:
    - Reduzierung der Rechte von Schöpfern (und Vertreibern) geistiger Erzeugnisse: Patente, Musik, Fotos/Grafik/Malerei, Schriftstellerisches, Journalistisches, Wissenschaftliche Abhandlungen. (Da hat sich ja auch schon zu-Guttenberg verdient gemacht.) Statt "Kauf" Flatrates für vorgenanntes, wenn nicht gar Gratiszugang.
    - Bedingungsloses Grundeinkommen für alle, die nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten können oder wollen.
    - Kostenlose Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs.
    - Zuwanderung, als "Chance" und Bereicherung ohne Einschränkung, Deutschland als reiches Land kann sich auch Zuwanderung in die Sozialsysteme leisten ...
    Grundtenor ist: weniger oder nichts bezahlen müssen.

    Wenn später einmal die Regierungsbeteiligung näher kommt, werden die Piraten zu den die Bervölkerung interessierenden Themen, z.B. Euro Krise sowie zur Finanzierung der Wünsche allerdings klar Positionen beziehen müssen, und das könnte die Partei zerreißen.
  7. #216

    Piratenpartei

    Zitat von HansCh Beitrag anzeigen
    - Zuwanderung, als "Chance" und Bereicherung ohne Einschränkung, Deutschland als reiches Land kann sich auch Zuwanderung in die Sozialsysteme leisten ....
    Dieser "Programmpunkt" hat schon den Grünen die Wähler vergrätzt..
  8. #217

    Die Rebelllierer!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Er soll die Piraten in den Bundestag führen: Der neue Parteichef Bernd Schlömer gilt als Integrationsfigur. Im Interview erklärt er, warum er gegen Frauenquoten ist - und warum die junge Partei nicht zu allem eine Haltung haben muss.

    Neuer Piratenchef Schlömer: "Wir brauchen keine Meinung zu Israel" - SPIEGEL ONLINE
    An alle, die hier gegen die Piraten wettern oder Fragen aufwerfen (berechtigt):

    1. Diese Partei ist dabei sich zu entwickeln
    2. Diese Partei ist dabei ihren Weg zu finden
    3. Anderen Parteien haben vergessen sich weiter zu entwickeln
    4. Die Piraten sind seit den Grünen die erste Partei, die gegen einem Teil der bestehenden Strukturen rebellliert ohne anarchisch aus der Gesellschaft austreten zu wollen
    5. Die Piraten sind die ersten seit der Formierung der Grünen, die verändern und nicht beenden wollen
    6. Sie gehen mit einigen Grundsätzen nach und nach an die Themen ran und sind dabei ihre Positionen innerhalb dieser zu finden
    7. Das schüttelt man nicht aus dem Ärmel
    8. Sie sind offen, ehrlich in ihrer Selbsteinschätzung
    9. Sie versuchen eine neue politische, gesellschaftliche Denkkultur zu praktizieren, umzusetzen, praktisch damit zu arbeiten
    10. Die Grünen hatten mal diesen Anspruch und haben sich jetzt fast selbst überlebt

    *** Alle sagten: "Das geht nicht." Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es gemacht. ***

    Hilbert Meyer, Professor für Schulpädagogik, Universität Oldenburg
  9. #218

    ... zu all den anderen, die zwar zu allem eine Meinung aber häufig keine Ahnung davon haben.
  10. #219

    Piratenpartei und ihr "Programm"

    Zitat von HansCh Beitrag anzeigen
    - Reduzierung der Rechte von Schöpfern (und Vertreibern) geistiger Erzeugnisse: Patente,...
    Das erklären Sie mal einem mittelständischen Unternehmen, dessen selbstentwickeltes Patent ein paar hundert Arbeitsplätze sichert.
    Nochmal zum Mitschreiben für alle Piratenfreunde: Es gibt auch Patente außerhalb des Computerkosmos.


TOP



TOP