REUTERSEuropa und die USA zögern im Syrien-Konflikt - und überlassen damit der Türkei das Feld. Premier Erdogan präsentiert sich als Krisenmanager, organisiert Hilfe für die Flüchtlinge und droht mit der Nato. Ankara festigt seinen Anspruch als Führungsmacht im Nahen Osten.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...827463,00.html
Das ist dieselbe Logik wie bei Libyen, nur dass es damals Frankreich und Großbritannien waren und nicht die Türkei. Angeblich müsse man immer bomben und die, die es nicht wollen, verlieren dann ihren wichtigen Platz in der Weltordnung.
Und genau darum geht es: Macht. Macht, Macht, Macht. Nicht Humanität, nicht europäische Werte, nicht Hilfe für die Unterdrückten. Wer am glaubwürdigsten seine militärische Macht ausspielen kann, der gewinnt auch ansonsten die Meinungshoheit. Erdogan hat das kapiert, Sarkozy hat es vor einem Jahr für positive Publicity benutzt, Bush hat es im Nahen Osten immer wieder vorgeführt. Es geht darum, zu beweisen, dass man eingreifen kann. Was danach geschieht, ob das die Lage verbessert oder sogar verschlimmert - die meisten Kriegseinsätze der letzten Jahrzehnte haben die Lage verschlimmert - das interessiert alles nicht. Pläne für die Zeit nach dem Krieg? Gibt es nicht, oder sie sind reines Wunschdenken. Eigentlich interessiert man sich auch nicht wirklich für die Region. Schöner wärs, es gäbe sie gar nicht. Daher wird nach den Bomben auch nicht viel passieren und den Menschen dort wird es weiterhin dreckig gehen.
Jetzt treibt halt Erdogan die Sau durchs Dorf, die bei den Europäern und Amerikanern mangels Kriegsbedürfnis und Geld im Stall geblieben ist. Immerhin: Die Türkei hat ein echtes Interesse an der Stabilisierung der Region, da sie direkt an ihren Grenzen liegt. Das ist schon mehr, als bei Libyen, Irak oder Afghanistan der Fall war. Insofern steht zu hoffen, dass eine eventuelle türkische Intervention nicht NUR vom Gedanken an weltpolitischen Einfluss getrieben wird; andernfalls ist sie von vorneherein zum Scheitern verurteilt.
Wenn der Historiker Garton wirklich ein Historiker ist wie er behauptet, so liegt es auf der Hand das die Türkei eine Führungsrolle in der Region übernimmt wo sie historisch bereits `Kolonialherren` waren und sich daher mit den Gepflogenheiten und Sitten der Völker bestens auskennt. Was bitte sehr soll laut Garton eine militärische Intervention des Westens dort bringen? Man sieht ja schon was der Irak und Afghanistan einbrachten, den Krieg der Kulturen, sollte dies jetzt in Syrien anders sein??? Ausserdem hat die Intervention der Türkei in dieser Region einen sehr beträchtlichen Vorteil für Europa. Die Türkei schielt nicht mehr nach einem Beitritt in die EU (den sie wegen der kulturellen Differenz zwischen dem Westen und der muslimischen Welt nie erreichen werden) weil sie mit ihren ehemaligen `Kolonien` beschäftigt sind und zum anderen erspart es dem Westen eine kostspielige sinnlose Militärintervention.
Ja, Syrien war ein Teil des Osmanischen Reiches.
Nein, die Syrier wollen das nicht. Im Übrigen wollen das die Türken auch nicht.
Natürlich verfolgt die Türkei eigene Interessen, aber das bedeutet doch nicht Syrien einverleiben zu wollen. Also Andeutungen zum Osmanischen Reich sind sehr abwägig.
Natürlich hat es sich bei den irakischen Flüchtlingen nur um Zivilisten im eigentlichen Sinn gehandelt. Und syrische Flüchtlinge sind eher Kämpfer, die die Türkei mit Waffen versorgt. Natürlich.
Wenn der Westen sich weiter duckt, dann sind die 1 Million Flüchtlinge - oh pardon ich müsste sagen Kämpfer- auch bald erreicht.
Knapp 25 Tausend Flüchtlinge aus Syrien bisher, stellen das 75 Millionen Einwohner Land Türkei vor eine humanitäre Herausforderung? Und Erdogan verpasst nicht, sich für seine "Selbstlosigkeit" zu loben...
Nur um das ganze besser einzuordnen:
Syrien hat während des Irakkrieges 2003 1,5 Millionen Flüchtlinge aus den Irak aufgenommen. Syrien hat ca. 23 Millionen Einwohner. Viele der Flüchtlinge leben noch heute in Syrien. Der syrische Staat hat den Kindern der Flüchtlinge eine kostenlose Gesundheitsversorgung und kostenlosen Schulbesuch ermöglicht. Und das obwohl die syrische Wirtschaft unter dem Irakkrieg und den Sanktionen der USA gelitten hat.
Von den hunderttausenden palästinensischen Flcühtlingen in Syrien mal ganz abgesehen.
Natürlich kann die Türky ein Machtfaktor in Nahost sein,aber nur mit heimlicher oder öffentlicher Zustimmung der USA.
war meines Wissens eine Formulierung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts - irgendein Zar und deutsche Historiker. Wenn da der britische Historiker oder auch der SPIEGEL-Redakteur von "bis vor Kurzem" reden, beweisen sie ihre Kompetenz bei der Analyse der Lage im Nahen und Mittleren Osten.
Und dass in einer solchen geostrategischen Lage sich die derzeit real existierenden Großmächte wegducken, mag glauben wer will. Sie wissen ihre Bündnisse zu schmieden!