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Neue Studie: Viele Niedriglöhner arbeiten 50 Stunden plus

DPASie bekommen weniger Geld als andere Arbeitnehmer - und müssen länger schuften, um ihre Existenz zu sichern. Jeder vierte Geringverdiener arbeitet laut einer Studie wöchentlich 50 Stunden oder mehr. Viele riskieren dabei ihre Gesundheit.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...834351,00.html
  1. #200

    Mag sein, aber ich sehe es nicht als Hauptproblem

    Zitat von n+1 Beitrag anzeigen
    In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung führt das dazu, dass der öffentliche Dienst die Privatwirtschaftler ausnimmt wie eine Weihnachtsgans.
    Ich bin auch selbständig und als wesentlich drückender als die (wenn ich die Leistungen, in deren Genuß ich komme, dagegen betrachte) Abgaben die ich leisten muß empfinde ich die zunehmend als bedrückend geschilderten Verhältnisse (arbeitstechnisch, psychisch und selbstverständlich auch monetär) vieler meiner Kunden. Sicherlich könnte man an der einen oder anderen Stelle "Beamte" oder irgendwelchen Kram einsparen - vor allem, da ich mir sicher bin, daß es viele "Arbeitsplätze" nur gibt, um Statistiken besser aussehen zu lassen. Aber ich glaube nicht, daß das Beamtentum unbedingt das Problem Nr. 1 ist.

    Mit der Korruption der Politik meinte ich ursprünglich das ungenierte "sich Bedienen" in Form von Nebenjobs, obwohl ordentliche Diäten mit der Begründung gewährt werden, daß somit eine Bestechlichkeit verhindert werde. Ich meinte damit dieses sich schmieren lassen vom Unwesen der "Lobbys", sodaß Demokratie schon aus dem Grund eine Farce ist.
  2. #201

    Zusatz

    Zitat von korox Beitrag anzeigen
    Meines Erachtens ist ewiges Wachstum wie auch ewiger Kapitalismus völliger Humbug. Nichtsdestotrotz ist nunmal momentan die Arbeit hierzulande so zentral, dass ein Ausbleiben der Arbeit (oder auch ein geringerer Anteil daran) schlichtweg ausgrenzt. So erleb ich es zumindest leider jeden Tag aufs Neue...
    Es ist falsch, dass die betroffenen Menschen unter einer Fehlentscheidung leiden müssen. Es sollte zu einem solidarischen Widerstand kommen, aber die einzige Partei, die das verlangt, wird nach Kräften diffamiert.

    Zitat von korox Beitrag anzeigen
    Öhm nö, es ist keine schöne Zukunftsvision von mir. Ich würd anderes bevorzugen als solch ein zerbröckelndes System, aber Menschen wie Sie haben erst mit der Stigmatisierung angefangen
    Wie kommen Sie eigentlich dazu, dass ich in meinem Leben schon irgendwann einmal jemanden stigmatisiert habe? Solch eine infame Behauptung ist lächerlich.

    Sollten auch Sie von Anfang an gegen Hartz-IV gewesen sein, so habe ich um so weniger Verständnis dafür, dass Sie dem perfiden System jetzt das Wort reden. Damit unterstützen SIE die fortgesetzte Stigmatisierung der Betroffenen.
  3. #202

    Zitat von grouchomax Beitrag anzeigen
    Wenn Sie so viel arbeiten, weil es Ihnen Spaß macht, haben Sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht. Dann haben Sie keinen Grund zu klagen, und es war dann auch überflüssig Ihren Tag hier auszubreiten.

    Sollten sie aber auf unabsehbare Zeit so viel arbeiten müssen, haben Sie sich am falschen Ort oder in der falschen Branche selbständig gemacht. Sie sollten sich ggf. nicht scheuen, einen stinknormalen Job zu suchen. Zur Not gibt es ja noch Hartz IV.
    Ich finde es albern Foristen Vorhaltungen zu machen, wenn die ihren Arbeitsalltag darlegen. Sollte doch eigentlich für jeden akzeptabel sein. Der Forist ist selbstständig und wird dann wohl etwas mehr arbeiten. Geht schliesslich um seine Existenz. Wenn er dann auch noch sein Personal fair entlohnt, finde ich das lobenswert. Und das Ungelernte, z.B. eine Spülerin ,weniger verdient als ein Jungkoch, ist auch nachvollziehbar. Solange die eben nicht auf ergänzendes H4 angewiesen ist.
    Das einzige was ich den Foristen ankreide ist, das er ebenfalls die Ansicht teilt, das alle H4ler faul sind. Aber auch Ihre Spülerin könnte viellicht als Aufstocker da rein rutschen. Und ich glaube nicht, das die faul ist.
  4. #203

