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Neue Linke: Lafontaine mit Latte macchiato, bitte!

Linkssein ist wieder so hip wie ein Pali-Tuch um den Hals. Doch ist das Ausdruck echter Haltung oder bloßer Hype? Christian Rickens nähert sich in seinem neuen Buch "Links" einem Lebensgefühl zwischen Pose, Protest und Piefigkeit. Lesen Sie exklusiv auf SPIEGEL ONLINE Auszüge.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...572953,00.html
  1. #1

    Links

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Linkssein ist wieder so hip wie ein Pali-Tuch um den Hals. Doch ist das Ausdruck echter Haltung oder bloßer Hype? Christian Rickens nähert sich in seinem neuen Buch "Links" einem Lebensgefühl zwischen Pose, Protest und Piefigkeit. Lesen Sie exklusiv auf SPIEGEL ONLINE Auszüge.

    http://www.spiegel.de/kultur/literat...572953,00.html
    Linkssein bedeutet mit dem Strom schwimmen.

    Wer wäre denn gegen soziale Gerechtigkeit und für hohe Managergehälter ?
    Wer wäre gegen höhere Löhne und niedrigere Preise ?
    Wer wäre denn für Neoliberale und Rechte ?

    Heuchelt mal schön weiter, bis der Zeitgeist wieder einmal umkippt.
  2. #2

    ...

    Und deshalb kann auch kein wirklicher Linker etwas dagegen haben, dass polnische Handwerker bei uns Fliesen verlegen und Slowaken den VW-Touareg zusammenschrauben. Linkssein verträgt sich nicht mit Protektionismus
    Oh doch - ein Linker (wie ich) hat zwar sicher nichts gegen Berufs- und Ortswahlfreiheit, sehr wohl aber hat ein Linker etwas dagegen, wenn Slowaken und Polen nur deshalb hier bei uns arbeiten, weil sie billiger sind. Das schadet letztendlich allen, und wenn Protektionismus der einzige Weg dagegen ist in einer globalisierten Welt ... glaube ich aber nicht, nur fehlt der politische Wille auf höheren Ebenen, Lohn- und Steuerdumping innerhalb der EU entgegenzutreten.

    Thomas E. Schmidt hat ja in der "Zeit" sehr zutreffend angemerkt, dass die Linkspartei das erste sozialistische Projekt ist, das ohne Fortschrittsglauben auskommt.
    Dem kann ich nicht zustimmen. Den meisten in der Linkspartei, die ich kenne, geht es um eine fortschrittlichere Zukunft.

    Liebe Linke, es kommt noch schlimmer: Ich halte nicht nur die parlamentarische Demokratie, sondern auch die Marktwirtschaft für außerordentlich begrüßenswert. Der ökonomische Wettbewerb um das beste Angebot zum niedrigsten Preis in freien Märkten,...blabla
    Lieber Autor, wenn Sie nicht wussten, dass die Linke in dem Punkt schon sehr viel weiter ist als Sie (und zum Beispiel das Existieren freier Märkte bereits als Legende erkannt hat), sollten Sie am besten gleich mal intensiver im linken Lager recherchieren.

    Was Sie sich als links wünschen, ist links zu denken und zu fühlen, aber bloß niemals politische Forderungen zu stellen, die tatsächlich die sozialen Probleme lösen könnten. Allein die Frage "Wie geht die Gesellschaft mit denjenigen um, die im ökonomischen Wettbewerb unterliegen?" offenbart das, denn sie ist längst anachronistisch. Es gibt kein Hier&Jenseits aus "Gesellschaft" und "Schwachen", denn die Gesellschaft ist die, die geschwächt ist. Im ökonomischen Wettbewerb unterliegt bald nahezu jeder, weil es die Arbeit schlicht nicht mehr braucht.

    Hierfür müssen Lösungen gefunden werden, nicht für "Verlierer".
  3. #3

    Das soll "links" sein?

    „Hochgebildete, hochproduktive, internetaffine Menschen, die wahrscheinlich morgen als Unternehmensberater bei McKinsey anfangen könnten – die sich aber allesamt lieber als Freiberufler in ungesichertenmateriellen Verhältnissen durchschlagen.“

    Das also ist der neue Linke? Vielleicht täte ein bisschen Theoriearbeit nicht schaden, dann wäre auch den Autoren klar, dass sie einfach nur neoliberal wären, Habitus inklusive. „Linke“ Gerechtigkeit ist nicht, sein eigenes Humankapital zu maximieren, und dann die gerechte Chance zu erhalten, ein angemessenes Einkommen zu erzielen. „Linke“ Gerechtigkeit ist erst einmal mindestens, die gerechte Chance zu haben, sein eigenes Humankapital zu maximieren.
    Gegen Nazis sein und unangepasst hipp rumlaufen reicht wohl kaum.
  4. #4

    Lafontaine mit Latte macchiato, bitte!

