Der Erfolg*der RTL-Show*"Bauer sucht Frau" ist fast unheimlich:*jede Staffel ein Quotenrenner! Dabei sind die Zutaten*der ländlichen Kuppelshow denkbar einfach - man muss nur wissen, wie man sie zubereitet. Zum Start der sechsten Staffel verrät SPIEGEL ONLINE exklusiv das Erfolgsrezept!
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,725027,00.html
Ich habe die erste Staffel noch mit einigem Interesse verfolgt, weil sie doch Einblicke in ein Berufleben ermöglichte, das sonst im deutschen Fernsehen nicht zu existieren scheint. Rosamunde-Pilcher-Filme spielen ja nie im Kuhstall. Von Staffel zu Staffel nahm der Fake aber zu, die Darsteller mussten nur noch die albernen Ideen der Macher umsetzen, oder glaubt jemand ernsthaft, dass ein Bauer auf die Idee käme, seiner Angebeteten ein Picknick auf einer Wiese als Überraschung anzubieten? Ich denke mal, für einen Bauern ist eine Wiese ein kuhfladenübersätes Stück Land, das man nur mit Gummistiefeln betreten sollte. Man musste in den letzten Staffeln ja auch den Begriff "Bauer" immer weiter ausdehnen bis zu Leuten, die im Garten ein paar Hühner halten. Der Übergang zu (Laien-)Schauspielern wie in den nachmittaglichen Gerichtsshows ist fließend, und RTL scheint sich zur Zeit wieder mehr RTL2-Niveau anzunähern. Das Format ist im übrigen international, die übelste Version läuft in den USA (wo sonst), gegen diesen hirnlosen Dreck ist die RTL-Machart noch als Bildungsversion zu bezeichnen. Trotzdem: nicht empfehlenswert.
Nein, denn diese Sendung ist das Paradebeispiel einer lupenreinen win-win-Situation.
Die Profiteure im Einzelnen:
1. RTL (ist ja klar, Mega-Einschaltquoten)
2. Die werbetreibende Wirtschaft (wegen der Mega- Einschaltquoten)
3. Die Ober- und Mittelschicht (meist Angehörige der werbetreibenden Wirtschaft)
4. Die Unterschicht (wird mit einem zielgruppenaffinen Fernsehprogramm versorgt, kann sich gleichzeitig über wichtige Produktinnovationen informieren)
5. Ich (kann mir auf die Schenkel hauen wg. lustiger SPON-Artikel)
6. SPON (hohe Einschaltquoten durch lustige Artikel, Refinanzierung durch die werbetreibende Wirtschaft)
Natürlich profitiert auch die Landbevölkerung durch sachgerecht und unterhaltsam präsentierte Informationen über ihre Lebensumstände, nebst der Tatsache, dass es sie überhaupt noch gibt.
Personengruppen, denen diese Sendung schadet, sind mir derzeit nicht bekannt.
...hat kein Mensch nachgefragt. Oder kennen Sie jemanden, der mal gesagt hat: "Wir bräuchten in D dringend eine Sendung wie Bauer sucht Frau!"?
Das Privatfernsehen selbst hat die Nachfrage geschaffen, und als das Volk dann "süchtig" nach diesem Schrott wurde, wurde der Müll fleißig produziert und geliefert. Im Prinzip wie ein Dealer, der die künftige Kundschaft anfixt. Und heute wundern sich die Politiker und Bildungsexperten, dass halb D verblödet ist. Das Problem sind nämlich nicht die paar Studierten, die sich solche Formate zur Belustigung anschauen, sondern die dumpfe Masse, die ausschließlich solchen Schrott konsumiert, rund um die Uhr.
also wenn i wüßt, daß es Fernsehen kommt oder wenigschtens ein SCHPIEGEL Reporter, dann würd' i -frei nach SPIEGEL Rezept - au auf meiner Wies' picknicken. Die Erika, die klügste Kuh in meim Stall, wird daneben gepflockt und liefert die Milch in den Kaffee. Schließlich ham in der Regel Abitur und nennen uns Landwirte!
Und bei uns gibt's den Mist, den ihr sonst nur aus'm Fernsehen kennt, sogar im Original. Auf einem Haufen. Da kann sogar der Geruchssinn einen bleibenden Eindruck mitnehmen.
Und falls weitere Eindrücke aus unserm Berufsleben gewünscht sind: hier im Schwarzwald gibt's auch "Ferien auf'm Bauernhof".
Bringt den bildungsnahen Bürger der Bildung nochwas näher.
Das Privatfernsehen hat mit diesen Formaten einen Versuchsballon gestartet und dieser wurde durch die Kundschaft angenommen. Der Vergleich mit dem 'anfixen' halte ich aus Respekt mit tatsächlichen Suchkranken für unpassend. Das diese Kundschaft überwiegend die 'dumpfe Masse' darstellt und das Privatfernsehen nicht unbedingt zu Segen der Gesellschaft geworden ist, sollte unbestreitbar sein. Trotzdem werden solche Formate nachgefragt. Würde keine Sau einschalten, verschwinden diese Sendungen von ganz allein wieder vom Bildschirm. Oder erwarten Sie hier staatlicherseits eine Zensur?
...das PrivatTV werden wir nicht mehr los. Gleichwohl sähe ich kein Problem, gewisse Sendeformate zu verbieten. Das hat nichts mit Zensur zu tun, das Zeigen von Hinrichtungen bspweise. ist meines Wissens auch verboten. (Und bei so etwas wären die Einschaltquoten vermutlich am höchsten). Auch andere Medien sollten das PrivatTV mehr aufs Korn nehmen und dessen oftmals unsägliches Tun brandmarken.