    Zitat von ungortoq Beitrag anzeigen
    Na klar. Dumm nur, wenn dann im Arbeitsvertrag steht, dass in den ersten vier Wochen oder im ersten halben Jahr Krankheitstage nicht bezahlt werden.
    Rechtlich nicht gestattet, da die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gesetzlich geregelt ist. Der Arbeitgeber wird Sie dann wohl gleich wieder feuern.
  5. #204

    Zitat von HaPeGe Beitrag anzeigen
    Und wenn die großen Konzerne dann immer in Billiglohnländer gehen, dann kann ich mich nur amüsieren; ich erinnere dann gerne an die Fa. Nokia. Die hat auch ihr Werk in Bochum dicht gemacht. Die deutschen Löhne seien ja viel zu hoch und Deutschland überhaupt zu teuer. Sie haben dann die Produktion nach Rumänien verlagert. Dort haben sie dann 2011 auch dicht gemacht. Nach Konzernangaben war das Werk dort auch zu teuer geworden und man hat nach Asien verlagert.
    Nokia hat aber erst in D und dann über die EU satte Subventionen in dreistellige Millionenhöhe abgegriffen.
  6. #205

    Wer des Lesens mächtig ist, ist klar im Vorteil !

    Zitat von Palmstroem Beitrag anzeigen
    Seltsam - denn 2008 lag der Brutto-Durchschnittslohn für Vollzeitbeschäftigte in Deutschland bei 3.100 Euro (statista). Und Schlußlicht in Europa ist Bulgarien, wo ein Arbeitnehmer selbst kaufkraftbereinigt gerade mal knapp über 600 Euro verdient!
    Ich habe von den LOHNZUWÄCHSEN gesprochen ! Und da sind und bleiben wir Schlusslicht in Europa. Lt. Bundesarbeitsministerium, also kaum anzuzweifeln. Aus der gleichen Quelle stammen die durchschnittlichen Netto-Löhne aus den Jahren 1986 bis 2006. Lt. Statistischem Bundesamt liegen die durchschnittlichen Netto-Jahreseinkommen in den 16 Bundesländern zwischen € 18.649 und 12.886, daraus kann sich niemals ein monatlicher Schnitt von € 3.100 ergeben. Und im EU-Vergleich stehen wir auch nicht an erster Stelle, Spanien ist z.B. noch vor Deutschland.
  7. #206

    Zitat von korox Beitrag anzeigen
    Respekt! Ich erlaube mir mal nen kleines Zitat daraus:

    "Sie kenne viele Menschen, sagt sie, die ähnlich hart arbeiten wie sie. Die zwei, drei Jobs haben, um sich ihr Leben finanzieren zu können, als Kfz-Mechaniker, im Sicherheitsdienst, im Supermarkt. Die bloß nicht runter wollen, nicht zu Hartz IV, in die Trägheit, ins menschliche Aus. Wie ein Monster hat sich Hartz IV im Leben der Menschen aufgebaut. Hartz IV heißt Stillstand, Arbeit heißt Fortkommen, Teil der Gesellschaft sein."

    Damit hat sie vollkommen recht! Arbeit ist die elementare Grundbasis unserer Gesellschaft, aus der alles andere entspringt.
    Davor haben Sie Respekt? Sie wollen ebenfalls nur Leben um zu arbeiten? Ich arbeite um meiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen. Sollte mir das eines Tages mit meinem erzielten Lohn aus 40St/W nicht mehr möglich sein, verzichte ich bestimmt nicht auf mein Leben, sondern auf die Arbeit!!
  8. #207

    Zitat von korox Beitrag anzeigen
    Komischerweise schaffen dass andere Alleinerziehende auch so. Nur weil Sie das nicht wollen, ist es noch lange nicht weltfremd.
    Weltfremd nicht, aber die Basis für die Arbeitgeber die Löhne weiter zu drücken!!
  9. #208

    .
    Ein Leichnam beherrscht die Gesellschaft – der Leichnam der Arbeit. Alle Mächte rund um den Globus haben sich zur Verteidigung dieser Herrschaft verbündet: Der Papst und die Weltbank, Tony Blair und Jörg Haider, Gewerkschaften und Unternehmer, deutsche Ökologen und französische Sozialisten. Sie alle kennen nur eine Parole: Arbeit, Arbeit, Arbeit!

    Wer das Denken noch nicht verlernt hat, erkennt unschwer die Bodenlosigkeit dieser Haltung. Denn die von der Arbeit beherrschte Gesellschaft erlebt keine vorübergehende Krise, sie stößt an ihre absolute Schranke. Die Reichtumsproduktion hat sich im Gefolge der mikroelektronischen Revolution immer weiter von der Anwendung menschlicher Arbeitskraft entkoppelt – in einem Ausmaß, das bis vor wenigen Jahrzehnten nur in der Science-fiction vorstellbar war. Niemand kann ernsthaft behaupten, daß dieser Prozeß noch einmal zum Stehen kommt oder gar umgekehrt werden kann. Der Verkauf der Ware Arbeitskraft wird im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen. Wer aber in dieser Gesellschaft seine Arbeitskraft nicht verkaufen kann, gilt als “überflüssig” und wird auf der sozialen Müllhalde entsorgt.

    Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen! Dieser zynische Grundsatz gilt noch immer – und heute mehr denn je, gerade weil er hoffnungslos obsolet wird. Es ist absurd: Die Gesellschaft war niemals so sehr Arbeitsgesellschaft wie in einer Zeit, in der die Arbeit überflüssig gemacht wird. Gerade in ihrem Tod entpuppt sich die Arbeit als totalitäre Macht, die keinen anderen Gott neben sich duldet. Bis in die Poren des Alltags und bis in die Psyche hinein bestimmt sie das Denken und Handeln. Es wird kein Aufwand gescheut, um das Leben des Arbeitsgötzen künstlich zu verlängern. Der paranoide Schrei nach “Beschäftigung” rechtfertigt es, die längst erkannte Zerstörung der Naturgrundlagen sogar noch zu forcieren. Die letzten Hindernisse für die totale Kommerzialisierung aller sozialen Beziehungen dürfen kritiklos hinweggeräumt werden, wenn ein paar elende “Arbeitsplätze” in Aussicht stehen. Und der Satz, es sei besser, “irgendeine” Arbeit zu haben als keine, ist zum allgemein abverlangten Glaubensbekenntnis geworden.
  10. #209

    Je unübersehbarer es wird, daß die Arbeitsgesellschaft an ihrem definitiven Ende angelangt ist, desto gewaltsamer wird dieses Ende aus dem öffentlichen Bewußtsein verdrängt. So unterschiedlich die Methoden der Verdrängung auch sein mögen, sie haben einen gemeinsamen Nenner: Die weltweite Tatsache, daß sich die Arbeit als irrationaler Selbstzweck erweist, der sich selber obsolet gemacht hat, wird mit der Sturheit eines Wahnsystems in das persönliche oder kollektive Versagen von Individuen, Unternehmen oder “Standorten” umdefiniert. Die objektive Schranke der Arbeit soll als subjektives Problem der Herausgefallenen erscheinen.

    Gilt den einen die Arbeitslosigkeit als Produkt überzogener Ansprüche, fehlender Leistungsbereitschaft und Flexiblität, so werfen die anderen “ihren” Managern und Politikern Unfähigkeit, Korruption, Gewinnsucht oder Standortverrat vor. Und schließlich sind sich alle mit Ex-Bundespräsident Roman Herzog einig: Es müsse ein sogenannter “Ruck” durch das Land gehen, ganz so, als handelte es sich um das Motivationsproblem einer Fußballmannschaft oder einer politischen Sekte. Alle sollen sich “irgendwie” gewaltig am Riemen reißen, auch wenn der Riemen längst abhanden gekommen ist, und alle sollen “irgendwie” kräftig anpacken, auch wenn es gar nichts mehr (oder nur noch Unsinniges) zum Anpacken gibt. Der Subtext dieser unfrohen Botschaft ist unmißverständlich: Wer trotzdem nicht die Gnade des Arbeitsgötzen findet, ist selber schuld und kann mit gutem Gewissen abgeschrieben oder abgeschoben werden.

    Dasselbe Gesetz des Menschenopfers gilt im Weltmaßstab. Ein Land nach dem anderen wird unter den Rädern des ökonomischen Totalitarismus zermalmt und beweist damit immer nur das eine: Es hat sich an den sogenannten Marktgesetzen vergangen. Wer sich nicht bedingungslos und ohne Rücksicht auf Verluste dem blinden Lauf der totalen Konkurrenz “anpaßt”, den bestraft die Logik der Rentabilität. Die Hoffnungsträger von heute sind der Wirtschaftsschrott von morgen. Die herrschenden ökonomischen Psychotiker lassen sich dadurch in ihrer bizarren Welterklärung nicht im geringsten erschüttern. Drei Viertel der Weltbevölkerung sind bereits mehr oder weniger zum sozialen Abfall erklärt worden. Ein “Standort” nach dem anderen stürzt ab. Nach den desaströsen “Entwicklungsländern” des Südens und nach der staatskapitalistischen Abteilung der Weltarbeitsgesellschaft im Osten sind die marktwirtschaftlichen Musterschüler Südostasiens ebenso im Orkus des Zusammenbruchs verschwunden. Auch in Europa breitet sich längst die soziale Panik aus. Die Ritter von der traurigen Gestalt in Politik und Management aber setzen ihren Kreuzzug im Namen des Arbeitsgötzen nur umso verbissener fort.








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