    Ich dachte immer das „Links“ heißt, dass der Mensch dem Menschen wert ist (um es mal mit den Worten der Renft Combo zu sagen)...
  5. #5

    Links ist schlimm

    Wieso sollte Links-sein in sein? Kann mir keiner erzählen, daß das unerfolgreichste politische Modell aller Zeiten irgendwie "cool" sein soll. Freihiet sollte in sein. Und Demokratie. Und der eigene Einsatz. Fremdbestimmheit ist schrecklich und menschenverachtend.
  6. #6

    ...

    Zitat von C-W-W Beitrag anzeigen
    Wieso sollte Links-sein in sein? Kann mir keiner erzählen, daß das unerfolgreichste politische Modell aller Zeiten irgendwie "cool" sein soll. Freihiet sollte in sein. Und Demokratie. Und der eigene Einsatz. Fremdbestimmheit ist schrecklich und menschenverachtend.
    Da hat jemand ganz offensichtlich nicht eine Zeile des Artikels gelesen, meint aber trotzdem bashen zu müssen, nur weil das Wort "links" im Titel vorkam.

    Gratulation zu dieser intellektuellen Meisterleistung.
  7. #7

    Aber echt :-)

    Zitat von Strichnid Beitrag anzeigen
    Gratulation zu dieser intellektuellen Meisterleistung.
    Jahaa :D Aber da kann sich Herr Rickens gleich mit angesprochen fühlen. Wenn der Wirtschaftsjournalist über einen Linken schreibt... Dieses Buch hat keiner vermisst und so kam es, dass es niemanden interessierte, ausser die PR-Abteilung.
  8. #8

    Zeit wäre es.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Linkssein ist wieder so hip wie ein Pali-Tuch um den Hals. Doch ist das Ausdruck echter Haltung oder bloßer Hype? Christian Rickens nähert sich in seinem neuen Buch "Links" einem Lebensgefühl zwischen Pose, Protest und Piefigkeit. Lesen Sie exklusiv auf SPIEGEL ONLINE Auszüge.

    http://www.spiegel.de/kultur/literat...572953,00.html
    Wenn diese rein äußerlich recht gut beschriebene, neue, linke Intelligenzja tatsächlich Lösungsansätze für kommende Gesellschaftsmodelle skizzieren und kommunizieren kann, soll sie von mir rumrennen, wie sie will.
    Statussymbole, wie die im Text beschriebenen, sind da nicht selten hinderlich. Wer denkt schon frei mit Firmenwagen...
    Ob die nun nen Apple oder ne Birne nutzen, um den Weg in die Netzwelt zu schaffen, ist mir ebenso hoch wie breit - Das sind Werkzeuge.

    Dass es in diesem Lande allerdings eines gescheiten Gegenparts zu INSM, Bertelsmann und co bedarf, steht für mich außer Frage.
    Man darf (hoffentlich) gespannt sein.
  9. #9

    Plappernde Kaste

    Rickens behauptet
    1. die Existenz eines „neuen Lebensgefühls“,
    2. seine progressive Funktion,
    3. seine Verallgemeinerbarkeit,
    ohne die psychophysischen und politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen für eine solche „linke“ Lebensführung benannt zu haben. Wenn er die Auffassung vertritt, dass der Bürger "abends tatsächlich vor allem in Ruhe fernsehen will und dass er alles Recht dazu" habe, dann ist nicht zu ersehen, wie Rickens sich die Verallgemeinerung – sprich Sozialisierung / Erziehung - des von ihm wahrgenommenen Bohemetyps vorstellt; ein Selbstläufer ist dieser Typ keinesfalls, und auch kein Produkt jener invisible hand, deren Existenz der liberale Interessent beschwört.
    Rickens Bild von der „Marktwirtschaft“ ist herzerweichend kindisch, ist deren Wohl und Wehe doch längst schon dem Gemetzel des spekulativen Finanzkapitals – auch als Kasino- oder Raubtierkapitalismus bekannt- überantwortet worden; die Stagnation der Lohnquote seit 1990 ist nur ein Indikator ihres traurigen Endes!
    Rickens Annahme, dass ein "neues Lebensgefühl nach und nach in den Rest des Landes sickert" ist absolut unbegründet, und das von ihm wahrgenommene (durchweg sehr prekäre) "kreativ-digital-freiberuflichen Latte- und Lotterleben einer winzigen Minderheit" verallgemeinern zu wollen, das hat genau den totalitären Anstrich, gegen den er sich so emphatisch auflehnt. Die Gruppe, die er beschreibt, ist Boheme; sie gab es übrigens schon vor hundert und mehr Jahren und sie ist bis heute mitnichten irgendwo "eingesickert"!
    Fazit: Dieses Buch ist ein typisches Produkt der selbstgefälligen Plappernden Latte-macchiato-Kaste.

    www.wirklich-denken-koennen.de








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