Rickens behauptet
1. die Existenz eines „neuen Lebensgefühls“,
2. seine progressive Funktion,
3. seine Verallgemeinerbarkeit,
ohne die psychophysischen und politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen für eine solche „linke“ Lebensführung benannt zu haben. Wenn er die Auffassung vertritt, dass der Bürger "abends tatsächlich vor allem in Ruhe fernsehen will und dass er alles Recht dazu" habe, dann ist nicht zu ersehen, wie Rickens sich die Verallgemeinerung – sprich Sozialisierung / Erziehung - des von ihm wahrgenommenen Bohemetyps vorstellt; ein Selbstläufer ist dieser Typ keinesfalls, und auch kein Produkt jener invisible hand, deren Existenz der liberale Interessent beschwört.
Rickens Bild von der „Marktwirtschaft“ ist herzerweichend kindisch, ist deren Wohl und Wehe doch längst schon dem Gemetzel des spekulativen Finanzkapitals – auch als Kasino- oder Raubtierkapitalismus bekannt- überantwortet worden; die Stagnation der Lohnquote seit 1990 ist nur ein Indikator ihres traurigen Endes!
Rickens Annahme, dass ein "neues Lebensgefühl nach und nach in den Rest des Landes sickert" ist absolut unbegründet, und das von ihm wahrgenommene (durchweg sehr prekäre) "kreativ-digital-freiberuflichen Latte- und Lotterleben einer winzigen Minderheit" verallgemeinern zu wollen, das hat genau den totalitären Anstrich, gegen den er sich so emphatisch auflehnt. Die Gruppe, die er beschreibt, ist Boheme; sie gab es übrigens schon vor hundert und mehr Jahren und sie ist bis heute mitnichten irgendwo "eingesickert"!
Fazit: Dieses Buch ist ein typisches Produkt der selbstgefälligen Plappernden Latte-macchiato-Kaste.
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